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Klimamassnahmen unter der Lupe Wie sinnvoll sind die Umwelt-Massnahmen der SRF-Community?

Von veganer Ernährung bis zu komplett neuen Fenstern – die SRF-Community tut einiges, um das Klima zu schonen. Wie sinnvoll sind die Massnahmen? Wir haben unseren Experten gefragt.

Vor einigen Tagen haben wir unsere Community auf Facebook gefragt: «Was habt ihr in eurem Leben dem Klima zuliebe verändert?» In über 100 Kommentaren haben unsere Leserinnen und Leser geschildert, wie sie klimaschonender leben. Zehn Beispiele haben wir rausgepickt und unseren SRF-Klima-Experten Thomas Häusler gefragt: Was taugen die Umwelt-Massnahmen unserer Community?

Thomas Häusler

Thomas Häusler

Wissenschaftsredaktor

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Thomas Häusler ist Wissenschaftsredaktor bei SRF. Er hat in Biologie doktoriert und eine Weiterbildung in Wassermanagement an der Uni Genf absolviert.

Faire Kleidung kaufen 

Faire Kleidung kaufen gehört vermutlich nicht zu den Top-10-Massnahmen, die jede:r einzelne tun kann, um den CO2-Abdruck zu verkleinern. Schon eher, Kleider länger tragen und weniger kaufen. Das spart neben CO2 vor allem auch viel Wasser, weil Baumwolle vielerorts bewässert werden muss. 70 Prozent des globalen Wasserverbrauchs stammen von der Landwirtschaft. Aber faire Kleidung kaufen ist vom sozialen Aspekt her empfehlenswert – auch dies wird von der Uno unter Nachhaltigkeit verstanden.

Auto durch ÖV ersetzen

Wer sein Auto öfter stehen lässt oder gar keines kauft, spart etliches an CO2 ein: Weil er oder sie kein Benzin verbrennt – und jenes, das bei der Herstellung des Autos anfällt. Natürlich produziert auch der Bus im ÖV CO2 (wenn es kein E-Bus ist), aber deutlich weniger pro Kopf und Kilometer.

Auf vegane Ernährung umstellen

Das spart einiges an Treibhausgasen ein. Denn die Produktion von Fleisch verursacht Treibhausgase durch die Tierhaltung, zum Beispiel Methanausstoss der Kühe, aber oft auch durch den zusätzlichen Flächenverbrauch für das Tierfutter: Im Amazonas werden noch immer grosse Flächen Regenwald für Rinderfarmen gerodet, die gefällten Bäume verbrannt. Dieses Land wird später vielfach für den Soja-Anbau verwendet – viel Soja, das in der Schweiz an Tiere verfüttert wird, stammt aus dem Amazonas.

Legende: Fürs Klima auf Fleisch verzichten? Für einige aus der SRF-Community ist dies ein Kompromiss, den sie gerne eingehen. Keystone / URS FLUEELER

Allerdings gibt es weltweit auch Regionen, in denen praktisch nur Viehwirtschaft, aber kein Ackerbau möglich ist. Bis die Welt aber nur noch Fleisch aus solchen Regionen beziehen kann, müssen noch viele Menschen den Fleischkonsum reduzieren.   

Ölheizung durch Wärmepumpe und Sonnenkollektoren ersetzen

Das spart einiges an CO2 ein, das früher die Öl- oder Gasheizung ausstiess. In den Solarpanels stecken durch die Herstellung einiges an grauer Energie – und weil sie meist in China hergestellt wurden, damit auch CO2 durch Kohlestrom. Aber wer seine Panels lange einsetzt, reduziert unter dem Strich viel CO2.

In eine kleinere Wohnung gezogen

Auch dies führt in der Regel zur CO2-Reduktion, weil heute noch viele Häuser mit fossilen Heizungen geheizt werden: Wer weniger Fläche bewohnt, braucht weniger Heizenergie. Zudem verursacht er oder sie auch weniger Energie beim Bauen – durch die fossile Energie die von den Baumaschinen verwendet werden und – vor allem – durch den kleineren Verbrauch an Beton. Denn die Herstellung von Zement, der im Beton steckt, verursacht viel CO2. Zudem wird durch eine kleinere Wohnfläche die Zersiedelung reduziert.

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Auf kleinem Fuss – Wie lebt es sich im Tiny House?
26:51 min, aus Input Story vom 08.01.2020.
abspielen. Laufzeit 26:51 Minuten.

Lebensmittel nur noch unverpackt kaufen

Eine klare Bilanz ist schwierig. Grundsätzlich kann man sagen: Auf unnötige Verpackung verzichten ist gut und kann CO2 einsparen, das bei der Herstellung der Verpackung anfällt. Allerdings schützt Verpackung auch, zum Beispiel leicht verderbliche landwirtschaftliche Produkte. Wenn ungeschützte Produkte schneller schlecht werden, kann der CO2-Spareffekt verpuffen oder sich gar ins Gegenteil verkehren.

Regenwasser für die Gartenbewässerung nutzen 

Die Aufbereitung von Trinkwasser braucht Energie, darum spart man mit dem Einsatz von Regenwasser im Garten sicher Energie. In der Schweiz steckt im Strom aber relativ wenig CO2, weil wir vor allem mit Wasserkraft und Atomkraft Strom produzieren. Importstrom kann allerdings aus fossilen Kraftwerken stammen.

Legende: Der Schweizer Strom kommt zu einem grossen Teil aus Wasserkraft. Bei anderen alternativen Energiequellen wie Wind und Sonnenenergie hinkt die Schweiz im europäischen Vergleich jedoch noch hinterher. IMAGO IMAGES / IMAGEBROKER

Aus einem «perfekten» Rasen eine Bienenwiese mit Stauden machen

Wenn das bedeutet, dass man den Rasen nicht mehr mit Kunstdünger düngt, spart man etwas CO2 ein – denn für die Düngerherstellung (vor allem Stickstoff), braucht es viel fossile Energie.

Hausfassade neu isolieren und Fenster austauschen 

Ein isoliertes Haus kann man mit weniger Energie heizen. Tut man dies mit einer Ölheizung, reduziert man durch die Isolation direkt den CO2-Ausstoss. Hat man schon eine Wärmepumpe, spart man zumindest Strom, der für eine andere Aufgabe zur Verfügung steht. Da der Bedarf an sauberem Strom künftig stark ansteigen wird, eine gute Sache.

Haushaltsgeräte und Elektrogeräte länger nutzen oder reparieren

Dinge reparieren und länger nutzen ist gut, weil in allen Dingen graue Energie aus der Herstellung steckt. Bei manchen Geräten sollte man sich allerdings informieren, denn moderne Waschmaschinen, Tumbler, Kühlschränke, Tiefkühler und anderes brauchen deutlich weniger Strom als alte. Darum kann sich ein Neukauf lohnen, wenn das defekte Gerät ein gewisses Alter hat.

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30 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Lehmann  (Mike123)
    Das Hauptproblem im Umweltschutz und Klimaneutralität sind die Massen an Ressourcenverbrauch und damit hergehend die Abfall-Flut.
    Die Lösung bei der rasant wachsenden Bevölkerung und Wirtschaft kann nicht sein, dass einfach alle sich nur noch auf Reduktion und Einschränkungen statt auf Stopp des ungezügelten Wachstums der Bevölkerung konzentrieren. Der Kampf um die Verteilung bestehender Ressourcen hat bereits mit Aufrüstung mit Waffen begonnen.
  • Kommentar von Patrik Widmer  (aran)
    keine Kinder kriegen!
    1. Antwort von Marcel Lehmann  (Mike123)
      Entweder die Welt bringt die ungehemmte Zunahme der Bevölkerung in den Griff oder die Natur tut es.
    2. Antwort von Timo Bucher  (rasifix)
      und wer zahlt ihre Altersvorsorge?
  • Kommentar von Monika Hug  (Frau Hug)
    Wunderbar, das zeigt auf, dass jeder und jede ganz viel im Alltag tun kann. Für mich ist das schon seit Jahren Programm, z.B. auch ausschliesslich regional und lokal einkaufen, vegane Lebensweise, keine Flug- und Schiffsreisen, d.h. Ferien in der Schweiz und das seit Jahren. Es ist schade, dass viele das mit Verzicht gleichsetzen, statt zu sehen, dass sich Neues auftut, und man sehr viel Neues entdecken und lernen kann, das so nah liegt. Statt ständige auf andere zeigen, bei sich beginnen.
    1. Antwort von Marcel Lehmann  (Mike123)
      Wenn Sie sich noch mehr anstrengen würden, hätten noch viel viel mehr Menschen auf der Erde platz.