Chan: Vom grossen Fan zur Doppelpartnerin

Martina Hingis' Doppelpartnerin Yung-Jan Chan war bis vor kurzem selbst ein Fan. Eine Zusammenarbeit hätte sie sich nie erträumen lassen, wie sie im Gespräch verrät.

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Bildlegende: Haben sichtlich Spass Martina Hingis und Yung-Jan Chan. Getty Images

Yung-Jan Chan war 9 Jahre alt, als sie die French-Open-Partie zwischen Martina Hingis und Steffi Graf zuhause in Taiwan vor dem Fernseher verfolgte. «Ich habe damals zu meinem Vater gesagt: Ich möchte einmal so werden wie Martina und gegen sie spielen.» Woraufhin ihr Vater erwiderte: «Dann musst du dich beeilen, schliesslich bist du 9 Jahre jünger.»

«  Die Häuser in unserer Strasse waren total beschädigt, 22 Leute kamen ums Leben, darunter auch Schulkameraden. »

Yung-Jan Chan

18 Jahre später spielt Chan nicht nur gegen, sondern mit Martina Hingis. Seit Februar spannt das Duo zusammen, hat bereits 3 Titel gewonnen und steht im Jahresranking unangefochten an der Spitze. «Für mich ist ein Traum wahr geworden», schüttelt die 27-Jährige auch jetzt noch ungläubig den Kopf.

Hingis und Chan, hier nach ihrem Triumph in Madrid. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Erfolgreiches Duo Hingis und Chan, hier nach ihrem Triumph in Madrid. Getty Images

Dank Unterstützung der Eltern zum Profi

Chans Weg auf die grosse Tennisbühne war ein beschwerlicher. Als sie 10 Jahre alt war, ereignete sich in Zentral-Taiwan ein schweres Erdbeben. «Die Häuser in unserer Strasse waren total beschädigt, 22 Leute kamen ums Leben, darunter auch Schulkameraden», erzählt Chan.

Die Eltern sahen keine Möglichkeit, in ihrer Heimat die Tenniskarriere von Yung-Jan und ihrer jüngeren Schwester voranzutreiben. «Es hätte Jahre gedauert, bis alles wieder aufgebaut gewesen wäre. Deshalb sind wir nach Taipeh gezogen», blickt Chan zurück. Die Eltern gaben ihr 3 Jahre Zeit, ihre Tenniskarriere in die richtigen Bahnen zu lenken. «Es war für alle eine schwierige Zeit, die ganze Familie musste grosse Opfer bringen.»

Eine Opern-Torte als Belohnung?

Die Geduld hat sich gelohnt. Spätestens, als Anfang Jahr Hingis' Anfrage kam. Dafür beendete Chan auch die Doppel-Partnerschaft mit ihrer Schwester. Eifersucht ist aber keine im Spiel, wie die Frohnatur lachend erklärt: «Martina war nie ihr Vorbild. Es wäre wohl anders, wenn ich mit Scharapowa spielen würde.»

«  Wir interessieren uns für Mode, lieben es, gut zu essen und quatschen sehr viel. »

Yung-Jan Chan
über gemeinsame Interessen

Chan und Hingis verbindet viel mehr als nur das Tennis. «Wir interessieren uns für Mode, lieben es, gut zu essen und quatschen sehr viel», erklärt Chan. Auch in Paris darf das Kulinarische nicht zu kurz kommen. «Wir lieben Opern-Torten, hier in Paris hatten wir aber noch keine.» Spätestens im Falle des ersten gemeinsamen Grand-Slam-Titels dürfte sich dies ändern.

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 31.5.17, 13 Uhr