Von Christfluencer über Nonnafluencer bis Strickfluencer. Acht Influencer und Influencerinnen, die zeigen, wie vielfältig die Online-Welt ist.
«Wahre Freunde bringen dich in die Kirche, nicht in den Club»
Wer in den sozialen Medien unterwegs ist, der stolpert öfters über Kreuze in der Bio. Zwischen Lifestyle-Videos posten junge Christinnen und Christen ihren Glauben. «Get ready with me to go to Church»-Videos zeigen Amanda und Delia auf ihren Kanälen und predigen «wahre Freunde bringen dich in die Kirche, nicht in den Club».
Wie geht das zusammen mit der hohen Zahl von Kirchenaustritte? Rebekka Riesen, die zu digitaler Religion forscht erklärt: Durch digitale Medien entstünden neue Formen von Religiosität fernab von Institutionen.
Nonnas werden Tiktok-Stars
Rezepte für den perfekten Pizzateig oder Sugo sind in der Regel Familiengeheimnisse. Mittlerweile öffnen die Nonnas ihre Rezeptbücher auf Tiktok. Selbst selten auf den Plattformen unterwegs, machen ihre Enkelkinder sie zu Social-Media-Stars.
Nonna Silvi wurde mit 83 Jahren zu einer der erfolgreichsten Food-Influencerinnen Italiens. Sie hat unterdessen ihr eigenes Studio, Kochbuch und lukraive Werbedeals. Obwol sie mehr als 50 Millionen Views auf Tiktok hat, sagt sie «ich habe kein Handy, ich weiss nicht einmal, wie ich berühmt bin».
Viraler Schlager
«Ich verbringe mehr Zeit mit Social Media als mit Musikmachen», sagt Schlager-Star Vincent Gross. Der Basler hat seine Karriere im Kinderzimmer mit Youtube-Videos begonnen, der Durchbruch kam mit dem Sieg bei der SRF-Show «Hello Again». Unterdessen füllt er Stadien, hat über 200'000 Follower und regelmässig «Muskelkater im Gesicht von den vielen Selfies». Den Erfolg verdankt Vincent zu einem grossen Teil Social Media.
Gehörlose Influencer
«Ich wollte nicht mein Leben lang schüchtern bleiben, deshalb habe ich einen Make-Up-Account erstellt», erzählt Emma Morier. Sie ist gehörlos und postet Content in Gebärdensprache. Steve übersetzt philosophische Zitate in die Gebärdensprache. Beide möchten Social Media für Gehörlose zugänglicher machen.
#Witchtok
Stefanie nennt sich magisch Praktizierende und postet Videos unter dem Hashtag Witchtok. Die so genannte «neue Generation der Hexen» hat ihren Weg auf Tiktok und Co. gefunden. Online bieten sie «spirituelle Reinigungen» an und legen Tarotkarten.
Hochbegabt und Influencer
Ein Vorurteil gegenüber Influencern und Influencerinnen: Sie sind nicht besonders schlau. Dass das nicht stimmt, beweist Maximilian Janisch. Mit 15 begann er an der Universität Zürich sein Mathematikstudium. Mit 21 promovierte er.
Online ging er aufgrund eines Memes aus einer SRF-Reportage viral – unterdessen hat er über 200'000 Follower. Auf seinem Kanal erklärt er komplexe mathematische Phänomene so, dass sie alle verstehen.
Agrarfluencer erklärt das Landleben
«Heutzutage haben viele Leute wenig bis gar keinen Bezug zur Landwirtschaft» – ein Grund für Patrick Strassburger, Tiktoks als «Agrarfluencer» zu drehen. In seinen Videos erklärt er etwa den Einsatz von Düngern, wann Kühe auf die Weide dürfen, was Kuhmist zu dem Ökosystem beiträgt oder wie die Kirschenernte abläuft.
Der Strickfluencer
Sam Barsky ist online eine Kultfigur. Der Grund: Seine einzigartigen selbst gestrickten Pullis. Er strickt freihändig, also ohne Muster und bringt so mal den London Tower, mal ein Löwe aus dem Zoo oder seinen Znacht auf die meist kurzärmligen Pullis. Seinen über 200'000 Followern gefällts und ins Museum hat es die Strickkunst auch geschafft.