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Aufforsten gegen Klimawandel Klimaretter Bäume? Wie Monokulturen die Artenvielfalt bedrohen

Weltweit gilt das Pflanzen von Milliarden Bäumen als einfache Lösung für das Klimaproblem. Doch in Ländern wie Brasilien verdrängen Eukalyptus-Plantagen zunehmend natürliche Ökosysteme und gefährden indigene Gemeinschaften. Was als Lösung präsentiert wird, verschärft vielerorts die Probleme.

Mandy steht in einer Plantage von Eukalyptus-Bäumen und lässt die trockene Erde durch seine Hände rieseln. «Eine Eukalyptus-Monokultur ist für uns eine grüne Wüste», sagt der Stammesführer der Pataxó.

«Eukalyptus, der Tod bringt»

Das Dorf der indigenen Gemeinschaft im Nordosten Brasiliens ist umgeben von Eukalyptus-Plantagen für die Zellstoffproduktion. Nur noch wenige kleine Gebiete der Mata Atlântica, dem ursprünglichen Regenwald, sind übrig.

Indigener deutet auf Baum
Legende: Mandy Pataxó in der Plantage: «Nichts ausser Eukalyptus, der Tod bringt.» SRF/Dok «Planter à Tout Prix» (2025)

Für das indigene Volk der Pataxó ist diese Entwicklung lebensbedrohlich. Während ein natürlicher Wald vor Leben strotzt, herrscht in den Eukalyptus-Reihen ökologische Stille. «Hier keimt nichts, auch keine einheimischen Bäume, die Nahrung, Wasser und Leben spenden», so Mandy Pataxó. «Hier hat es nur Eukalyptus, der Tod bringt.»

Eukalyptus wächst so schnell wie kein anderer Baum, trocknet aber den Boden aus. Durch die Nachfrage nach Papier und Karton werden aber immer mehr Gebiete Brasiliens mit Eukalyptus-Plantagen überzogen. Meistens durch den Grosskonzern Suzano, ein riesiger Zellstoffproduzent.

Flugaufnahme
Legende: Das Dorf der Pataxó ist von Eukalyptus-Monokulturen umgeben und existentiell bedroht. SRF/Dok «Planter à Tout Prix» (2025)

CO₂-Kompensation: Zertifikate mit Verfallsdatum

Pikant: Suzano verdient nicht nur an der Zellstoffproduktion, sondern mischt auch im Markt für CO₂-Zertifikate mit. Viele Unternehmen kaufen solche Zertifikate, um ihren CO₂-Ausstoss zu kompensieren und sich so als klimafreundlich darzustellen.

Flugaufnahme
Legende: Eukalyptus-Plantage von Suzano in Brasilien. Eukalyptus wächst sehr schnell und wird zur Herstellung von Papier und Karton genutzt. SRF/Dok «Planter à Tout Prix» (2025)

Generell gilt das Bäume pflanzen in der öffentlichen Wahrnehmung als wichtige Massnahme gegen den Klimawandel. An der UNO-Klimakonferenz in Glasgow 2021 sagten rund 140 Länder zu, Waldverluste bis 2030 zu stoppen und umzukehren. Auch eine umstrittene Studie aus Zürich, die Aufforstung als wirksamste Massnahme gegen den Klimawandel bezeichnete, befeuerte diesen Trend (siehe Box).

Der Hype – und sein Haken

Doch viele der grossangelegten Aufforstungsprojekte finanzieren Monokulturen mit wie in Brasilien. Oft werden die Bäume nach Ablauf einer bestimmten Zeit wieder gefällt und das gebundene CO₂ wieder freigesetzt.

ETH-Studie von 2019: Grosse Zahlen, grosser Wirbel

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Im Jahr 2019 löste eine Studie des Crowther Labs an der ETH Zürich eine weltweite Euphorie aus. Die Kernaussage des Teams um den Biologen Tom Crowther: Es gäbe Platz für 900 Millionen Hektar neuen Wald und damit könnten 205 Gigatonnen Kohlendioxid aufgenommen werden. «Damit ist die Wiederaufforstung bei weitem die grösste Lösung für den Klimawandel, die wir derzeit haben», sagte Tom Crowther damals bei der Präsentation der Studie und war damit weltweit in den Schlagzeilen.

Doch die wissenschaftliche Kritik war massiv. In zahlreichen Eingaben wurden die Berechnungen und die Schlussfolgerungen massiv angezweifelt und kritisiert. Auch von Forscherinnen und Forschern aus anderen Gruppen der ETH.

Klimaforscherin Sonia Seneviratne von der ETH Zürich gehörte damals zu den Autorinnen, die Kritik an der Studie übten. Vieles sei zu vereinfacht dargestellt worden, sagt sie heute.

Ein weiterer Aspekt sei die falsche Sicherheit, die dadurch vermittelt wurde: «Das Problem dieser Studie war, dass sie das Gefühl vermittelt hat, wir könnten die Klimakrise allein durch Bäume pflanzen lösen.» Das lenke von der Tatsache ab, dass die Verbrennung von fossilen Brennstoffen wie Erdöl, Gas und Kohle die Hauptursache ist. Und dort müsse man ansetzen, um das Problem zu lösen, so Seneviratne, die auch im Vorstand des Weltklimarates IPCC ist.

«Kohlenstoffausgleiche sind heute wie Ablässe im Mittelalter, mit denen man sich von seinen Sünden freikaufen konnte», sagt US-Waldforscher Matthew Fagan. Die meisten dieser Projekte seien übertrieben optimistisch und es gebe kaum Nachforschung.

Plantagen verdrängen Naturwälder

Matthew Fagan stellt mit kartografischen Studien fest, dass Plantagen, wie jene in Brasilien, weltweit auf dem Vormarsch sind. Ihre Dominanz und die Verdrängung natürlicher Wälder habe in den letzten Jahren stark zugenommen.

Besonders problematisch: 92 Prozent der neuen Plantagen entstanden laut seinen Untersuchungen in Biodiversitäts-Hotspots, also in Gebieten, die besonders reich an Pflanzen- und Tierarten sind. Matthew Fagan: «Das ist alarmierend.»

Landschaftsaufnahme mit Baum und Bergen
Legende: Durch Plantagen bedroht: Die Savanne der Cerrados in Brasilien beherbergt mehr Arten als ein Regenwald. SRF/Dok «Planter à Tout Prix» (2025)

Für Fachleute wie Fagan ist klar: Waldplantagen sind kein Ersatz für natürliche Wälder, die ein vielfältiges Ökosystem bilden. Um den Klimawandel zu bremsen, sei es wichtig bestehende Wälder zu schützen und eine naturnahe Aufforstung zu fördern.

Aktuelle Studien zum Thema

SRF 1, Einstein, 26.2.2026, 21:05 Uhr

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