Alexander Zverev: Unaufhaltsam auf dem Weg nach oben

Mit Alexander Zverev verfügt Deutschland wieder über einen Top-10-Spieler. Eine Expertin erklärt, was den Youngster so stark macht.

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Bildlegende: Auf dem Weg nach (ganz?) oben Alexander Zverev. Getty Images

Vor genau einer Woche sorgte Alexander Zverev (ATP 10) in Rom für ein kleineres Tennis-Erdbeben. Der Finalsieg gegen Novak Djokovic hatte fast schon historische Ausmasse:

  • Der 20-Jährige ist der jüngste Spieler seit Djokovic 2007, der ein Turnier dieser Grössenordnung für sich entscheiden konnte
  • Dank diesem Sieg rückte Zverev als erst 5. deutscher ATP-Spieler in die Top 10 vor
  • Im Race to London kletterte Zverev auf Rang 4 – und ist damit vor Djokovic, Wawrinka und Murray klassiert
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Entscheidende Punkte bei Djokovic - Zverev

1:26 min, vom 21.5.2017

Von Zverevs Leistungen beeindruckt zeigt sich auch Doris Henkel. Die deutsche Journalistin verfolgt das Tennisgeschehen seit mittlerweile 30 Jahren aus nächster Nähe und weiss, wovon sie spricht. «Ich war extrem beeindruckt, wie er gegen Djokovic auftrat. Man erhielt fast den Eindruck, Djokovic sei derjenige, der erstmals ein solches Endspiel bestreitet.»

Zverev bringt das Gesamtpaket mit

Überrascht von Zverevs Erfolgen ist Henkel aber nicht. Seit Jahren geht das Supertalent seinen Weg mit einer Selbstverständlichkeit, die ihresgleichen sucht. «Er hat vor niemandem Angst. Und vom Spielerischen brauchen wir gar nicht zu reden, er bringt alles mit: die Grösse, die Power, die Schnelligkeit.» Und nicht zuletzt die Disziplin, die vielen Athleten in diesem Alter abgeht.

«  Da sassen Omas vor dem Fernseher, die hatten keine Ahnung von Tennis. »

Doris Henkel
über die Becker-Ära

Diese Qualitäten gepaart mit den jüngsten Erfolgen machen den Hamburger gar zu einem Titelkandidaten in Paris. Es scheint, als könnte Zverev den von Anqelique Kerber aus dem Dornröschenschlaf geküssten Tennissport in Deutschland zu weiteren Höhenflügen verhelfen.

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Zur Person

Doris Henkel begleitet die Tennistour seit über 30 Jahren. Sie schreibt unter anderem für die FAZ, den Münchner Merkur, die Berliner Zeitung und in der Schweiz für die NZZ. Roland Garros ist ihr 103. Grand-Slam-Turnier.

Kein Becker-Hype zu erwarten

Einen ähnlichen Boom wie zu Boris Beckers besten Zeiten sei aber nicht zu erwarten, sagt Henkel: «Den Knall, den Becker damals ausgelöst hat, kann sich heute keiner mehr vorstellen. Die ganze Nation war wie von Sinnen. Da sassen Omas vor dem Fernseher, die hatten keine Ahnung von Tennis.» Die schnelllebige Medienlandschaft gehe heute anders mit solchen Ereignissen um, Dinge, die zwei Monate lang zu den wichtigsten der Welt erklärt würden, würden schneller wieder vergessen.

«  Es wäre super, wenn er sich bei Roger einige Tipps holen könnte. »

Doris Henkel
über Alexander Zverev

Boris Beckers erster Triumph in Wimbledon 1985. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Unvergessen Boris Beckers erster Triumph in Wimbledon 1985. Reuters

Mit Becker, Steffi Graf und auch Michael Stich umzugehen sei für die deutschen Medien damals nicht immer leicht gewesen, und in dieser Hinsicht gebe es auch bei Zverev Luft nach oben. «Er kann schon mal ein bisschen patzig und unwirsch sein» erzählt Henkel, «aber es wird langsam besser.»

In dieser Beziehung könne er von seinem Vorbild Roger Federer einiges lernen. «Es wäre super, wenn er sich bei Roger einige Tipps holen könnte.»

Gelingt der grosse Coup bereits in Paris?

Dies sei aber auch der einzige Kritikpunkt, ansonsten bringe Zverev das Gesamtpaket mit. «Ich bin überzeugt, dass er in Zukunft Grosses erreichen kann», wagt Henkel einen Blick in die Kristallkugel. Nicht ausgeschlossen, dass Paris bereits die Zukunft ist.

Was denken Sie, was liegt für Zverev drin in Paris?

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Sendebezug: SRF 1, sportaktuell, 27.05.2017, 22:30 Uhr