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Emotionen pur: Nadals Dominanz in Paris
Aus Sport-Clip vom 19.05.2015.
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Grand-Slam-Turniere Rafael Nadal: In Paris mehr geduldet denn geliebt

Er ist ein Vorzeige-Athlet, hat die French Open geschichtsträchtige 9 Mal gewonnen und erst eine einzige Partie verloren – eigentlich müsste Rafael Nadal der unumstrittene Publikumsliebling in Paris sein. Dem ist aber nicht so. Ein Erklärungsversuch.

Rückblende: 11. Juni 2012. Rafael Nadal hat mit einem Finalsieg gegen Novak Djokovic soeben seinen 7. Titel in Paris gewonnen. Er schnappt sich bei der Siegerehrung das Mikrofon und wendet sich an die Zuschauer. «Bonjour tout le monde (...). Per me c'est un privilège jouer against le meilleur joueur du monde». Er lächelt schüchtern und wirkt peinlich berührt, weil ihm die französischen Worte nicht so locker wie gewünscht über die Lippen kommen. Den Zuschauern ist es egal, sie johlen dem Sieger zu, schätzen seine Geste.

Coach Toni Nadal mit strengem Blick.
Legende: Hat keine Freude an den französischen Fans Coach Toni Nadal. EQ Images

Der Ärger von Coach Toni Nadal

Diese uneingeschränkte Zuneigung des eigenwilligen Pariser Publikums erfuhr der Rekord-Champion in den letzten 10 Jahren nur selten. Als Nadal 2009 im Achtelfinal von Robin Söderling regelrecht vorgeführt wurde, schlugen sich die Zuschauer auf die Seite des Aussenseiters. Auch als der Spanier kurz vor dem Out stand, wartete er vergeblich auf einen Impuls von den Rängen. Sein Onkel und Trainer Toni Nadal liess sich daraufhin zu folgender Aussage hinreissen: «Es gibt nur eine Sorte Zuschauer, die noch schlimmer ist als die Franzosen: Die Pariser.» Es sei ein «dummes» Publikum, wetterte der Coach.

Viele Fans würden gerne einen neuen Sieger sehen
Autor: Carole BouchardTennis-Journalistin

Woher stammt diese gelegentliche Ablehnung? «Es hat damit zu tun, dass Franzosen oft den Aussenseiter unterstützen», erklärt Carole Bouchard, eine französische Tennis-Journalistin. «Sie gehen ohnehin davon aus, dass Nadal am Ende gewinnen wird. Viele von ihnen würden gerne einen neuen Sieger sehen.»

Federer bei den Fans die klare Nummer 1

Wobei «neu» hier vielleicht nicht ganz korrekt ist. Nur die wenigsten Franzosen hätten etwas dagegen einzuwenden, wenn Roger Federer nach 2009 ein 2. Mal triumphieren würde. «Roger spricht französisch, kommt geographisch gesehen aus der Nähe. Die Franzosen haben ihn gewissermassen adoptiert», erklärt Bouchard. Für Frankreichs Tennis-Fans wäre ein weiterer Triumph des Schweizers fast so viel wert wie der erste Sieg eines Einheimischen seit Yannick Noah vor 32 Jahren.

Roger Federer schlägt einen Tweener.
Legende: Sein Spielwitz kommt in Paris an Roger Federer. Keystone

Im Gegensatz zu Nadal verkörpert Federer das, was der Franzose gerne als «Flamboyance» bezeichnet. Stil und Eleganz triumphieren über Athletik und schiere Kampfkraft. «Franzosen haben ein Schubladen-Denken», sagt Bouchard, «für sie ist Rafa der kraftvolle Matador, Roger das stilvolle, königliche Genie». Dass das Genie in diesem Duell die Oberhand behalten soll, steht ausser Frage.

Respektloser Umgang mit dem Rekordsieger

Was mangelnder Respekt bedeutet, erfuhr Nadal auch im letzten Jahr. Als achtfacher Champion, Titelverteidiger und Weltnummer 1 musste er sein Auftaktmatch auf dem zweitgrössten Court bestreiten – Djokovic und Stan Wawrinka wurden ihm vorgezogen. «Bei anderen Grand-Slam-Turnieren unvorstellbar, sie wissen ihre Champions zu würdigen. Das hätte niemals passieren dürfen», stellt Bouchard klar.

So wird Nadal auch in diesem Jahr nicht nur gegen seine Widersacher, sondern auch um die Gunst des Publikums kämpfen. Dass er für einmal nicht als haushoher Favorit an den Start gehen wird, könnte zu seinem Vorteil werden.

Sendebezug: Radio SRF 3, Abendbulletin, 18:45 Uhr, 22.05.15

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Bänz Friedrich , Bern
    Lustig, Imhof als bekennender Nadal Fan ist hier nirgends vertreten. Aber wenn es um Federer geht, ist er omnipräsent. Wahrscheinlich sind sie der grösste Federer Fan! Können jedoch nicht akzeptieren ,dass Fedi keine GS gewonnen hat seit 2012. Wir findens auch schade, aber machen ihn deswegen nicht schlecht, denn wenn andere 17 GS haben, ist erst eine Diskussion möglich!
    1. Antwort von Hans Imhof , Bern
      Federer wird NIE der BESTE aller Zeiten sein! Entweder NADAL oder am Ende sogar Djokovic!
    2. Antwort von Peter widmer , arosa
      @imhof: sie sollten den nadal-zug verlassen und fortan verbissen für djokovic schwärmen. Bei djokovic besteht wenigstens noch die Möglichkeit, dass sich ihre prognosen erfüllen, für nadal ist der grandslam-sieg-rekord nicht megr möglich. Er ist zu alt und sein spielstil zu bekannt, gabz abgesehen von der veretzungsanfälligkeit.
  • Kommentar von Küng Jan , St.Gallen
    Ich als Federer fan muss zu geben nich Roger Federer ist der Favorit sonder Novak Djokovic aber wer weiss es kann in einem Turnier sehr viel passiern vielleicht haben wir dieses Jahr ein ganz neuer Sieger keiner aus den Top Ten dies wäre eine Dicke Überraschung.
  • Kommentar von Kevin Loosli , Basel
    Das kann gar nicht sein. Nadal führt im Head to Head gegen Federer mit 23:10.
    1. Antwort von Philipp Kostek , St. Gallen
      Da wären wir beim Punkt "Fans von R. Nadal" und Nadal selber. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Nehmen Sie sich doch ein Beispiel an Ihrem Idol..