Maria Furtwängler ist bekannt als Tatort-Kommissarin Charlotte Lindholm. Als engagierte Aktivistin kämpft sie auch für Geschlechtergerechtigkeit sowie gegen Gewalt an Frauen.
SRF: Als Kind war für Sie die Schweiz ein Sehnsuchtsort.
Maria Furtwängler: Genau. Meine Oma hat bei Montreux gelebt. Damit verbinde ich intensive Kindheitserinnerungen – und Sugus, exzellente Schokolade und Skifahren in St. Moritz.
Ihre Grossmutter wurde 102 Jahre alt.
Ihre Neugier und Rastlosigkeit hat sie angetrieben. Ein wacher Geist hält jung. Alt ist, wer abgeschlossen hat und alles schon kennt.
Laut Umfragen Ihrer Stiftung finden 42 Prozent der männlichen Jugendlichen, Männer sollten mehr Rechte haben als Frauen.
Diese Zahl schockiert mich. Die Befragten sind nicht schlechte Menschen. Aber sie suchen nach Orientierung. Und das führt heute schnell in die Manosphere.
Junge Männer, die sich als Opfer fühlen?
Genau. Als Opfer der Frauen.
Wie gefährlich sind Vorbilder wie der frauenfeindliche Influencer Andrew Tate?
Sehr. Frauenfeindlichkeit ist etwas, das Rechte, Islamisten und Salafisten verbindet.
Spielt da auch Migration mit rein?
Feindbilder sind immer verlockend, aber die Suche nach vereinfachenden Erklärungen ist brandgefährlich.
Aktuell dominieren Macho-Männer die Weltpolitik. Wie gehen Sie damit um?
Ich rufe abends immer Trump an und sage: ‘Mensch, Donald, lass das!’ Nein, im Ernst: Die toxische Männlichkeit von ihm, Putin oder Erdogan ist lähmend.
Wie wütend macht Sie das als Kämpferin für Frauenrechte?
Ich werde mich immer für das einsetzen, was ich für richtig und wichtig halte. Es bringt niemandem etwas, wenn ich unglücklich und verzweifelt bin.
Schon als junges Mädchen waren Sie Schauspielerin. Wie ist es, vor der Kamera älter zu werden?
Aufs optische Altern kann man entweder geschockt reagieren – oder darin ein gelebtes, erfahrungsreiches Leben sehen. Das hat auch eine eigene Sexiness. Ich kenne beides.
Haben es ältere Frauen in der Öffentlichkeit schwerer?
Der faltige Mann steht für Weisheit, die alte Ansagerin will man hingegen niemandem zumuten. Es braucht Zeit und auch einen bestimmten Willen, solche Sehgewohnheiten zu durchbrechen.
Seit 2002 spielen Sie die Tatort-Kommissarin Charlotte Lindholm. Wie sind Sie an dieser Rolle gewachsen?
Ich finde es schön, mein Wachstum als Schauspielerin durch diese Rolle zu erleben. Ich bin zu mehr Durchlässigkeit und Verletzlichkeit gelangt.
Zwischenzeitlich wollten Sie die Rolle aufgeben. Was brachte die Lust zurück?
Ich haben von zwei Episoden jährlich auf eine reduziert und mich auch neu in die Figur verliebt.
Stimmt es, dass Ihnen der Arztberuf leichter fiel als die Schauspielerei und Sie gerade deshalb mehr auf Letzteres gesetzt haben?
Ja, ich habe gespürt, dass die Schauspielerei es verlangt, mich öffnen zu können und mir genau das schwer fiel. Da konnte ich mehr wachsen.
Wie sehr nerven Etiketten wie «die kühle Blonde»?
Früher sehr. Heute sehe ich das jedoch gelassen.
Was stimmt Sie optimistisch?
Als mein Vater Alzheimer hatte, riet mir der Neurologe: Fokussieren Sie auf das, was er noch kann. Wir müssen uns bewusst gute Neuigkeiten und Dinge, die gelingen, vor Augen führen.
Wo sind Sie am glücklichsten?
In der Natur – auch in den Schweizer Bergen (lacht).
Das Gespräch führte Urs Gredig.