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Grand-Slam-Turniere Günthardt: «Ein Champion wie Federer ist damit nicht zufrieden»

Roger Federer ist es einmal mehr nicht gelungen, seinen grossen Rivalen Rafael Nadal bei einem Grand-Slam-Turnier zu schlagen. SRF-Tennisexperte Heinz Günthardt erklärt, weshalb der Schweizer chancenlos blieb und stuft die Leistung Nadals ein.

Roger Federer unterlag Rafael Nadal klar in drei Sätzen. .
Legende: Chancenlos Roger Federer unterlag Rafael Nadal klar in drei Sätzen. Keystone

Heinz Günthardt, man hatte das Gefühl, dass Roger Federers Selbstvertrauen gegen Rafael Nadal wie weggeblasen war. Täuscht dieser Eindruck?

Nein, er täuscht nicht. Roger hat von Beginn weg versucht, mit Netzangriffen zum Erfolg zu kommen. Als dies nicht wie gewünscht funktionierte, wurde er zu zögerlich und verlor das Vertrauen in seine Schläge. Er ist nie in seine Komfortzone gekommen und hat keinen Rhythmus gefunden.

Federer schien einen «Gameplan» zu haben, konnte ihn aber nicht konsequent umsetzen. Hat ihn das verunsichert?

Ja, ganz bestimmt. Roger versuchte, offensiv zu spielen, hat aber bei den Angriffsbällen und am Netz zu viele Fehler gemacht. Dort hat ihm offensichtlich etwas die Routine gefehlt. Es ist ihm deshalb nicht gelungen, Nadal konsequent unter Druck zu setzen.

 Heinz Günthardt kommentiert für SRF seit Jahren die Tennis-Übertragungen.
Legende: SRF-Experte Heinz Günthardt kommentiert für SRF seit Jahren die Tennis-Übertragungen. SRF

Während Nadal mit Fortdauer der Partie immer stärker wurde, schien Federer abzubauen. Woran lag es, dass er nicht an die Leistungen gegen Tsonga und Murray anknüpfen konnte?

Dass er nicht richtig ins Spiel kam, war in erster Linie ein Verdienst Nadals. Er antizipierte hervorragend und spielte die Passierbälle ausgezeichnet. Dennoch: Hätte Federer den ersten Satz gewonnen - er hatte beim Stand von 6:5 bei Aufschlag Nadal ein 30:0 – dann hätte sich die Partie vielleicht in eine andere Richtung entwickelt.

Hat es Sie überrascht, dass Nadal in der Folge derart aufdrehen konnte?

Heute hat er mich definitiv überrascht, nicht zuletzt wegen seiner Handverletzung. Im Viertelfinal gegen Dimitrov hat man klar gesehen, dass ihn die Blase behindert. Ich weiss aus eigener Erfahrung: Mit einem Tape an der Schlaghand ist das Gespür für den Schlägerkopf nicht das gleiche. Deshalb habe ich nicht erwartet, dass er auf einmal derart zulegen würde. Dass er sensationell Tennisspielen kann, wussten wir natürlich schon vorher.

Habe nicht erwartet, dass Nadal derart zulegen würde

Bis zum Halbfinal konnte Federer auf ganzer Linie überzeugen, gegen Nadal blieb er - einmal mehr - chancenlos. Wie wird sein Fazit ausfallen?

Er wird mit seinen Leistungen bis in den Halbfinal glücklich sein. Aber ein grosser Champion wie Federer gibt sich nie mit einer Niederlage zufrieden, schon gar nicht in drei Sätzen. Er wird dieses Spiel mit seinem Team besprechen und die nötigen Schlüsse ziehen, damit er Nadal in Zukunft in einem grossen Match wieder einmal schlagen kann.

Stanislas Wawrinka meinte nach seinem Halbfinal-Erfolg gegen Tomas Berdych, dass er das Spiel zwischen Federer und Nadal im Hotelzimmer mit einer Tüte Popcorn verfolgen werde. Wie gut hat ihm das Popcorn angesichts der Leistung Nadals geschmeckt?

Ich denke ausgezeichnet, auch wenn er natürlich Roger die Daumen gedrückt hat. Aber Stan steht im Final, hat zwei Tage Pause und kann sich optimal auf das Spiel gegen Nadal vorbereiten. Das Popcorn wird er bestimmt genossen haben, denn er hatte sein Soll ja bereits erfüllt.

Legende: Video Highlights Federer - Nadal («sportlive», 24.01.2014) abspielen. Laufzeit 06:13 Minuten.
Aus Sport-Clip vom 24.01.2014.

17 Kommentare

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  • Kommentar von jean passant, thun
    Federer hat ein ordentliches Turnier abgeliefert, aber hatte Gegner, die nach ihren Pausen noch nicht wieder voll da sind, gilt sowohl für Tsonga wie auch Murray. Die HF Qualifikation täuscht daher etwas. Ich denke, dass RF realisiert, dass sein Tennis ein gutes Niveau hat, aber das Besondere fehlt. Der totale Kampf, die extreme Athletik der unbündige Power der Besten hat er nicht mehr und so gibt er jeweils gegen Nadal schon bald auf, da sein Tennis wirkungslos ist. GS Titel so, nein.
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    1. Antwort von JoJo, SO
      schwierig zu sagen. es kam mir nicht so vor als hätte tsonga oder murray irgendwie "schlecht" gespielt oder nicht in vollbesitz ihrer kräfte. aber das ist von aussen schwer zu beurteilen. meines erachtens hat das turnier gezeigt, dass RF wieder mithalten kann. eigentlich kann er jeden schlagen auch djoker. was immer schon so war und leider wohl auch so bleiben wird ist das nadal einfach ein "riesenproblem" darstellt. der liebt es einfach gegen RF und zieht sich daran hoch in wahnsinnssphären.
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    2. Antwort von Maxi602, Basel
      Roger Federer hatte in seiner ganzen Karriere nie den totalen Kampf und die extreme Athletik gehabt, das war sein Markenzeichen, dass er das Spiel mit feinerer Klinge und Technik dominiert hat. Kampf, fast Krieg und extreme Atlethik kamen erst mit Nadal und Djokovic. Erfolgreich ist das allemal, schön eher nicht, aber das ist Geschmacksache....
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  • Kommentar von Tennis_Fan, Zermatt
    Federer hatte seine Chancen, den ersten Satz zu gewinnen und wenn er das geschafft hätte, wäre Nadal gewaltig unter Druck geraten. Auf diesem Toplevel wird das Spiel im Kopf entschieden und Federer ist im Vergleich zum letzten Jahr nur noch eine mentale Nuance hinter Nadal und Djokovic. Gegen Tsonga und stellenweise gegen Murray zeigte er Tennis wie fast zu seinen besten Zeiten, ich bin gespannt! @Peter: Sie haben wohl den ersten Satz verschlafen und @Danscour: Danke, meine Worte! ;-)
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  • Kommentar von Hans Imhof, Bern
    Federer hatte heute und auch in Zukunft NULL Chancen gegen Nadal!
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