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Streaming Horror Zwei Thriller auf Play SRF, die Frauen endlich ernst nehmen

Diese zwei Thriller machen paranoid und irgendwann sitzt man da, schaut ins eigene Wohnzimmer und denkt: Vielleicht sollte ich das Licht doch noch einmal anmachen.

Es gibt Thriller, die Frauen als Opfer benutzen. Und dann gibt es Thriller, die verstehen, dass Frauen oft die interessantesten Figuren im Raum sind. «Der Unsichtbare» und «The Wasp» gehören zu dieser seltenen, erfreulich bösartigen Kategorie.

Der wahre Schrecken: Niemand glaubt ihr

«Der Unsichtbare» verkauft sich zunächst als High-Concept-Horrorfilm über einen reichen Tech-Narzisst, der sich unsichtbar machen kann. Tatsächlich aber ist es ein Film über eine Frau, der niemand glaubt.
Elisabeth Moss spielt Cecilia nicht als klassische «starke Frauenfigur», jene Hollywood-Version von Stärke, bei der Menschen explosionssicher aus brennenden Gebäuden marschieren und dabei perfekte Wangenknochen behalten. Ihre Stärke ist chaotischer, erschöpfter, glaubwürdiger. Cecilia ist traumatisiert, paranoid, manchmal kaum funktionsfähig.

Wenn Paranoia plötzlich physikalisch messbar wird.

Denn der eigentliche Horror in «Der Unsichtbare» ist das entsetzliche Gefühl, dass eine Frau die Wahrheit sagt und die Welt trotzdem lieber annimmt, sie sei hysterisch. Der Film verwandelt Gaslighting in ein Monster, das buchstäblich Möbel verrückt und Menschen attackiert. Leigh Whannell inszeniert leere Türrahmen und stille Flure mit derselben Spannung, mit der andere Regisseure Verfolgungsjagden drehen.

Und Elisabeth Moss? Sie spielt gegen die Abwesenheit selbst. Das ist schwerer, als es aussieht. Ein grosser Teil ihrer Performance besteht darin, auf «nichts» zu reagieren und uns trotzdem glauben zu lassen, dass dort jemand steht.

Natalie Dormer und Naomie Harris im Duell

«The Wasp» dagegen ist sogar noch kleiner, stiller und dadurch fast noch gemeiner. Männer dürfen im Kino seit Jahrzehnten moralisch fragwürdige Genies sein; Frauen bekommen oft entweder die Rolle der Heiligen oder der Psychopathin. «The Wasp» hat erfreulich wenig Interesse an dieser Einteilung.

Beide Figuren tragen Verletzungen mit sich herum, beide kontrollieren das Gespräch wie Schachspielerinnen, und jede Szene wirkt wie ein höflich formulierter Angriff. Die beiden Hauptdarstellerinnen liefern sich dabei ein Duell, das so präzise gespielt ist, dass man beinahe vergisst zu blinzeln. Die Spannung entsteht fast ausschliesslich durch Sprache, Blicke und Machtverschiebungen.

Frau mit ernstem Blick sitzt drinnen.
Legende: Man kann fast hören, wie dieses Gespräch gleich kippt. Natalie Dormer mit jenem Gesichtsausdruck, der selten etwas Gutes für die anderen Figuren bedeutet XYZ Films

Im Grunde sieht man zwei hochintelligenten Frauen dabei zu, wie sie sich emotional belauern. Beide Filme vertrauen ihren Hauptdarstellerinnen genug, um sie den ganzen Film tragen zu lassen. Was inzwischen fast radikal wirkt, weil moderne Thriller oft glauben, sie müssten jede Minute irgendetwas explodieren lassen.

Wenn man also Lust auf zwei Filme hat, die weniger «Buh!» schreien und mehr langsam die Luft im Raum absaugen, dann ist das ein ziemlich hervorragendes Doppelprogramm. Danach fühlt sich selbst der Gang zur Küche kurz verdächtig an.

«The Wasp», 22.05.2026, SRF zwei, 23:25 Uhr

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