Im Zoo Basel starben letzte Woche zwei Gorillas. Der Anführer der Gruppe, der sogenannte Silberrücken, griff zunächst ein anderes Männchen an. Das Team des Zoo Basels stellte beim Männchen eine unheilbare Verletzung fest und schläferte das Tier ein. Wenige Stunden später tötete der Silberrücken auch noch sein eigenes Jungtier mit einem Biss. SRF-Wissenschaftsredaktor Sandro Della Torre ordnet ein.
Kennt man diese Art der Gewalt unter Gorillas?
Gerade männliche Gorillas sind oft gewalttätig. Wenn zum Beispiel Einzelgänger auf eine Gruppe treffen, können sie versuchen, den Anführer der Gruppe zu töten oder zu vertreiben. Ist der Herausforderer siegreich, tötet er zudem oft die Jungtiere seines Vorgängers. Ungewöhnlich beim Fall im Zoo Basel ist, dass der Silberrücken sein eigenes, nur vier Tage altes, Jungtier tötete. Laut dem Basler Zoo geschah dies aus Versehen.
Welche Vorgeschichte hat der Fall?
Letztes Jahr starb der frühere Silberrücken der Gruppe. Damit fiel die Schlüsselfigur für die soziale Hierarchie weg. Der Zoo Basel führte im Herbst einen neuen Silberrücken zur Gruppe hinzu – den vierzehnjährigen Yeba. Eine neue soziale Hierarchie musste sich bilden. Schon früh kam es zu Konflikten mit dem zweiten Männchen, dem elfjährigen Mobali.
Ist das gewalttätige Verhalten auf die Bedingungen im Zoo zurückzuführen?
Der Konflikt zwischen den beiden Männchen basiert zumindest teilweise auf einer unnatürlichen Situation. In freier Wildbahn toleriert der Silberrücken nur Männchen in seiner Gruppe, die seine eigenen Nachkommen sind. Zoos kastrieren deshalb oft die anderen Männchen, um sie nicht von der Gruppe separieren zu müssen. Auch Mobali war kastriert. Der Zoo Basel hoffte, dass der Silberrücken ihn so akzeptieren würde. In vielen Fällen gelingt das. In diesem Fall haben sich die beiden Männchen seit Monaten nicht gut vertragen.
Wie reagiert der Zoo Basel auf die Kritik?
Die Naturschutzorganisation Fondation Franz Weber kritisiert diese Woche den Zoo Basel in einer Mitteilung. Sie fordert, der Zoo Basel müsse etwa offenlegen, wie er mit dem monatelang schwelenden Konflikt zwischen den beiden Gorilla-Männchen umging. Der Zoo schreibt auf Anfrage, man habe die Tiere intensiv betreut und beispielsweise zusätzliche Rückzugsräume für das kastrierte Männchen Mobali geschaffen. Allerdings liessen sich trotz angepasster Massnahmen nicht alle Dynamiken verhindern, so der Zoo weiter. Die Fondation Franz Weber fordert zudem, dass der Zoo nicht mehr weiter züchtet. Dies lehnt der Zoo Basel auf Anfrage ab.