In den USA breitet sich eine seltene Durchfallerkrankung weiter aus. Tausende Menschen in über dreissig Bundesstaaten sind betroffen. Auslöser ist ein Parasit namens Cyclospora. Wer damit infiziert ist, leidet häufig unter heftigem Durchfall und Bauchkrämpfen. Wissenschaftsredaktorin Felicitas Erzinger ordnet ein.
Wie gefährlich ist diese Durchfallwelle?
Sie ist in erster Linie sehr unangenehm. Gefährlich ist eine Cyclosporiasis-Erkrankung eigentlich nur, wenn eine infizierte Person durch den Durchfall stark dehydriert. Da sind besonders Personen mit einem geschwächten Immunsystem oder auch ältere Personen gefährdet. Spitalbehandlungen sind aber nur in wenigen Fällen nötig und tödlich ist die Krankheit sehr selten. Behandeln lässt sie sich mit einem Antibiotikum mit den Wirkstoffen Trimethoprim-Sulfamethoxazol. In der Regel heilt sie jedoch von selbst aus.
Der aktuelle Ausbruch ist deutlich grösser als frühere, woran liegt das?
Das lässt sich zurzeit noch nicht abschliessend sagen. Gerade weil aber so viele Personen und Bundesstaaten betroffen sind, gibt es vermutlich mehrere Infektionsquellen. Diese kommen nun vermehrt ans Licht, weil das Bewusstsein gerade gross ist und viel getestet wird. Denn in vielen Fällen wird Durchfall nicht abgeklärt. Durch die vielen Tests könnten zudem nun auch hartnäckige Infektionen erkannt werden. Denn ohne Behandlung kann eine Infektion mehrere Wochen dauern. Und sie kann sich auch verbessern und nach einer gewissen Zeit wiederkommen.
Kritiker bezweifeln, dass die US-Gesundheitsbehörde nach den Kürzungen ausreichend gerüstet ist. Wie ging sie vor?
Sie ist daran, die Quellen zu finden. Das ist das Wichtigste, um einen solchen Ausbruch unter Kontrolle zu bekommen. Doch das ist sehr schwierig. Man muss erkrankte Personen befragen, wo und was sie gegessen haben. Denn meist sind verunreinigte Lebensmittel oder verunreinigtes Trinkwasser der Auslöser. Und man muss herausfinden, wo es Überschneidungen mit anderen Erkrankten gibt. Genau erinnern können sich aber viele nicht mehr, weil die Symptome erst nach rund einer Woche oder später auftreten. Darum ist es schwierig zu sagen, ob der Ausbruch ohne Budget-Kürzungen schneller hätte eingedämmt werden können. Was man aber von Fachleuten vor Ort hört, ist, dass die US-Gesundheitsbehörde CDC zu spät gewarnt hat. Die offizielle Meldung ging am 14. Juli raus. Das ist rund zwei Wochen, nachdem Michigan einen grossen landesweiten Ausbruch gemeldet hat.
Wie gelangt der Parasit auf die Lebensmittel?
Das geschieht über menschliche Fäkalien, da der Parasit Cyclospora ausschliesslich Menschen infiziert. Der genaue Übertragungsweg bei diesem Ausbruch ist aber noch unklar. Denkbar wäre, dass Lebensmittel mit Wasser bewässert oder gewaschen wurde, das durch unbehandeltes Abwasser verunreinigt war. Oder auch ein Hochwasser könnte mit menschlichen Fäkalien verunreinigtes Abwasser auf landwirtschaftliche Felder gespült haben. Dabei ist der Parasit nicht direkt ansteckend, sobald er ausgeschieden wird. Er muss erst reifen, dafür braucht er Tage bis Wochen. Darum ist es unwahrscheinlich, dass Menschen sich gegenseitig anstecken. Das ist also anders als beim Norovirus beispielsweise.