Die Suche nach dem perfekten Klang

Das KKL Luzern gilt als einer der bestklingenden Konzertsäle weltweit. Trotz hoher Summen, die in solche Prestigebauten investiert werden, lässt sich die Akustik aber nur bedingt planen: Zu komplex ist die Wechselwirkung von Schallwellen und Gebäudestruktur. Neuste Forschung könnte Abhilfe schaffen.

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Neuer Test zur Akkustik im Konzertsaal (Daniel Theis)

Sie kommen in der Nacht und gehen vor dem Morgengrauen. Die sechs Forscherinnen und Forscher der finnischen Aalto Universität arbeiten dann, wenn niemand sonst die Konzertsäle braucht. Wenn keine Aufführungen und keine Proben stattfinden. Zwölf europäische Konzerthäuser, darunter die Berliner Philharmonie oder das Amsterdamer Concertgebouw, haben sie schon besucht und ihre Forschungsgeräte aufgestellt. Mit ihnen haben sie die Räume beschallt und ihre Akustik getestet.

Auf der Bühne montieren die Forscher 34 Lautsprecher in einer genau festgelegten Anordnung. Dann erklingt aus jedem dieser Lautsprecher ein Instrument: Wie bei einem richtigen Sinfonieorchester sind vorne links die Violinen zu hören und die Posaunen von weiter hinten aus der Mitte. Aufgenommen wurden die Instrumente zuvor in einem schalltoten Raum, also komplett ohne Hall und Raumeffekte. Erst die Konzerthalle bringt diese trockenen Aufnahmen zum Klingen, denn sie verleiht ihnen den akustischen Raum. Und darum geht es den Forschern.

Akustikvergleich auf Knopfdruck

Der Aufwand mit den Lautsprechern ist wichtig, weil echte Musiker in einem Orchester in jeder Halle anders spielen. «Es ist ihr Job, dass sie sich an die akustischen Besonderheiten des jeweiligen Ortes anpassen, also immer anders spielen» sagt der finnische Akustik-Forscher Tapio Lokki, der das Projekt leitet. Doch um die verschiedenen Konzerthäuser wirklich vergleichen zu können, brauche es ein Orchester, das immer genau gleich spiele.

Mit dem künstlichen Lautsprecher-Orchester kann Tapio Lokkis Forschungsgruppe standardisierte Aufnahmen machen, die aus genau definierten Abständen mit sechs speziell angeordneten Mikrofonen gemacht werden – zum Beispiel von den beliebten (und teuersten) Plätzen rund acht Meter von der Bühne entfernt. Dank dieser Aufnahmen ist nun ein direkter Vergleich der verschiedenen Konzertsäle möglich. Auf Knopfdruck können später im Labor Testpersonen zwischen den verschiedenen Konzertsälen hin und her springen und die Akustik der verschiedenen Säle bewerten.

Eckig ist besser als rund

Tapio Lokki will mit seiner Forschung herausfinden wie die Innen- und Aussenarchitektur den Klang beeinflussen. Ein Resultat ist schon jetzt klar: Konzerthallen in der «Schuhschachtel-Form», bei der die Räume doppelt so lang wie breit sind schneiden durchwegs besser ab als runder gebaute Räume, die terrassenförmigen sogenannten Weinberg-Säle. Bei den Schuhschachtel-Sälen, zu denen auch das KKL Luzern gehört, klingt die Musik in der Regel auf allen Plätzen sehr gut. Ihr Nachteil ist allerdings, dass manche Sitzplätze sehr weit von der Bühne entfernt sind, bis zu 40 Meter. Da empfiehlt es sich dann entweder mit dem Operngucker oder einfach mit geschlossenen Augen das Konzert zu geniessen.

Im Vergleich: Der Klang in  Berlin und Amsterdam. (Ausschnitt aus Anton Bruckners 8. Sinfonie in c-Moll in Pseudo-Stereo)