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Indigo – das alternative Skiwachs
Aus Wissen Webvideos vom 10.03.2022.
abspielen. Laufzeit 2 Minuten 19 Sekunden.
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Umweltsünde Fluor Die Suche nach dem Skiwachs ohne Gift

An den Winterspielen in Beijing sorgte Fluor zum letzten Mal für schnelle Ski. Aber das für Natur und Mensch schädliche Superwachs wird aus dem Wintersport verbannt. Im Rennen nach dem fluorfreien Wachs der Zukunft mischt auch ein Familien-Startup aus dem Rheintal vorne mit.

Die Schnellsten sind die Besten, aber die Besten nicht immer die Schnellsten. Über Sieg oder Niederlage entscheidet im Wintersport oft das richtige Wachs. Die bisherige Wunderwaffe Fluor wird verboten.

Verzweifelt gesucht: eine Gleitschicht, die ebenso schnell wie umweltfreundlich ist. «Der Fluorbann hat die Wachstechnologie um 30 Jahre zurückgeworfen», sagt Andrej Neff, der als Leiter Forschung und Entwicklung «Non Fluor» fieberhaft nach valablen Ersatzprodukten sucht. Wenn es sie denn gibt.

Schlecht für die Umwelt, gut für den Wettkampf

Fluorwachse waren bisher das Nonplusultra. Sie halten die Ski gleitfähig, weil sie Feuchtigkeit, Schmutz und Fett auch bei nassen Bedingungen abperlen lassen. Diese Eigenschaften entscheiden Rennen, gerade im Langlauf. «Bei Nassschnee verlieren Spitzenathletinnen und -athleten ohne Fluorwachse auf 15 Kilometer eine bis anderthalb Minuten», schätzt Swiss-Ski Mann Neff.    

Bei Nassschnee verlieren Spitzenathletinnen und -athleten ohne Fluorwachse auf 15 Kilometer eine bis anderthalb Minuten.
Autor: Andrej Neff Leiter Forschung und Entwicklung «Non Fluor»

Doch Fluor hat einen grossen Haken: Mit dem Superwachs klebt gefährlich viel Gift auf dem Belag. Besonders schlimm sind Verbindungen mit viel Kohlenstoff. Sogenannte C-8 Verbindungen bauen sich weder in der Umwelt noch in Lebewesen ab. Fluorcarbone können Organe schädigen, die Zeugungsfähigkeit beeinflussen, und sie stehen im Verdacht, krebserregend zu sein.

Skiverband unter Zeitdruck

In der EU sind sie seit Mitte 2020 verboten. Der internationale Ski Verband FIS hat den Bann übernommen. Andere Fluorwachse, mit C-6-Molekülen oder tiefer, durften an den Winterspielen in Beijing noch eingesetzt werden. Ab nächster Saison ist aber auch damit Schluss.

In den letzten anderthalb Jahren hat Andrej Neff für Swiss Ski nach eigenen Angaben gegen 250 neue und fluorfreie Wachse getestet. Eine Handvoll zeigte sich in den Tests als mögliche Alternativen. Aber, so Neff: «Im Nassbereich habe ich bislang noch nicht annähernd etwas gefunden, das es mit den Fluorwachsen aufnehmen könnte.»

Im Nassbereich habe ich bislang noch nicht annähernd etwas gefunden, das es mit den Fluorwachsen aufnehmen könnte.
Autor: Andrej Neff Leiter Forschung und Entwicklung «Non Fluor»

Der «Non Fluor»-Tester beim Schweizer Skiverband ist unter Zeitdruck. Bis nächste Saison muss er den Teams von Swiss Ski eine ebenso schnelle wie ökologische Wachs-Alternative präsentieren.

Vielleicht kommt die neue Wunderwaffe aus einem Kellerraum im St. Galler Rheintal. Ein Familien-Startup will die Lösung für eine umweltfreundliche und doch perfekte Gleichschicht gefunden haben: Sie heisst Indigo. Genau wie der Farbstoff jeder Blue Jeans.

Einstein, 10.03.2022, 21:05 Uhr

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Schori  (malanders)
    Vielleicht müsste man einheitlich gewachste Einheitsski verteilen - oder zur Wahl anbieten, wie die Steine im Curling -, damit stünde der Sport im Vordergrund, und nicht das Material.
    Aber es geht ja primär um die Präsentation von Marken. Damit wird der Profisport finanziert. Die Markenskis auf dem Siegerbild sind fast wichtiger als die Sportler:innen.
  • Kommentar von David Huser  (Dave21)
    Nun wenn Fluor verboten wird und sich jeder drann hält, sind die Spiesse ja wieder gleich lang… Problem gelöst.
    1. Antwort von Martin Gebauer  (Mäde)
      ...aber es werden auch die Türen für "Wachsdoping" geöffnet. Zudem können die aktuellen Ski nächste Saison nicht mehr eingesetzt werden, da die Beläge quasi fluorverseucht sind. Schleierhaft ist mir auch wie das Fluorverbot kontrolliert werden soll. Wir werden sehen.