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Grippe und Corona – Chance oder Risiko?
Aus Puls vom 12.10.2020.
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Grippe und Corona «Wenn die Zahlen steigen, wird das auch das Grippevirus freuen»

Mit den sinkenden Temperaturen rückt die Grippesaison näher. Ausgerechnet in der Zeit, in welcher die Anzahl Neuinfektionen mit dem Coronavirus zunehmen. Doch ist es überhaupt möglich, sich gleichzeitig mit dem Grippe- und dem Coronavirus anzustecken? Und was bedeutet dies für den Krankheitsverlauf? Der Infektiologe Huldrych Günthard gibt Auskunft zum aktuellen Kenntnisstand.

Huldrych Günthard

Huldrych Günthard

Infektiologe und leitender Arzt am Universitätsspital Zürich

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Huldrych Günthard hat in Zürich Medizin studiert und sich auf Innere Medizin und Infektiologe spezialisiert. Er ist stellvertretender Direktor der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene und leitet dort das HIV-Forschungslabor.

Günthard ist Mitglieder der wissenschaftlichen Kommission der Stiftung Pfizer Forschungspreis.

SRF News: Auf der Südhalbkugel hatten Länder wie Australien und Brasilien fast keine Grippefälle in ihrem Winter. Dürfen wir auf einen ähnlichen Effekt hoffen?

Huldrych Günthard: Ich glaube, dass die Grippesaison viel milder verläuft. Dass sie fast gar nicht vorkommt, wie in Australien, weiss ich nicht. Sie hatten damals den vollen Lockdown. Und diesen haben wir jetzt nicht. Wir sind in einer Zwischenphase, die Zahlen der Corona-Infektionen steigen. Wenn jetzt ein paar Grippeviren zirkulieren, werden wir die auch verbreiten. Zurzeit haben wir es nicht im Griff.

Aber Masken und Handhygiene nützen auch.

Ja, die nützen, aber wir müssen die Massnahmen auch umsetzen. Wenn die Zahlen steigen, wird das auch das Grippevirus freuen. Wir müssen noch etwas besser werden.

Wir müssen noch etwas besser werden.
Autor: Huldrych Günthard Infektiologe

In meiner Vorstellung wäre es der schlimmste Fall, wenn ich gleichzeitig Grippe und Covid-19 bekäme. Gibt es solche Fälle?

Das gibt es selten. Das wissen wir in etwa aus anderen saisonalen Grippe-Situationen. Auch bei der ersten Corona-Welle haben wir das fast nie gesehen. Der Grund dafür ist: Wenn ein Virus jemanden befällt, dann reagiert die angeborene Immunität – die erste Verteidigungslinie des Immunsystems ist aktiviert. Wenn man dann Kontakt mit einem zweiten Virus hat, lässt das aktivierte Immunsystem dieses gar nicht mehr zu.

Schützt mich eine durchgemachte Grippe oder eine Erkältung gegen Corona?

Bei Corona eben nicht, ausser die Infektion war eben kurz vorher. Sonst gibt es keine Kreuzimmunität.

Auch eine Grippeimpfung triggert mein Immunsystem. Bewirkt dies etwas?

Primär erhält man so einen Schutz gegen das Virus, gegen welches man geimpft wird. Ansonsten würde ich dem nichts Weiteres zuschreiben.

Lassen Sie sich als Infektiologe gegen Grippe impfen?

Immer, jedes Jahr.

Sie haben eine sechsjährige Tochter. Impfen Sie sie?

Ich impfe sie, wenn ich einen Impfstoff bekomme. Ich denke, das ist sinnvoll. Denn man will ja nicht, dass alle Kinder in der Schule husten und Grippe haben und gleichzeitig ist Corona im Umlauf. Wenn man die Grippe ausschliessen kann, haben wir schon sehr viel bewirkt. Weniger Nervosität, weniger Besuche beim Kinderarzt. Das würde extrem helfen.

Das Gespräch führte Daniela Lager.

Puls, 12.10.2020, 21:05 Uhr;

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42 Kommentare

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  • Kommentar von Nico Stäger  (Nico Stäger)
    BAG: "Die Grippeimpfung schützt nicht in jedem Fall: Studien schätzen die Wirksamkeit je nach Saison und geimpften Personen auf 20 bis 80 %." Influenzaimpfstoffe enthalten Oberflächenproteine von 3-4 Virenstämmen (von hunderten). Es braucht also grosse hellseherische Kräfte im Frühling, um im Herbst dann den passenden Impfcocktail herzustellen. Wie um alles in der Welt kann denn ein Infektiologe allen ernstes sagen: "Wenn man die Grippe ausschliessen kann, haben wir schon sehr viel bewirkt."
    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Nico Stäger. Der Impfstoff beruht auf den Influenzaviren, welche in der südlichen Hemisphäre schon ein halbes Jahr früher da sind.....
    2. Antwort von Gerrit Stoffers  (Wahrheitsfinder)
      Camenisch Und die „da drüben“ machen es dann aufgrund unseres „Wissens“. Ja, nee, ist klar! So ein Blödsinn!
  • Kommentar von Franz NANNI  (Aetti)
    in der Apotheke liess ich mir eine Grippe Impfung geben (Euer Fruehling ist unser Herbst) und ich war dann recht schlecht "zwaeg" gut 10 Tage, und wurde dann positiv auf Covid getestet.. Aber schwer krank fuehlte ich mich nicht und auch die Symptome waren eher diskret Habe aber10kg verloren.
    Ich denke, diese Impfung gegen Grippe hat geholfen.. weil im richtigen Moment gespritzt.
    1. Antwort von Nico Stäger  (Nico Stäger)
      Sie können also froh sein, dass Sie in diesen 10 Tagen weder mit Influenza- oder Corona-Viren in Kontakt gekommen sind oder eine Erkältung erlitten haben. Sorry, aber mir ist diese Schwächung zu gefährlich und ich kann als Vater zweier Kinder auch nicht einfach mal 10 Tage zu Hause bleiben und darauf hoffen, dass solche massive Nebenwirkungen dann schon mal wieder vorbeigehen.
  • Kommentar von Franz Lehmann  ((DrFranz))
    Impfen ist leider für viele ein heikles Thema. Viele lassen sich von Meinungen statt Fakten leiten. Ähnlich einer Religion. Das bedaure ich.
    1. Antwort von Nico Stäger  (Nico Stäger)
      Was sind denn die Fakten?
    2. Antwort von Gerrit Stoffers  (Wahrheitsfinder)
      Impfen ist mittlerweile eher eine Religion...