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Legende: Dr. Stefan Hägele-Link, Anja Ulrich und Prof. Egemen Savaskan. SRF
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Delir «Können auch Medikamente ein Delir auslösen?»

Stefan Hägele-Link, Anja Ulrich und Egemen Savaskan haben Ihre Fragen im «Puls»-Chat beantwortet.

Fachpersonen im «Puls»-Chat

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Dr. Stefan Hägele-Link

Leitender Arzt/stv. Chefarzt

Klinik für Neurologie

Kantonsspital St. Gallen

Anja Ulrich

Fachbereichsleiterin Pflege Medizin

Universitätsspital Basel

Prof. Dr. Egemen Savaskan

Chefarzt

Klinik für Alterspsychiatrie

Psychiatrische Universitätsklinik Zürich

Chatprotokoll

Gibt es denn das Delir auch bei Jungen Patienten/innen? Ich bin 27 Jahre alt, hatte schon mehrere Hüft OP‘s, immer mit Vollnarkose, bei der letzten grösseren Hüft OP, hatte ich sogar meine Mutter regelrecht angeschrien, sie solle aus dem Zimmer rausgehen, da ich sie nicht kenne. 2 Tage später ging es mir dann auch schon besser.

Egemen Savaskan: Das Delir ist zwar bei älteren Personen häufiger aber kommt in jedem Alter vor. Anästhesie ist eine häufige Ursache und kann Delir verursachen

Kurz nach dem Erwachen aus der Narkose sind viele wirr und das hält oft noch eine Weile an. Ab wann gilt das als Delir?

Stefan Hägele-Link: Nach einer Narkose ist es möglich, dass vorübergehend eine gewisse Verwirrung oder Desorientierung besteht. Daher kann man sich an diese Phase auch nicht immer erinnern. Wenn eine Verwirrtheit anhält oder z. B. eine psychomotorische Unruhe hinzukommt muss man an ein mögliches Delir denken. D.h. der zeitliche Verlauf und Art und Dauer der Beschwerden spielt eine Rolle.

Ein Patient mit einer Alkoholabhängigkeit gelingt nach einer Operation in ein Delir. Verschlimmert ein Entzug das Delir, da er ein weiterer Stressor darstellt?

Egemen Savaskan: Sowohl der Alkoholentzug als auch die Operation (Anästhesie) können ursächlich für das Delir verantwortlich sein. Oder beide Faktoren gemeinsam können sich gegenseitig potenzieren. Deswegen ist es wichtig eine gute Anamnese bezüglich Konsumverhalten zu erheben

Ist bei einer Delirbehandlung von Bedeutung ob mit einem Neuroleptika behandelt wird oder ob mehrere Neuroleptika zum Einsatz kommen? Ist es kontraproduktiv mehrere Wirkstoffe zu kombinieren? Raten Sieneine Monotherapie und diese auszuschöpfen?

Egemen Savaskan: Die Therapie des Delirs ist immer kausal, d.h. die Ursache wie z.B. Infektion usw muss primär behandelt werden. Wenn die Ursache nicht klar ist und Betroffene sehr unruhig, aggressiv, psychotisch sind kann man Neuroleptika vorübergehend einsetzen um die weitere Versorgung und Lebenserhalt zu gewährleisten. Eine Monotherapie ist immer bevorzugt. In seltenen Fällen kann man zwei kombinieren um eine hohe Dosis der einzelnen Substanz zu vermeiden. Der Einsatz ist immer zeitlich begrenzt und von der Symptomatik abhängig

Mein Vater hatte nach einer Herz-OP (Ersatz Aorta-Klappe) ein vermeintliches Delir. Er redete lauter verwirrtes Zeug, stotterte und Hochdeutsch und konnte nicht mehr aufstehen. Nach 14 Tagen wurde er vom Unispital Zürich ins Kantonsspital Winterthur abtgeschoben. Als sich dort sein Zustand nicht besserte, wurde im KSW eine Hirntomographie gemacht. Dort wurde festgestellt, dass er zusätzlich noch einen schweren Hirnschlag erlitten hatte. Kann ein Delir ein Hirnschlag auslösen?

Anja Ulrich: Es ist bekannt, dass im Zusammenhang von Hirnschlägen als Folge Delirien entstehen können. Es ist also eher umgekehrt. Es ist wichtig, dass man präventiv Patienten mit Hirnschlag gut überwacht, um vor einem möglichen Delir zu schützen

warum können pflegepersonen einfach sagen ob es delir ist oder nicht. ich denke es ist normal das ein patient angstzustände hat. arbeitet mehr mit naturheilmitteln und naturärzten

Egemen Savaskan: Delir hat verschiedene Formen: die hyperaktive Form mit Unruhe, Aggressivität und psychotischen Symptomen ist relativ einfach zu diagnostizieren. Aber die hypoaktive Form wo die Betroffenen apathisch sind ist sehr schwierig zu diagnostizieren. Ein anderes Problem ist dass die Symptomatik stark fluktuiert. Die Symptome sind nicht immer gleich stark vorhanden. Erst eine dauerhafte Beobachtung macht die Diagnose möglich

Meine Mutter (87 Jahre alt mit mittlerer Demenz ) hat am Freitag eine Hüftoperation mit Rückenanestesie, wie gross ist die Gefahr für ein Delier?

Stefan Hägele-Link: Neurodegenerative Erkrankungen wie eine Demenz und ein hohes Lebensalter sind Risikofaktoren für die Entstehung eines Delirs, es muss aber nicht unbedingt zum Delir kommen. Besonders nach der Operation sollte man wach dafür sein und nach klinischen Zeichen für ein sich anbahnendes Delir suchen. Wichtig wäre auch zu wissen ob es bei zurückliegenden Operationen in der Vergangenheit schon zu einem Delir gekommen ist.

Gibt es Delirien auch im ambulanten Rahmen? Wie sieht dann das Procedere aus außer genauer Abamnese und Labor?

Egemen Savaskan: Ja, es gibt auch im ambulanten Setting Delire. Grundsätzlich sollte das Delir stationär behandelt werden um die Sicherheit des Patienten und eine gute Diagnostik zu gewährleisten. Ambulant muss man darauf achten dass der Zugang zu diagnostischen Verfahren gegeben ist und der Betroffene durch Unruhe sich nicht gefährdet

Kann es nach einem Delir bleibende Schäden geben?

Anja Ulrich: Leider ist es so, dass jedes Delir trotz guter Erholung Folgen haben kann: Die Konzentration oder auch die Gedächtnisleistung kann reduziert sein. Allerdings erholen sich die meisten Patienten glücklicherweise vollständig

Kinder reagieren ja oft sehr drastisch. Bei meiner Tochter steht eine Paukenröhrchen-OP an mit Narkose. Ich habe wirklich Angst, dass sie mit einem Delir reagiert. Was kann ich dann oder im Vorfeld schon tun?

Stefan Hägele-Link: Vor allem ältere Menschen sind besonders gefährdet dafür ein Delir zu entwickeln. Aber auch junge Menschen und Kinder können entsprechende Symptome nach einem operativen Eingriff entwickeln z.B. als Reaktion auf bestimmte Medikamente. Stress kann die Entstehung eines Delirs begünstigen, daher sollte die gesamte Situation und Stimmung um den operativen Eingriff herum so entspannt wie möglich gestaltet werden. Angehörige spielen eine wichtige Rolle in diesen Situationen. Sie können die Verankerung des betroffenen Menschen in der Realität sein.

Mein Sohn, 10 Jahre, mit ADHS nimmt Strattera. Manchmal überfällt ihn das heuelnde Elend, dann schreit er mich mit verletzenden Worten an und verhält sich, als würde ich ihm etwas antun, dann kommt die Reue. Dieses Verhalten entsteht manchmal aus dem Nichts. Mein Sohn hat auch Ticks und Zwangsgedanken. Kann es sich auch um ein Delir handeln?

Egemen Savaskan: Im seltenen Fall ja aber zuerst müssen hier andere Störungsbilder ausgeschlossen werden. Die Grunderkrankung könnte die Symptome ebenfalls verursachen. Ein Kinder- und Jugendpsychiater kann Sie hier besser informieren

Ich hatte mit 30 eine Sepsis und lag 14 Tage mit hohem Fieber im Koma. Danach hatte ich drei Tage lang zweitweise Hallozinationen, wie Eis das an den Wänden wächst, etc. Ist Delir auch bei Komapatienten bekannt?

Anja Ulrich: Fieber und Infektionen sind bekannte Gründe, die ein Delir auslösen können. Ihre Halluzinationen können in diesem Zusammenhang entstanden sein. Allerdings ist es in anderem Zusammenhang möglich, wie Medikamente

Kann ein nicht diagnostiziertes Delir nach einer Aoartaklappen-Oberation später zu einer Levi-Körperchen-Demenz führen?

Stefan Hägele-Link: Ein Delir muss so früh wie möglich erkannt und behandelt werden. Menschen die an einem Delir erkrankt sind können im Langzeitverlauf Gedächnisstörungen aufweisen. Eine Lewykörperchen Demenz ist eine eigene Form einer neurodegenrativen Erkrankung, die aber nicht als direkte Folge eines Delirs nach Operation entstehe kann. Aber Menschen mit einer solchen neurodegenrativen Erkrankung haben ein erhöhtes Risiko ein Delir nach einer Operation zu entwickeln.

Kann sich ein Delir nach ca 13 Stunden Narkose auch in Horrorbildern zeigen? Haben in abnehmender Intensität ca. 24 Stunden angehalten.

Anja Ulrich: Im Rahmen eines Delirs können Gegenstände oder Bilder an den Wändern zu völlig entfremdeten Bildern oder Utensilien werden. Blumenvasen sind plötzlich Trinkflaschen. Dies sind mögliche Illusionen. Man nimmt etwas anders wahr, als es ist. Die noch stärkere Form sind Halluzinationen: Bilder oder Lebewesen, zum Beispiel Tiere, die man sieht aber nicht existieren. Das kann sich durchaus so manifestieren im Rahmen eines Delirs nach Narkose. Allerdings kann man auch auf die Narkosemittel stark reagieren ohne ein Delir zu entwickeln

Meine Mutter erlitt mit 87 nach einer Operation ein Delir und 6 Monate zuvor auch ganz plötzlich und grundlos. Wir befürchten, dass evt ihre Medikamente gegen Bluthochdruck der Auslöser sein könnten. Gibt es in der Ostschweiz einen Spezialisten der die Medikamente prüfen und evt. Alternativen empfehlen könnte? Vielen Dank!

Egemen Savaskan: Alter, Operation und Medikamente sind hier mögliche Risikofaktoren. Mehrere Faktoren könnten das Delir verursacht haben. Ich empfehle Ihnen ein Spital mit geriatrischem Schwepunkt aufzusuchen

Kurze Frage, ich hatte im Dezember 2016 eine Narkose mit anschliessendem Bronchospasmus und wurde 12 Stunden beatmet. Seit dem habe ich das Gefühl das mein Gedächtnis stark gelitten hat. Ich verwechsle oft Datum oder Ereignisse von früheren Erinnerungen. Dabei war ich auf mein Erinnerungsvermögen immer so stolz weil ich als Asperger Autist ein sehr gutes fast schon Fotografisches Gedächtnis hatte.Jetzt bin ich nach Ihrem Beitrag unsicher. Kann das auf dieses sogenannte Delir hindeuten ?

Stefan Hägele-Link: Dieses Ereignis ist schon sehr lange her so dass es eher unwahrscheinlich ist dass ihre Beschwerden noch eine Folge davon darstellen. Wenn die Sorge über eine bestimmte Gedächtnisstörung besteht kann es hilfreich sein eine neuropsychologische Testung einschliesslich Gedächtnisprüfung durchführen zu lassen.

Mein Vater erlitt vor einem Jahr ein Delir nachdem er Antibiotika über eine Infusion erhalten hat. Er war dann 4 Wochen stationär in Behandlung. Wieder zu Hause ging es etwas besser Aber seit diesem Vorfall ist er ein ganz anderer Mensch, zieht sich zurück, alles ist ihm schnell zu laut und schaut auch keinen TV mehr und er kapselt sich ab. Sowie lässt er sich auch gehen und hat zu nichts mehr Lust. Können das immer noch Nachwirkungen sein von diesem Delir? Wie lange kann dieser Zustand andauern

Egemen Savaskan: Wenn Delir sich wiederholt kann es bleibende kognitive Störungen verursachen. Man muss eine überlappende psychiatrische Erkrankung wie Depression oder eine Demenz oder eine das Delir unterhaltende somatische Erkrankung ausschliessen. Ich empfehle Ihnen einen Facharzt oder eine Memory Clinic aufzusuchen

Mein Vater ist nach Oberschenkelhalsbruch stark verwirrt und zeigt genau die beschriebenen Delir Symptome , will nach Hause , ist aggressiv und verzweifelt . Er ist im Spital Laufenburg/AG. Wie bekommen wir dort die nötige professionelle Hilfe? An wen können wir uns wenden?

Egemen Savaskan: Das dortige Team kann sicherlich die notwendigen Assessments durchführen. Bitte machen Sie die verantwortlichen Ärzte und das Pflegeteam darauf aufmerksam

Grüezi! Meine Schwiegermutter wurde vor 4 Monaten wegen hohem Blutdruck und Schwindel ins Spital eingeliefert. Dort kam eine schwere Blutvergiftung hinzu. Sie wurde mit starkem Antibiotika bekämpft. Und siehe da: Aus einer geistigen topfiten Person ist eine [demente] Frau geworden. Wir verstehen die Welt nicht mehr! Sollen wir uns die Betroffenen Aertze konfrontiere und Anklagen? Wir mussten sie in ein Pflegezentrum bringen und keine Besserung ist in Sicht. Danke für Ihre ehrliche Antwort.

Stefan Hägele-Link: Eine schwere Blutvergiftung kann auch Funktionen des Gehirns in Mitleidenschaft ziehen und in dieser Situation kann es auch zu einem Delir kommen. Die Entzündung kann so auch zu einer bleibenden Schädigung des Gehirns mit Gedächtnisstörung führen. Um die Ursache, in diesem Fall die Entzündung bekämpfen zu können kommen Antibiotika zum Einsatz.

Wird die Möglichkeit eines Delirs auch in Alters- und Pflegeheimen beobachtet? Meine Schwester 86j. ist nach 2maligem Spitalaufenthalt in ein Alters-/Pflegeheim eingetreten und hat teilweise "Aussetzer" oder Gedächtnislücken, die wir mit Demenz in Verbindung brachten. Sind die Symptome ähnlich? Wir beobachten, dass ihr Gefühl von Verwirrtheit oder Verlorenheit nachlässt, wenn wir bei ihr zu Besuch sind.

Anja Ulrich: In Alters- und Pflegeheimen wird das Thema Demenz und Delir sehr oft geschult und ist bekannt, da es ein häufiges Phänomen ist bei den Bewohnerinnen und Bewohnern. Der wichtigste Unterschied zwischen einer Demenz und einem Delir ist der fluktuierende Verlauf. Eine Demenz ist langsam und stetig verlaufend, kann sich abends etwas stärker manifestieren. Besuche von Angehörigen sind sehr hilfreich bei beiden Syndromen. Angehörige helfen Orientierung zu geben, Angst zu nehmen. Ihre Besuche sind wertvoll

Auch ich lag vor 2 Jahren mit einer schweren Sepsis auf der Lunge im Spital. Bewustlos und am ersticken voller Panik, da bin ich in ein Delir gefallen. Mir hat aber niemand geholfen, im Gegenteil, man hat mich in meiner panischen Angst ans Bett gefesselt und einfach liegen gelassen.Ich habe heute noch darunter zu leiden aber keiner scheint mich ernst zu nehmen. Diese Wahnvorstellungen waren das schlimmste das ich je erlebt habe.

Anja Ulrich: Delir Erfahrungen sind für betroffenen Patienten oft traumatisierend, wie man auch im Beitrag in der Puls Sendung sehr gut sehen und hören konnte. Informationen zum Thema Delir und Gespräche über das Erfahrene mit Angehörigen oder Fachpersonen können hilfreich sein

Ich bin 38 J. alt und habe eine MS-Diagnose. Mir wurde am 12.12.17 die Gebärmutter entfernt. Nach der Operation brauchte ich die max. Dosis Opioide und Targin, was mir starken Schwindel machte, keine Übelkeit, keine Desorientierung. Der Heilungsverlauf war gut, am 15.12. ging ich nach Hause. Ich war geistig aktiv, habe gelesen, ferngesehen... Am 3. Januar erwachte ich morgens sehr verwirrt, wusste nicht mehr, wann ich operiert wurde, von wem oder was ich hatte. Kann ein Delir so spät kommen? MfG

Stefan Hägele-Link: Mit dieser zeitlichen Verzögerung ist ein Delir ungewöhnlich aber nicht ausgeschlossen. Eine Erkrankung des zentralen Nervensystems wie eine MS kann die Entstehung eines Delirs nach einer Operation begünstigen.

Guten Abend, Meine Mutter 84 sollte ein Tensband OP machen lassen Blasenband einsetzen.. Das letzte mal hatte sie eine akute Verwirrung be einer Vollnarkose. Soll sie die OP nicht machen?

Anja Ulrich: Wenn die Operation nötig ist, ist es sehr hilfreich für eine gute Delir Prävention, wenn Sie dem Spitalpersonal (Ärzten und Pflege) die Information geben, dass ihre Mutter das letzte Mal eine akute Verwirrtheit hatte nach einer OP. So kann man sie gut präventiv vor einem weiteren Delir schützen. Ebenso ist es eine grosse Unterstützung für Ihre Mutter, wenn die Angehörigen nach der OP dem Pflegepersonal oder den Ärzten mitteilen, falls ihnen etwas ungewöhnliches im Verhalten der Mutter auffällt. So kann ein schweres Delir oft frühzeitig erkannt und behandelt werden

Ich habe Parkinson und RLS und kl. Eingriff stationär an einem Zehen.Obwohl ich aufpasste dass die Medi's richtig und pünktlich gegeben werden WURDEN ALLE MEDI'S VERGESSEN. Es war die schlimmste Zeit meines Lebens.Hatte dann 4 Nächte Sitzwache und dank meinem Mann bin ich wieder normal ..........D ie Aerzte stritten Orthopäden und Neurologen...........Entschuldigt hat sich keiner.Der Herr Hasemann sagte es werde bei einem Delir danach abgeklärt warum und wieso sowas.War dies 2015 noch nicht so

Anja Ulrich: Es ist kein bekannter Zusammenhang. Selbstverständlich kann beides gleichzeitig vorkommen. Nicht aber als unmittelbare Folge

Meine Schwiegermutter machte nach einer Schulteroperation ein Delir. Sie wurde äusserst argressiv und wollte sofort nach Hause. Der Spital lies sie von der Polizei abholen und sie wurde in die Psychiatrie überwiesen. Ein riesen Trauma für sie! Das war wohl sicher keine fachmänische Betreuung! Von uns aus, komplett falsch. Oder? Freundliche Grüsse

Egemen Savaskan: Ich kann das nur so erklären dass wahrscheinlich aufgrund einer bestehenden Fremd- oder Eigengefährdung eine Fürsorgerische Unterbringung veranlasst wurde. Das Spital konnte wahrscheinlich im offenen Rahmen die Versorgung Ihres Angehörigen nicht gewährleisten. Die Ärzte können Ihnen sicherlich über die Umstände genaueres sagen

Mein Mann musste zum 3. Mal die Aneurisma-Prothese im Bauchraum ersetzen wegen Keimen. Er liegt nun schon einen Monat auf der Intensivstation. Er wurde auch agressiv gegen das Pflegepersonal und auch gegen mich. Er fühlt sich auch bedroht, sieht Dampf an der Decke. Sie geben ihm Beruhigungsmittel und starke Schmerzmittel. Da er wegen dem Luftröhrenschlauch nicht sprechen kann, weiss ich nicht ob sein Gehirn Schaden genommen hat. Wie finde ich das heraus? Was kann ich tun?

Stefan Hägele-Link: Eine solche schwere Erkrankung kann leider durchaus die Entstehung eines Delirs erklären. Die Symptome die Sie beschreiben passen ebenfalls zu einem Delir. In dieser Situation kann es notwendig sein Beruhigungsmittel einzusetzen und es ist wichtig dass Schmerzen gut behandelt sind da Schmerzen selbst wiederum ein Delir begünstigen können. Trotz der Schwere der aktuellen Erkrankung muss es aber noch nicht heissen dass es zu einer bleibenden Schädigung des Gehirns gekommen ist.

Meine Mutter, 89 Jahre alt, wurde vor 5 Wochen wegen einem Oberschenkelbruch ca. 4 Stunden operiert. Nach der Operation stellten wir eine sehr starke Verwirrung fest. Leider hat sich der Zustand bis Heute nur sehr berdingt verbessert. Tagesabläufe, Erinnerungen vom Vortag, Mittagessen usw. vergisst Sie komplet. Was kann dagegen getan werden? Können wir überhaupt noch mit einer Verbesserung rechnen? Besten Dank für Ihre Antwort.

Egemen Savaskan: Leider tut sich hier wahrscheinlich ein Delir sich mit vorbestehenden kognitiven Beschwerden überlappen. Wegen dem hohen Alter würde ich von starken Medikamenten Abstand nehmen und nicht- pharmakologische Aktivierungsmassnahmen einsetzen

Ich (weiblich 39) leide an einer mittelschweren Depression mit Angststörung. Im Dezember hatte ich ein OP mit Vollnarkose in der Leistengegend (Meralgia Parästetica). Augrund einer Serombildung wurde eine zweite OP nötig.Seither habe ich konstant Angst- und Panikattacken, Abgeschlagenheit, Schwindel, Gangunsicherheit, Schlafstörungen etc. Ich nehem seit über einem Jahr Trittico und Quetiapin. Kann dieser Zustand ein Delir sein oder ist die psychische Belastung einfach durch die OP erhöht worden.

Egemen Savaskan: Hier liegt wahrscheinlich eher eine psychiatrische Symptomatik vor. Neben der Optimierung der medikamentösen Behandlung würde ich eine psychotherapeutische Begleitung empfehlen

Vor 3 Jahren stürzte mein Mann (heute 84), im Spital fiel er 2x aus dem Bett und delirte danach. Mir hat man einfach gesagt ich müsse mich eben daran gewöhnen dass er nun geistig nicht mehr so da sei... Später wurde ihm eine Art Altzheimer diagnostiziert. Gibt es noch eine Möglichkeit auf Besserung seines Zustandes oder muss man sich einfach damit abfinden?

Anja Ulrich: Ein Delir ist ein vorübergehender, akuter Verwirrtheitszustand. Eine Demenz ist eine leider progrediente Diagnose, die stetig zu einer Abnahme der Hirnleistung führt. Dennoch können Therapien (Gedächtnistraining und ähnliches) und Medikamente einen Verschlechterung etwas verlangsamen. Wenn ihr Mann vorüber gehend delirant sein könnte, wegen eines Infektes beispielsweise, dann ist eine Besserung des Zustandes möglich

Mein Vater (87) erhielt vor 12 Wochen wegen eines Piriformis Syndroms Medikamente (u.a. Temesta & Sirdalud), welche bei ihm ein Delir auslösten. Nach 2maligen Spitalaufenthalt (beim 2. Mal wurde er komplett sediert, damit er Schlaf fand), ist er nun (noch immer verwirrt) seit einem Monat in einem Pflegeheim. Frage: Besteht hier überhaupt noch eine Chance auf Besserung? Wer/welche Spezialisten könnten ihm noch helfen? Bis vor 12 Wochen war er sehr gut fokussiert und stand voll im Leben.

Stefan Hägele-Link: Sowohl das hohe Lebensalter als auch die Operation sind in dieser Verbindung Risikofaktoren für die Entstehung eines Delirs. Möglicherweise bestand auch schon früher eine neurodegenrative Erkrankung die sich durch das Delir verschlechtert hat. In dieser Situation kann ein Delir auch länger, d.h. wie in dem beschriebenen Fall mehrere Wochen anhalten.

Undere Mutter hat vor 2 Jahren mit 84 im Spital Heiden eine Hüftprothese bekommen. Seither funktioniert ihr Kurzzeitgedächtnis nicht mehr. Sie hat Halluzinationen ,sieht Leute die schon lange tot sind und kennt ihre Söhne nicht mehr. Sie lebt wieder in ganz früher Zeit. Könnte es sein, dass es schon eine Demenz ist? Oder könnte man noch etwas dagegen machen? Sie hat behauptet Ihr wären Sachen gestolen worden zb. Babibettchen usw.voelen Dank u.freundl. Grüsse

Egemen Savaskan: Wahrscheinlich überlappt sich hier wirklich eine Demenz mit zeitweiligem Delir. Ich empfehle wegen fortgeschrittenem Alter eher nicht-medikamentöse Aktivierungstherapien

Meine Mutter 75.Jahre hatte einen Obersschenkelhalsbruch, kam dann in die Reha war mit der Situation überfordert und kam dann in die Psychiatrie. Kann ein Delir auch später auftreten oder wann macht sich dies Bemerkbar. Sie hat schon länger Medis gegen Depressionen. Ich erkenne meine Mutter nicht mehr so.

Stefan Hägele-Link: Ein Delir kann auch später nach der Operation auftreten. Für ältere Menschen kann allein schon ein Ortswechsel von zuhause in ein Spital oder eine Verlegung in ein anderes Spital zu einem Delir führen. manche Medikamente können in dieser Situation die Entstehung eines Delirs begünstigen.

Ich bekomme bald einen Magenbypass. Ich nehme seit längerem Antidepressiva. Zudem bin ich während einer früheren Operation aus der Narkose aufgewacht, konnte mich nicht bewegen und hatte starke Atemnot. Es bemerkte erst niemand. Ich hatte zusätzlich starke Schmerzen. Nun habe ich große Angst vor einer erneuten Narkose. Ist die Gefahr eines Delirs bei mir erhöht? Und was kann ich im Vorfeld dagegen tun?

Egemen Savaskan: Einige Antidepressiva älterer Art haben sogenannte antichollinerge Nebenwirkungspotential und können delirogen wirken. Bitte informieren Sie Ihren Arzt vor der Operation ausführlich über Ihre Medikamente. Einzelne Medikamente können in der Tat ursächlich für Delir verantwortlich sein

Über mehrere Jahre nehme ich zur Schmerzbehandlung wegen mehrerer Rerupturen der Rotatorenmanchette, inverser Prothese, LWSStabilisationen bis zu immer mehr fortschreitenden Degenerationen der ganzen Wirbelsäule wurde ich 4 x operiert. Dazu gesellt sich eine gut eingestellte Primäre Pulmonale Hypertonie, dazu nehme ich Sifrol wegen Restles Leggs. Vom Erzählen des Anästhesisten weiss ich, dass die Schmerztherapie anspruchsvoll war u ich viel Schmerz hatte. Bin ich gefährdet? 67 jährig

Anja Ulrich: Für ein Delir gibt es tatsächlich die unterschiedlichsten Entstehungswege. Es gibt begünstigende Faktoren, wie das erhöhte Alter oder kognitive Beeinträchtigungen. Es ist allerdings schwierig eine klare Gefährdung so einfach zu behaupten. Sicherlich ist Schmerz einer der häufigsten Auslöser für ein Delir. Deshalb ist es sicher wichtig, dass sie als Schmerzbetroffene ihrem Behandlungsteam so viele Informationen zu ihrer Schmerzbehandlung wie möglich geben. Was hilft wann wie usw. Das hilft präventiv

Was sind die schlimmst möglichsten Folgen eines unbehandelten Delirs?

Egemen Savaskan: Ein Delir kann wenn die Ursache nicht gefunden und behandelt wird bleibende kognitive Schaden verursachen. Deswegen ist eine rasche Diagnostik notwendig

Kann man rückfällig werden,also immer wieder in ein Delir fallen? Wenn man eines hatte.

Egemen Savaskan: Wenn man gewisse Risikofaktoren wie Alter oder zerebrovaskuläre Veränderungen hat ja. Deswegen ist es wichtig vor jeder Operation eine ausführliche Risikoerfassung durchzuführen. Es gibt heutzutage gute Assesmentinstrumente die dafür in den Spitälern eingesetzt werden

Helfen rezeptfreie Vitamine ein Delir zu verhindern?

Egemen Savaskan: Da Mangelernährung ein Risikofaktor für Delir ist können Vitamine in solchen Fällen helfen. Aber wenn das nicht vorliegt wirkt es nicht präventiv

Mein Partner hat nach einer Darmoperation an der Decke gefährliche Tiere gesehen. Es wurde immer schlimmer, so dass der in ein künstliches Koma verlegt wurde. Zwei Tage später ist er gestorben, ohne das Bewusstsein wieder erlangt zu haben. Handelt es sich hier auch um ein Delier und warum wurde er in ein künstliches Koma verlegt? Diese Fragen beschäftigen mich noch heute 3 Jahre nach seinem Tod. Ich danke ihnen für ihre Antwort!

Stefan Hägele-Link: Bei den beschriebenen Wahrnehmungsstörungen handelte es sich sehr wahrscheinlich um optische Halluzination. Diese Wahrnehmungsstörung findet sich häufig im Falle eines Delirs. Und ein Delir findet sich häufig bei schweren Erkrankungen wie leider auch im Falle ihres Partners. In dieser Situation spricht vieles dafür dass ein Delir vorlag.

Vor ca. 25 Jahren telefonierte mir mein inzwischen verstorbener Mann aus der Intensiv, ich solle mit Polizei und dem Nachbarn ins Spital kommen. Er werde intensiv gefoltert. Es folgten Details und Ortsangaben. Damals wurden wir nicht betreut. Mein Mann *erholte" sich soweit, war geistig gesund, aber noch Jahre später von der Folter überzeugt. Ich bedanke mich für diese Informationen, denn dieser Vorfall belastete mich all die Jahre.

Anja Ulrich: Es gibt eine ausgezeichnete Broschüre für betroffene Patienten und deren Angehörige: "Verwirrte Patienten im Akutspital". Sie erklärt, was ein Delir ist, wie es entstehen kann und was auch Angehörige helfend machen können. Diese Broschüre ist online gratis zu finden. Informationen helfen beim Verstehen dieses oft erschreckenden Zustandes

Ich hatte kürzlich eine Vollnarkose und stellte fest, dass ich weinend aus der Narkose aufgewacht bin. Bei meiner ersten OP war das auch so..!? Ein Delir?

Stefan Hägele-Link: Kurz nach einer Narkose kann es zu Verhaltensweisen kommen die überraschend für Betroffene und Angehörige sind, und dies kann auch der Beginn eines Delirs sein. Möglicherweise handelt es sich aber auch um Nebenwirkungen der verwendeten Medikamente. Erfreulich ist dann wenn diese Veränderungen schnell abklingen.

Ich musste vor einiger Zeit ein Stück Dickdarm entfernen ( Divertikulitis). Nach einer 4 stündigen Narkose erwachte ich immer wieder und hatte das Gefühl total gelähmt zu sein. Dies dauerte über 3 Nächte an, danach war der Spuck vorbei. Es war sehr unangenehm und ich hatte immer grosse Angst. War das ein Delier. Ich war zum Zeitpunkt der OP 50 Jahre alt.

Anja Ulrich: Es gibt die hyperaktive Delir-Form und die hypoaktive. Bei der hyperaktiven Form sind die Patienten sehr unruhig und dauernd in Bewegung. Bei der hypoaktiven Form, starren die Patienten beispielsweise ohne Reaktion beim Ansprechen an die Decke, reagieren sehr wenig. Ob ihr Gefühl einer Lähmung eine Form eines hypoaktiven Delirs war und sie es so wahrnahmen, lässt sich so nicht beurteilen. Möglicherweise haben sie es aber tatsächlich so durchlebt und empfunden

a) GIbt es eine Website, wo ich weiterführende Informationen, sowie Hilfe zu diesem Thema finde. b) Gibt es eine Liste von Fachkräften auf diesem Gebiet?

Egemen Savaskan: www.delir.info

Ich habe Jahrgang 1939. Als ich den Fuss gebrochen habe und in Muri AG in die Notfallstation musste, Haben sie mir Schmerzmittel gegeben. Ich sagte, dass ich oft auf Medikamente sehr stark reagiere. Dann vibrierte mein ganzer Körper. Musste so um 23 Uhr wieder heim, wohne alleine und musste dann doch in ein Pflegeheim. Dort wurde mir nichts mehr geglaubt und als dement behandelt, bis ich weniger Medis erhielt. War das auch eine Art Delir ?

Egemen Savaskan: Grundsätzlich können auch Schmerzmittel Delir verursachen aber es sollte nicht so lange anhalten. Ich empfehle eine Abklärung in einer Memory Clinic

Mein Mann erlitt Ende Okt eine Hirnblutung, 5 Wo IPS und seit Ende Nov in Früh Reha. Auf der IPS, sehr unruhig, Alkoholentzug. Er wurde mit Propofol, Risperidon, Risperdal, Halcion, Haldol, Dextor, Temesta, Dipiperon, Rivotril "behandelt". Ich hatte das Gefühl, sie wussten nicht was machen. Berndeutsches Pers. ging besser als Hochdeutsch: Er sagte mal zu mir: "so, fertig, jetzt will ich wieder in die Schweiz!" Ich: "Wo sind wir nun?" Er:"In Deutschland". Neuropatienten=nur Pers mit Mundart!Oder?

Stefan Hägele-Link: Eine schwere Erkrankung des Gehirns wie eine Hirnblutung kann zu einem Delir führen. Dies kann durch eine Alkoholentzug noch erschwert werden. Und dies kann dazu führen das Patienten nicht mehr wissen wo sie sind und so desorientiert sind. Wenn ein Patient in dieser Situation unruhig wird kann es notwendig sein mit den von Ihnen genannten Medikamenten zu behandeln um den Patienten davor zu schützen sich selbst zu schaden.

Wohin wende ich mich bei Verdacht von Delir von einem Angehörigen

Egemen Savaskan: Am besten an eine stationäre Institution mit geriatrischem Schwerpunkt, z.B. In Basel das Kantonspitalnoder Felix Platter Spital

Meine Mutter 88 hatte im letzten Halbjahr div Spitalaufenthalte (Lungenödem, Lungen-Blasenentzündung Sepsis Chlostridien...) und hat dabei wiederholt Delire erlitten. Sie ist nun seit drei Wochen daheim zeitweise verwirrt, hat zum Beispiel sehr Mühe mit den Toilettengängen. Findet oftmals fie Toilette nicht. Frage: ist es möglich dass sich dieser Zustand noch wieder bessert oder ist das jetzt einfach Demenz geworden? Was könnte man allenfalls tun was hilfreich sein könnte?

Anja Ulrich: Einerseits ist es sicher gut, wenn sie sich an ihren Hausarzt oder möglichen Facharzt in ihrer Nähe wenden. Als Angehörige können sie ihre Mutter unterstützen, in dem sie ihr regelmässig Orientierung geben: zeitlich, örtlich, hilfreich ist auch, wenn ihre Mutter genügend trinkt, eine gute, regelmässige Ausscheidung hat. Fragen sie regelmässig nach möglichen Schmerzen.

Mein Vater (90) und auch mein Bruder (69) erhalten beide Parkinson-Medikamente und leiden an bösartigen Haluzinationen. Auf Grund der Sendung vermute ich aber Delir. Wäre es nicht das kleinere Übel die Parkinson-Medis abzusetzen? Besten Dank für Antwort.

Stefan Hägele-Link: Medikamente die für die Behandlung einer Parkinsonerkrankung eingesetzt werden können als Nebenwirkung Halluzinationen hervorbringen. Dadurch kann es notwendig sein die Medikation zu reduzieren oder andere Medikamente einzusetzen um diese Nebenwirkung zu bekämpfen. Alle Medikamente abzusetzen kann aber für einen Patienten der an einer Parkinsonerkrankung leidet sehr gefährlich sein. In dieser Situation wäre es wichtig mit dem behandelnden Neurologen Kontakt aufzunehmen. Unabhängig davon haben Menschen die an einer Parkinsonerkrankung leiden ein erhöhtes Risiko an einem Delir zu erkranken

Bei meinem vater 77 jahre, wurde um mai eine delier diagnose gestellt. Im 1spital wurde er wie stillgelegt mit medis nach 1 woche kam er in ein anderes spital wo mir gesagt wurde er sei überdosiert. Epilepsie wurde ausgeschlossen, auch sonst hat er auf nichts reagiert. Giebt es spezielle spitäler für delier patienten? Meinem vater bringts leider nichts mehr.er ist nicht mehr aufgewacht. Freundliche Grüsse

Egemen Savaskan: Delir-Assessment gehört heute zum Standard in jeder somatisch-chirurgischen Klinik, ist aber nicht in jeder Klinik gleich stark ausgebaut. Die Zentrumkliniken in den Grossstädten haben oft spezialisierte Teams

Wird/kann ein Delir immer diagnostiziert und behandelt werden?

Egemen Savaskan: Leider werden die hypoaktiven Formen oft übersehen. Da Delir unterschiedliche Formen hat und die Symptome zeitlich schwanken kann es durchaus übersehen werden

Unsere 8,5Jahre alte Tochter redet wirres Zeug.Es sind lauter dunkle Gedanken. Das geht so seit Donnerstag. Sie hatte auch erhöhte Temparatur und heute kurz mal Durchfall. Und schmerzhafte Lymfdrüsen. Könnte das ein Delir sein? Am Do kann sie zum Arzt. Ist das nicht zu spät? Vielen Dank für die Antwort.

Stefan Hägele-Link: Fieber alleine kann zu einer Verwirrung führen und dies ist in diesem Sine auch ein Delir. Ursache ist am ehesten ein zugrundeliegender Infekt. Wenn sich der Zustand verschlechtert wäre es sinnvoll mit dem Hausarzt schon früher Kontakt aufzunehmen.

Von welchem Zeitrahmen sprechen Sie, wenn Sie eine "rasche Diagnose" erwähnen? Stunden? Tage? Wochen? Monate?

Egemen Savaskan: Ein Delir kann innert Stunden/Tagen auftreten, ist also ein akutes Ereignis. Wenn die Ursache gefunden und behandelt wird, wie z.B. Infektion klingt es auch innerhalb von Tagen aus

Ist es nach 3 Jahren nach einer Hüft. OP noch möglich etwas gegen das Problem zu unternehmen? Mutter 86 hat schon Demenz. Am Anfang zu Hause hatte sie Wahnideen. Sie sah ihren vor 20 Jahren verstorbenen Mann der nicht ins Haus kam u. a ähnliches.

Anja Ulrich: Die Op ist nach 3 Jahren nicht in Zusammenhang mit möglichen aktuellen Wahnideen. Diese könnten im Rahmen der dementiellen Entwicklung stehen oder aber ein erneutes Delir aus anderem Grund sein. So oder so lassen sich aber Wahnvorstellungen medikamentös verbessern und behandeln. Ich empfehle ihnen, sich an ihren Hausarzt oder Facharzt zu wenden.

Meine Mama, damals 92Jahre alt wurde mit doppelter Lungenentzündung und einer Blasenentzündung ins Spital eingeliefert. nach 6 Wochen Spital kam sie total desorientiert wieder zurück ins Altersheim. Nach 2 Wochen wurde uns von der dortigen Psychiaterin nahegelegt unser Mutter in die Psychiatrie zu verlegen. Wir wollten sie auf gar keinen Fall aus ihrer alten Umgebung nehmen. Wir wurden praktisch genötigt eine Einweisung zu unterschreiben, da wir sonst die Heilung verhindern würden…..6 Wochen lag meine Mutter mehr Tod wie lebendig in einer geschlossenen Abteilung.Nicht ansprechbar! Ich kämpfte sie von dort wieder zurück ins Altersheim zu bekommen.Sie ist nie mehr aus dem Delir raus gekommen, es geht ihr Geistig immer schlechter.ist das überhaupt eine Art Menschen aus dem Delir zu holen? Wir sind von dieser Art auf gar keinen Fall überzeugtBesten Dank für ihre Antwort

Stefan Hägele-Link: Ältere Menschen sind besonders anfällig für die Entstehung eines Delirs. Auslöser kann z.B. eine schwere Entzündung sein wie dies auch von Ihnen im Fall Ihrer Mutter beschrieben wird. Ein Delir kann so schwer sein dass der betroffenen Mensch sich selbst und andere durch die Verwirrung in Gefahr bringt. Dann kann auch eine Verlegung in eine psychiatrische Klinik sinnvoll sein.

4.Sept.14 erhielt meiner Frau eine Aortenklappenersatz.12. Sept.14 Eintritt in Reha02. Okt. 14 Austritt Reha05. Okt. waren wir im Ferienhaus in Lenzerheide, in der Nacht wurde ich durch stöhnen und weinen meiner Frau wach. Sie hatte Angstzustände, sprach Wirres Zeug, war völlig erschöpft nicht ansprechbar.06. Okt. fuhren wir morgens um 6 Uhr nach Hause, meldeten uns beim Arzt, der konnte nichts feststellen und es wurden ihr vom 10.10.14 bisn19.12.14 folgende Medikamente abgegeben: Lexotanil 3mg Zolpiden 10 mg Temesta 1mg Stilnox CR 12.5mg Lexotanil 3mg Stilnox Ret. 12.5mg Lexotanil 3mg neben weiteren Schmerzmittel10.01.15 ist meine Frau wieder zusammengebrochen mit gleichen Symptomen wie auf Lenzerheide.13.01.15 musste meine Frau durch einen Psychiater zur Stationären-Behandlung nach Kilchberg eingewiesen werden.24.02.15 wurde meine Frau nach Hause entlassen mit dem Befund: "Delir nach Aortenklappenersatz" Sie hat sich nicht mehr erholt und ist am 19.04.16 gestorben.Meine Frage: was hat schlussendlich das Delir ausgelöst?J.A.WederLuchsweg 168135 Langnau a.A.Tel. 044 720 67 21 0 4.Sept.14 erhielt meiner Frau eine Aortenklappenersatz.12. Sept.14 Eintritt in Reha02. Okt. 14 Austritt Reha05. Okt. waren wir im Ferienhaus in Lenzerheide, in der Nacht wurde ich durch stöhnen und weinen meiner Frau wach. Sie hatte Angstzustände, sprach Wirres Zeug, war völlig erschöpft nicht ansprechbar.06. Okt. fuhren wir morgens um 6 Uhr nach Hause, meldeten uns beim Arzt, der konnte nichts feststellen und es wurden ihr vom 10.10.14 bisn19.12.14 folgende

Egemen Savaskan: Das ist ein sehr komplexer Verlauf wo sich wahrscheinlich mehrere Risikofaktoren überlappen. An sich hat Ihre Frau eine sehr schwere Operation gehabt. Man muss die Begleitumstände gut kennen. Sie war sicherlich zeitweise delirant. Im Nachhinein ist es schwierig zu sagen ob vorbestehende kognitive Beschwerden das Delir begünstigt haben. Für eine genaue Aussage müsste man die ganze Krankengeschichte analysieren

(Die Netiquette erst jetzt gelesen.) Meine Frage: Wie wichtig ist es mit dem Vertrauen nach einer Hirnblutung? Für der Betroffene, für die Angehörige? Kann ein Delir verhindert oder gemildert werden?

Stefan Hägele-Link: Eine Hirnblutung kann aufgrund der direkten Hirnsschädigung eine Delir auslösen. Die Rolle der Angehörigen ist in dieser Situation besonders wichtig da sie für die Betroffenen eine Verankerung im Leben sein können.

Guten Tag, ich hatte zweimal nach einer Operation das Problem, dass ich 5 Tage und Nächte keinen Schlaf gefunden habe. Das erste mal kam ich während dieser Tage immer wieder in einen verwirrten Zustand. Es konnte mir bis heute niemand sagen was das war. Könnte das auch ein Delir gewesen sein?

Anja Ulrich: Aufgrund Ihrer Beschreibung könnte es ein Delir gewesen sein. Falls sie wieder einen chirurgischen Eingriff vorhätten, wäre diese Information an das Behandlungsteam sehr wichtig und könnte ein erneuter Verwirrungszustand durch präventive Behandlung verhindern

Ich bin 73 J.alt und hatte vor genau einem Jahr eine notfallmässige Herz-OP (Hauptstammverschluss). Ich war nach der OP total verwirrt und hatte schreckliche Erstickungs-Aengste und hatte mich von diesen Traumas nicht erholen können. Es wurde diesbezüglich nie eine Diagnose gestellt. Auch fühlte ich mich nie ernst genommen. Ich habe Nachts heute immer noch Albträume mit Erstickungsattacken. Als ich heute Abend ihre Sendung gesehen habe, ist alles wieder hochgekommen. Sind das noch Spätfolgen?

Egemen Savaskan: Nach der Operation kann es durchaus ein Delir gegeben haben aber die beschriebenen Spätfolgen sind entweder im Rahmen einer weiterhin bestehenden somatischen Erkrankung oder im Rahmen einer psychologischen Reaktion zu sehen. Ich empfehle für eine Abklärung Ihren Hausarzt zu Rate zu ziehen

Gibt es bei einem Delir im Rahmen eines Schlaganfalls etwas besonders zu beachten? Die Person ist aktuell nicht in der Lage sich zu artikulieren. Die Person hat zudem Antibiotika und diverse andere Medikamente wie Beruhigungsmittel, Schlafuntestützende Mittel u.ä.

Stefan Hägele-Link: Ein Schlaganfall führt zu einer direkten Schädigung des Gehirns und kann dadurch sehr häufig ein Delir auslösen. Dies wird erschwert durch Symptome wie die von Ihnen geschilderte Sprachstörung. Der Einsatz von Antibiotika kann in dieser Situation ebenfalls notwendig sein da eine aufflammende Entzündung das Delir verstärken und die Ausheilung des Schlaganfalls erschweren kann. In dieser Situation kann auch der Einsatz von Beruhigungsmitteln sinnvoll sein um zu verhindern dass ein betroffener Mensch sich in oder andere in dieser Situation gefährdet.

Im Beitrag wurde erwähnt, dass einige Pharmaka ein Delir auslösen können und diese bei nicht korrekter Behandlung irreversible Schäden entstehen. Leistet die psychiatrische Medizin diesbezüglich Präventionsarbeit oder wird dieses Phänomen allzu als psychische Krankheit definiert?

Egemen Savaskan: Ja, gerade bei älteren Menschen die viele Medikamente zeitgleich nehmen ist die Erfassung aller Medikamente und Aufklärung über Nebenwirkungen eine präventive Massnahme. Auch somatische Medikamente können Delir verursachen, sogar Antibiotika oder Blutdruckmedikamente. Deswegen soll die Indikation der Medikamente regelmässig überprüft werden ob sie weiterhin notwendig sind

Kann ein Delir schlimmer werden als Nebenwirkung von Beruhigungsmedikamente nach einer Operation?

Egemen Savaskan: Beide können belastend sein. Man muss individuell abwägen was den Patienten mehr belastet und Medikamente mit Bedacht einsetzen

Sehr geehrte Damen und Herren...ich hatte Mitte September eine Herzoperation (Bypass) die OP dauerte ca 5 1/2 Std. Seit geraumer Zeit habe ich wie feine Nadelstiche verteilt über den ganzen Körper. Vor allem am Abend treten diese Symptome auf. Könnte die Ursache die vielen Medikamente sein wo ich zur Zeit einnehmen muss. Auf jeden Fall ist es unangenehm. Gerne erwarte ich Ihre Antwort. Freundliche Grüsse

Stefan Hägele-Link: Diese Frage ist aus der Ferne schwer zu beantworten. Die von Ihnen geschilderten Beschwerden sind unspezifisch und können verschiedenen Ursachen haben. ndieser Situation wäre es wichtig wenn Sie direkt mit Ihren behandelnden Ärzten Kontakt aufnehmen da diese auch die verabreichten Medikamente kennen.

Meine Mutter hatte eine Darmverwicklung, Lungenentzündung danach eine schwere Blutvergiftung und nachts ein Delir: rote Töpfe seien geflogen gekommen, alles hätte sich gedreht, die Scheibe kam auf sie zu. Sie wurde ausfällig, hat das Personal beschimpft und wild um sich geschlagen, weil die Pfleger weg mussten, sie musste sich vor den Töpfen retten... Meine Mutter wurde 6 Stunden ans Bett gebunden und hat mir am morgen alles erzählt... Ist diese "Behandlung" üblich? Ich war schockiert...

Anja Ulrich: Patienten, die ein Delir erleiden, können ein sehr aggressives Verhalten gegenüber Drittpersonen zeigen. Dies kann für Angehörige, wie auch für das Betreuungspersonal, äusserst anspruchsvoll sein. In dieser Phase ist die Gefahr von Selbst- und Fremdgefährdung sehr gross. In jedem Fall wird alles unternommen, solche Zustände frühzeitig zu verhindern oder falls es doch so dramatisch verläuft, ein Verhindern von Verletzungen zu erreichen. Warum es bei ihrer beschriebenen Situation zu einer Fixierung kam und ob dies so korrekt war, ist im Rahmen des Chats schwer zu beurteilen.

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