Schnelle Glasfaser-Kabel: von Rekord zu Rekord

Mehr Daten zu transportieren in kürzerer Zeit, das geht nur mit besserer Technik. Zum Beispiel mit neuen Glasfaserkabeln. Verschiedene Forschergruppen versuchen, noch mehr aus diesen Kabeln herauszukitzeln. Der Übertragungsrekord pro Sekunde liegt derzeit bei 73 Terabit, das sind etwa 2000 DVDs.

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Bildlegende: Nervenbahnen der Informationsgesellschaft: Durch Glasfaserkabel können Daten nicht nur schnell, sondern auch in grossen Mengen geleitet werden. Keystone

Die Welt ist im Datenfieber. Jede Sekunde werden Unmengen von Daten verschoben – für die Kommunikation übers Internet, für den Börsenhandel, für die Forschung. Das meiste davon läuft durch Glasfaserkabel, die sich rund um die Welt spannen. Diese Kabel sind in den letzten Jahrzehnten immer leistungsfähiger geworden. Für Privatkunden liefern sie derzeit um die 300 Megabit pro Sekunde. An den Börsen werden aber bereits Kabel eingesetzt, die 40 Gigabit pro Sekunde transportieren können, also 40'000 Megabit.

Noch schneller durch Lichtmanipulation

Und der Datentransport soll noch schneller werden, dank der Arbeit von Forschern wie Jürg Leuthold. Der Schweizer Elektrotechniker ist seit kurzem Professor an der ETH Zürich und gehört zur Weltspitze bei der Forschung an neuen Übertragungstechniken. Er ist überzeugt von der Leistungsfähigkeit der Glasfaser: «Die Glasfaser kann Daten nicht nur sehr schnell transportieren, sondern auch viele Daten auf einmal».

Eine Fabrik für Glasfaserkabel in China Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Riesige Datenmengen auf dünnen Fädchen: Die Produktionshalle einer Fabrik für Glasfaserkabel in China. Reuters

Dafür gibt es mehrere Gründe. So kann eine moderne Glasfaser zum Beispiel bis zu tausend verschiedene Lichtwellen auf einmal leiten – obwohl sie dünner ist als ein Haar. Die Wellen stören sich zwar gegenseitig, aber das lässt sich am Ende wieder herausrechnen.

Ausserdem kann man das Licht in der Glasfaser mittlerweile dosieren, sagt Urs Leuthold. Man kann es nicht nur an- und abstellen, sondern auch mehr oder weniger Licht durch die Faser schicken. Im Labor ist es bereits gelungen, über 2000 Lichtstufen zu unterscheiden. Das ist aber nicht alles: Es gibt auch schon Glasfasern, die mehrere Kerne haben – das heisst mehrere Kanäle, in denen das Licht wandert. Das vergrössert die Datenmenge noch einmal.

Mehrere Kerne oder hohle Fasern

Und schliesslich verwendet man heute sogar «gedrehte» Lichtwellen, um mehr Daten zu übertragen. Diese Lichtstrahlen wandern nicht geradeaus, sondern in Spiralen mit grösserem oder kleinerem Durchmesser. So passen mehr Lichtwellen nebeneinander in ein Kabel. Vor kurzem ist es Forschern aus Boston erstmals gelungen, solche Lichtspiralen durch Glasfaserkabel zu schicken.

Glasfaserkabel des deutschen Kabelanbieters Kabel Deutschland. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schnelle Kabel für alle: Laut dem BAKOM sollen bis 2015 etwa 20 Prozent aller Häuser in der Schweiz Glasfaseranschlüsse haben. Reuters

Das Forschungsgebiet ist also sehr aktiv. Die Wissenschaftler überbieten sich regelmässig mit neuen Rekorden. An der Spitze steht zurzeit ein britisches Team. Es hat Glasfaserkabel hergestellt, die teilweise hohl sind. So wird das Licht vom Glas nicht so stark abgebremst und kann schneller durch das Kabel sausen. Dieses Hohlkabel überträg in 1 Sekunde 73 Terabit. Das sind knapp 2000 DVDs pro Sekunde.

Bis diese Glasfaserkabel den Weg aus dem Labor in die Haushalte findet, dauert es allerdings noch. Mit ausgereifter Technik und über längere Strecken liegt der Rekord im Moment «erst» bei etwa 1 Terabit pro Sekunde.

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