Stellwerke sorgen dafür, dass Weichen und Signale gestellt sind. Wer spätestens in den 1970er Jahren schon auf der Welt war, konnte die Ur-Form eines Stellwerks erleben: Gut sichtbar hinter einer grossen Scheibe bediente der Bahnhofsvorstand grosse Hebel in verschiedenen Farben – oft mit einem Stumpen im Mund.
Drahtseile oder Gestänge übertrugen die Muskelkraft des Bahnhofsvorstands an die Weichen. Aus dieser Zeit stammen auch die Glocken, die an Bahnhöfen die Ankunft eines Zuges ankündigten, das sogenannte Läutewerk.
Die Glocken sind verschwunden. Sie stehen höchstens noch im Garten eines pensionierten Bähnlers. Ebenso die Hebel-Stellwerke. An ihre Stelle kamen Relais-Stellwerke. Statt über Hebel bediente der Bahnhofsvorstand die Weichen und Signale nun über bunte Druckknöpfe auf einem Schaltpult.
Über Kabel gelangten die elektrischen Schaltbefehle in einen Raum mit Relais – die «Intelligenz» des Stellwerks, die schlussendlich über Motoren die Weichen und Signale stellte.
Zentralisieren und fernsteuern
Weil es nun keine mechanischen Verbindungen zu den Weichen mehr brauchte, lag es nahe, mehrere Bahnhofs-Stellwerke zusammenzufassen und von einem Ort aus fernzusteuern. Heute gibt es kaum mehr Relais-Stellwerke, die vor Ort bedient werden.
Ausnahme ist der Bahnhof Schaffhausen. Von aussen erkennen Reisende das Pult des Stellwerks hinter der grossen Scheibe gegenüber Gleis 1. Die Relais-Technik ist in einem Raum im Keller des Bahnhofsgebäudes untergebracht.
Im Relais-Raum des Stellwerks Schaffhausen
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Bild 1 von 4. Das Relais-Stellwerk in Schaffhausen gehört zur Kategorie der klassischen Relais-Stellwerke, die ausschliesslich in Bereichen mit Aussensignalen eingesetzt werden. Bildquelle: Reto Widmer/SRF.
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Bild 2 von 4. Die Kabelanlagen sind umfangreich: Bei einem typischen Relais-Stellwerk summiert sich die Kabellänge auf mehrere Kilometer, da jede Verbindung zwischen Relais, Weichen und Signalen separat verdrahtet ist. Bildquelle: Reto Widmer/SRF.
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Bild 3 von 4. Analoge Technik – analoge Reparaturmethoden. Bildquelle: Reto Widmer/SRF.
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Bild 4 von 4. Hunderte Relais arbeiten im Stellwerk des Bahnhofs Schaffhausen. Bildquelle: Reto Widmer/SRF.
Solche Relais-Räume mit analoger Technologie gibt es bei der SBB noch in etwa 250 der rund 500 Stellwerken. Gesteuert werden sie aber nicht vor Ort wie in Schaffhausen, sondern in einer der vier Betriebszentralen in Zürich-Kloten, Olten, in Renens bei Lausanne und Pollegio im Tessin.
Von einem Ort aus alle Bahnhöfe und Stellwerke im Griff
In den Zentren ist alles digital. Auf mehreren Monitoren sehen die Fahrdienstleiter die Abbildungen der Gleise verschiedener Bahnhöfe und können mit der Maus ins Stellwerk eingreifen – statt vor Ort auf einen der bunten Knöpfe auf dem Schaltpult zu drücken.
Normalerweise läuft der Zugbetrieb automatisch. Der Computer spielt Bahnhofsvorstand. Nur bei Ereignissen, die nicht dem Fahrplan entsprechen, greift die Fahrdienstleiterin ein.
Faszinierende Kombination von analog und digital
Während andere Infrastrukturen, wie zum Beispiel jene der Telekomunikation, ihre analogen Technologien in Rente geschickt haben, arbeiten bei der Bahn täglich digitale Steuerprogramme mit analogen Relais zuverlässig zusammen.
«Faszinierend!» findet Jonas Hunziker. Der erst 19 Jahre alte Elektroniker-Lehrling hat im ehemaligen Fahrdienstbüro des Bahnhofs Wiler bei Utzenstorf ein kleines Museum für Stellwerke eingerichtet. Alle funktionieren wie im echten Betrieb.
Deshalb melden sich vermehrt Eisenbahngesellschaften bei ihm, um Mitarbeitende an der analogen Technologie ausbilden zu lassen. Denn eines steht fest: Trotz vieler Digitalisierungsprojekte der Bahn werden analoge Stellwerke noch einige Jahrzehnte in unseren Bahnhöfen weiterwerkeln und für Sicherheit sorgen.
Die Betriebsanlage Wiler von Jonas Hunziker
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Bild 1 von 8. Integra Domino 69 Schulungs-Stellwerk. In Betrieb in Gänsbrunnen von 1986–2024. Bildquelle: Reto Widmer/SRF.
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Bild 2 von 8. Ehemaliges Schalterwerk von Würenlos (1950–1981). Bildquelle: Reto Widmer/SRF.
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Bild 3 von 8. Stellwerk Cavigliano aus dem Centovalli (2002–2023). Bildquelle: Reto Widmer/SRF.
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Bild 4 von 8. Neuere Generation eines Domino 69 Stehpults der Bahnhöfe Fraubrunnen und Büren (1999–2021). Bildquelle: Reto Widmer/SRF.
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Bild 5 von 8. Jonas Hunziker und Andreas Moll bei der Suche nach Störungen. Bildquelle: Reto Widmer/SRF.
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Bild 6 von 8. Das ehemalige Stellwerk Gänsbrunnen: Etwa 800 Relais. Bildquelle: Reto Widmer/SRF.
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Bild 7 von 8. Das ehemalige Stellwerk Gänsbrunnen: Etwa 10 Kilometer Draht. Bildquelle: Reto Widmer/SRF.
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Bild 8 von 8. Das ehemalige Stellwerk Gänsbrunnen: Etwa 500 Lämpchen und 70 Tasten. Bildquelle: Reto Widmer/SRF.