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Sommerserie «Anfänge» Wie einen grossen Krieg verhindern?

«Nie wieder Krieg!» war die Losung der Pazifistenbewegung nach dem Ersten Weltkrieg. Ein neuer Weltenbrand sollte für immer ausgeschlossen werden. Eine Institution aller Völker – der Völkerbund in Genf – werde das möglich machen, so die Hoffnung. Das Projekt scheiterte innert eines Jahrzehnts.

Delegierte aus aller Welt im Saal des Völkerbundrates im März 1926.
Legende: Hoffnungsträger ab 1920 – aufgelöst 1948: In Genf trafen sich Delegierte aus aller Welt, um Konflikte zu entschärfen – selten mit Erfolg. (Aufnahme vom März 1926) Deutsches Bundesarchiv, Bild 102-02454 / CC-BY-SA / Wikimedia Commons

Nach dem «Grossen Krieg», wie der Ersten Weltkrieg im englischen Sprachraum bis heute genannt wird, wollte man alles besser machen: keine Geheimdiplomatie mehr unter den Staaten, keine Mauscheleien und Absprachen, sondern nur noch transparente Gespräche in einem geregelten Rahmen.

Auf Drängen des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson wurde schon im Friedensvertrag des Ersten Weltkriegs festgehalten, dass ein «Bund der Völker» gegründet werden soll.

Genf im Fokus der Welt

Die Schweiz war, als neutraler Staat, eine der Kandidatinnen für den Hauptsitz des Völkerbundes. Die offizielle Schweiz machte sich dafür stark dass er nach Genf kam - und hatte mit ihrem weibeln schliesslich Erfolg. So rückte sie praktisch über Nacht in den Fokus der internationalen Politik.

Probleme von Anfang an

Im November 1920 trat der Völkerbund zum ersten Mal zusammen. Vor allem die Siegermächte des ersten Weltkriegs waren vertreten. Allerdings mit einer prominenten Ausnahme: Die USA fehlten. Der amerikanische Kongress verweigerte seinem Präsidenten Woodrow Wilson die Gefolgschaft und beschloss, nicht Mitglied beim Völkerbund zu werden. Dies sollte sich später als eine schwere Hypothek für das Funktionieren des Völkerbundes erweisen.

Im Lauf der nächsten Jahre erhöhte sich die Mitgliederzahl stetig, auf zeitweise über 50 Länder. Auch einige Verlierer des Grossen Krieges wurden Mitglied, wie Ungarn im Jahr 1922 oder Deutschland im Jahr 1926.

Haile Selassie I. Regent Äthiopiens, spricht Ende Juni 1936 in Genf über Italiens Vergehen im Krieg.
Legende: Bericht über Völkerrechts-Brüche im Abessinienkrieg: Haile Selassie I. (1892-1975), Regent Äthiopiens, spricht Ende Juni 1936 in Genf über Italiens Vergehen im Krieg. Keystone

Kritik an der «Schwatzbude»

Einige kleinere Konflikte und Grenzstreitigkeiten konnte der Völkerbund anfangs zwar befriedigend lösen, etwa den Streit um die Ålandinseln zwischen Finnland und Schweden. Doch die 1930-er Jahre waren dann zunehmend von kriegerischen Aggressionen geprägt, bei denen der Völkerbund nichts mehr ausrichten konnte.

Bald wurde er als «Schwatzbude» verhöhnt. Der Organisation fehlten tatsächlich die Mittel, um einen Aggressor zu stoppen. Japan marschierte ungestraft in der Mandschurei ein, Italien in Abessinien und auch Deutschland begann wieder, mit den militärischen Muskeln zu spielen.

Ohne Wille kein Frieden

«Es braucht einen minimalen Friedenswillen aller Beteiligten», erzählt der emeritierte Zürcher Geschichtsprofessor Carlo Moos. Er zieht einen Vergleich zu heute: «Grundsätzlich ist die Uno ebenso wenig in der Lage, einen Grosskrieg zu verhindern wie der Völkerbund». Wenn jemand nur genügend aggressiv auftrete, sei man machtlos, ergänzt der Spezialist für den Völkerbund und die Uno, die als dessen Nachfolge-Organisation gilt.

Gleichgewicht des Schreckens

Dass es seit dem Zweiten Weltkrieg, in dessen Folge die Uno gegründet wurde, nicht mehr zu einem ganz grossen Krieg kam, sieht der Historiker Carlo Moos aber nicht als Verdienst der Organisation. Das Vernichtungspotential der Atomraketen, welche die Grossmächte aufeinander richten und sich so gegenseitig in Schach halten, sei dafür viel entscheidender.

Die Uno als Weltgewissen

Verzichten wollen würde Moos auf die Uno trotzdem keinesfalls: «Alles was die Wahrnehmung von Konflikten schärft, ist fundamental für das ‹Weltgewissen›», sagt er. Und meint damit insbesondere die vielen internationalen Organisationen unter der Schirmherrschaft der Uno, zum Beispiel die Internationalen Strafgerichtshöfe in Den Haag, die sich mit der Aufarbeitung von Konflikten beschäftigen.

Der Völkerbund

Der Völkerbund war eine Organisation mit Sitz in Genf, die nach dem Ersten Weltkrieg den Frieden garantieren sollte. Die zeitweise über 50 Mitgliedsstaaten sollten sich mindestens ein Mal jährlich treffen und «über jede Frage (…) die den Weltfrieden berührt» befinden. Der Völkerbund gilt als die Vorläuferorganisation der Vereinten Nationen (Uno).

Fakten, Hintergründe, Folgen:

Fakten, Hintergründe, Folgen:

Das Attentat von Sarajewo, die Rolle der Schweiz im Ersten Weltkrieg und Postkarten von eidgenössischen Grenzwächtern: Hintergründe, aktuelle Geschichtsforschung und vieles mehr – im Web-Special «Anno 1914 – Der 1. Weltkrieg und die Folgen».

10 Kommentare

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  • Kommentar von Tom van der Lubbe, Zürich
    Trotz aller Rückschläge, die es immer wieder gibt und geben wird, ist die Idee des Völkerbundes und vor allem nachher die Emtwicklung nach dem zweiten Weltkrieg der UNO eine "Erfolggeschichte". Einerseits wurde ein permanentes Gremium kreiert, aber wahrscheinlich noch wichtiger, aber weniger sichtbar für den Laien ist die Entwicklung des internationalen (Völker)rechts und der universalen Menschenrechte, vor allem die Idee vor einem internationalen Gerichtshof immer berechtigt werden zu können.
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    1. Antwort von Michael Dahinden, Muotathal
      Wenn die Mächtigen in den Ländern nicht Recht sprechen können - eine weltweite Organisation wird es noch viel weniger! Weltregierungen sind mit den Menschen vor Ort nicht wirklich vertraut. Dies aber wäre die Voraussetzung dafür, dass ein Richter wirklich den Schwachen hilft.
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  • Kommentar von Jason Hunter, Bern
    Die UNO war, ist und wird immer ein hilfloser Witz sein. Eine Illusion, die Sicherheit und Frieden vermitteln soll aber ständig durch Vetos bestimmter Grossmächte sein eigenes Bein stellt. Nicht mal zu einer schriftlichen, einheitlichen Verurteilung von Kriegsverbrechen ist es fähig, weil die USA, China, Russland etc es zu ihren eigenen Gunsten verhindern. Wie soll denn jemals gegen solche Verbrechen vorgegangen werden?
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  • Kommentar von r.klaus, gümligen
    nie wieder krieg ereichen wir nur durch die zerstörung aller waffen auf der welt. dazu werden keine weitere waffen mehr gebaut. die globalen nachrichten werden abgeschaft. parteien werden aufgehoben. in die politik können nur loyal unabhängige die zum wohle aller handeln, gewählt werden. Die börse und die banken werden abgeschaft. kredite, darlehen werden zinslos nur vom staat gewährt. korruption wird mit dem enzug des ganzen vermögens der familie gehandet. es braucht ein totales umdenken. usw.
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    1. Antwort von Joe Schweizer, Basel
      Aha! Und dann haben wir uns alle plötzlich ganz arg lieb und feiern den ganzen Tag nur Feste. Es würde kein Leid mehr geben auf dieser Welt, alle wären Glücklich und die Sonne scheint den ganzen Tag.... Im Ernst: Es ist absolut richtig wenn man nach Frieden und sozialer Gerechtigkeit strebt. Aber solang wir Menschen Menschen sind, wird es leider Konflikte und Selbstverwirklichung geben. Versuchen wir lieber erst mal, bei uns selber anzufangen.
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    2. Antwort von Jason Hunter, Bern
      Was für eine Verblendete Sichtweise. Anstatt dem Verursacher des Problems werden den Werkzeugen die Schuld gegeben. Typisch. Es sind nicht die Waffen, die hauptsächlich Schuld an unserer Misere haben, sondern der Mensch selbst, der sie herstellt. Und es ist der Mensch, der sie einsetzt, denn die Waffen machen gar nichts wenn sie nicht benutzt werden. Eher wird es Frieden geben, wenn der Mensch ausgerottet wird, als wenn alle Waffen zerstört werden!
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    3. Antwort von r.klaus, gümligen
      Ich stelle fest, dass noch viele menschen nicht sehen wollen um was es geht. leider....
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