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Streaming Zwei Filmtipps fürs Wochenende, unterschiedlicher geht's kaum

Wer am Wochenende zwischen Weltuntergang und Wunderwelt schwankt, muss sich nicht entscheiden. Es gibt Filme, die zerstören alles und solche, die es wieder zusammensetzen.

1. «Greenland»: Wenn der Himmel runterkommt

Es gibt Katastrophenfilme, die machen Spass, und solche, die einen nervös zurücklassen. «Greenland» gehört zur zweiten Sorte. Das liegt nicht an der Zerstörung der Welt. Die Explosionen sind gross, die Gebäude fallen spektakulär zusammen, sondern daran, dass man plötzlich mitfühlt, statt nur Popcorn zu kauen.

Gerard Butler spielt John Garrity, einen Typen, der keine Superkräfte hat, sondern versucht, seine Familie am Leben zu halten, während der Himmel brennt. Ein Held, den man verstehen kann, keine 300-Muskeln-Action-Figur, die alles alleine richtet.

Zwischen Trümmern, Evakuierungschaos und Kometen, die wie schlechte E-Mails vom Universum auf die Erde trudeln, gibt es Momente, die fast banal wirken: Kinder, die fragen: «Sind wir bald da?», Erwachsene, die verzweifelt nach ihrem Handy suchen. Und man lacht, nicht weil es lustig ist, sondern weil es so menschlich ist.

2. «Der Junge und der Reiher»: Wenn die Fantasie beim Überleben hilft

Es gibt Animationsfilme, die sind bunt, laut und nach 90 Minuten wieder vergessen. Und es gibt Hayao-Miyazaki-Filme. Die fühlen sich weniger an wie ein Film und mehr wie eine Erinnerung, die man noch gar nicht erlebt hat.

«Der Junge und der Reiher» beginnt nicht märchenhaft, sondern brutal real: Tokio brennt, ein Kind verliert seine Mutter, und nichts ist mehr so, wie es war. Mahito zieht aufs Land, in ein Haus voller Stille, unausgesprochener Trauer und einer neuen Familie, die sich falsch anfühlt.

Dann passiert das, was nur Miyazaki kann: Ein Reiher taucht auf. Ein Turm. Eine andere Welt. Und plötzlich ist dieser Film nicht mehr nur eine Geschichte über Verlust, sondern über die Art, wie Fantasie uns rettet, wenn die Realität zu schwer wird.

Was diesen Film so besonders macht, ist nicht die Handlung, sondern der Ton. «Der Junge und der Reiher» schreit nicht nach Aufmerksamkeit. Er traut dem Publikum zu, Gefühle auszuhalten, Fragen offen zu lassen und Bilder wirken zu lassen, die sich erst Tage später richtig entfalten. So beschreibt auch The Guardian den Film als «visuell beeindruckend und reich an Details».

Regisseur Hayao Miysaki im Portrait
Legende: Hayao Miysaki Ein Mann, der behauptet, er schreibe nur Geschichten für Kinder und wir merken erst nach 120 Minuten, dass wir selbst eines geworden sind. Getty Images/Yamaguchi Haruyoshi/Corbis

Dass Hayao Miyazaki diesen Film mit 85 Jahren gemacht hat, ist umso beeindruckender. Während andere in diesem Alter Kreuzworträtsel lösen, erschafft er noch einmal so eben eine ganze Welt und räumt dabei kurz neben einem Oscar und einem Golden Globe viele weitere Filmpreise ab.

«Greenland», SRF zwei, 11.01.2026, 21:30 Uhr ; 

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