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Landwirtschaft – mit der Natur!
Aus NETZ NATUR vom 10.12.2020.
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Regenerative Landwirtschaft Diese Bauern produzieren ohne Pestizide

Pro Jahr werden in der Schweiz rund 2000 Tonnen Pestizide versprüht. Diese vier Bauern zeigen: Es geht auch anders.

Für einen Winzer, einen Obstbauer und zwei Gemüseproduzenten ist Landwirtschaft ohne Gift kein Wunschdenken, sondern längst Alltag. Vier Landwirte, drei Fragen und eine Überzeugung: Pestizide? Nein danke.

Roland Lenz, Winzer

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Rebbau ohne Pestizide
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Wie geht Rebbau ohne Pestizide? Die gängigen Schweizer Rebsorten sind besonders anfällig auf Mehltaupilze und so kommen auch viele Bio-Weinproduzenten nicht ohne den Einsatz von Kupfer aus. Deshalb setzt Roland Lenz auf neu gezüchtete Sorten, sogenannte PIWI-Reben, die gegen Pilzbefall robust sind. Zudem überlässt er breite Streifen im Rebberg der Biodiversität und fördert so die natürlichen Feinde der Insekten, die seinen Pflanzen gefährlich werden können.

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PiWi: widerstandsfähige Reben statt Spritzmittel
08:25 min, aus Kontext vom 20.12.2018.
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Was ist der besondere Nutzen? Regelmässige Spritzaktionen gegen Mehltau in den Reben sind aufwändig und zeitintensiv. Diese Arbeit fällt weg. Zudem wird der Boden nicht mit Kupfer belastet, welches sich in vielen Rebbergen als Schwermetall im Boden anreichert.

Wo liegen die Schwierigkeiten? Die PIWI-Sorten sind wenig bekannt und man misstraut ihrer Weinqualität. Sie haben teilweise kryptische Namen wie «Cal 1-36», weil ihnen die Behörden bis jetzt die staatliche Lizenz, die Appellation, verweigern. Das erfordert bei der Kundschaft viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit.

Helmut Müller, Obstbauer

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Obstbau ohne Pestizide
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Wie geht Obstbau ohne Pestizide? Helmut Müller setzt in seinem Obstgarten auf robuste Pflanzen und auf eine hohe Sorten-Vielfalt. Schadinsekten oder Krankheiten machen sich dadurch nur begrenzt bemerkbar.

Was ist der besondere Nutzen? Die unterschiedlichen Obst-Sorten werden zu unterschiedlichen Zeiten reif. Dadurch können Helmut Müller und seine Frau Monika Bühler das Obst der Bäume vom Frühsommer bis in den Herbst ohne zusätzliche Hilfskräfte ernten.

Wo liegen die Schwierigkeiten? Mit den bekannten Apfel- und Birnensorten wie Gala, Golden Delicious oder Williams ist diese Art des pestizidfreien Anbaus nicht möglich, denn alle diese Sorten sind stark krankheitsanfällig.

Stefan Brunner, Gemüsebauer

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Gemüseanbau ohne Pestizide
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Wie geht Gemüsebau ohne Pestizide? Stefan Brunner bewirtschaftet seinen Biobetrieb nach den Prinzipien der regenerativen Landwirtschaft und ist dabei, auf eine Mischform aus Permakultur und Agroforstwirtschaft umzustellen. Er baut in kleinen Einheiten eine grosse Vielfalt an Gemüsesorten an und probiert ständig Neues, um die Qualität seines Bodens zu verbessern.

Was ist der besondere Nutzen? Die grosse Vielfalt an Gemüsesorten erlaubt es Stefan Brunner, das ganze Jahr hindurch ein breites saisonales Angebot anzubieten. Ausfälle einzelner Kulturen fallen dadurch weniger ins Gewicht.

Wo liegen die Schwierigkeiten? Der Aufbau einer regenerativen Landwirtschaft erfordert Zeit und die Bereitschaft, sich neues Wissen anzueignen, welches in der gängigen Ausbildung zum Landwirt nicht gelehrt wird.

Matthias Hollenstein

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Gemüseanbau ohne Pestizide
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Wie geht Gemüsebau ohne Pestizide? Der Betrieb mit dem Namen «SlowGrow» setzt stark auf das Mulchen. Im Gegensatz zum herkömmlichen Gemüsebau ist hier der Boden selten offen, sondern meist mit einer Schicht aus Pflanzenmaterial bedeckt. Dadurch ist das Bodenleben geschützt und stellt den Pflanzen die nötigen Nährstoffe zur Verfügung.

Was ist der besondere Nutzen? Die Mulchschicht auf dem Boden vermindert das Aufkommen von unerwünschten Pflanzen und hält den Boden auch bei langanhaltender Trockenheit feucht. Die Pflanzen erhalten die Nährstoffe bedarfsgerecht und wachsen in natürlichem Tempo. Dadurch sind sie kräftig und weniger anfällig auf Pilzkrankheiten oder auf Insektenfrass.

Wo liegen die Schwierigkeiten? Die Entwicklung neuer Anbaumethoden ist zeitintensiv, erfordert Ideen und Experimentierfreude und auch eine gewisse Frustrationstoleranz, wenn einmal etwas schiefgeht. Die gängige Agroforschung bietet kaum Lösungen in diesem Bereich.

Sendung: SRF 1, Netz Natur, 10.12.2020, 20:05 Uhr

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50 Kommentare

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  • Kommentar von Fritz Rueegsegger  (Matterhorn+234)
    Leider ein sehr einseitiger Bericht. Es ist nicht alles schlecht in der konventionellen Landwirtschaft. Zudem ist die Schweiz auch in der konventionellen Landwirtschaft betreffen Tierwohl und Umweltverträglichkeit in Europa führend. Schauen Sie sich mal die Mastbetriebe in Norddeutschland an (Schweine, Puten, Hähnchen) oder die Maismonokulturen für Biogasanlagen. Aber das interessiert die Schweizer, die über der Grenze einkaufen, nicht. Bitte mehr Ausgewogenheit.
    1. Antwort von Jürg Suter  (Sut)
      Wenn Sie den Film gesehen hätten, wäre Ihr Kommentar vermutlich etwas anders. Die Problematik wurde sehr wohl angesprochen und ging aus der Aussage klar hervor, dass noch viel Forschung auf diesem Gebiet betrieben werden muss. Die Ausgewogenheit war gegeben.
  • Kommentar von David Brunner  (db)
    Selber Biolandwirt hätte ich ein paar Fragen an den guten (aber einseitigen) Film: Wie sehen die Landwirte die Vernichtung von Kleinlebewesen durchs Mulchen? Bei M.Hollenstein werden Hackschnitzel als Mulch eingesetzt: Führt dies nicht zu einer Bodenversauerung? Wie gross sind die Flächen z.B. bei M.H.: viele Probleme tauchen erst aber einer gewissen Fläche auf. Kartoffelkäfer: Wie erklärt er sich, dass dieser sich nicht problematisch vermehrt - laut Büchlein hat er keine Fressfeinde.
    1. Antwort von Isabella Sedivy  (Isabella Sedivy)
      Guten Tag. Ich habe obigen Bericht verfasst. Am besten wenden Sie sich mit Ihren Fragen direkt an Herrn Hollenstein (Slow Grow). Bestimmt kann er Ihnen ihre Fragen beantworten. Es ist aber auch nicht so, dass er für alle Herausforderungen schon eine Lösung hätte. Darum versucht er auch ständig wieder Neues. Genau wie auch Herr Brunner, an den Sie sich ebenfalls wenden können.
  • Kommentar von Walter Strupler  (w.strupler)
    Für was testet Herr Lenz Drohnen für das ausbringen von Pflanzenschutzmittel? Es gibt einfach nicht schwarz-weiss, wie viele in den Kommentaren schreiben. Wir stellen gerne ein Versuchsparzelle Zuckerrüben zur Verfügung um ohne Pflanzenschutz den Acker Unkraut frei zu haben. Wenn jeder, der die Bauern als Umweltvergiftung darstellt, einen Tag seiner Freizeit opfert und den Rübenacker Unkräuter frei hält. Vielen Dank
    1. Antwort von Isabella Sedivy  (Isabella Sedivy)
      Nein, nichts ist schwarz-weiss. Aber die Pflanzenschutzmittel, die Herr Lenz benutzt sind keine Pestizide, sondern Stärkungsmittel für die Reben. Extrakte von Brennnessel, Schachtelhalm, Baumrinde und Algen in homöopathischer Dosierung. Von der Drohne verspricht er sich einen Vorteil für die Struktur seines Bodens, weil er so nicht durch die Reben fahren muss.
      Pflanzenschutz im Rüberacker gegen Unkraut bedeutet hingegen, dass unerwünschte Pflanzen mit Gift abgetötet werden.