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Portraitfoto des Chat-Experten
Legende: Paul Niggli, Leiter Krisenmanagement von Swissgrid SRF
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Blackout-Chat Spezial «Wie anfällig ist unsere Infrastruktur für Terroranschläge?»

Paul Niggli, Leiter Krisenmanagement von Swissgrid, hat Ihre Fragen rund ums Schweizer Stromnetz beantwortet.

Experte im «Blackout»-Chat Spezial:

Paul Niggli
Leiter Krisenmanagement
Swissgrid AG
www.swissgrid.ch, Link öffnet in einem neuen Fensterim Browser öffnen

Chat-Protokoll:

Moderator: Der «Blackout»-Expertenchat mit Paul Niggli ist offen. Der Leiter Krisenmanagement von Swissgrid freut sich auf Ihre Fragen.

H.S.Montag, 02.01.2017, 14:42 Wie anfällig ist unsere Infrastruktur für Terroranschläge? Wir können doch unmöglich jeden Strommast bewachen!

Paul Niggli: Die Infrastruktur besteht aus Schaltanlagen, Leitungen und Kommandozentralen. Ausser den Strommasten und Leitungen sind alle Anlageteile eingezäunt oder in Gebäuden eingeschlossen. Auch Leitungen werden jedoch zum Teil mittels technischer Einrichtungen überwacht. Der Betrieb des Netzes ist zudem so ausgelegt, dass jedes beliebige Leitungsstück ausfallen kann, ohne dass es gleich zu einem grossen Stromunterbruch kommt. Bei einem solchen Ausfall wird der Stromtransport von den anderen Leitungen übernommen.

K.F.Montag, 02.01.2017, 14:45 Guten Tag. Angenommen, ein Strommast fällt aus (total zerstört), wielange dauert es, bis das überbrückt ist? Wie geht man da vor?

Paul Niggli: Bei einem Ausfall eines Leitungsstückes oder eines Masten wird der Strom über die anderen Leitungen transportiert. Der Ersatz eines solchen Masten dauert in der Regel ca. 1-3 Tage.

S.S.Montag, 02.01.2017, 14:50 Kann die Stromversorgung vom Bund resp. der Swissgrid noch geführt werden, wenn die Strommarktliberalisierung kommt? Lassen sich private Anbieter "übersteuern"?

Paul Niggli: Der Strommarkt ist bereits heute teilweise liberalisiert. Die Abwicklung des Marktes erfolgt über Swissgrid. Alle Transporte müssen dabei bei Swissgrid angemeldet werden und können bei ungenügender Transportkapazität abgelehnt werden.

P.M.Montag, 02.01.2017, 14:58 Sind zentrale Infrastruktur-Knotenpunkte (z.B. Verteiler- und Schaltanlagen) des Schweizer Stromnetzes genügend gesichert gegen böswillige Sabotage? Ich habe das Gefühl ein Zaun allein hält keinen Terroristen ab.

Paul Niggli: Die Freiluftschaltanlagen und die Stromleitungen sind gewissen Gefahren ausgesetzt, sowohl terrestrischen wie auch aus der Luft. Die Frage stellt sich, wie gross der Einfluss der entsprechenden Anlage auf die Anfälligkeit des Gesamtsystems ist. Der Verlust eines Anlageteiles kann im Normalfall mit den restlichen Anlagen wettgemacht werden.

F.B.Montag, 02.01.2017, 15:04 Wäre ein autarkes Schweizer Stromnetz denkbar? Oder ist die riskante Anbindung ans Ausland wirklich ein Muss?

Paul Niggli: Der autarke Betrieb des Schweizer Netzes ohne Anbindung ans Ausland wäre grundsätzlich denkbar. Die Stabilität wäre allerdings nicht so gut wie heute und der Netzbetrieb auch weniger effizient. Die Netzbetreiber unterstützen sich europaweit gegenseitig. Die Versorgung der Schweiz mit Energie wäre jedoch heute nicht das ganze Jahr gewährleistet, da im Winter in der Schweiz weniger Strom produziert wird als verbraucht wird.

H.S.Montag, 02.01.2017, 15:06 Ist das Schweizer Netz so abhängig, dass wir einem Ausfall im Ausland einfach ausgeliefert sind?

Paul Niggli: Das Netz ist heute europaweit vernetzt. Bei einem Ausfall würde die Schweiz zusammen mit einem Teil des ganzen Netzes ausfallen.

Moderator: Der Spezial-Chat ist beendet. Besten Dank für Ihr Interesse! Weitere Fragen rund ums Thema Blackout werden im allgemeinen Chat beantwortet: http://www.srf.ch/kultur/wissen/blackout-chat-stellen-sie-ihre-fragen-zum-thema-stromausfall

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Was geschieht, wenn in der Schweiz der Strom tagelang ausfällt? Hintergründe, Videos, ergänzende Informationen und Experten-Chats zum Thema:

www.srf.ch/blackout

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Was für einen beeindruckendenTitel - Leiter Kriesen-Management!! Was garantiert sischer ist, ist die Tatsache, dass die Leitung des "Krisenmanagements", enorm viel verdienen....!! Alles andere ist nicht sicher! Es gibt keine 100%-tige Sicherheit - egal in welchem Bereich, ausser dem Tod!
  • Kommentar von Hans Haller  (panasawan)
    Der Job von Paul Niggli, Leiter Krisenmanagement von Swissgrid ist sehr, sehr wichtig. - Was passiert wohl, wenn...! Hierfür müssen Szenarien auch die unwahrscheinlichsten Szenarien, ernstfallmässig durchgespielt werden. Das kommt hier beim Chat gar nicht zum Ausdruck. NB: Was passiert mit einem AKW, das sehr wohl denkbar auch rein situationsbedingt selber nicht mehr Strom für die eigene Kühlung und Steuerung bekommt. Es gerät ausser Kontrolle.
  • Kommentar von Michael Haefliger  (Michael Haefliger)
    Ist das Schweizer bzw. Europäische Stromnetz auf einen Sonnensturm der Klasse Carrington vorbereitet? Wie lange ginge es das Stromnetz wieder aufzubauen, falls die Transformatoren wie in den USA nicht geschützt wären? Gemäss NASA ist die Chance immerhin 12.5% in den nächsten 10 Jahren.