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CO2-Wunder Island
Aus Kultur Webvideos vom 01.09.2021.
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CO2-Wunder Island Der grösste CO2-Staubsauger der Welt kommt aus der Schweiz

Der Klimaschutz kommt zu langsam voran. Der globale CO2-Ausstoss nimmt nach wie vor zu. Um die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten, muss das CO2 im grossen Umfang aus der Atmosphäre gefiltert werden.

Die Schweizer Firma Climeworks baut dafür in Island den grössten CO2-Staubsauger der Welt. Kommende Woche soll die Anlage in Betrieb gehen und jährlich 4000 Tonnen CO2 aus der Luft entfernen und im Untergrund speichern.

Climeworks ist führend bei der sogenannten «Direct Air Capturning»-Technologie, die CO2 aus der Luft filtert. 2017 nahm sie in Hinwil die erste kommerzielle Anlage weltweit in Betrieb. Jetzt will das Unternehmen die nächste Stufe zünden. Und zwar in Island.

Legende: Die erste kommerzielle Anlage von Climeworks in Hinwil filtert rund 900 Tonnen CO2 aus der Luft. Das CO2 wird in einem benachbarten Treibhaus als CO2-Dünger und als Kohlensäure in der Getränkeindustrie genutzt. Keystone

Dauerhafte Speicherung im Untergrund

Zusammen mit der isländischen Partnerfirma Carbfix will Climeworks in grossem Stil CO2 aus der Luft filtern und dauerhaft im Boden speichern. Carbfix ist Pionier in der CO2-Speicherung und hat ein Verfahren entwickelt, um das Klimagas im vulkanischen Gestein, dem Basalt, zu mineralisieren. Also in Stein umzuwandeln.

Carbfix konnte nachweisen, dass bereits nach zwei Jahren fast das gesamte in den Boden eingebrachte CO2 mineralisiert und so dauerhaft im Untergrund gebunden bleibt. Ein Vorgang, der auch in der Natur passiert – nur wird er hier um ein Vielfaches beschleunigt.

Climeworks will die Volumen bald vervielfachen. Man sei in der Lage, innert drei bis vier Jahren die Kapazität um den Faktor 80 zu erhöhen. «Wir sehen dass wir bis 2050 mit dieser Technologie  in eine Grössenordnung kommen können, wo wir einige Milliarden Tonnen  CO2 aus der Atmosphäre nehmen können», sagt Climeworks-Marketingleiter Daniel Egger. Was sich nach viel anhört ist dennoch nur ein relativ geringer Prozentsatz der gut 40 Milliarden Tonnen CO2, die heute jährlich emittiert werden.

Hoher Energieverbrauch

Das «Direct Air Capturing» benötigt viel Energie. Jede Tonne CO2 die aus der Luft gefiltert wird, verbraucht 2500 Kilowattstunden Energie. Damit könnte man mit einem kompakten Elektroauto rund 17 000 Kilometer fahren. Fast um die halbe Welt.

Entscheidend für ihre Wirksamkeit ist deshalb, dass für die CO2-Staubsauger ausschliesslich erneuerbare Energie verwendet wird. Island ist der perfekte Standort, weil hier Geothermie im Überfluss vorhanden ist.

Doch um CO2 in klimarelevanten Grössenordnungen aus der Luft zu saugen, wird auch diese Energiequelle bei Weitem nicht reichen. Daniel Egger räumt ein, dass das Verfahren nur in Gebieten Sinn macht, wo es nicht in Konkurrenz mit anderen Energieverbrauchern stehe. Vorteil der CO2-Staubsauger sei aber, dass sie standortunabhängig sind. «Wir können an Orte hingehen, wo die erneuerbare Energie sonst gar nicht genutzt werden könnte. Beispielsweise Wüstenregionen, welche keine Netzerschliessung haben.»

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Ist ein CO2-Endlager auch im Schweizer Untergrund möglich?
Aus Einstein vom 01.09.2021.
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Vermeidung von CO2 bleibt vorrangig

Klar ist: Die Technologie ist kein Freibrief, um weiterzumachen wie bisher. Die Schweiz will bis 2050 klimaneutral sein. Die Abkehr von fossilen Energieträgern ist dabei der zentrale Pfeiler.

Doch die langfristige Klimastrategie des Bundes geht davon aus, dass die Schweiz bis zum Jahr 2050 ihre Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 nur um rund 90 Prozent vermindern kann. Die verbleibenden 10 Prozent müssten mit Negativemissionstechnologien ausgeglichen werden, welche das CO2 dauerhaft aus der Atmosphäre entfernen.

Climeworks hat eine Lösung. Doch bis das CO2 in relevanten Mengen aus der Atmosphäre gefiltert werden kann, ist noch ein langer Weg zu gehen.

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Einstein, 26.08.2021, 21:00 Uhr

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Otto Schwarzenbach  (_)
    @SRF: In CO2, H2O und jeder chemischen Formel wird die Zahl 'tief' geschrieben. Klappt übrigens auch in diesem Text nicht... Wie wär's mit einer anderen Software?
  • Kommentar von Jean-Pierre Schibich  (spectator)
    Übrigens binden auch Waldgebiete viel CO2. Man sollte sie halt nicht abholzen - z.B. in Indonesien oder im Amazonasgebiet. Gabs da nicht mal eine Abstimmung bei uns?
  • Kommentar von Jean-Pierre Schibich  (spectator)
    Das Allheilmittel Technik: Mit gewaltigem Energieverbrauch (ist erneuerbare Energie für diese Geräte überall auf der Welt möglich?) das CO2 wieder dorthin bringen, wo es Jahrmillionen gelagert war - bis man es als Kohle und Öl aus dem Boden geholt hat! Bezahlen werden das doch hoffentlich die Ölkonzerne und Kohlekraftwerkbetreiber ...