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Der Gentech-Apfel kommt - falls ihn jemand will
Aus Rendez-vous vom 19.03.2013.
abspielen. Laufzeit 04:39 Minuten.
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Technik Schweizer Äpfel mit neuer Gentechnik

Genetisch veränderte Äpfel gibt es in den Schweizer Supermärkten noch nicht. Doch Wissenschaftler forschen bereits an ihnen und sind überzeugt, dass sie der Schweizer Landwirtschaft Nutzen bringen können. Ein Besuch im Apfel-Gentech-Labor der ETH Zürich.

Auf den ersten Blick verströmt das ETH-Institut für Integrative Biologie musealen Charme. Der Innenhof ist mit Vitrinen und ausgestopften Tieren vollgestellt, im Treppenhaus plätschert ein Stein-Brunnen. Doch wer ETH-Professor Cesare Gessler über die verwinkelten Treppen folgt, steht plötzlich vor einem hochmodernen verglasten Raum mit einer Unmenge kleiner Bäumchen.

Schutz vor Schorf und Feuerbrand

Cesare Gesslers Apfelbäumchen sind nur wenige Dutzend Zentimeter gross – und gentechnisch verändert. Die eingebauten Gene schützen die Bäume vor zwei verheerenden Apfel-Krankheiten: vor Schorf und Feuerbrand.

Apfelbaum mit Feuerbrand
Legende: Apfelbaum mit Feuerbrand: Die Blätter und Blüten der befallenen Pflanzen welken plötzlich, die Pflanze sieht wie verbrannt aus. Wikipedia

Der Forscher hat die Bäumchen mit Schorfresistenz auch bereits im Freiland getestet, allerdings nicht in der Schweiz, sondern in den Niederlanden; dort braucht es dafür weniger aufwendige Bewilligungen. Das Resultat: die Pflanzen sind vor Schorf fast vollständig geschützt und benötigen daher massiv weniger Pestizide. Wo vorher etwa zwölf Pestizidanwendungen nötig waren, reichen heute drei bis vier, erzählt der Forscher. Cesare Gesslers Gentech-Äpfel schonen also die Umwelt, zum Beispiel nützliche Insekten, die unter dem üblichen Chemiegrosseinsatz in den Obstplantagen leiden.

Keine herkömmliche Gentechnik

Die Gentechnik, die Cesare Gessler verwendet, ist keine herkömmliche Gentechnik, denn er baut keine artfremden Gene ein, etwa Gene von Bakterien, wie es bei den heute kommerziell angebauten Gentech-Pflanzen üblich ist; zum Beispiel bei Mais, Raps, Soja oder Baumwolle, wie sie in den USA oder anderswo wachsen. Die Gene, die Cesare Gessler in die Apfelbäume einbaut, stammen alle von Wildäpfeln, die widerstandsfähig gegen Krankheiten sind.

Doch braucht es dazu überhaupt Gentechnik? Könnte man die natürlichen Schutz-Gene der Wildäpfel nicht einfach durch normale Züchtung in die Kultur-Äpfel einkreuzen?

Das gings schon, sagt Cesare Gessler, aber nach der Züchtung hätte man keinen Gala-Apfel mehr, denn Neuzüchtungen brächten jedesmal eine andere Apfelsorte hervor: «Die schmecken anders, der Anbau ist anders, der Baum ist anders. Einen Gala kann man nicht einfach mit Resistenz züchten.»

Konsumenten haben Gewohnheiten

Zudem ist es gar nicht so einfach, die Konsumenten und Bauern an neue Sorten zu gewöhnen, besonders wenn es um so beliebte wie Gala geht. Die herkömmliche Züchtung benötigt ausserdem viel Zeit: 20 bis 30 Jahre im Gegensatz zur Gentechnik, die eine neue Sorte in nur zehn Jahren hervorbringen kann.

Trotzdem: Auch die herkömmliche Züchtung ist im Kampf gegen Apfel-Krankheiten erfolgreich. Die Bio-Sorte Topaz etwa ist robust gegenüber Schorf und die Schweizer Neuzüchtung «Ladina» gegen Feuerbrand.

Braucht es also wirklich eine neue Gentech-Debatte, wie sie die Akademien der Wissenschaften lauthals fordern? In ihrem gerade veröffentlichten Bericht preisen sie neben den Vorteilen von gentechnisch veränderten Äpfeln auch jene von Gentech-Kartoffeln und Gentech-Zuckerrüben an.

Die Bauern sind offen

Nein, findet der Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes Markus Ritter. Noch gelte das Anbau-Moratorium für kommerzielle Gentech-Pflanzen. Der Forschung gegenüber seien die Schweizer Bauern aber nicht negativ eingestellt. «Wir sind offen und warten die Resultate ab», sagt Markus Ritter.

Sollten die Gentech-Äpfel, Kartoffeln und Zuckerrüben tatsächlich halten, was sie versprechen, könnten diese aus Bauern-Sicht in der Schweiz angebaut werden. Allerdings nur wenn der Konsument es auch will. Und da braucht es wohl noch mehr Überzeugungsarbeit als nur einen neuen Bericht.

«Einstein» über Cesare Gesslers Feuerbrand-Forschung (25.9.2008)

Video
Hoffnung an der Feuerbrandfront
Aus Einstein vom 25.09.2008.
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7 Kommentare

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  • Kommentar von Marlene Zelger , 6370 Stans
    ich kaufe eh nur Bioäpfel
  • Kommentar von Peter Kàlin , Leukerbad
    Vergessen Sie diese gentechnisch verànderten Aepfel! Wir brauchen nur auf unser enormes Erbe an alten Apfelsorten zurück zu greifen. Sie schmecken nàmlich erst noch besser und wachsen auf rechten Bäumen, auf denen auch noch ein ganzes Habitat lebt.
    1. Antwort von sebastian thur , zürich
      Genau auf dieses Reservoir wird ja zugegriffen!
  • Kommentar von Matthias Kohler , Bern
    An diesem Artikel sieht man sehr gut, dass Gentech nicht einfach per se böse ist. Ich denke gerade in einem solch wichtigen Bereich muss man differenzieren. Sehr viele Ängste, die von Gentech-Gegner geäussert werden, würden bei den Cis-Genen Äpfelsorten nicht eintreten, da es sich dabei um eine völlig andere Pflanze handelt, als beispielsweise annueller Weizen.
    1. Antwort von Anna Bulcke , Dübendorf
      Ich möchte aber kein Mensch-spielt-Gott-Gemüse. Die Natur hat uns schon oft gezeigt, dass wir gelegentlich gewisse Risiken "vergessen" haben. Und wenn das Zeug mal auf den Feldern steht, dann kann ich meine feinen Bio-Äpfel nicht mehr essen.. weil es sie nach wenigen Jahren nicht mehr geben wird. So gesehen beim Mais und Raps... Weltweite Verbreitung in 10 Jahren!