Ivo Karlovic - Der Stehauf-Hüne

Mit seinem Sieg gegen die Turniernummer 2 Tomas Berdych hat Ivo Karlovic bei den Swiss Indoors aufhorchen lassen. Vor nicht allzu langer Zeit lag der Kroate noch schwer krank im Spital.

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Bildlegende: Geniesst jeden Moment Tennis ist für Ivo Karlovic keine Selbstverständlichkeit mehr. Keystone

Im Scheinwerferlicht der Basler St. Jakobshalle wirft keiner einen längeren Schatten. Doch besonders oft sind die Lichtkegel auf der ATP-Tour nicht auf den 2,08-m-Hünen gerichtet. Die Weltnummer 83 deshalb als graue Maus zu bezeichnen, wäre aber nicht nur wegen dem Tiervergleich falsch.

Karlovic schlägt Berdych

0:16 min, vom 23.10.2013

Am Dienstag hat Karlovic mit dem Sieg gegen Tomas Berdych (ATP 6) überrascht. Der Aufschlag-Weltrekordhalter (251 km/h) aus Zagreb ist nicht nur 77 Plätze schlechter klassiert im Ranking, der 34-Jährige ist auch sechseinhalb Jahre älter als Berdych und befindet sich im Herbst seiner Karriere.

«Ich lallte nur noch»

Eine Karriere, die im Frühling dieses Jahres ihr abruptes Ende hätte nehmen können. «Ich bin zuhause in Miami aufgewacht und hatte kein Gefühl mehr in meinem Arm», blickt Karlovic auf einen Morgen im April zurück. «Meine Frau fragte mich irgendwas, aber ich konnte nicht antworten. Ich lallte nur noch. Dann rief sie die Ambulanz.»

Karlovic fühlte sich bald besser und wurde nach wenigen Stunden aus dem Spital entlassen. Doch noch am selben Abend kehrten die Taubheit und Schmerzen in Arm und Gesicht zurück. «Ich schien immer mehr das Bewusstsein zu verlieren. Also ging ich wieder ins Spital. Danach kann ich mich an nichts mehr erinnern.»

Hirnhautentzündung diagnostiziert

Erst drei Tage später wurde bei Karlovic schliesslich eine virale Meningitis (Hirnhautentzünding) diagnostiziert. «Ich war lange ohnmächtig. Ich kannte meinen Namen nicht und wusste nicht, welches Jahr es ist. Die Ärzte konnten mir nicht sagen, ob ich wieder hundertprozentig genesen würde», so der Tennis-Profi.

Turniersieg nach Comeback

Was nach seiner Entlassung aus dem Spital folgte waren 3 Monate hartes Training begleitet von Unsicherheit: «Ich wusste nicht, ob ich je auf die Tour zurückkehren werde.» Er tat es schliesslich im Juli beim ATP-250-Turnier in Newport. In Bogota feierte er kurz darauf sogar seinen insgesamt 5. Turniersieg. Und in Basel besiegte er nun mit Berdych erstmals seit zweieinhalb Jahren wieder einen Top-10-Spieler.

«Jeder Tag, an dem ich ein Tennis-Match bestreiten kann, ist ein Bonus für mich», sagt Karlovic. «Ich geniesse jetzt jeden Moment.»