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Ist eine Landwirtschaft ganz ohne Pestizide möglich?
Aus nano vom 06.09.2019.
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Umweltschutz Geht Landwirtschaft ganz ohne Gift?

Viele Bäche und Flüsse in der Schweiz sind mit Pestiziden belastet. Diese Pestizide stammen zum grossen Teil aus der Landwirtschaft.

Für sauberes Wasser und zum Schutz der Wasserorganismen muss der Einsatz von Pestiziden stark reduziert oder gar ganz eingeschränkt werden, wie manche fordern.

Doch ist eine Landwirtschaft ohne chemisch-synthetische Pestizide überhaupt möglich? Vier Fachleute geben Antwort.

«Ja», sagt die Vordenkerin

Legende: «Das wird nicht einfach»: Angelika Hilbeck, Agrarökologin, Professorin an der ETH Zürich 3sat

«Wir müssen jetzt einen fundamentalen Wandel herbeiführen. Das wird nicht einfach, weil wir auf der ganzen Front ansetzen müssen: an den ökonomischen Rahmenbedingungen, am Belohnungs- und Produktionssystem und nicht zuletzt beim gesellschaftlichen Handeln.

Die Menschheit können wir auch ohne chemisch-synthetische Pestizide ernähren.

Die Menschheit können wir auch ohne chemisch-synthetische Pestizide ernähren. Schliesslich geht heute der grösste Anteil der produzierten Nahrung in die industrielle Wertschöpfungsketten, insbesondere in die Massentierhaltung oder landet im Abfall.

Hier muss das Umdenken anfangen. Einer der Schlüsselfaktoren für den Wandel ist die Züchtung von robusten und standortangepassten Sorten.»

«Nein», sagt die Pragmatikerin

Legende: «Die Züchtung von robusten Sorten braucht viel Zeit»: Eva Reinhard, Biologin, Leiterin Agroscope 3sat

«Solange wir draussen in der Natur produzieren, bezweifle ich, dass wir komplett auf chemisch-synthetische Pestizide verzichten können. Zwar ist das Potential von neuen, robusten Pflanzenzüchtungen gross. Doch robust heisst nicht, dass die Sorten 100 Prozent resistent sind.

Sobald die Situation extrem wird, benötigen die Bauern Pestizide.

Solange alles im normalen Bereich ist, kann die Pflanze ohne Pestizide wachsen. Sobald die Situation aber extrem wird – es zum Beispiel über längere Zeit feucht und warm ist – können auch robuste Pflanzen von Schädlingen befallen werden und dann benötigen die Bauern Pestizide.

Ausserdem braucht die Züchtung von robusten Sorten viel Zeit. Die haben wir nicht, weil unter anderem wegen des Klimawandels immer neue Schädlinge und Krankheiten in die Schweiz gelangen.»

«Ja, aber», sagt der Visionär

Legende: «Wir müssen also auch unsere Anbausysteme anpassen»: André Stucki, Agronom, Sativa 3sat

«Robuste Pflanzensorten sind nur ein Teil der Lösung. Denn auch sie können nicht alleine mit sämtlichen Schädlingen und Krankheiten fertig werden. Doch statt chemisch-synthetische Pestizide, brauchen die Pflanzen die Hilfe von Nützlingen.

Das sind Insekten, die mit den Schaderregern auf Kriegsfuss stehen und sie bekämpfen. Auf diese Weise unterstützen und schützen sie die Pflanzen, die der Bauer anbaut.

Statt chemisch-synthetische Pestizide, brauchen die Pflanzen die Hilfe von Nützlingen.

Nützlinge benötigen jedoch Hecken und Blühstreifen, um zu leben. Solche Strukturen gibt es heute nicht mehr, zumindest nicht auf den grossen Anbauflächen, die nur auf Effizienz und Hochertrag ausgelegt sind. Wir müssen also auch unsere Anbausysteme anpassen, wenn wir auf Pestizide verzichten wollen.»

«Nein, aber», sagt der Tüftler

Legende: «Moderne Technik könnte helfen»: Heinrich Hebeisen, Agronom, Landwirtschaftszentrum Hohenrain 3sat

«Wir haben heute die Technik, um viel weniger Pestizide spritzen zu müssen, vor allem bei den Herbiziden. Das sind Pflanzenschutzmittel, die Unkräuter bekämpfen. Statt zu spritzen, können wir Unkraut auch mit speziellen Hackmaschinen entfernen, ohne dabei den Boden zu belasten. Unsere Versuche mit Mais zeigen, dass die Erträge etwa gleich hoch sind.

Statt zu spritzen, können wir Unkraut auch mit speziellen Hackmaschinen entfernen. Das ist aber längst nicht so effizient.

Die mechanische Bekämpfung der Wurzelunkräuter ist aber längst nicht so effizient. Wenn wir Herbizide einsetzen, ist der Arbeitsaufwand fünf bis zehnmal geringer. Gerade in der Schweiz haben wir das Problem, dass wir nicht genügend Arbeitskräfte in der Landwirtschaft haben.

Wer diesen Mehraufwand stemmen sollte, wenn die Bauern keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel mehr spritzen dürfen, ist mir schleierhaft. Moderne Technik könnte helfen. Der Einsatz von Robotern & Co. müsste aber günstiger werden.»

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32 Kommentare

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  • Kommentar von Jakob Kellenberger  (jakobke)
    Ist in der Begründung dass das Hackverfahren teurer ist weil eine zusätzliche Arbeitskraft benötigt wird, die Arbeitslosenentschädigung diese mit Pestiziden nicht benötigten Arbeiter miteingerechnet?
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Die Frage ist, wie lange, wollen sich die Schweizer BürgerInnen noch die eigene, vielfache Vergiftung "subventionieren"? Es ist mehr Chemie in der ERDE, im Wasser, in der Nahrung, im Fleisch, als effektiv von den teuren Zuständigen zugegeben wird: Forschung, BAG, BAFU, BLW, BLV, BVET und Co - allesamt entlöhnt von den Volks-Steuergeldern! Die Gesundheitsschädigungen, nehmen weiter zu, denn "der Mensch ist, was der Mensch isst"!
  • Kommentar von David Bachofen  (David90)
    Ich finde es nicht konstruktiv wenn Leute ohne reales Verständnis der Landwirtschaft und der heutigen Marktwirtschaft irgendwelche utopischen Forderungen stellen.
    Kein Bauer setzt zur seiner Freude Pflanzenschutzmittel ein. Die Kosten ein Haufen Geld und werden eingesetzt um die Ernte zu erhalten.
    1. Antwort von Denise Casagrande  (begulide)
      David Bachofen: Fakt ist, die Schweizer Bevölkerung, subventioniert die eigene vielfache Vergiftung ua durch die "industrialisierte LW"! Sie sollten sich effektiv mit der industrialisierten LW auseinandersetzen und deren vielfachen Vergiftung, Zerstörung....! Oder weshalb glauben Sie, dass Pestizide und Fungizide, etc in ERDE und WASSER gefunden wurden, werden?