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Swiss Overshoot Day Seit heute leben wir auf pump – was kann ich tun?

Heute, am 11. Mai 2026, ist es wieder soweit: Die Schweiz hat die Menge an natürlichen Ressourcen aufgebraucht, die sich im selben Zeitraum wieder regenerieren kann. «Swiss Overshoot Day» heisst dieser Tag, die Berechnungen dazu stammen vom Thinktank «Global Footprint Network». 11. Mai – das klingt früh, ist aber ähnlich wie in den vergangenen Jahren. SRF-Wissenschaftsredaktorin Katrin Zöfel über den «Overshoot Day».

Katrin Zöfel

Wissenschaftsredaktorin

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Katrin Zöfel ist Wissenschaftsjournalistin bei SRF. Sie ist Biologin und spürt gerne den Fragen nach, die der wissenschaftliche Fortschritt unserer Gesellschaft stellt.

In welche Richtung geht die Entwicklung in der Schweiz?

Seit knapp 20 Jahren sinkt der Ressourcenverbrauch in der Schweiz. Die Schweiz verbraucht aber nach wie vor sehr viele Ressourcen – ganz banal gesagt, weil sie reich ist. Wer reich ist, konsumiert mehr und richtet sich das Leben gemütlich und gut geschützt ein – und bisher geschieht das nicht nachhaltig. Auch die starke Schweizer Wirtschaft spielt eine Rolle. Sie boomt und produziert, auch das braucht Ressourcen. Etwa zwei Drittel des Umwelteffekts lagert die Schweiz dabei ins Ausland aus. Das heisst, es werden Güter und Energie importiert und hier verbraucht. Für die Menschen in der Schweiz ist der Schaden des Verbrauchs nicht direkt spürbar, in der Bilanz taucht er natürlich trotzdem auf.

Was bedeutet das für die Schweiz und die Erde?

In der Schweiz liegt der Verbrauch 2,8‑mal höher als das, was nachhaltig wäre. Trinkwasser, Böden, Wälder, Rohstoffe, Luft und Klima werden übernutzt oder geschädigt. Die Konsequenzen sind sinkende Grundwasserspiegel, Versalzung und Versteppung von Böden, schrumpfende Wälder, Überfischung, Gletscherschwund und Extremwetter – also der Klimawandel. Teils direkt in der Schweiz, aber eben auch weltweit. Dieser Überverbrauch hat aber auch langfristig konkrete wirtschaftliche Konsequenzen. Was knapp wird, wird teurer. Konzepte, die gerade noch wirtschaftlich waren, sind es morgen vielleicht schon nicht mehr.

Wir leben also sozusagen auf Pump. Was kann ich als Einzelperson machen?

Das sind die altbekannten Punkte: Energieeffizienz, sich eher pflanzlich als tierisch ernähren, haltbare Waren kaufen. Aber: Im Overshoot-Day-Bericht vom letzten Jahr wird hierzu auch eine etwas entmutigende Zahl genannt. Demnach hat der oder die Einzelne etwa 20 Prozent seiner Umweltauswirkungen selbst in der Hand. Die restlichen 80 Prozent hängen an Faktoren, die Einzelpersonen nicht alleine kontrollieren. Also zum Beispiel: Welche Verkehrsmittel gibt es, wie ist die Energieversorgung aufgestellt, wie funktioniert die Müllwirtschaft, wo und wie werden öffentliche Gelder investiert, was wird subventioniert und so weiter.

Machen wir noch einen Schritt zurück: Seit wann gibt es diese Berechnungen und wer steht dahinter?

Das Konzept geht auf die Doktorarbeit eines Schweizers zurück, Mathis Wackernagel. Aus seiner Doktorarbeit an der Universität von British Columbia in Vancouver von 1994 wurde erst ein Buch, «Our ecological footprint». 2003 entstand ein eigener Thinktank, der auch die jährlichen Berichte herausgibt. Die Berechnungen waren anfangs noch einigermassen grob, sind aber seitdem deutlich besser geworden. Inzwischen hat die Gruppe um Wackernagel auch zurückgerechnet. Demnach war der Ressourcenverbrauch in den 1960ern noch im Rahmen des Planeten, seit Anfang der 1970er aber verbrauchen Menschen und Industrie durchgängig mehr, als der Planet eigentlich hergibt.

Das Gespräch führte Sandro Della Torre.

SRF 4, 11.5.2026, 16:35 Uhr ; 

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