Der Unersättliche

Roger Federer war Andy Murray im Melbourne-Halbfinal in allen Belangen unterlegen. Dennoch gibt es Gründe, wieso der Schweizer weiterhin Tennisgeschichte schreiben kann. Jetzt einfach aufzustecken, würde auch nicht dem Naturell Federers entsprechen.

Roger Federer dürstet auch nach 17 Grand-Slam-Titeln weiter nach Erfolg. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Noch nicht genug Roger Federer dürstet nach dem Out in Melbourne weiter nach Erfolg. Keystone

Es ist völlig okay, wenn Roger Federer findet, Andy Murray sei «ein bisschen besser» gewesen. Diese Sichtweise hilft ihm, die Niederlage vom Freitag besser verarbeiten zu können.

Und das wird wichtig sein im Hinblick auf den Rest der noch jungen Saison. Schliesslich will der Schweizer noch einiges erreichen – gemäss eigener Aussage will er bei jedem Turnier, das er bestreitet, in der Lage sein, um den Titel mitspielen zu können. Wer Federer kennt, weiss, dass dies nicht einfach so dahingesagt ist.

Zeit arbeitet gegen Federer

Der Schweizer ist nach wie vor hungrig, um nicht zu sagen unersättlich (was übrigens einen wesentlichen Teil seines Erfolgs ausmacht). Er freue sich bereits darauf, in den nächsten Wochen an seinem Spiel und an seiner Fitness zu arbeiten, meinte er nach seiner Niederlage gegen Murray.

Stefan Bürer kommentiert zusammen mit Heinz Günthardt für SRF die Australian Open. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Melbourne-Mann Stefan Bürer kommentiert zusammen mit Heinz Günthardt für SRF die Australian Open. SRF

Und es ist ihm bewusst, dass dies nötig sein wird, um mit den 6 Jahre jüngeren Djokovic und Murray mithalten zu können. Natürlich ist dem schlauen Federer auch bewusst, dass die Zeit gegen ihn arbeitet. Aber solange er selber daran glaubt, dass er die «big shots» bei den wichtigen Turnieren schlagen kann, wird er weiterspielen.

Murray in allen Belangen überlegen

Manchmal hilft es dabei, sich die Realität etwas zurecht zu biegen. Denn, ganz ehrlich: Murray war im Melbourne-Halbfinal nicht nur «ein bisschen» besser. Der Schotte war ihm in allen wichtigen Belangen überlegen: Service, Return und Grundlinienspiel. Er schlug deutlich mehr Winner und machte dabei erst noch viel weniger Fehler. Federer hätte sich nicht beklagen können, wenn er das Match in 3 Sätzen verloren hätte.

Dass er Murray überhaupt in einen 5. Satz zwingen konnte, war in diesem Match seine grösste Leistung. Sie zeugt von seinem unbändigen Willen, auch an einem Tag, an dem er nicht sein allerbestes Tennis abrufen kann, dem Gegner trotzdem alles abzuverlangen.

Aussicht, weiter Tennisgeschichte zu schreiben

Genau aus diesem Fakt schöpft er seine Zuversicht. Zwar ist ihm klar, dass es nicht einfacher werden wird. Aber einerseits weiss er, dass er besser spielen kann, als er dies im Halbfinal gezeigt hat. Andererseits ist ihm bewusst, wie schnell sich Konstellationen ändern können. Und er will bereit sein, wenn sie für ihn günstig sein sollten. So wie zuletzt in Wimbledon vor 6 Monaten.

Das ist es, was ihn antreibt: die Aussicht, auch in Zukunft die Tennisgeschichte mitschreiben zu können. Und das macht ihn nach wie vor gefährlich. Auch für Djokovic und Murray.

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Australian Open: Federer zu seinem Halbfinal-Out

2:16 min, aus sportaktuell vom 25.1.2013