Die unglaubliche Geschichte der Mirjana Lucic-Baroni

Der Halbfinal-Einzug der Kroatin Mirjana Lucic-Baroni an den Australian Open ist eine Sensation. Die Hintergründe.

Video «Lucic-Baroni: «Niemand hat geglaubt, dass ich das schaffe»» abspielen

Lucic-Baroni: «Niemand hat geglaubt, dass ich das schaffe»

1:08 min, vom 25.1.2017

Erstmals seit 18 Jahren steht Mirjana Lucic-Baroni wieder in einem Halbfinal eines Grand-Slam-Turniers. «Ich kann das nicht glauben, das ist verrückt, ich stehe unter Schock. Gott ist gut», sagte die 34-Jährige und meinte: «Das macht alles Schlechte, was mir im Leben zugestossen ist, wieder gut.»

Die Geschichte von Marjana Lucic-Baroni geht unter die Haut. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wie im Märchen Die Geschichte von Mirjana Lucic-Baroni geht unter die Haut. Reuters

Lucic-Baroni war als Kind und Jugendliche von ihrem gewalttätigen Vater Marinko misshandelt worden. Wegen gesundheitlicher, finanzieller und psychischer Probleme, die mit ihrem Vater zusammenhingen, hatte sie zwischen 2004 und 2009 an keinen Grand Slams teilgenommen.

Der Run von Lucic-Baroni in Melbourne 2017 sorgt daher für einige kuriose und beeindruckende Fakten:

  • Lucic-Baroni hatte bei ihrer ersten Australian-Open-Teilnahme vor 19 Jahren einen Match gewonnen. Danach musste sie exakt 6939 Tage auf den nächsten Sieg in Melbourne warten. In der Zwischenzeit hatte Australien 5 verschiedene Premierminister.
  • In Quebec hatte die Kroatin 2014 erstmals nach 16 Jahren wieder ein WTA-Event gewonnen. Eine solch grosse Zeitspanne zwischen 2 Einzel-Titeln hatte es auf der WTA-Tour bislang noch nie gegeben.
  • Im Halbfinal trifft Lucic-Baroni auf Serena Williams. Dieses Duell gab es auf WTA-Stufe bereits zweimal. Vor 19 Jahren. Beide Spielerinnen waren damals im Teenager-Alter. Wie übrigens auch Martina Hingis, mit der Lucic-Baroni 1998 das Doppel in Melbourne gewann.

«Ich habe nicht mal zu träumen gewagt, dass ich noch einmal so zurückkomme», sagte Lucic-Baroni nach ihrem Sieg im Viertelfinal. «Ich weiss, dass ein Grand-Slam-Halbfinal jeder Spielerin auf der Tour viel bedeutet. Für mich aber ist das einfach überwältigend. Ich werde diesen Tag und die letzten paar Wochen nie, niemals vergessen.»

Unabhängig vom Ausgang des Halbfinals gegen Willians ist klar: Die beste Geschichte des Frauen-Turniers hat die Kroatin jetzt schon geschrieben.

Sendebezug: Radio SRF 3, Morgenbulletin, 24.01.2017, 07:00 Uhr