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Collage der Chat Experten. v.l.n.r. Georg Hafer, Sebastian Haubitz und Anne Spaar.
Legende: Georg Hafer, Sebastian Haubitz, Anne Spaar srf
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Covid – Wie weiter? «Kommt im Herbst eine Corona-Impfung für alle?»

Georg Hafer, Sebastian Haubitz und Anne Spaar haben Ihre Fragen im «Puls»-Chat beantwortet.

Fachpersonen im «Puls»-Chat

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Georg Hafer
Leiter Long-Covid-Sprechstunde KSSG
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin
Kantonsspital St. Gallen

Sebastian Haubitz
Oberarzt Infektiologie KSA
Kantonsspital Aarau

Anne Spaar
Wissenschaftliche Mitarbeiterin BAG
Fachärztin für Prävention und Gesundheitswesen
Bundesamt für Gesundheit BAG

Chat-Protokoll

Pacing Therapie: Wie genau sieht sie aus? Ist sie auch in Deutschland bekannt?

Georg Hafer: Pacing bedeutet, die individuelle Leistungsgrenze (welche beim Post Covid Syndrom meist erniedrigt ist) zu identifizieren und durch ein individuelles Energie- und Pausenmanagement nicht zu überschreiten. Dadurch wird die typische Überlastungsreaktion (Crash oder Post Exertional Malaise) vermieden, welche meist ursächlich für viele der Beschwerden ist. Die Therapieform wird von Physio- und Ergotherapeuten angeboten.

Guten Tag Ich hatte «erst» im März22 Corona...habe seit der Infektion extreme Kopfschmerzen und bin sehr müde, Psychisch sehr angeschlagen, Luftnot....ich war in der LC Sprechstunde und die Sauerstoffsättigung war nicht gut. Wurde überwiesen zum Lungen CT (war tip top) und zum Herzultraschall (war auch tip top). Ich werde gar nicht mehr ernst genommen...ich weine täglich wegen den Kopfschmerzen und Medikamente nützen nicht mehr...ich kann so nicht mehr... gibt es irgend einen Tipp?? Die Kopfschmerzen sind echt nicht zum aushalten...

Georg Hafer: Guten Abend. Sie leiden an typischen Symptomen des Post Covid Zustandes. Akute organische Ursachen wurden offensichtlich nicht gefunden. Zielführend in Ihrer Situation ist eine Physiotherapie unterhalb der Belastungsgrenze inklusive Atemphysiotherapie. sowie ein Energie- und Pausenmanagement. Anstelle klassischer Schmerzmittel können manchmal bestimmte auch Antidepressiva eine Verbesserung der Schmerzwahrnehmung hervorrufen und helfen. Eventuell profitieren Sie auch von einer stationären Long Covid Rehabilitation. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber.

Grüezi, ich bin 3 fach geimpft, letzte Impfung 11.12.21. Ich bin 67 jahre alt und werde am 6.11.22 eine 4 wöchige Reise durch die Südsee und Neuseeland antreten. Würden Sie mir eine 4 Impfung mit dem an die Omikron angepassten Varianten empfehlen, insbesondere da Neuseeland immer noch ein restriktives Corona Regime hat und z.B. zwei Antigen Schnelltest während der Reise verpflichtend sind und ich daher möglichst keine Infektion riskieren will ?

Anne Spaar: Besonders gefährdeten Personen wird im Herbst eine Auffrischimpfung empfohlen werden.

Ich bin 81 Jahre alt und wollte den Booster 2 organisieren als ich vom neuen Impfstoff hörte. Soll ich nun zuwarten mit dem Booster 2 oder wie lange wird es dauern bis der neue Impfstoff verfügbar ist...falls ich mich trotzdem «boostere» folgt dann gleichwohl noch eine Impfung mit dem neuen Impfstoff? Herzlichen Dank für die Beantwortung meiner Fragen.

Anne Spaar: Eine Boosterimpfung verbessert zeitlich befristet den Schutz vor schweren Verläufen und wird insbesondere den besonders gefährdeten Personen im Herbst empfohlen werden. Es ist wichtig, dass die Impfung im richtigen Moment erfolgt, um zum Zeitpunkt von hoher Viruszirkulation zu schützen. Es wird in Kürze Informationen zu den bivalenten Impfstoffen sowie den Empfehlungen zur Verfügung stehen.

Sehr geehrte Damen und Herren Wie ich gehört habe, wird der Herbst-Booster vor allem gegen Omikron BA1 wirksam sein. In der CH soll aber vor allem die Variante BA5 zirkulieren. Ein entsprechender Impfstoff wurde in den USA provisorisch zugelassen. Welchen Sinn macht es für mich (68 Jahre), den aktuellen Booster machen zu lassen, wenn dieser ja gegen die aktuelle Variante gar nicht gut wirkt?

Anne Spaar: der Schutz vor schweren Verläufen ist von diesem «mismatch» weniger beeinflusst als der Schutz vor milden Infektionen.

Guten Abend, Ich habe eine Frage bezüglich Long Covid. Gibt es derzeit schon Daten was evtl. Risikofaktoren sind (Alter, Vorerkrankungen, etc.) und ob Long Covid-Symptome mit der Zeit nachlassen bzw. Methoden zur Heilung (bzw. Linderung) gibt? Ausserdem hätte ich noch eine Frage zur Fruchtbarkeit (Mann und Frau), kann eine Infektion (auch bei milderen Varianten) diese langfristig reduzieren? Vielen Dank für Ihre interessanten Auskünfte und diese Möglichkeit Sie zu fragen besteht.

Georg Hafer: Guten Abend. Es gibt diverse Daten über Risikofaktoren bei Long Covid. So erkranken z.B. häufiger Menschen mit schweren bzw. multiplen Symptomen während der akuten Infektion, Frauen im mittleren Lebensalter, Menschen mit psychosomatischen Vorerkrankungen, Menschen mit Asthma, etc. Fakt ist jedoch auch, dass wir in unserer Sprechstunde viele Patienten haben, die diese Kriterien nicht erfüllen. Bei den meisten Patienten kommt es im Verlauf zu einer Besserung der Beschwerden, dies kann jedoch z.T. viele Monate dauern. Wichtig ist in diesen Fällen, Überlastung zu vermeiden. Dies kann durch eine sog. Pacing Therapie (spezielle Physio- und/oder Ergotehrapie) gelernt werden.

Sehr geehrte Damen und Herren Ich bin 3 fach geimpft, booster im Januar 22. Nun eine omikron Infektion mit leichtem Verlauf gehabt. Wie lange muss ich nun warten, bis ich die geplante 2. Booster impfung machen kann? Herzlichen Dank für ihre Antwort

Sebastian Haubitz: Generell wird empfohlen, mindestens 4 Wochen nach einer Covid-19 Infektion mit einer Impfung zu warten. Dies heisst aber nicht, dass Sie dann gleich eine Boosterimpfung durchführen müssen, denn eine Immunität ist durchaus für einige Monate zu erwarten.

Guten Abend Bei einem Freund ist nach der Booster-Impfung mit Moderna ist ein teils juckendes Hautexanthem an verschiedenen Körperstellen aufgetreten. Es hat sich gebessert, tritt aber ca. 10 Monaten nach der Impfung immer noch an unterschiedlichen Stellen auf. Kann bei einer erneuten Impfung (2. Booster) wieder Moderna verabreicht werden oder sollte z.B. auf Pfizer oder diesen neuen Impfstoff gegen Omikron umgestellt werden? Danke schön!

Anne Spaar: Sie sollten das mit dem betreuenden Arzt besprechen. Sie finden Informationen zur Thematik auf der Swissmedic Website sowie in den FAQ auf der BAG Seite (Thema Urtikaria).

https://www.swissmedic.ch/swissmedic/de/home/news/coronavirus-covid-19/covid-19-vaccines-safety-update-14.html

https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/ausbrueche-epidemien-pandemien/aktuelle-ausbrueche-epidemien/novel-cov/information-fuer-die-aerzteschaft/faq-gesundheitsfachpersonen.html#accordion1662389968897

Ich bin 71 Jahre alt und habe den 1. Booster erhalten. Das Covid Zertifikat ist noch bis 18.9.22 gültig. Wir verreisen am 26.9.nach Kanada für 2 Wochen. Empfehlen Sie mir den 2. Booster vor der Reise oder soll/kann ich warten bis Mitte Oktober mit evt. neuem Impfstoff? Vielen Dank für Ihre Antwort.

Sebastian Haubitz: Wenn Sie auf Ihrer Reise in Kanada keinen Impfnachweis benötigen, dann ist sicherlich ein Zuwarten auf die angepassten bivalenten mRNA Impfstoffe zu empfehlen. Infektionsraten sind aktuell niedrig (in der CH und in Canada).

Guten Abend Damen und Herren Ich bin Post-Covid Patientin, habe Asthma, actuell leide an Perimyokarditis und habe Haemophilus spp, Enterobacter spp (Stuhlgang Analyse) Infektion und Sars-Cov persistierende noch positiv seit Dezember 2020. Ich bekommen keine Antivirale Medikation oder Immun Terapie Wo kann ich um Hilfe fragen? Ich habe alle Ärzte Kanton LU gemeldet ohne Erfolg.

Georg Hafer: Es gibt leider keine zugelassene medikamentöse Therapie. Studien haben gezeigt, dass Virusbestandteile über mehrere Monate in verschiedenen Organen nachgewiesen werden können und bis zu 7 Monate mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Dezember 2020 erscheint mir ein zu langer Zeitraum für diese Theorie. Auch eine anhaltende Perimyokarditis über diesen langen Zeitraum erscheint mir aussergewöhnlich. Sind Sie in kardiologischer Abklärung?

Wird es weiterhin eine separate Grippeimpfung geben und macht diese noch Sinn?

Sebastian Haubitz: Ja, es wird auch in diesem Jahr eine saisonnale Grippeimpfung geben. Diese macht weiterhin Sinn, da inzwischen nach Aufhebung der Covid-Massnahmen wieder ähnliche saisonnale Grippe-Infektionsrisiken wie in den Vorjahren zu erwarten sind. Die Grippeimpfung kann vor, nach oder mit einer Covid-Boosterimpfung durchgeführt werden. Ein Abstand ist nicht unbedingt notwendig.

Guten Abend, Ich, männlich, 66 Jahre alt und 3 mal Moderna geimpft wurde letzten Mittwoch als Corona positiv getestet. Erste Symptome am Dienstag mit Schüttelfrost, Schnupfen und Husten. Schüttelfrost (nur kurz), Schnupfen während eines Tages und Husten drei Tage. Seither habe ich oft ganz plötzlich einen trockenen Hals, der dann den Hustenreiz wieder auslöst. Diesen beende ich mit viel trinken (Wasser und ungesüsstem Tee oder lutschen eines Täfelis). Bin in dieser Zeit nur zu Hause geblieben und hatte keinen nahen Kontakt zu anderen Personen. Meine Fragen: ab wann kann ich wieder ohne Probleme nach draussen? Empfehlen Sie mir, mich freizutesten? Wenn ja, ab wievielen Tagen?

Anne Spaar: Informationen zum Verhalten bei Symptomen und positiven Testergebnis finden Sie auf dieser Webseite https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/ausbrueche-epidemien-pandemien/aktuelle-ausbrueche-epidemien/novel-cov/so-schuetzen-wir-uns.html#1083162358

Ein Selbsttest vor einer Stunde ergab ein positives Resultat. Ich bin 75jährig, weiblich. Beschwerden: Halsweh, kein Appetit, Fieber 38°, Gelenk- und Herzschmerzen, Ohren verstopft, Kopfweh, müde, abgeschlagen, schwitzen. Mein Pulsometer zeigt 92. Wie gehe ich vor morgen Dienstag? Test in der Arztpraxis oder Apotheke? Arztbesuch vereinbaren? Medikamente einnehmen, welche? Ich bin zwei Mal geimpft plus ein Booster.

Sebastian Haubitz: Mit passenden Symptomen und einem positiven Selbsttest können Sie mit hoher Sicherheit von einer Covid-19 Infektion ausgehen. Einen zusätzlichen Test in einer Arztpraxis, Apotheke oder Testzentrum kann aber sinnvoll in Hinsicht auf ein Genesen-Zertifikat sein. Die Behandlung ist hauptsächlich Symptom-orientiert: Schonen Sie sich und versuchen Sie, andere Personen möglichst vor einer Ansteckung zu schützen (indem Sie möglichst zu Hause bleiben und bei Kontakt mit Mitmenschen eine Maske, am besten FFP2 tragen), Paracetamol hilft gegen Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, vorübergehend kann meist auch ein Entzündungshemmer wie Ibuprofen eingesetzt werden. Bekommen Sie schwerere Symptome, insbesondere wenn diese mit Atemnot verbunden sind, so melden Sie sich bei Ihrem Arzt oder einer Notfallstation und informieren diese entsprechend vor.

Guten Abend Mich würde interessieren, ob es Daten darüber gibt, wie viele der Long Covid Patienten geimpft sind und wie viele nicht.

Georg Hafer: diese Frage ist in ihrer Konsequenz insofern schwierig zu beantworten, als dass nicht nur die Impfung einen möglichen Einfluss auf das Auftreten von Long Covid hat, sondern auch die unterschiedlichen Virusvarianten.

Guten Abend Kann man LongCovid mittels Blut- oder Urintest diagnostizieren/nachweisen? Welche andere Untersuchungen Bsp. Lungenfunktionstest, Leistungstest wären sinnvoll um LongCovid bei einem Leistungssportler nachzuweisen? Besten Dank für Ihre Antwort

Georg Hafer: Nein, es gibt leider keine Tests, die Long Covid nachweisen oder ausschliessen können. Die differentialdiagnostischen Überlegungen und Abklärungen richten sich nach den individuellen Beschwerden bzw. deren Dauer und Ausprägung. Primär gilt es, gefährliche organische Komplikationen mit möglichst hoher Wahrscheinlichkeit auszuschliessen. Je nach individueller Situation können dann weitergehende Untersuchungen erfolgen.

Meine Eltern (über 80) hatten bisher noch keine nachgewiesene Covid-Infektion. Sie haben beide 2 Impfungen und den Booster erhalten. Sollten sie sich jetzt mit Covid infizieren, muss damit gerechnet werden, dass sie eher einen schweren Verlauf haben, da sie a) keinen Infekt hatten und b) die Antikörpermenge wahrscheinlich nicht mehr sehr hoch ist? Wäre daher ein weiterer Booster sehr empfehlenswert?

Anne Spaar: Insbesondere besonders gefährdeten Personen wird im Herbst ein Booster empfohlen werden. Wichtig ist hierbei der Zeitpunkt, da der Schutz zeitlich begrenzt ist und in einer Phase mit hoher Virusausbreitung bestehen soll.

Guten Abend Ich. habe eine Frage zur Impfung: Schützt uns die Impfung eigentlich «nur» gegen einen schweren Verlauf oder auch gegen Long-Covid?

Anne Spaar: Gemäss Daten steigen allgemein Wahrscheinlichkeit, Schweregrad und Dauer einer Post-Covid-19 Erkrankung mit dem Schweregrad der durchgemachten Covid-19-Erkrankung.  Studien zu der vorbeugenden Wirkung von Covid-19 Impfungen zeigten mehrheitlich, dass nach einer Covid-19 Erkrankung zuvor geimpfte Personen signifikant seltener und im Median weniger lang Post-Covid-19 bzw. Long Covid Symptome aufwiesen als ungeimpfte Personen.

+++ Hallo, seit 09.2020 hatte ich drei Infektionen. Mittlerweile bin ich dreifach geimpft, aber leide fast durchgehend und zunehmend an Fatigue, Belastungsintoleranz, Herzrasen, stechende Schmerzen in der Brust, entzündete Gelenke, und weiters. Es wurden alle bekannten Krankheiten ausgeschlossen. Alle Ärzte verweisen auf „etwas mehr Zeit“, bis sich alles legt. Ich habe zwei Kleinkinder zu Hause (Einfallstor für Corona) und muss meinen Job behalten. Auf eigene Kosten habe ich Autoantikörper in meinem Blut nachgewiesen. Wie bekomme ich die heraus? BC007 soll das können – aber dafür müsste ich vor langer Zeit von Ätzten aufgeklärt worden sein und mich vor langer Zeit bereits für die erste Studie beworben haben . Alternativ könnte eine Immunadsorption mich vollständig heilen – unbezahlbar und nichts wird von der Krankenkasse getragen. Ich tauche in keiner Statistik auf (wieso!?). Ist das der Anspruch des BAG so mit den Kollateralschäden der Öffnungspolitik umzugehen? Es werden täglich mehr, die verstehen, dass sie Long Covid haben. Es schadet der Wirtschaft und der Gesellschaft. Wir brauchen dringend Hilfe! Die Hausärzte müssen lernen was das heisst. Die Ärzte müssen antivirale Medikamete herausgeben dürfen (Paxlovid). Die Ärzte müssen Off Label Use Medikamente verschreiben (LDN, Memantine, Montelukast, etc). Das können doch nicht alle Patienten selbst recherchieren? Bitte helft uns!!!  +++

Mein Mann hatte vor 6 jahren eine Herzop. Er ist 4x geimpft. Falls er trotzdem erkrankt, was kann er nehmen, das sich mit den jetzigen Medikamenten vertraegt. Dance

Sebastian Haubitz: Dies kann ohne genauere Informationen nicht pauschal beantwortet werden. Wenn er trotz der Impfungen an einer Covid-Infektion erkrankt, sollte mit Hausarzt oder einem betreuenden Spezialisten Kontakt aufgenommen werden, um über die Notwendigkeit einer allfälligen erweiterten Therapie (z.B. Paxlovid) zu entscheiden.

Guten Abend Ab wann und wo wird der neue Booster (gegen Omikron) in Graubünden erhältlich sein? Sollte man sich noch mit dem bisherigen Impfstoff boostern lassen? Wie lange muss man allenfalls zwischen dem 4. alten und dem 5. neuen Booster warten?

Anne Spaar: Die genauen Aspekte der kantonalen Umsetzung müssten direkt beim Kanton nachgefragt werden. Die Impfempfehlung für den Herbst wird aktuell finalisiert und bald verfügbar sein. Die monovalenten mRNA Impfstoffe schützen gut vor schweren Krankheitsverläufen. Es wird empfohlen, einen Abstand von 4 Monaten zwischen den Impfdosen einzuhalten.

Guten Abend Ich leide seit 2.5 Monate an Long Covid vorallem an starker Fatigue und Schwindel. Der Hausarzt hat bis jetzt nur ein Ausschlussdiagnose gemacht. Welche Werte wären für die Diagnose/Überwachung wichtig? Zurzeit nehme ich Ginseng und Omega 3. Kann eine Behandlung mit Anthistamin auch selbständig gemacht werden oder gibt es Risiken?

Georg Hafer: Es gibt bislang keine Messparameter, die die Diagnose Long COVID bzw. Post COVID definieren. Es muss ein zeitlich angemessener Bezug zur akuten Infektion bestehen (i.d.R. innert 3 Monaten), die Beschwerden müssen 2 Monate anhalten (persistierend oder fluktuierend) und es darf keine andere Krankheit ursächlich für die Beschwerden sein (Suche nach möglichen Differentialdiagnosen). Bislang ist leider keine medikamentöse Therapie zugelassen oder hat ausreichend Wirkung gezeigt, um eine klare Therapieempfehlung zu bekommen. Wichtiger als experimentelle Medikamente ist das Erlernen der Pacing Prinzipien, d.h. das Identifizieren Ihrer Leistungsgrenze und das Verhindern der Überlastung durch ein Energie- und Pausenmanagement. Dies erlernen Sie bei diesbezüglich geschulten Ergotherapeuten und Physiotherapeuten. Antihistaminika können bei Symptomen wie Nesselfieber und allergisch anmutenden Symptomen bei manchen Patienten Linderung bringen, viele dieser Präparate machen als Nebenwirkung aber zusätzlich müde, was bedacht werden muss.

Wird eine 3. Impfung für alle im Herbst folgen?

Sebastian Haubitz: Eine 3. Impfung (Grundimmunisierung + Booster) wird bisher schon empfohlen. Eine zweite Boosterimpfung mit angepasstem bivalentem mRNA Impfstoff wird im Herbst zumindest für alle Erwachsenen verfügbar sein. Empfehlungen dazu werden voraussichtlich (gemäss BAG Seite) Personen >65 Jahren und mit erhöhtem Komplikationsrisiko betreffen.

Sollen mein Mann (83) und ich (78) auf den neuen Moderna-Booster (soll besser gegen Omikron wirken) warten oder in den nächsten Tagen den 2.Booster (Pfizer) uns impfen lassen?

Sebastian Haubitz: Momentan, kurz vor der Verfügbarkeit der neuen angepassten bivalenten mRNA Impfstoffen und bei den gerade sehr niedrigen Ansteckungsraten macht es sicherlich Sinn, dass Sie auf diese neuen Impfstoffe warten.

Grüezi Sind Impfung von covid und zusätzlich Grippe ein Problem? Vielen Dank

Anne Spaar: Ein Minimalabstand zwischen einer Covid-19-Impfung und der Verabreichung von anderen Impfungen ist, wie bei allen anderen Nicht-Lebendimpfstoffen, nicht erforderlich. Dies gilt auch für die Influenza-Impfung. Eine etwas erhöhte Reaktogenität wird bei der gleichzeitigen Verabreichung von Covid-19- mit Influenza-Impfstoffen beobachtet, die Sicherheit und Immunogenität wird nicht negativ beeinflusst.

Guten Abend Ich habe mich gefragt, ob eine erste Impfung im Moment überhaupt noch Sinn macht, da das Virus mehrmals mutierte. Ich bin ungeimpft und hatte gerade meine zweite Infektion.

Anne Spaar: Eine Impfung kann die durch eine Infektion verursachte Immunantwort im Körpern auffrischen und verbreitern.

Ich habe Ende Juli die 4. Impfung ( 2. Booster) erhalten. Ist im Spätherbst eine weitere Impfdosis empfohlen? Ich bin 82 Jahre alt und in einer Hormonentzugstherapie.

Sebastian Haubitz: Voraussichtlich wird Ihnen eine weitere Impfdosis mit einem der angepassten bivalenten mRNA Impfstoffen empfohlen werden. Da Sie aber nun erst gerade geimpft wurden, können und sollten Sie gut 4 Monate nach der letzten Boosterimpfung damit zuwarten.

Ich habe bei 2 Schnelltest ein positives Resultat gehabt weshalb ich einen PCR Test machen liess. Dieser war negativ. Dazu kamen Symptome wie Gliederschmerzen, Fieber und Kopfschmerzen. Wie kommen diese unterschiedlichen Resultate zustande? Ich bin bereits einmal an Corona erkrankt.

Sebastian Haubitz: Wie die Antigen-Schnelltests können auch PCR-Tests gelegentlich falsch-negativ ausfallen.

Guten Abend. Ich leide an Asthma und COPD. Ich habe alle 3 Impfungen gegen COVID, aber ich wurde früher immer gegen Grippe und Lungenendzündung geimpft. Was solch ich tun. Danke

Anne Spaar: Ein Minimalabstand zwischen einer Covid-19-Impfung und der Verabreichung von anderen Impfungen ist, wie bei allen anderen Nicht-Lebendimpfstoffen, nicht erforderlich. Dies gilt auch für die Influenza-Impfung. Eine etwas erhöhte Reaktogenität wird bei der gleichzeitigen Verabreichung von Covid-19- mit Influenza-Impfstoffen beobachtet, die Sicherheit und Immunogenität wird nicht negativ beeinflusst

Ich (w. 55 Jahre alt und dreimal geimpft) hatte am 16. August 2022 Corona mit hohem Fieber (39,9), starkem Kopfweh, Bronchitis und Seitenstranganghina und im Anschluss noch Gürtelrose. Die erste Woche danach war ich kaum müde, aber nun merke ich doch eine Veränderung – ich bin rascher erschöpft, habe fast doppelt so lange wie früher für den Arbeitsweg mit dem Velo (16km pro Strecke) und immer noch viel Schleim (noch Husten) Ich bin eine aktive Person. Wie helfe ich meinem Körper besser – indem ich angepasst mich trotzdem jeden Tag bewege oder indem ich mich mehr schone? Ich bin da sehr unsicher, denke mir aber, um Long Covid zu verhindern wäre es doch sicher gut, sich möglichst oft an der frischen Luft zu bewegen, insbesondere auch, weil ich rasch an Gewicht zulege, wenn ich nichts tue. Wie lautet die Empfehlung: Durchbeissen und aktiv bleiben oder doch etwas mehr schonen und dem Körper Ruhe gönnen.? Danke für Ihre Antwort im Voraus

Georg Hafer: Sie befinden sich drei Wochen nach Infektion per Definition noch in der Phase des akuten COVID-19 Zustandes. In den allermeisten Fällen sind die Beschwerden innert der ersten Wochen spontan regredient. Machen Sie, was Ihnen gut tut. Wenn körperliche Belastung nicht zu einer deutlichen Erschöpfungsreaktion führt (sog. «Crash» oder «Post Exertional Malaise"), dann trainiert Sie weiter. Wenn Sie aber nach solchen Aktivitäten über die Massen hinaus erschöpft sind, dann sollten sie Ihre Belastungsgrenze nicht bewusst überschreiten. Zu diesem frühen Zeitpunkt kann noch kein Long COVID Syndrom diagnostiziert werden.

Gibt es eine 4. Impfung gegen Corona? Bei den meisten ist oder läuft das Zertifikat ja ab. Gibt es ein weiteren booster?

Anne Spaar: Im Sommer wurde bereits über die Grundzüge einer Empfehlung im Herbst informiert. Dort wurde eine Boosterimpfung insbesondere für die besonders gefährdeten Personen aber auch für die weiteren erwachsenen Personen in Aussicht gestellt. Diese Empfehlungen werden aktuell finalisiert und es sollte in Kürze mehr Informationen dazu zur Verfügung stehen.

Verlust das Hungergefühl und Sättigungsgefühl. Komplettes Taubheit in Mund , Rachen, Magen, Darm. Auch beim scharfes Gericht oder heisse und kaltes Gericht. Seit 2te Monat. Ist es bekannt nach dem Covid Erkrankungen?

Georg Hafer: das sind keine wirklich typischen Beschwerden für ein Long Covid Syndrom. Es gibt aber immer wieder auch ungewöhnliche Symptome. Wichtig ist auch hier die Suche nach anderen Gründen. Ich empfehle Ihnen eine ärztliche Abklärung.

Guten Abend. Seit meiner schwachen Coviderkrankung vor bald 6 Monaten habe ich täglich einmal eine sehr starke Hustenattake wegen plötzlich auftretenden Schleim im Hals und der Nase. Was kann man dagegen tun? Und...ist ein Matchbesuch im Fussball ein grosses Risiko? Danke für Ihr Feedback Lieber Gruss aus dem Welschland

Georg Hafer: Manche Menschen entwickeln nach einer COVID-19 Erkrankung asthmatische Beschwerden. Ihre Beschwerden könnten dadurch bedingt sein. Ich empfehle Ihnen, sich beim Hausarzt diesbezüglich abklären zu lassen.

Hallo Ab wann kann man die neue Impfung mit dem Omikron-Booster von Moderna erhalten? Kann man mit etwas Abstand auch Grippe impfen? Ich habe Risikopat. um mich und bin 68.

Sebastian Haubitz: Die Boosterimpfung mit neuen angepassten bivalenten mRNA Impfstoffen wird bereits in einigen Wochen möglich sein. Mit >65 Jahren wird Ihnen diese voraussichtlich empfohlen sein. Auch eine saisonnale Grippeimpfung wird Ihnen empfohlen, diese kann gleichzeitig, vor oder nach der Covid-Boosterimpfung durchgeführt werden. Ein Impfabstand ist nicht unbedingt nötig.

Wir sind drefach geimpft. Unseren ersten Booster haben wir mitte Dezember 2021 erhalten. Wir gehen Mitte Oktober Auf eine Flusskreuzfahrt. Unsere Aerztin hat uns geraten unseren zweiten Booster bis spaetestens 14 Tage vor dem Reisetermin zu verimpfen. FRAGE 1 is bis zu disem Zeitpunkt Der neue Impfstoff Omikron/Delta verfugbar, wenn wir uns gegen Bezahlung freiwillig impfen lassen . FRAGE 2 wenn wir uns gegen Bezahlung MIT dem alten Impfsoff nur Omikron Serum impfen Lassen, ist es Dann trotzdem moeglich zusaetzlich MIT dem neuen Impfstoff spaeter einen weiteren Booster zu erhalten, went dieser Auf den Markt kommt da dieser ja auch gegen Omikron schuetzt. Besteht da eine Karenzfrist

Anne Spaar: Aktuell laufen die Abklärungen und Vorbereitungen intensiv und es sollte in Kürze mehr Informationen zu den bivalenten Impfstoffen und den Empfehlungen verfügbar sein. Zwischen den Impfdosen wird empfohlen, ein Abstand von 4 Monaten einzuhalten. Die monovalenten Impfstoffe bieten gemäss aktuellem Wissen ebenfalls einen guten Schutz vor schweren Krankheitsverläufen. Bei den Omikronvarianten ist ein Schutz vor Infektion oder Übertragung durch eine Impfung nur sehr begrenzt möglich.

Ist es möglich ca. 4 Monate nach der Coronainfektion an einer Depression zu erkranken. Hängt dies mit der Coronainfektion zusammen?

Georg Hafer: Das ist möglich und nicht ungewöhnlich. Eine Depression kann sich unterschiedlich äussern und ebenfalls durch Erschöpfung und machmal auch körperliche Symptome zu Tage treten. Es ist nicht immer leicht, die Beschwerden voneinander abzugrenzen. Auch infolge der langen Leidenszeit können sich u.a. depressive Symptome entwickeln. Ich empfehle Ihnen, sich diesbezüglich fachärztlich abklären zu lassen.

Ich hatte während den Sommerferien Covid, aber da ich im Ausland war keinen PCR-Test gemacht. Mein Zertifikat läuft Ende September ab. Wie komme ich nun zu einem neuen Zertifikat bzw ab wann empfehlen Sie den nächsten Booster?

Sebastian Haubitz: Eine Boosterimpfung kann ab etwa 4 Wochen nach einer Infektion durchgeführt werden. Ob Ihnen eine Boosterimpfung mit den bald verfügbaren angepassten bivalenten mRNA Impfstoffen empfohlen wird, hängt von Ihrem Individualrisiko ab. Voraussichtlich wird die Empfehlung >65 Jahre oder ein deutlich erhöhtes Risiko für Infektionskomplikationen beinhalten. Wenn Sie ein Impfzertifikat für Auslandsreisen benötigen, so ist dies ansonsten eine individuelle Entscheidung.

Ich habe 8 Monate nach der Covid Infektion( Delta Variante) immer noch ganz lästige Geruchsmissempfindungen, welche mich belasten. Gibt es immer noch keine Therapie?

Georg Hafer: Anhaltende Geruchs- und Geschmacksstörungen sind ein häufig berichtetes Problem. Es gibt leider keine zielgerichtete Therapie. Oft kommt es aber auch nach vielen Monaten noch zu einer Besserung. Ein regelmässiges Riechtraining morgens und abends z.B. mit den Einzel-Essenzen Rose, Nelke, Eukalyptus und Zitrone kann helfen, die Geruchswahrnehmung quasi zu kalibrieren.

+++ Ich finde es sehr traurig das gesagt wurde, dass es erst wieder schlimm wird in den Spitälern wenn nochmals eine Covid Welle kommt. Das Gesundheitsssystem und das Personal ist am. LIMIT.... Es muss nicht nochmals eine Covid Welle kommen... Die Politik muss endlich handeln sonst ist es zu spät :(.... +++

Kann durch Langzeit Covid vermehrtes starkes Schwitzen auftreten? Zudem habe ich oft Atemnot und Schwindelanfälle seit Corona, können das ebenfalls Langzeitfolgen sein??

Georg Hafer: Es gibt Patienten, die über solche Langzeitbeschwerden berichten, wie Sie sie schildern. Wichtig ist, dass Sie sich primär hausärztlich untersuchen lassen, um andere Ursachen Ihrer beschriebenen Beschwerden nicht zu verpassen.

Mein COVID-Zertifikat (3. Impfung) ist letzte Woche abgelaufen. Wird es im Herbst 2022 wieder eine Zertifikatspflicht gelten? Falls ja, wann lohnt es sich, sich nochmals zu boostern? Ich bin jünger als 30 und gesund. Ich hatte nie COVID.

Anne Spaar: Die Zertifikatspflicht wurde in der Schweiz aufgehoben und die meisten Länder in Europa haben die Zertifikatspflicht für die Einreise ebenfalls inzwischen aufgehoben. Ob und was international in der kommenden Herbst/Wintersaison an Regeln eingesetzt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Personen müssen sich weiterhin selbst informieren, was die jeweilige Zertifikatssituation im Zielland ist . Hilfreiche Webseiten (neben der Webseite der Behörden des Transit- oder Ziellandes) sind die folgenden:
- Für Reisen weltweit: IATA – International Travel Document News
- Für Reisen in EU/EFTA-Staaten: Re-open EU

Ist me/cfs das gleiche wie Long Covid? Wo liegt der Zusammenhang? Wo steht die Forschung?

Georg Hafer: Die Krankheitsbilder ähneln sich in vielen Fällen auffallend und es gibt guten Grund für die Annahme, dass es sich z.T. um das gleiche Krankheitsbild handelt. Das Chronische Fatigue Syndrom / ME gab es schon vor COVID-19 und entwickelte sich meist im Anschluss an andere Viruserkrankungen wie z.B. das Pfeiffersche Drüsenfieber (Epstein-Barr-Virus). Gewisse Auto-Antikörper lassen sich bei einer Gruppe von Betroffenen nachweisen. Ob diese aber auch ursächlich für die klinischen Beschwerden sind, ist momentan noch unklar.

Guten Abend. Ich hörte, dass bei jeder erneuten Infektion mit COVID-19 – trotz Impfung und Booster – das Risiko an Long Covid zu erkranken steigen soll. Können Sie diese Aussage bestätigen?

Anne Spaar: Allgemein steigen gemäss Studien Wahrscheinlichkeit, Schweregrad und Dauer einer Post-Covid-19 Erkrankung mit dem Schweregrad der durchgemachten Covid-19-Erkrankung.  Studien zu der vorbeugenden Wirkung von Covid-19 Impfungen zeigten mehrheitlich, dass nach einer Covid-19 Erkrankung zuvor geimpfte Personen signifikant seltener und im Median weniger lang Post-Covid-19 bzw. Long Covid Symptome aufwiesen als ungeimpfte Personen.

Ich erhielt von meiner Onkologin den Bescheid, dass ich über 2000 (Einheit unbekannt) Covid Antikörper im Blut habe, ein guter Wert anscheinend. Ich bin selbst nie an Covid erkrankt. Wie kommt dieser Wert zustande und wie lange hält er? Letzte Impfung war im Januar 2022. Danke.

Sebastian Haubitz: Nach der Covid-19 Impfung (ebenso wie nach einer Infektion) bilden Sie Anti-Spike Antikörper, vermutlich wurden diese bei Ihnen getestet. Wie lange diese anhalten ist aktuell schwer zu sagen. Am besten besprechen Sie das weitere Vorgehen mit Ihrer Onkologin, insbesondere die Möglichkeit einer Auffrischimpfung mit den demnächst zur Verfügung stehenden angepassten bivalenten Impfstoffen.

+++ Ich möchte gerne einmal positiv sprechen – Ich hatte im März 2020 mit der AlphaVariante einen wie ich finde mittelschweren Verlauf. Ich war nur kurz im Krankenhaus zur Beobachtung. Nach 4-6 Wochen hatte ich viele Long-Covid-Symptome, allen voran Müdigkeit und Erschöpfung. Diese sind jedoch alle nach und nach wieder verschwunden. Ich wünsche allen Betroffenen, dass es Ihnen auch so ergehen möge. +++

Ich bin seit gestern CORONA positiv getestet. Fühle mich schlapp mit Gliederschmerzen und 38 Grad Fieber. Wie kann man behandeln?

Sebastian Haubitz: Die Behandlung richtet sich grundsätzlich grösstenteils gegen Ihre Symptome. Sie können Fieber und Gliederschmerzen mit Paracetamol behandeln, meist auch mit einem Entzündungshemmer wie Ibuprofen. Sollten Sie eine Immunschwäche oder Immunsuppression, eine chronische Herz- oder Lungenerkrankung haben, so beraten Sie sich sobald wie möglich mit Ihrem Hausarzt oder betreuenden Spezialisten zu intensivierten Therapiemöglichkeiten.

Zig Tausende leiden in der CH an Long Covid. Wann nimmt das BAG endlich Kenntnis von uns und KÜMMERT sich um uns? Also Forschung, Geld für Studien, angemessene Versorgung etc? Monatelange Wartezeiten in den LC Sprechstunden, für Reha etc sprechen Bänder! Bin eine seit bald 2 Jahren arbeitsunfähige Pflegefachfrau, die eigentlich dringend am Pat Bett gebraucht wird

Georg Hafer: Auch wenn es sich für viele Betroffene wie eine Ewigkeit anfühlt, so sind es doch erst knapp zwei Jahre, während derer wir mit diesem Phänomen bei so vielen Menschen weltweit konfrontiert sind. Valide Forschung braucht leider Zeit. Um zielgerichtete Therapien zu entwickeln, müssen zunächst die Ursachen klar definiert sein. Es wird viel geforscht aber seriöse Ergebnisse brauchen Zeit. Wichtig ist eine breite Informationsvermittlung, damit Ärzte, Therapeuten und Versicherungen auf dem aktuellen Kenntnisstand hinsichtlich dieses Krankheitsbildes, dessen Prognose und der aktuellen Therapiemöglichkeiten sind.

An das BAG: in UK leiden 430‘000 NACH 2 JAHREN noch an Long Covid. Und in der CH ? Interessiert sich kein Mensch für uns, zumindest nicht beim BAG! Wo bleibt Finanzierung von STudien- allen voran BC007? Ist Ihnen eigentlich bewusst, dass unsere Krankentaggelder auslaufen, während im BAG das Problem nicht zur Kenntnis genommen wird? Uni ZH wollte eine Studie zur Apherese machen? Aber niemand da, der es finanziert. Ist dem BAG wirklich total egal, dass Tausende (meist zuvor 100% gesund) in der CH im Begriff sind Sozialfälle zu werden?

Anne Spaar: Das BAG hat folgende Website eingerichtet, um Anlaufstellen sowie Basisinformationen zum Thema Post-Covid-19-Erkrankung zur Verfügung zu stellen. Bei weiteren Fragen können Sie sich auch dort an die zuständigen Personen wenden. https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/ausbrueche-epidemien-pandemien/aktuelle-ausbrueche-epidemien/novel-cov/krankheit-symptome-behandlung-ursprung/long-covid.html

Ich verstehe die starre Altersgrenze von 80 Jahren für den 2. Booster nicht. Laut meinen Recherchen würden bereits 60 jährige etwas profitieren, sicher aber 70 bis 80 jährige. Ich habe einen 78 jährigen Bekannten, der in diesem Mai als vollständig Geimpfter und 6 Monate zuvor Geboosterter wegen Covid-19 5 Wochen hospitalisiert werden musste. Er hat keine Risikofaktoren, sonst wäre er vielleicht noch schwerer erkrankt oder verstorben. Wieso gibt die EKIF keine genaueren Angaben zu den Risikofaktoren, die für sofortigen Booster qualifizieren. Es kann nicht sein, dass nur schwer Immunsupprimierte oder unter Chemotherapie stehende Patienten jetzt geboostert werden sollten.

Sebastian Haubitz: Haben Sie bitte etwas Geduld, denn in Kürze wird das Impfangebot mit den neuen angepassten bivalenten mRNA Impfstoffen beginnen. Diese schliessen neben dem ursprünglichen Virus der bisherigen Impfung auch die zwischenzeitlichen Mutationen bis Omicron mit ein. Voraussichtlich werden die Einschlusskriterien dann alle Personen >65 Jahren und Personen mit erhöhtem Komplikationsrisiko betreffen.

Guten Tag Ich bin schwanger und finde Momentan keine richtigen Informationen zur aktuellen Lage. Wie ist im Moment grundsätzlich die Gefahr für Schwangere mit der aktuellen Variante? Empfehlen Sie eine Maske zu tragen? Würde eine weitere Boosterimpfung Sinn machen? Danke für Ihre Antwort

Anne Spaar: Schwangere Frauen gehören zu den besonders gefährdeten Personen für einen schweren Covid-Verlauf. Eine Impfung wird deshalb empfohlen. Weitere Informationen auch zu Massnahmen finden Sie auf der BAG Website.

Ich bin 78jährig. Mit zehn Jahren hatte ich schwere Polio. Ich bin inzwischen im Rollstuhl weil ich kaum mehr gehen kann. Habe seit etwa 8 Jahren Probleme mit der Atmung (Zwerchfellhochstand links, Befall der Atemhilfsmuskulatur, Schlaf-Apnoe-Syndrom ( unter CPAP-Therapie). Ansonsten fühle ich mich fitt. Im Spätherbst lasse ich mich gegen eine Grippe impfen. Gegen COVID bin ich geimpft, inkl. Booster im Februar 2022) Frage: soll ich mich nächstens durch eine angepasste Impfung boostern lassen? Kann ich mich gratis impfen lassen. Muss sich meine Partnerin (74jährig) ebenfalls eine angepasste Impfung verpassen lassen?

Sebastian Haubitz: Sie müssen von einem erhöhten Risiko für Komplikationen im Falle einer Covid-19 Infektion ausgehen, weshalb Ihnen eine Boosterimpfung mit den angepassten bivalenten mRNA Impfstoffen empfohlen wird. Das gleiche gilt für Ihre engen Kontaktpersonen, wie Ihre Partnerin. Wir erwarten, dass das Impfangebot in Kürze beginnen wird.

Warum gibt es noch immer kein LongCovid Register? Das würde doch helfen die wirklichen Fälle zu Unterstützen und die Simulanten aufzudecken.

Georg Hafer: Das Problem ist, dass es bislang keine validen Marker gibt, welche Long COVID klar identifizieren. Wahrscheinlich sind verschiedene Gründe ursächlich. Es ist immer eine klinische Diagnose und die Beschwerden reichen von ganz minimal bis hin zu invalidisierend. Z.T. gibt es anhaltende organspezifische Folgen eines schweren akuten Infektionsgeschehens aber oft gibt es eben keine messbaren patholgischen Befunde und trotzdem sind die Pat. schwer betroffen. Das macht es kompliziert, ein valides Register zu führen.

Guten Abend Pfizer hat Anfang August bei Swissmedic einen Antrag auf Zulassungserweiterung für den auf Omikron angepassten Covid-Impfstoff eingereicht. Gibt es Hinweise darauf, wann die Zulassung erfolgen könnte?

Anne Spaar: Es liegen mir keine Informationen vor, dies müsste direkt bei Swissmedic angefragt werden.

Ich leide unter Polyarthritis in einem chronischen Zustand (nehme keine spezifischen Medikamente mehr). Seit der dritten Covid-Impfung im November 2021 habe ich ein sehr schlechtes Immunsystem für andere Viren (hatte bis Ende Mai 2022 dauernd grippale Infekte mit starken Hustenanfällen (z.T. auch mit Fieber) und im Juni/Juli 2022 auch Covid mit ziemlich starken Symptomen. Soll ich mich im Herbst trotzdem wieder impfen lassen? Oder reicht die FFP2-Maske in Innenräumen (wie ich es seit Juni 2022 tue?)

Sebastian Haubitz: Wenn ich richtig verstehe, nehmen Sie keine immunsuppressiven Medikamente ein? In diesem Fall, da Sie 3x geimpft und gerade erst von Covid genesen sind, darf aktuell bei Ihnen eine gute Immunität vermutet werden. Sicherlich dürfen Sie weitere 6 Monate zuwarten (somit bis Dezember), bevor eine erneute Boosterimpfung zu erwägen wäre.

guten tag, ich bin risikopatient, 63 jahre alt und hatte am 20. april 2022 meine 4. impfung (2. booster). ab wann steht der neue angepasste impfstoff (aktuell zugelassen ist ja angepasster impfstoff von moderna) zur verfügung und ab wann kann ich mich mit diesem impfstoff impfen lassen?

Anne Spaar: Gemäss Kommunikation vom Juli sollen sich insbesondere besonders gefährdete Personen im Herbst bei ansteigenden Fallzahlen mit einem Booster schützen können. Aktuell laufen intensiv die Abklärungen und Vorbereitungen für die Empfehlungen sowie die verfügbaren Impfstoffe. Es sollten hierzu in Kürze weitere Informationen verfügbar sein.

Ich bin dreimal geimpft. Ich möchte mich ein zweitesmal boostern lassen. Wer übernimmt die Kosten? Ich bin 65 Jahre alt. Danke für ein Feedback.

Sebastian Haubitz: In Kürze wird das Impfangebot mit den neuen angepassten bivalenten mRNA Impfstoffen beginnen (beinhaltet Wirkung gegen das ursprüngliche Virus und die bisherigen Varianten bis Omicron). Sie sollten diese abwarten und können sich dann erneut boostern lassen. Voraussichtlich (gemäss BAG Seite) werden die Empfehlungen >65 Jahren oder Personen mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen beinhalten und die Kosten mutmasslich dann übernommen werden.

Ich werde im 2023 70 Jahre alt, gehöre zur Risikogruppe, da ich an COPD leide. Am 2.4.2022 erhielt ih off label meine zweite Booster-Impfung Moderna im Impfzentrum Baar. (d.h. vierte Impfung). Ab Oktober sollte ja vermutlich der angepasste Impfstoff für Booster-Impfung zur Verfügung stehen. Meine Frage: Kann ich diese 5. Impfung erhalten, da dann bereits 6 Mt. seit der vierten vergangen sind?

Sebastian Haubitz: Das ist richtig, in Kürze wird das Impfangebot mit den neuen angepassten bivalenten mRNA Impfstoffen beginnen (beinhaltet Wirkung gegen das ursprüngliche Virus und die bisherigen Varianten bis Omicron). Sie sollten diese abwarten und können sich dann erneut boostern lassen. Mit COPD und >65 Jahren wird Ihnen diese Impfung empfohlen.

Grüezi mitenand, ich hatte vor einem Jahr die Grundimmunisierung mit dem Impfstoff Moderna. Ich hatte danach nie eine Booster Impfung machen lassen. Jetzt bin ich im 7. Monat schwanger, wäre es sinnvoll und unbedenklich mich jetzt boostern zu lassen?

Anne Spaar: Schwangere Personen gehören zu den Gruppen, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid Verlauf haben können. Ihnen wir eine Auffrischimpfung empfohlen, siehe auch die zusätzlichen Informationen auf der BAG Website. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt.

Meine Frau wurde am 10. März positiv auf Corona getestet. Seither leidet sie unter starken Glieder- und Gelenkschmerzen; sie ist müde und erschöpft. Sie ist in ärztlicher Behandlung und muss starke Schmerzmedikamente nehmen (Oxycodon und Oxynormtropfen). Diese Symptombekämpfung hat bisher wenig Erfolg gehabt. Welches Wissen und welche Fakten gibt es zu Longcovid? Gibt es Behandlungen, welche die Ursachen der Schmerzen angehen? Was könnte meiner Frau in ihrer Situation weiterhelfen?

Georg Hafer: Wichtig ist eine gute differentialdiagnostische Abklärung z.B. hinsichtlich rheumatologischer Erkrankungen und anderer Auslöser für die Erschöpfung. Beim Long bzw. Post COVID Syndrom sind Erschöpfung und Leistungsintoleranz sehr häufige Symptome und oft durch Überschreiten der individuellen Belastungsgrenze begründet. In aller Regel sind die Beschwerden belastungsabhängig. Auch andere körperliche Symptome können infolge dessen auftreten, u.a. unspezifische Muskel- und Gelenkschmerzen. Schmerzmittel helfen häufig nicht genügend. Ursächlich ist meist eine körperliche und/oder geistige Überlastungsreaktion infolge Überschreitung der durch die Virusinfektion herabgesetzten individuellen Belastungsgrenze. Zielführend ist hierbei eine meist kombinierte Physio- und Ergotherapie, eine sogenannte Pacing Therapie, die darauf abzielt, durch Aktivität streng unterhalb der individuellen Belastungsgrenze und ein individuelles Pausen- und Energiemanagement die jeweilige Belastungsgrenze nicht zu überschreiten. Dadurch gelingt in vielen Fällen kurz- bis mittelfristig eine deutliche Besserung des Allgemeinbefindens und über längere Zeit auch ein Wiederanstieg der individuellen Leistungsfähigkeit.

Wann kommen den Aktuellen Varianten angepasste Impstoffe in der CH auf den Markt? Wann kommt eine Impfempfehlung für die breite Bevölkerungsschicht in der CH?

Anne Spaar: Beide angesprochenen Themen sind in Vorbereitung und es sollten dazu in Kürze Informationen zur Verfügung stehen. Die Swissmedic Zulassung für den bivalenten Impfstoff von Moderna liegt bereits vor.

Video
Covid – Wie weiter?
Aus Puls vom 05.09.2022.
abspielen. Laufzeit 32 Minuten 30 Sekunden.

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