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Auf der Jagd nach alten Mülldeponien
Aus SRF News vom 18.04.2019.
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Alte Mülldeponien im Wald Der Jäger des verlorenen Abfalls

Marco Agostini suchte im Wald nach Pilzen. Gefunden hat er Abfall von alten Siedlungsmüll-Deponien. Jetzt kämpft er dafür, dass der Müll nicht den kommenden Generationen vererbt wird.

Ein idyllisches Fleckchen Erde nahe der Gemeinde Grellingen im Kanton Baselland. Hier klappt Marco Agostini sein Laptop auf. Denn er will nicht die Natur geniessen, sondern den Abfall finden, der darunter vor sich hin modert.

Mithilfe eines öffentlichen Registers identifiziert er ehemalige Mülldeponien. Die meisten Deponiestandorte sind bekannt. Ihre Auswirkungen auf die Umwelt aber nicht. Deshalb sucht Marco Agostini vor Ort nach den Abfällen aus der Vergangenheit.

Legende: Ein Auto im Waldboden: 15’000 solcher ehemaligen Mülldeponien gibt es in der Schweiz. SRF

Der Abfalljäger wird schnell fündig. Fässer, Plastikplanen, Glasscherben, ja sogar ein ganzes Auto liegen hier offen auf dem Waldboden. Bis in die späten 1970er-Jahre wurden hier Abfälle entsorgt. In der freien Natur, so wie es damals Usus war.

Erst im Jahr 2000 wurde das Deponieren von brennbaren Abfällen verboten. 15’000 ehemalige Mülldeponien gibt es aber noch über die ganze Schweiz verteilt.

Gift im Boden

Heute sind sie meist unter einer Erdschicht begraben. Doch unter dem Boden modert der Abfall weiter. Einige Deponien lecken, es treten Fäulnisgase wie Methan aus. Manchmal kommt der Abfall – wie in Grellingen – wieder an die Oberfläche, weil der Regen die Erdschicht wegschwemmt.

Legende: Marco Agostini findet es unverständlich, dass ehemalige Mülldeponien in den Wäldern vor sich hinrotten können. SRF

Für Marco Agostini ist klar: Die Deponie bei Grellingen müsste ausgegraben und der Müll verbrannt oder rezykliert werden. «Für mich ist das Gift. Und Gift muss raus aus dem Boden». Der Kanton hat Agostinis Meldung zur Kenntnis genommen und prüft Massnahmen.

Bedrohtes Grundwasser

Nur wenige Kilometer von Grellingen entfernt hat Marco Agostini am Länzberg eine weitere Deponie in ähnlich desolatem Zustand gefunden. Er informierte die Behörden, jetzt fahren die Bagger auf und holen die Sünden der Vergangenheit aus dem Boden.

Die Erde ist vom Müll schwarz verfärbt. Plastik, Batterien und Autoreifen kommen zum Vorschein. Das Amt für Umwelt und Energie Baselland untersucht, wie belastet die Abfälle im Boden sind und ob Sickerwasser aus der Deponie das Grundwasser belastet.

Einfach wieder zugedeckt

Saniert wird die Deponie aber nur, wenn sie ein Sicherheitsrisiko darstellt und als Altlast deklariert wird. Sonst kommt einfach wieder Erde über die Abfälle. Für Marco Agostini ist das zu wenig. Er findet es falsch, dass die Abfälle einfach an die nächste Generation weitergereicht werden.

Legende: In den öffentlichen Registern sind die Orte der ehemaligen Mülldeponien verzeichnet. Mit Hilfe des Internets spürt Agostini sie auf. SRF

«Ich finde es schlimm. Aber das Gesetz schreibt im Moment nicht vor, dass man dieses Zeug wegnehmen muss. Es kommt wieder in den Boden, eine schöne Deckschicht darüber – und für die nächsten 20 Jahre ist wieder Ruhe», empört sich der Abfalljäger. Deshalb kämpft Marco Agostini weiter für seinen Traum: Dass irgendwann alle Abfälle aus dem Boden entfernt werden.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von David Rothen  (EinGrünerundmehr)
    Merci Herr Agostini!
  • Kommentar von Sandy Rauch  (Fibi)
    Ich bin nicht vermögend, aber bereit 600 CHF pro Jahr und für die nächsten 20 Jahre zu zahlen, dass unsere Kinder nur noch all die anderen Lasten, nicht aber unsere Altlasten im Boden, tragen müssen.
    Für vieles wird Geld ausgegeben, unsere Lebensgrundlage Erde ist aber wichtiger, sonst brauchen wir bald für nichts mehr Geld ausgeben. Ist doch recht simpel.
  • Kommentar von Alex Bauert  (A. Bauert)
    In den Böden der Abfall, in allen Gewässern auch. Dazu alle Kriegsschiffe des 20. Jahrhunderts mit Schweröl und 10-Tausenden von Tonnen Sprengstoff. All das wird noch wirksam. Sollten wir nicht alle Armeen abschaffen, bzw. auf ein Minimum reduzieren und anfangen, die echten Probleme zu lösen?
    1. Antwort von Lukas Gubser  (Mastplast)
      Gerade die extreme Aufrüstung von Indien und China katapultiert Ihre Träume einer armee/waffenfreien Welt ins jehnseits.
      Es werden nicht nur im Umwelt und Klimabereich sondern auch im Sicherheitsbereich gewaltige Aufgaben auf die Westmächte zukommen.