Mandy steht in einer Plantage von Eukalyptus-Bäumen und lässt die trockene Erde durch seine Hände rieseln. «Eine Eukalyptus-Monokultur ist für uns eine grüne Wüste», sagt der Stammesführer der Pataxó.
«Eukalyptus, der Tod bringt»
Das Dorf der indigenen Gemeinschaft im Nordosten Brasiliens ist umgeben von Eukalyptus-Plantagen für die Zellstoffproduktion. Nur noch wenige kleine Gebiete der Mata Atlântica, dem ursprünglichen Regenwald, sind übrig.
Für das indigene Volk der Pataxó ist diese Entwicklung lebensbedrohlich. Während ein natürlicher Wald vor Leben strotzt, herrscht in den Eukalyptus-Reihen ökologische Stille. «Hier keimt nichts, auch keine einheimischen Bäume, die Nahrung, Wasser und Leben spenden», so Mandy Pataxó. «Hier hat es nur Eukalyptus, der Tod bringt.»
Eukalyptus wächst so schnell wie kein anderer Baum, trocknet aber den Boden aus. Durch die Nachfrage nach Papier und Karton werden aber immer mehr Gebiete Brasiliens mit Eukalyptus-Plantagen überzogen. Meistens durch den Grosskonzern Suzano, ein riesiger Zellstoffproduzent.
CO₂-Kompensation: Zertifikate mit Verfallsdatum
Pikant: Suzano verdient nicht nur an der Zellstoffproduktion, sondern mischt auch im Markt für CO₂-Zertifikate mit. Viele Unternehmen kaufen solche Zertifikate, um ihren CO₂-Ausstoss zu kompensieren und sich so als klimafreundlich darzustellen.
Generell gilt das Bäume pflanzen in der öffentlichen Wahrnehmung als wichtige Massnahme gegen den Klimawandel. An der UNO-Klimakonferenz in Glasgow 2021 sagten rund 140 Länder zu, Waldverluste bis 2030 zu stoppen und umzukehren. Auch eine umstrittene Studie aus Zürich, die Aufforstung als wirksamste Massnahme gegen den Klimawandel bezeichnete, befeuerte diesen Trend (siehe Box).
Der Hype – und sein Haken
Doch viele der grossangelegten Aufforstungsprojekte finanzieren Monokulturen mit wie in Brasilien. Oft werden die Bäume nach Ablauf einer bestimmten Zeit wieder gefällt und das gebundene CO₂ wieder freigesetzt.
«Kohlenstoffausgleiche sind heute wie Ablässe im Mittelalter, mit denen man sich von seinen Sünden freikaufen konnte», sagt US-Waldforscher Matthew Fagan. Die meisten dieser Projekte seien übertrieben optimistisch und es gebe kaum Nachforschung.
Plantagen verdrängen Naturwälder
Matthew Fagan stellt mit kartografischen Studien fest, dass Plantagen, wie jene in Brasilien, weltweit auf dem Vormarsch sind. Ihre Dominanz und die Verdrängung natürlicher Wälder habe in den letzten Jahren stark zugenommen.
Besonders problematisch: 92 Prozent der neuen Plantagen entstanden laut seinen Untersuchungen in Biodiversitäts-Hotspots, also in Gebieten, die besonders reich an Pflanzen- und Tierarten sind. Matthew Fagan: «Das ist alarmierend.»
Für Fachleute wie Fagan ist klar: Waldplantagen sind kein Ersatz für natürliche Wälder, die ein vielfältiges Ökosystem bilden. Um den Klimawandel zu bremsen, sei es wichtig bestehende Wälder zu schützen und eine naturnahe Aufforstung zu fördern.