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Technik Delikatessen aus dem 3D-Drucker schon bald in aller Munde?

«Food-Printing», das Drucken von Lebensmitteln, ist zurzeit noch eine Sache für Angefressene. Doch die Technik macht Fortschritte und soll in den nächsten Monaten die breiten Massen erreichen.

Eine Ziegenkopf-Relief aus Ziegenkäse.
Legende: Essbare Skulptur: Ein Ziegenkopf-Relief aus Ziegenkäse. Marijn Roovers

Gedrucktes Essen kommt bei Marijn Roovers des Öfteren auf den Teller. Der 28-jährige Holländer ist Food-Designer und hat sich in holländischen Feinschmecker-Restaurants mit seinen gedruckten Häppchen einen Namen gemacht. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Wouter van Laarhoven druckt er zum Beispiel Ziegenkäse in Form von winzigen Ziegen samt Hörnern und anderen delikaten Details. Oder Schokoladen-Weltkugeln.

Eine Schokoladen-Weltkugel, auf die eine Kontinent mit Gold graviert ist.
Legende: Schoggi-Globen: Diese kunstvolle Delikatesse ist mit echtem Gold beschichtet. Marijn Roovers

Der Druck verrät, woher die Schokolade kommt

Diese raffinierten Kugeln schafften es kürzlich über Holland hinaus ins bekannte Magazin «Scientific American» und in die Online-News des Wissenschaftsmagazins «Nature, Link öffnet in einem neuen Fenster». Ihr Druck verrät jeweils die Herkunft der verwendeten Schokolade. Innen sind sie gefüllt mit regionalen Spezialitäten in feinen Kammern. Aussen sieht man die Weltkarte. Alle Kontinente sind eingraviert, nur der Herkunftskontinent ragt 0,8 Millimeter in die Höhe und ist beschichtet mit Gold.

Solche Kreationen zeigen, was heute im 3D-Lebensmitteldruck möglich ist. Egal ob in der Spitzengastronomie oder auf einfacherem Niveau – letztlich gehe es immer ums Gleiche, sagt Christiane Fimpel von der Zürcher Firma 3D-Model, die selber auch mit gedrucktem Essen experimentiert: «Man kann Speisen mit ganz neuen Geometrien schaffen. Mit Scan-Daten, die ich dem Drucker eingebe, kann ich mich zum Beispiel selber als Schokofigur ausdrucken. Es werden also Formen möglich, die man so bisher nicht herstellen konnte.»

Essbare Hasen und andere Objekte aus dem 3-D-Drucker.
Legende: Essbares aus dem Drucker von der Zürcher Firma 3D-Model. 3D-Model

Solche Formen werden am Computer kreiert und dann ausgedruckt. Die meisten Drucker arbeiten nach dem Prinzip der bekannten 3D-Plastik-Drucker für den Hausgebrauch. Das heisst: Die halbflüssigen Lebensmittel – laufen aus einem Behälter durch einen Druckkopf. Der Druckkopf bewegt sich an Stäben über die Arbeitsfläche und baut – Schicht für Schicht – das essbare Kunstwerk auf.

Forschen am druckbaren Essen

Druckbar ist allerdings längst nicht alles, sondern vor allem, was sich zu Halbflüssigem verarbeiten lässt und doch eine gewisse Festigkeit behält. Weltweit wird daher getüftelt und geforscht – nicht nur an den idealen Druckern, sondern auch am Essen. Die Forscher und Forscherinnen testen neue Methoden aus, um musförmige Lebensmittel zu entwässern. Oder sie reichern sie durch Fasern und Samen an oder pressen Luftbläschen in den Brei.

Und noch im laufenden Jahr könnte nebst ersten Schokoladen- und Zucker-Druckern auch der erste breiter gefächerte Lebensmitteldrucker auf den Markt kommen: «Foodini» von der spanischen Startup-Firma Natural Machines. Dieses Gerät soll rund 1000 Euro kosten und zum ersten Lebensmitteldrucker für die breite Masse werden. Daheim in der eigenen Küche soll man sich damit einfache Speisen ausdrucken können: Gnocchi, unterschiedlich gefüllte Ravioli oder Gemüse-Crackers – und zwar je nach Wunsch – in allen möglichen Formen und Kombinationen.

«Über einen Touchscreen kann man den Drucker bedienen oder passende Rezepte suchen», schildert Lynette Kucsma in einer Präsentation auf Youtube die Vorzüge von Foodini, «dazu muss man nicht unbedingt neben dem Drucker stehen. Da er mit dem Internet verbunden ist, kann man ihn auch aus der Ferne bedienen.»

1,5 Minuten für ein Ravioli

Allerdings: Kochen und backen werden zumindest die ersten Modelle dieses Lebensmitteldruckers noch nicht können. Das Gedruckte muss man also noch selber in den Ofen schieben. Und auch Geduld ist gefragt: Der Druck eines einzigen Raviolis zum Beispiel braucht eineinhalb Minuten. Fooddesigner Marijn Roovers braucht für jede seiner Schokoladenweltkugeln gar eine volle Stunde – und gibt sie gratis ab an ausgewählte Gäste.

Bisher also ist das Drucken von Lebensmitteln eher etwas für «Angefressene». Doch in Zukunft könnte diese Technik einen erweiterten Zweck erfüllen, so Marijn Roovers: «Man kann künftig zum Beispiel attraktives Essen für ältere Menschen mit Kauproblemen drucken – sagen wir, zermanschte Karotten, die aber aussehen wie echte Karotten.»

Der Drucker als Gesundheitsassistent

Noch einen Schritt weiter geht Christiane Fimpel von 3D-Model. 3D-Drucker könnten irgendwann unterschiedlichste Nahrungspulver und Nahrungszusätze verarbeiten, erwartet sie – und zwar abgestimmt zum Beispiel auf eine persönliche Diät. Der Lebensmitteldrucker würde damit zum persönlichen Gesundheitsassistenten.

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Zunächst müssen die Maschinen nun den Sprung schaffen vom Forschungslabor in die einfache Küche. Vorerst heisst es: kleine Brötchen backen – oder drucken natürlich.

Das Thema im Radio

Das Thema im Radio

Mehr über Nahrungsmittel aus 3D-Druckern hören Sie im «Wissenschaftsmagazin» am 23.5. ab 12:40 Uhr auf Radio SRF 2 Kultur.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Adrian Schmid, Schwarzenburg
    tragisch wenn Hunger täglich hunderte umbringt und hier im Bereich Technik das Drucken von Speisen interessiert. Bin überzeugt das die Aufnahme von Nahrung dem Zweck der Energiezufuhr unseres Körpers dienen soll und die Form der Speisen dabei keine Rolle spielt. Dank der neuen Geräte, welche die Verarbeitung erst ermöglichen wird die Energieeffizienz sicher nicht besser und ebensowenig die Verträglichkeit. Die dafür eingesetzten Mittel, inklusive dem Konsum wären als Spenden besser angekommen.
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  • Kommentar von R. Grob, Winterthur
    Sieht cool aus, aber die Qualität der Lebensmittel leidet unter der Verarbeitung. Schokolade ist extrem empfindlich und auch viele andere Aromen gehen kaputt wenn man sie nicht sehr sorgfältig behandelt.
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  • Kommentar von James Klausner, Interlaken
    So etwas esse ich nicht.
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