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ATP-Tour Günthardt: «Djokovic könnte noch länger fehlen»

Djokovic verletzt, Wawrinka verletzt, Murray verletzt, Nadal verletzt. Woran liegt's? SRF-Tennisexperte Heinz Günthardt über die Gründe.

Novak Djokovic
Legende: Wann kehrt er zurück? Novak Djokovic hat seit Wimbledon kein Match mehr bestritten. Getty Images

Heinz Günthardt, Novak Djokovic hat für das Auftaktturnier in Doha Forfait erklärt, der Ellbogen bereitet ihm immer noch Probleme. Hat Sie diese Meldung überrascht?

Heinz Günthardt: Nein, im Gegenteil. Gelenkschmerzen am Schlagarm sind schwierig auszuheilen. Man hat schnell das Gefühl, dass es ok ist und man wieder spielen kann. Oftmals dauert es aber sehr lange. Djokovic hat sich bestimmt gut überlegt, ob er ein Vorbereitungsturnier spielen möchte oder nicht. Dass er nun darauf verzichtet, ist ein Zeichen dafür, dass es seinem Ellbogen nicht gut geht.

Gehen Sie davon aus, dass er noch längere Zeit aussetzen muss?

Jeder, der einmal einen Tennisarm gehabt hat, weiss, wie hartnäckig dieser sein kann. Die Verletzung ist sehr heikel und braucht wie gesagt sehr viel Zeit. Ich kann mir deshalb gut vorstellen, dass Djokovic noch länger fehlen wird.

Um Top-Leistungen zu erbringen, muss man an seine Grenzen oder manchmal auch darüber hinaus gehen.

Die körperlichen Beschweden sind das eine. Wie schwierig ist es, diesen Rückschlag mental wegzustecken?

Das ist alles andere als einfach. Zu Saisonbeginn ist die Situation zudem noch etwas spezieller. Djokovic hätte bestimmt gerne ein Zeichen gesetzt. Gezeigt, dass er die wahre Nummer 1 ist. Er hat ein neues Team um sich aufgebaut und wäre eigentlich bereit, um anzugreifen. Doch das geht natürlich nur, wenn er 100 Prozent fit ist.

Andy Murray
Legende: Auch er kämpft mit Verletzungspech Andy Murray hat weiter Probleme mit der Hüfte. Keystone

Neben Djokovic kämpfen aktuell auch Murray, Nadal, Wawrinka oder Nishikori mit körperlichen Beschwerden. Worauf führen Sie diese Häufung zurück?

Um Top-Leistungen zu erbringen, muss man an seine Grenzen oder manchmal auch darüber hinaus gehen. Da ist es nur logisch, dass man es hin und wieder übertreibt. Und wenn sich dann beispielsweise eine Entzündung einschleicht, kann der Genesungsprozess wie erwähnt sehr langwierig sein. Dazu kommt, dass sich die Muskulatur nach der Pause wieder an die Bewegungsabläufe gewöhnen muss. Das wiederum kann zu einer Überbelastung und weiteren Verletzungen führen. Es ist ein Teufelskreis.

Federers effiziente Spielweise zieht kaum Verschleisserscheinungen nach sich.

Gönnen sich die Spieler grundsätzlich zu wenig Pause?

Das ist gut möglich. Und oftmals stehen sie ja auch dann noch im Einsatz, wenn sie eigentlich Pause hätten. Die Athleten müssen ständig von neuem abwägen, was Sinn macht: ‹Soll ich eine Pause einlegen? Soll ich trotz Schmerzen weiter spielen?›. Es ist nicht einfach.

Roger Federer blieb abgesehen von seiner Knieverletzung, die er sich unglücklich zugezogen hatte, von gröberen Rückschlägen verschont. Hat das auch ein bisschen mit Glück zu tun?

Glück gehört dazu, gute Gene auch. Diese hat er auf jeden Fall. Dazu kommt seine effiziente Spielweise, die kaum Verschleisserscheinungen nach sich zieht. Er versucht, die Punkte kurz zu halten. Das kommt ihm langfristig entgegen. Das sieht bei seiner Konkurrenz etwas anders aus.

Legende: Video Günthardt über die Verletzungsmisere auf der ATP-Tour abspielen. Laufzeit 00:38 Minuten.
Aus Sport-Clip vom 30.12.2017.

Sendebezug: Radio SRF 1, Mittagsbulletin, 30.12.17, 12:30 Uhr

2 Kommentare

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  • Kommentar von Beni Berner (Beni)
    RF ist vorallem haushälterisch mit seinen ressourcen umgegangen und hat seiner gesundheit zuliebe langfristig einen gute mischung zwischen spitzensport und regeneration gefunden. dies hatte ihm zeitweise harsche kritik eingebracht. heute zeigt sich, wie recht er hatte :-)
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    1. Antwort von Josef Graf (Josef Graf)
      Der Mann ist zwar auch nur ein Mensch und kein mit ewiger Jugend gesegneter (Tennis-)Gott. Aber trotz seiner Militärdienstuntauglichkeit ist er doch irgendwie ein besonderes medizinisches Phänomen. Nicht umsonst verlieh ihm die medizinische Fakultät der Universität Basel den Titel eines Ehrendoktors.
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