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Behandlung von Brustkrebs Gentest könnte noch mehr Menschen die Chemotherapie ersparen

Ein Gentest könnte dank neuer Erkenntnisse noch mehr Brustkrebspatientinnen und -patienten eine belastende Chemotherapie ersparen. Forschende präsentierten die vielversprechenden Studienergebnisse an der weltweit grössten Krebskonferenz in Chicago. Wissenschaftsredaktorin Felicitas Erzinger erklärt, was die Erkenntnisse für die Praxis bedeuten und ob man von einem medizinischen Durchbruch sprechen kann.

Felicitas Erzinger

Wissenschaftsredaktorin

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Felicitas Erzinger arbeitet seit 2022 für die SRF-Wissenschaftsredaktion. Sie hat Umweltwissenschaften studiert und einen Doktortitel in Biologie.

Was genau zeigt die Studie?

Die Ergebnisse zeigen, dass man mit einem Gentest erkennen kann, welche Patientinnen und Patienten neben einer Hormontherapie auch eine Chemotherapie benötigen und welche nicht. Oder anders gesagt: Wer auf eine Chemotherapie verzichten kann – und damit auch auf die Nebenwirkungen, die körperlich und emotional belastend sind.

Chemotherapie: Mögliche Nebenwirkungen

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Eine Chemotherapie kann verschiedene Nebenwirkungen haben, von denen jedoch nicht alle Patientinnen und Patienten gleich stark betroffen sind. Zu den typischen Nebenwirkungen zählen Müdigkeit, Erschöpfung, Übelkeit, Haarausfall und Hautausschläge. Für manche Frauen kann es jedoch auch langfristige Folgen haben, wie Unfruchtbarkeit oder frühzeitige Menopause.

Was bedeuten diese Studienergebnisse für Patientinnen und Patienten im Alltag?

Man kann nun anhand des Gentests von Fall zu Fall entscheiden, ob eine Chemotherapie wirklich nötig ist und mehr bringt, als wenn man «nur» eine Hormontherapie macht. Denn die Resultate zeigen: 95 Prozent der Personen, die eine Chemotherapie und eine Hormontherapie gemacht haben, waren 4 Jahre danach frei von Brustkrebs. Und bei denjenigen, die «nur» die Hormontherapie machten, waren es 94 Prozent. Das ist ein sehr kleiner Unterschied. Neu ist auch, dass man erstmals Menschen in die Studie eingeschlossen hat, bei denen vier oder mehr Lymphknoten befallen sind. Bei ihnen hatte man bisher immer eine Chemotherapie gemacht.

Fakten zu Brustkrebs in der Schweiz

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In der Schweiz erkranken jährlich etwa 6800 Frauen und 60 Männer an Brustkrebs. Von allen Krebsarten bei Frauen macht das etwa ein Drittel der Erkrankungen aus.

Kann man von einem medizinischen Durchbruch sprechen?

Die Ergebnisse sind sicherlich ein wichtiger und bedeutender Schritt. Vor allem auch, weil es die häufigste Form von Brustkrebs betrifft. Bei dieser Form des Brustkrebs stehen sehr viele Patientinnen und Patienten vor der Frage, ob man zusätzlich zur Hormontherapie eine Chemotherapie macht oder nicht. In der Studie zeigte der Gentest bei zwei von drei Personen an, dass sie auf eine Chemotherapie verzichten können.

Welche Aspekte gilt es trotz der vielversprechenden Ergebnisse noch zu beachten?

Zu beachten ist, dass die Beobachtungszeit mit vier Jahren kurz ist, da Brustkrebs auch noch nach vielen Jahren wiederkommen kann. Da gibt es also noch ein kleines Fragezeichen. Zudem wurden in der Studie Personen ab 40 Jahren untersucht. Es ist also noch offen, ob das auch für Jüngere gilt. Ansonsten zeigt der Test schon gut an, wer sicher auf eine Chemotherapie verzichten kann.

Wie funktioniert ein Gentest?

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Dr. med. Elena Kralidis ist auf Brustkrebs spezialisiert und leitet das Brustzentrum «Affidea Brust Care» in Zürich. Auf die Frage, wie die genannten Gentests funktionieren, sagt die Onkologin: «Bei diesen Gentests werden nicht die Gene der betroffenen Patienten und Patientinnen getestet», sondern das Tumorgewebe werde nach gezielten Genen untersucht. Diese würden dann Auskunft darüber geben, wie aktiv oder wie aggressiv der Tumor sei, so Kralidis.

Versprechen Gentests allgemein Hoffnung, wenn es um die Behandlung von Krebs geht?

Gentests sind in der Krebsmedizin nicht komplett neu, vom Prinzip her: Bereits seit einigen Jahren setzt man Gentests für Therapieentscheidungen ein, das ist also schon gut etabliert. Für einige Krebsarten nutzt man auch genetische Tests, um auf erbliche Risiken zu testen. Und all diese Tests entwickeln sich stetig weiter, wie nun auch diese neuen Resultate zeigen. So gelingt es immer besser, Patientinnen und Patienten gezielt zu behandeln. Man spricht hier auch von der «personalisierten Medizin». In der Krebsbehandlung gab es in den letzten rund 15 Jahren signifikante Fortschritte, und die grössten davon waren bei der Behandlung von Brustkrebs.

Echo der Zeit, 31.5.2026, 18 Uhr ; 

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