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Streaming-Tipp Neustart nach dem Burnout

Nach einem Burnout wagt der Tessiner Regisseur Filippo den Neustart als Kellner und verarbeitet seine Krise filmisch. In Gesprächen mit Kollegen entsteht ein Porträt über psychische Fragilität, Selbstakzeptanz und die Last gesellschaftlicher Etiketten.

Als der Tessiner Regisseur Filippo per Brief davon erfährt, dass ihm eine befristete IV-Rente zugesprochen wird, schämt er sich. Das Schreiben bezeichnet ihn als «invalid» und «arbeitsunfähig».

Rund zwei Jahre zuvor hatte er begonnen, sich immer mehr abzukapseln. Er verliess kaum noch seine Wohnung, las unzählige Bücher und schaute massenhaft Filme. Er liess sich einen Bart wachsen und wog am Ende nur noch 55 Kilo.

Glocken läuten das Ende ein

An dieses Ende, seinen Zusammenbruch, kann sich Filippo nur schwach erinnern. In der Wohnung nebenan hörte sein Nachbar wegen der dünnen Wände, wie Filippo die Sonntagsglocken der Kirche anschrie, sie sollen endlich mit dem Geläute aufhören.

Der besorgte Nachbar schaute nach. Das führte bei Filippo zu einem Weinkrampf. Er kam ins Spital. Dort riet ihm einer der Ärzte, sich freiwillig in eine psychiatrische Klinik zu begeben. Filippo blieb 46 Tage.

Comeback mit kreativem Werk

Dann trifft Filippo zwei Entscheidungen:

  • In der Osteria all’undici beginnt er als Kellner zu arbeiten. Das Lokal hilft Menschen mit psychischen oder sozialen Schwierigkeiten bei der beruflichen Wiedereingliederung.
  • Filippo porträtiert von da an seine Mitarbeiterschaft aus der Osteria mit der Filmkamera. Zeitgleich forciert er dadurch Vergangenheitsbewältigung, Wiedereinstieg und Aufklärungsarbeit.

Als Resultat entstand der Film «Osteria all’Undici – Neustart nach dem Burnout». Er erzählt von Menschen, die zwischen geschütztem Arbeitsumfeld und freiem Markt ihren Platz suchen.

Das Werk des Tessiner Regisseurs Filippo ist frei von Pathos und überzeugt durch seinen analytischen Blick und die grosse Empathie gegenüber allen Porträtierten.

SRF info, 20.2.26, 14:00 ; 

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