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Das Phänomen der sogenannten «Lichtverschmutzung»
Aus Rendez-vous vom 25.04.2019.
abspielen. Laufzeit 06:51 Minuten.
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Zum Schutz der Dunkelheit Kämpfer gegen Lichtverschmutzung erhalten Beschwerderecht

Der Bundesrat hat dem Verein «Dark-Sky Switzerland» das Verbandsbeschwerderecht im Umweltbereich erteilt.

Weil der Himmel immer heller wird, sehen wir in der Nacht immer weniger Sterne. Einer Studie zufolge können nur noch 40 % der Menschen in Europa die Milchstrasse nachts sehen. Es betrifft also längst nicht mehr nur die Stadtbewohner.

Verein neu mit Beschwerderecht

Gegen diesen «Verlust der Nacht» kämpft seit Jahren ein kleiner Verein mit dem Namen «Dark-Sky Switzerland». Der Bundesrat hat nun dem Verein auf den 1. Juni 2019 das Verbandsbeschwerderecht im Umweltbereich erteilt.

Damit kann «Dark-Sky Switzerland» neu bei geplanten Grossprojekten Einsprache erheben und steht damit auf einer Stufe mit grossen Umweltorganisationen wie WWF oder Pro Natura.

Legende: Jedem Turm sein Scheinwerfer: Die Stadt Zürich bei Nacht. Keystone / CHRISTIAN BEUTLER

Respekt vor der Aufgabe

Lukas Schuler, Präsident von «Dark-Sky», freut sich über die neuen Möglichkeiten und ist sich der Verantwortung bewusst. «Eigentlich sagt das Umweltschutzgesetz schon seit Mitte der 80er-Jahre, dass Strahlung weder störend noch schädlich sein darf, wenn man es technisch und wirtschaftlich ändern kann.»

Es habe bisher aber einfach zu wenig Druck gegeben, das auch tatsächlich zu berücksichtigen. Das Resultat: Flutlichter, die auf Sportplätzen in alle Richtungen strahlen, Strassenlampen, die heller sind als nötig. Oder Zierlichter, die einfach vom Boden direkt in den Himmel strahlen.

Legende: Wenn man nicht mehr sagen kann, wie viel Sternlein stehen: Starke Lichtquellen lassen den Sternenhimmel verschwinden. KEYSTONE / ENNIO LEANZA

Für die Umwelt

Es geht «Dark-Sky» aber nicht nur um den Verlust des Sternenhimmels. Zwar kommt der Verein ursprünglich aus der Ecke von Amateur-Astronomen, aber heute seien die knapp 500 Mitglieder bunt durchmischt.

«Das Thema Licht ist auch in der Ökologie anerkannt», sagt Schuler. Auswirkungen von Licht in der Nacht auf Menschen, Tiere und Pflanzen sind mittlerweile Gegenstand von zahlreichen Forschungsprojekten und es gibt internationale Konferenzen, wo man sich darüber austauscht.

Auch Licht hat Nachtruhe

Es gehe dem Verein nicht darum, Beleuchtungen in der Nacht generell zu verbieten. Bei besonders wichtigen Gebäuden sollen die Lichter auch in der Nacht brennen dürfen, sagt Lukas Schuler und führt als Beispiel die Burgen von Bellinzona an.

Legende: Sollen weiter leuchten dürfen: Die Burgen von Bellinzona. Keystone / Karl Mathis

Doch es gebe viele Beleuchtungen, für die eigentlich eine Nachtruhe eingehalten werden sollte, etwa Werbeplakate und Schaufenster.

Hohes Potential bei Strassenlampen

Um Strom zu sparen, werden immer mehr Natriumdampflampen durch LEDs ersetzt. Das sei prinzipiell gut, sagt Schuler. Aber leider würden oft LEDs eingesetzt, die einen starken Blauanteil ausstrahlen. Genau dieser Teil des Lichts störe am meisten.

Erstens, weil die Wirkung von blauem Licht auf Menschen, Tiere und Pflanzen am grössten ist. Und zweitens, weil das blaue Licht in der Luft besonders gut streut. «Dark-Sky Switzerland» will deshalb, dass möglichst nur LEDs mit einem tiefen Blauanteil bei Strassenbeleuchtungen eingesetzt werden.

«Wer Licht richtig macht, spart viel Energie und Geld», sagt Schuler. Und die Nutzer oder die Betroffenen haben besseres Licht und werden nicht geblendet. Für Schuler gibt es deshalb nur Gewinner, wenn das Thema Licht richtig angepackt wird.

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Es wäre an der Zeit endlich gegen diese Lichtverschmutzung etwas zu unternehmen. Gesundheit leidet, Tiere wie Insekten, Fledermäuse und Vögel nehmen grossen Schaden. Wo bleibt der Umweltschutz, wo die Behörden die endlich etwas dazu unternehmen. Wir schaden unserem Ökosystem von Tag zu Tag mehr und tun nichts. Strassenleuchten die zu hell leuchten und blenden bis in die Wohnquartiere. Das muss nicht sein. Wo bleibt der schöne dunkle Nachthimmel mit Sternen den wir nie mehr sehen vor lauter Licht
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Auch die Schweiz leidet an Lichtverschmutzung – mehr, als man glauben möchte. In den Bergen ist der Sternenhimmel zwar wesentlich besser zu sehen als im Mittelland und der Agglomeration der Städte. Dennoch gibt es in der ganzen Schweiz keinen Ort mehr, wo in der Nacht natürliche Dunkelheit erreicht wird. Der natürliche Wachstumszyklus von Pflanzen durcheinandergebracht wird und Zugvögel und Fischschwärme die Orientierung verlieren. Mein Balkon wird gleich von zwei Strassenleuchten beleuchtet.
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Auch dabei sind alle Menschen beteiligt und müssen aktiv und bewusst weniger elektrischen Strom verbrauchen. Bewusst Licht und sämtliche elektronischen Geräte ausschalten bei Nichtgebrauch. Auch die verschiedenen Behörden, Ämter, müssten längst mittels Einsicht handeln...!??