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Streaming-Tipp Unternehmertum jenseits der Gier

Nachhaltigkeit und Profit sind vereinbar. Ein Film zeigt Firmen, die sich von blosser Gewinnmaximierung gelöst haben.

«Es gibt keinen Widerspruch zwischen dem Streben nach Gemeinwohl und wirtschaftlicher Leistung. Weder müssen die Aktionäre an oberster Stelle sein, noch muss das Management hierarchisch sein.»

Was manche für esoterisches Geschwätz halten mögen, stammt von Hubert Joly. Er ist Dozent an der renommierten Harvard Business School. Da er zuvor als CEO tätig war, spricht er aus praktischer Erfahrung.

Eine Milliarde Dollar Jahresumsatz kann auch ein Unternehmen erzielen, das den klassischen Kapitalismus radikal in Frage stellt. Die Outdoor-Bekleidung anbietende Firma Patagonia hat es vorgemacht:

  • 2022 verschenkte Gründer Yvon Chouinard seine gesamte Firma im Wert von rund 3 Milliarden Dollar.
  • Alle nicht reinvestierten Gewinne – rund 100 Millionen Dollar pro Jahr – fliessen seither direkt in den Schutz der Umwelt und den Kampf gegen die Klimakrise.
  • Die Firma gehört nun einer Stiftung und einem gemeinnützigen Netzwerk. Das stellt sicher, dass ihre Werte auch nach Choinards Tod Bestand haben.

Weg vom reinem Profitdenken bewegte sich Patagonia vor 40 Jahren. Als viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter krank wurden, stellte sich mit Gift gespritzte Baumwolle als Ursache heraus.

Die Firma hatte ihre Baumwolle für sehr gesund gehalten. Gegen Schädlinge war aber auf den Plantagen ein Nervengas zum Einsatz gekommen. Patagonia stieg daher komplett auf Bio-Baumwolle um.

Digital bedeutet nicht sauber

Als eher harmlos werden zuweilen auch digitale Technologien eingeschätzt. Ein Irrtum! Sie erzeugen pro Jahr mindestens gleich viel Treibhausgas wie die Luftfahrt – wegen des riesigen Stromverbrauchs.

Zudem produzieren sie jährlich 45 Mio. Tonnen Elektroschrott. In einem Bild ausgedrückt sind das 4500 Eiffeltürme.

Das Beispiel der Tech-Branche zeigt aber auch, warum Umwelt-Experte Andy Fyfe sagt: «Verantwortungsvoll zu handeln ist nicht so schwierig. Schwierig ist es, sich zu verändern.»

Da die grossen Player der Tech-Branche in riesige Rechenzentren investiert haben, ist die Umstellung auf einen ökologischen Betrieb nicht ohne weiteres umsetzbar.

Alte Zöpfe müssen weg

Andy Fyfe ist überzeugt: «Es geht um eine potentielle Umstrukturierung des ganzen globalen Produktionssystems.» Und: «Der kapitalistische Mythos, dass es immer nur um maximalen Gewinn geht, muss fallen.»

Was den Dokumentarfilm «Kein Planet, kein Profit – Der Weg zur nachhaltigen Wirtschaft» auszeichnet, sind die Porträts von Unternehmen, die sich bereits auf den Weg zur Nachhaltigkeit gemacht haben.

Vorreiter nähren Zuversicht

Beispiele: Kakaoanbau ohne Kinderarbeit, Webseiten mit tiefem Stromverbrauch und geringer Treibhausgas-Produktion, Tee von Plantagen, die den Bedürfnissen der dort arbeitenden Einheimischen gerecht werden.

Das Vorgehen und vor allem der Erfolg der genannten Firmen nährt die Zuversicht, dass Profit auch dann erwirtschaftet wird, wenn er nicht als seligmachender sowie alleinig erstrebenswerter Zweck gilt.

SRF 1, 25.1., 22:45 ; 

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