Agnieszka Hollands Spielfilm «Green Boarder» ist kein leichtes Kino, aber ein notwendiges. Das mehrfach preisgekrönte Flüchtlingsdrama konfrontiert sein Publikum mit einer Realität, die in Europa oft verdrängt wird: dem unmenschlichen Umgang mit Schutzsuchenden an den Aussengrenzen. Diese fünf Gründe zeigen, warum Wegsehen bei diesem Film keine Option ist.
1. Weil der Film eine verdrängte europäische Realität sichtbar macht
«Green Boarder» spielt an der Grenze zwischen Belarus und Polen. Einem Ort, der 2021 zum geopolitischen Brennpunkt wurde. Der Film zeigt eindringlich, wie Menschen zwischen Staaten, Ideologien und Befehlen zerrieben werden.
2. Weil die Perspektive konsequent menschlich bleibt
Im Zentrum steht eine syrische Familie mit Kindern und Grossvater, ergänzt durch weitere Figuren wie die afghanische Lehrerin Leïla. Holland erzählt die Geschichte ohne Sentimentalität, aber mit grosser Empathie. Die Geflüchteten erscheinen nicht als abstrakte Masse, sondern als Individuen mit Hoffnungen, Ängsten und Würde. Gerade diese Nähe macht das Gesehene so schwer erträglich.
3. Weil auch die Täter nicht eindimensional gezeigt werden
Mit der Figur des polnischen Grenzwächters Jan öffnet der Film einen unbequemen Blick auf jene, die das System ausführen. Jan ist kein Monster, sondern ein Mensch, der zunehmend an den Befehlen zweifelt, die er ausführt. Diese Ambivalenz verleiht dem Film moralische Tiefe und verhindert einfache Schuldzuweisungen.
4. Weil die Schwarzweiss-Ästhetik die Wucht der Geschichte verstärkt
Die Entscheidung für intensives Schwarzweiss ist mehr als ein Stilmittel. Sie entzieht dem Geschehen jede falsche Schönheit und zwingt den Blick auf das Wesentliche: Körper im Schlamm, Gesichter in Angst, Gewalt ohne Ausweg. Die Bilder brennen sich unerbittlich ein.
5. Weil «Green Border» ein politischer Film mit universeller Gültigkeit ist
Nach der Premiere wurde Agnieszka Holland in Polen heftig angegriffen, der Film als regierungsfeindliche Propaganda diffamiert. Doch «Green Border» ist mehr als ein Kommentar zur polnischen Politik. Er ist ein Appell an Verantwortung, Zivilcourage und Mitgefühl. «Der Guardian» würdigt den Film als «dringende, kämpferische Meisterleistung über die Flüchtlingskrise». Dass der Film in Venedig 2023 mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet wurde, unterstreicht seine internationale Bedeutung.