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Corona – Der Kampf der Wissenschaft gegen die Seuche
Aus Einstein vom 26.03.2020.
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Was Covid-19 gefährlich macht Corona: Wenn das Immunsystem durchdreht

Viele haben Angst, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Viele fürchten sich vor Corona. Aber nicht nur das Virus ist gefährlich, sondern auch seine Wirkung auf das Immunsystem.

Eine Türklinke, einmal Husten, nur ein Meter Distanz - und schon hat man sich mit dem Coronavirus angesteckt. Doch Vier von Fünf merken es kaum, haben höchstens einen Schnupfen, so steht es in einer grossen Studie aus China.

Das ist der effizienten Körperabwehr zu verdanken: Das Immunsystem macht seinen Job. Funktioniert tadellos. Aber leider nicht immer.

Legende: Killerzellen wie diese drehen bei Corona durch und zerstören auch gesundes Gewebe. Keystone/Science Photo Library/Steve Gschmeissner

Das Immunsystem dreht durch

Manchmal dreht das Immunsystem einfach durch. Und das ausgerechnet bei den schwer Erkrankten: «In späteren Phasen, also bei schweren Verläufen von Covid-19, spielt die Entzündungsreaktion eine starke Rolle», bestätigt Manuel Battegay, Chefarzt der Infektiologie und Spitalhygiene am Universitätsspital Basel.

Wahrscheinlich ist die Körperabwehr sogar mit schuld daran, dass es zu diesen schweren Verläufen kommt. Denn die Immunzellen beginnen gesundes Gewebe zu zerstören. Insbesondere die sogenannten Killerzellen.

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Erklärvideo: Das Immunsystem dreht durch
Aus Kultur Extras vom 27.03.2020.
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Killerzellen zerstören das Lungengewebe

Wenn die Körperabwehr auf das Coronavirus aufmerksam wird, ruft es eine ganze Armada von Immunzellen auf den Plan. An vorderster Front: Die Killerzellen. Sie sollten gezielt Zellen zerstören, die mit dem Corona-Virus befallen sind.

Doch bei Covid-19 drehen sie durch: Sie killen alles, was Ihnen in den Weg kommt. Also auch gesunde Lungenzellen. So kann die eigene Körperabwehr die Krankheit massiv verschlimmern.

Laut Chefarzt Manuel Battegay versucht das Pflegepersonal alles, damit die Patientinnen und Patienten nicht auf die Intensivstation müssen.

Entzündungshemmer könnten helfen

Im Basler Universitätsspital beobachten die Ärztinnen und Ärzte darum genau die Entzündungswerte der schwer an Corona Erkrankten. «Sehen wir klinisch und von den Entzündungswerten eine entsprechend starke Reaktion, versuchen wir es mit dem Einsatz von Entzündungshemmern», erklärt Chefarzt Battegay das Vorgehen: «Wir sind aber sehr vorsichtig mit der Interpretation, ob dies eine Wirkung hat.»

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Manuel Battegay: «Wir versuchen alles»
Aus Kultur Extras vom 27.03.2020.
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Zum Einsatz kommt ein Roche-Medikament namens Actemra. Eigentlich wurde es für Arthritis zugelassen. Doch in der Not verabreichten es schon Ärzte in China und Italien zur Corona-Therapie. Und es scheint zu wirken. Allererste Einsätze des Entzündungshemmers stimmen positiv, so Roche-Verwaltungspräsident Christoph Franz.

Studie zu Corona läuft an

Anfang April will Roche die Wirksamkeit ihres Entzündungshemmers bei Covid-19 in einer Studie prüfen.

Auf diese Studie kann Manuel Battegay am Basler Universitätsspital nicht warten. Er setzt den noch nicht für Corona zugelassenen Entzündungshemmer ein - mit der angebrachten Vorsicht: «Wir betreiben ein minutiöses Monitoring bei diesen Covid-Patienten.»

Forschung im Zeitraffer

Das erlaubt dem Basler Chefarzt, sich selbst ein Bild zu machen, wie gut Entzündungshemmer helfen können. Und er tauscht sich mit Kolleginnen und Kollegen in der Schweiz, im Tessin, in Italien und in Asien aus.

Es muss jetzt einfach schnell gehen: «Schon in Wochen sollten wir wissen, wie gut diese Entzündungshemmer wirklich sind», ist Manuel Battegay überzeugt. «Es läuft alles wie im Zeitraffer, und wir hoffen, dass eine Studie nach der andern rauskommt.»

SRF 1, Einstein, 26.3.2020, 21.05 Uhr

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35 Kommentare

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  • Kommentar von Chris Grütter  (ZIRR)
    Einmal mehr, das Scheitern der Pharma!
    In Ananas und Papaya sind gesundheitsfördernde Enzyme enthalten, sogenannte Proteasen, welche Eiweisse spalten können. Sie gewährleisten eine geregelte Verdauung, einen optimalen Blutfluss und eine intakte Immunabwehr, die uns ausreichend vor feindlichen Viren, Bakterien, Pilzen und Allergenen schützen. Interessant ist aber auch ihre heilende Funktion bei Schmerzen, Entzündungen und Ödemen. Haben sie das in ihrem Studium Herr Manuel Battegay nie gelesen?
    1. Antwort von Pesche Peter  (Pesche Peter)
      Sehe ich das richtig, dass Sie sagen, dass wir einfach mehr Ananas essen sollen, dann hat der Corona Virus keine Chance? Sie gehören offensichtlich nicht zur Risikogruppe, denn sonst wären Ihre Aussagen verantwortungsvoller.
    2. Antwort von Carla Pirinha  (carlapirinha)
      Wow, das ist ja wirklich cool! Zum Glück hat COVID-19 selbst auch Proteasen, dann erledigt sich das Problem ja gleich von selbst.
  • Kommentar von Robi Mühlebach  (Verito)
    Erstaunlich ist die Bandbreite bei einer Corona/Covid19-Infektion: von einem milden Verlauf „ich habe kaum etwas bemerkt“ bis zu einer Lungenentzündung mit potentiell tödlichen Ausgang scheint alles möglich.
  • Kommentar von Peter Stauffer  (Pfefferschote)
    @Nico Stäger. Vielen Dank für ihre Kritik meines Kommentars (Einverstanden bis auf den letzten Satz). Die Richtigkeit meines letzten Satzes können Sie leicht überprüfen indem Sie hier die Kommentare der Herren @Mike Baumgartner und @Jacob Goldman lesen.