Al Gores Satellit warnt künftig vor Sonnenstürmen

Könnten die Menschen sehen, wie zerbrechlich die Erde im Weltall schwebt, würden sie sich vielleicht mehr um die Umwelt kümmern. Das hoffte Al Gore 1998 und liess eine Satelliten-Webcam bauen, die in der Bush-Ära aber flugs eingemottet wurde. Nun ist sie doch ins All gestartet: als Sturm-Warner.

Grafik: Die Teilchen eines Sonnensturms stören das Magnetfeld der Erde. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Sonnenstürme schwächen das Magnetfeld der Erde: Wenn die Sonne ihr glühendes Plasma ins All spuckt, können Stromnetze und Navigationssysteme gestört werden. Imago

DSCOVR – diese Abkürzung steht für Deep Space Climate Observatory, einen Satelliten, der Mittwochnacht von Cape Canaveral aus ins All gestartet ist. Ursprünglich war er als eine Art Webcam für die Erde gedacht – das hatte sich der amerikanische Vize-Präsident Al Gore gewünscht. Doch das Projekt wurde von zu vielen Fachleuten als unnütz eingestuft.

Nun hat der Satellit eine weit wichtigere Aufgabe bekommen: Er warnt vor Sonnenstürmen.

Wenn der Sonnenwind zum Sturm wird

Denn die Sonne macht nicht nur auf der Erde das Wetter – bringt die Atmosphäre in Wallung, lässt Wasser in die Luft steigen und Schnee schmelzen –, sondern auch im All. Von ihr geht ein konstanter Wind aus. Dieser Sonnenwind ist ein Strom von elektrisch geladenen Teilchen.

Meist merken wir nichts von diesem Wind, denn das Magnetfeld der Erde und die Atmosphäre fangen die Teilchen ab. Manchmal aber hat die Sonne eine gewaltige Eruption. Dann bläst sie mit einem Mal eine gewaltige Ladung dieser Teilchen ins All und der Sonnenwind wird zum Sonnensturm.

Ein Polarlicht über einem Berg Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auf der Erde erscheinen die Sonnenstürme als wunderschöne Polarlichter am Himmel, wie hier in Norwegen. Imago

Das hat durchaus schöne Seiten: Sonnenstürme zaubern beispielsweise fantastische Polarlichter an den Himmel – auch in einiger Entfernung von den Polen. Sogar in Rom wurden schon Polarlichter gesichtet.

Die Sonnenstürme haben aber auch schlechte Seiten, denn unter der Wucht der hereinprasselnden Teilchen wird die schützende Magnetfeld-Hülle der Erde abgeschwächt. Die Folge: Der Sturm stört elektrische Anlagen und den Funkverkehr. Experten glauben, dass ein starker Sonnensturm zu grossflächigen Stomausfällen führen könnte – samt Datenverlust und Chaos.

Wetterprognose fürs All

Deshalb gibt es eine Wetterprognose fürs Weltall, die vor Sonnenstürmen warnt. Verschiedene Satelliten tun da Dienst. Seit neustem gehört auch der Satellit DSCOVR dazu.Wie eine Boje auf dem Meer vor einem Tsunami, so warnt er im All vor Sonnenstürmen.

Viel Zeit bleibt im Notfall allerdings nicht: Schlägt der Satellit Alarm, kommt der Sonnensturm schon etwa eine Stunde später auf der Erde an. Trotzdem möchten die Weltraum-Wetterfrösche auf diese Warnung nicht verzichten. Denn die Launen der Wettermacherin Sonne sind unvorhersehbar.

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