Die nachfolgenden Aussagen und Empfehlungen ersetzen nicht die individuelle Abklärung oder Diagnose bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Chat-Protokoll
Wie kommt die Frau schneller zum Orgasmus beim Sex?
Dania Schiftan: Hach da würd mich sehr interessieren wer du fragende Person bist! Fragst du für dich, weil du schneller zum Höhepunkt kommen möchtest oder für deine PartnerInnen? Die wichtigste Antwort zuerst: „Schneller“ ist nicht automatisch „besser“. Viele Frauen kommen nicht durch Tempo, sondern durch passende Stimulation, Sicherheit und Entspannung zum Orgasmus. Trotzdem gibt es ein paar Faktoren, die es wahrscheinlicher – und oft auch leichter – machen:
- Klitorale Stimulation einbeziehen
Die meisten Frauen brauchen direkte oder indirekte Stimulation der Klitoris. Reine Penetration reicht oft nicht aus. Das kann durch Hand, bestimmte Stellungen oder auch ein Toy unterstützt werden. - Druck rausnehmen
Je mehr Fokus auf „Jetzt muss ich kommen“ liegt, desto schwieriger wird es. Orgasmus entsteht eher bei Erregung als bei Leistungsdruck. - Das richtige Tempo finden
Viele Frauen brauchen zunächst langsame, kontinuierliche Stimulation – und kurz vor dem Höhepunkt eher gleichmässigen Druck statt ständigem Wechsel. - Beckenboden einsetzen
Aktives Anspannen und Loslassen des Beckenbodens kann die Intensität steigern und den Orgasmus beschleunigen. - Mentale Erregungnicht unterschätzen
Fantasien, Worte, Blickkontakt oder das Gefühl von Begehrt-Werden spielen oft eine entscheidende Rolle. - Vorlauf verlängern
Wenn sie bereits gut erregt ist, bevor Penetration beginnt, kommt sie meist leichter zum Höhepunkt. Und ganz wichtig: Jede Frau reagiert anders. Am effektivsten ist es, sie direkt zu fragen oder gemeinsam NEUGIERIG zu experimentieren – ohne Zielvorgabe, sondern mit Fokus auf Lust und Verbindung. Herzlichst Dania
Ich bin seit 8 Jahren mit meinem Mann zusammen und wir haben zwei kleine Kinder. Mein Bedürfniss nach Nähe ist ganz weg. Ich hatte auch vor den Kindern keine ausgeprägte Libido aber doch ab und zu Lust. Nun gar nicht mehr. Gibt es etwas was ich dafür tun kann?
Dania Schiftan: Was du beschreibst, ist sehr häufig – besonders mit kleinen Kindern. Mit dir ist nichts „kaputt“. Wenn der Alltag viel Energie, Verantwortung und mentale Präsenz verlangt, schaltet das Nervensystem oft in einen Funktionsmodus. Und in diesem Modus hat Lust wenig Platz. Wenn deine Libido schon früher eher zurückhaltend war, kann es sein, dass sie grundsätzlich nicht spontan entsteht, sondern bestimmte Bedingungen braucht – Sicherheit, Entspannung, innere Freiheit. Mit zwei kleinen Kindern sind genau diese Voraussetzungen oft rar. Es kann auch sein, dass du gar nicht so viel von eurer gemeinsamen Sexualität profitierst. Sprich es kann sein, dass es dir schwer fällt in Erregung zu kommen oder diese zu halten. Je «anstrengender» das für dich ist, desto eher willst di es sein lassen. Daran kannst du arbeiten und entdecken wenn du willst. Sexualität kann eine Ressource werden, die du für dich nutzen kannst. wichtig ist auch zu erwähnen dass du das nicht musst. Herzlichst dania
Hallo, ich habe fast keine Lust und Sex ist für mich auch nicht sehr angenehm. Wie stark hängt das mit den Hormonen zusammen? Und kann man Lust trainieren? Stimmt es, dass sich meine Lust wieder entwickelt, je mehr ich mich dem Sex aussetze?
Ursina Donatsch: Frage zurück: Welcher/Was für Sex ist für Sie nicht sehr angenehm? Und noch viel interessanter: Welcher/Was für Sex wäre für Sie angenehmer? Was definieren Sie mit Sex? Ist das Penetration, oder Berührungen mit der Hand? Mit der Zunge? Berührungen wo? Wie? Und so weiter... Die Lust ein komplexes Phänomen und hängt mit verschiedenen Aspekten. Und ja, das kann auch mit Hormonen zusammenhängen. Gibt es denn Veränderungen? Merken Sie dass sich die Lust je nach Zyklusphase ändert? Das wären Hinweise dafür. Lust direkt kann man vielleicht nicht trainieren, aber man kann trainieren, Aspekte die mit der Lust zusammenhängen: Zum Beispiel kann man üben und herausfinden, welche Berührungen Ihnen gefallen. Sich dem Sex auszusetzen finde ich eine nicht sehr schöne Idee. Sich aber dem Sex anzunähern und die Lust und den Körper und die Genitalien und die Sinne in Schwingung zu bringen, die zu aktivieren, das kann helfen, die Lust in Schwingung zu bringen.
Seit der Menopause habe ich die Freude am Sex verloren. Wenn mein Mann mich berühren möchte, zucke ich zusammen. Gibt es eine Möglichkeit, die Lust wieder zu entfachen?
Ursina Donatsch: Die Menopause (oder sogar bereits die Peri-Menopause) ist für viele Frauen eine sehr grosse Veränderung. Die oftmals auch eine grosse Veränderung in dem körperlichen und sexuellen Empfinden mit sich bringt. Es ist eine grosse Kunst, trotzdem neugierig zu bleiben. Ich wünsche Ihnen, dass Sie anfangen können, mit neugierigem Blick auf diese Veränderung zu schauen. Dass Sie nicht böse sind auf Ihren Körper, dass er plötzlich zuckt statt Lust zu verspüren bei den Berührungen Ihres Mannes, sondern dass Sie neugierig und interessiert werden, was Ihr Körper Ihnen zeigen möchte. Hat er möglicherweise Lust auf andere Berührungen? Auf neue, stärkere, feinere, schnellere, langsamere... Am Besten Sie probieren dafür zuerst selber aus – mit Ihren eigenen Händen. Entdecken Sie Ihren Körper wie wenn er neu wäre (weil das ist er mit der Menopause eigentlich auch auf eine Art): Was mag er, wo mag er welche Berührung. Wo mag er keine Berührung. Und so können Sie sich herantasteten. Entdecken. Und irgendwann dann vielleicht sind Sie so weit, dass Sie Ihrem Mann dann zeigen können, was und wann und wo und wie Ihr Körper jetzt berührt werden möchte. Die Lust WIEDER zu entfachen, würde ich nicht unbedingt anstreben, sondern den Körper und seine erogenen Zonen ganz NEU zu entdecken.
Guten Tag, Ich bin zurzeit hochschwanger (es kann jederzeit soweit sein). Meine Frage nun: Ist es vor der Geburt unbedenklich, penetrativen und ungeschützten Geschlechtsverkehr zu haben? Kann es Wehen auslösen? Und wie sieht es nachher aus, wie lange sollte man warten und womit? (sind Orgasmen oder sexuelle Erregung ohne Penetration beispielsweise in Ordnung in den ersten Wochen nach der Geburt? Keine Ahnung, ob ich das dann will, es ist mein erstes Baby, aber normalerweise habe ich eine sehr grosse Libido) vielen Dank!
Ursina Donatsch: Wenn Ihre Gynäkologine aus medizinischer Sicht nichts Gegenteiliges gesagt hat, dann ist es grundsätzlich völlig unbedenklich kurz vor der Geburt penetrativen und ungeschützten Sex zu haben. Orgasmen und sexuelle Erregung direkt nach der Geburt sind ebenfalls unbedenklich. Auch penetrativer Sex ist unbedenklich, sobald Ihre Gynäkologin z.B. aufgrund der möglichen Geburtsverletzungen grünes Licht dazu gibt. Meistens spüren die Frauen selbst, wann Sie wieder bereit sind. Da gibt es keine Richtlinien dafür. Alles alles Gute für die Geburt und viel Freude weiterhin bei der Sexualität.
Wie kann ein Paar in einer Langzeitbeziehung, in der sich gewisse Muster eingeschliffen haben, die Lust aufrecht erhalten?
Lea Eugster: Vielen Dank für deine/eure Frage. Dass sich in Beziehungen Abläufe/Muster entwickeln, passiert sehr häufig. Und das muss nicht per se schlecht sein -- und es ist oft auch nicht für beide gleich. Die Frage ist: Gibt es Muster, die euch dienen? Gibt es Muster, die euch nicht dienen? Was erlebt ihr konkret beim Paarsex -- wie schaut euer aktuelles «sexuelles Repertoire» aus? Schreibt euch das gerne auch mal gemeinsam auf und sprecht darüber, was euch davon z.B. besonders gefällt, wovon ihr euch mehr wünschen würdet oder ob da auch Sehnsüchte/Wünsche sind, denen ihr noch nachgehen möchtet. Und ja, das wird mit grosser Wahrscheinlichkeit unterschiedlich ausfallen und diese Unterschiede dürfen wertgeschätzt werden.. und mit Neugier könnt ihr dann schauen: Was möchtet ihr beide mehr einladen? Auf welchen Wegen kann das passieren? Heutzutage gibt es auch auf so vielen Kanälen Inspirationen und Unterstützung (z.B. durch digitale Angebote/Kurse, Workshops vor Ort, Bücher, Spiele..). So könnt ihr euer «Genuss-Repertoire» erweitern und neu kombinieren :) Vielleicht hilft euch auch noch dieses Bild: Nach allem, was wir erleben, macht das Hirn eine Kosten/Nutzen-Analyse. Sind die Kosten (z.B. Muster, die euch nicht dienen) höhe als der Nutzen (z.B. Muster, die euch dienen), wird die Lust darauf von Mal zu Mal weniger. Wenn ihr jedoch den Nutzen beider Personen erhöhen könnt, kann auch die Lust darauf grösser werden. Alles Liebe, Lea
Ich habe ein Video auf Youtube gesehen, wo behauptet wird Vibratoren würden die Orgasmusfähigkeit negativ beeinflussen. Quasi, dass man nur noch durch die schnelle Vibration kommt und «faul» wird, es sich selber manuell zu machen oder durch den Partner. Was sagen Sie dazu?
Dania Schiftan: ja das stimmt so in etwa.... es ist nicht so dass man abstumpfen würde aber man gewohnt sich halt an diese häufig sehr starke und extreme Stimulation. So schnell und intensiv können Finger oder eine Zunge oder ein Penis sich kaum bewegen. Für viele Frauen ist es aber so sehr einfach zu kommen. Das macht dann tatsachlich dass man viel lieber diesen Weg der Erregung geht und andere mehr und mehr ignoriert. Mein Vorschlag ist da meistens, dass man einmal den Vibrator nehmen kann und zwei mal mit den Fingern stimuliert bei der Selbstbefriedigung. so hält man sich mehr Wege flexibel. Herzlichst dania
Ich habe mehrere Probleme: Ich komme zwar garantiert jedes mal zum Orgasmus, aber noch nie bei der Penetration. Ich habe bereits beide Bücher von Dania Schiftan gelesen, jedoch habe ich Schwierigkeiten die Übungen regelmässig umzusetzen und dran zu bleiben. Trotzdem möchte ich aber mit meinem Freund tollen Sex haben und auch an der Penetration Spass haben. Bei mir ist die Penetration auch nicht ganz Schmerzfrei, was teilweise auch zum Abbruch zwingt (Gyn konnte kein gynäkologisches Problem feststellen). Ich bin hin und her gerissen. Einerseits ist Sex für mich nicht das Wichtigste, andererseits ist es für meinen Freund schon wichtiger und von der Gesellschaft wird das auch so vermittelt. Ohne Pille hatte ich auch viel mehr Momente in der ich spontane Lust verspürte und mit der Pille habe ich das gefühlt gar nicht mehr. Die Pille ist für mich aber wichtig, da ich sonst sehr starke Periodenschmerzen habe. Ich bin ein bisschen verzweifelt und verspüre einen Druck von innen und aussen etwas zu ändern. Habt ihr Tipps für mich in meiner Situation?
Dania Schiftan: danke dass du meine Bücher gelesen hast. in der Praxis erlebe ich viel dass die Menschen gut und schnell verstehen, wie sie mehr erleben können aber es scheitert dann am üben. im neusten Buch habe ich mit den Micro habits versucht eine Methode aufzuzeigen wie das leichter fallen kann. zusätzlich finde ich wichtig dass du dich nicht unter Druck setzt und dich lernst liebevoll zu berühren ohne Erwartungen. Herzlichst dania
Meine Frau ist konservativ aufgewachsen, über Sex wurde nicht gesprochen. Sie mag Sex, findet aber alles abenteuerlich was über die Missionarsstellung heraus geht. Das sei von Pornofilmen inspiriert, meine Wünsche lösen bei ihr Stress aus. Auch darüber sprechen ist selten entspannt. Was raten Sie uns?
Dania Schiftan: wie ich höre kommt ihr aus sehr verschiedenen Welten. das ist häufig so.... was wünschst du dir denn von deiner Frau? kannst du das formulieren? Kannst du gut über Sex und deine Bedürfnisse sprechen? ohne Anschuldigungen oder Frustration? Manchmal ist das der Weg mit gutem Beispiel voraus gehen. es gibt aber Menschen die diesen Schritt nie machen können oder wollen. Bei einigen funktioniert es auch indem man übers Berühren Neues rein bringt. Wahrnehmungen sind meist «weicher» wie direkt hinschauen und reden. und wenn ihr gar nicht weiter kommt, dann könntet ihr auch mal eine Beratung aufsuchen, die als Übersetzung funktionieren kann. Herzlichst dania
Ich habe beobachtet dass Frauen beim sex manchmal versuchen zu blockieren das weiter penetriert wird und sich etwas zusammenziehen. Ist dies bereits eine Art von Orgasmus und gefällt der Frau wenn dann weiter penetriert wird oder braucht sie kurz Ruhe ?
Livia Lea Maag: Du bist so achtsam, dass du dieses Zusammenziehen bemerkst. Schön, dass du wissen möchtest, was dann in einer Frau vorgeht und was sie von dir in dem Moment braucht. Dieses Zusammenziehen kann verschiedenes bedeuten. Drum ist es sinnvoll, wenn du in dem Moment innehälst (du musst dabei nicht gleich aus ihr rausgehen) und sie liebevoll fragst, was sie gerade spürt und braucht. Es kann sein, dass es ihr weh tut (manche Frauen sind am Muttermund, der bei tieferer Penetration mitberührt werden kann, schmerzempfindlich). Oder vielleicht braucht sie es einfach langsamer oder eine Pause, um gemeinsam zu atmen und zu spüren. Ein Orgasmus kann es auch sein – dann könnte sich die Vagina rhythmisch zusammenziehen, wobei sie je nach dem weiter stimuliert werden möchte, oder eine Pause braucht. Drum – am besten nachfragen. Dein ehrliches Interesse ist sexy!
Meine Partnerin (64) , hatte eine Krebsdiagnose. Der Krebs ist besiegt worden, aber seit jener Zeit , vor 3 Jahren, hatten wir weder Sex, nich Zärtlickkeiten zusammen. Das einzige sexuelle Vergnügen hatte sie, wenn ich sie oral befriedige. Ich mach dies gerne, aber danach bleibe ich aussen vor. Ich wäre schon mit streicheln und Zärtlichkeiten auszutauschen zufrieden.Aber nicht mal dies passiert. Ich (67) möchte nicht mein Leben ohne Sex beenden. Ihr Rat?
Ursina Donatsch: Nach einschneidenden Erlebnissen (wie zum Beispiel körperlichen Krankheiten) sind Veränderungen im Empfinden, in den sexuellen Bedürfnissen und Grenzen sehr üblich. Reden Sie mit Ihrer Frau. Seien Sie dabei nicht fordernd, sondern eher interessiert und neugierig. Was sich bei ihr verändert hat mit der Krebsdiagnose? Was sie sich vorstellen könnte an gegenseitigen sexuellen Aktivitäten? Was sie nicht (mehr) möchte? Und ob sie allenfalls spürt weshalb sie das nicht mehr möchte? Teilen Sie ihr mit, was für sie Sex mit ihr bedeutet. Warum es für Sie wichtig ist.
Guten Abend Ich habe eine spezifische Frage zu Sextoys. Meine Frau hat letzthin mehrere Toys gekauft, darunter einen vibrierenden Slip. Sie möchte, dass wir damit spielen, z.B. beim Einkaufen oder im Restaurant, mit mir an der Fernbedienung. Ich verstehe nicht ganz, was Frauen an dieser Art Erlebnis anspricht und habe Angst, dass sie öffentlich kommt und dabei auffliegt. Wie kann ich sie bei diesem Abenteuer respektvoll begleiten und vor unangenehmen Erlebnissen schützen? Vielen Dank für Ihre Unterstützung
Dania Schiftan: Viele Frauen reizt bei solchen Toys das gemeinsame Geheimnis, das Spiel mit Kontrolle und Vertrauen sowie der Nervenkitzel im Alltag. Wichtig ist, dass ihr vorher klar absprecht, wie weit ihr gehen wollt, ein Stoppsignal vereinbart und mit niedriger Intensität startet. So bleibt es ein lustvolles, sicheres Erlebnis für euch beide – ohne unangenehme Situationen. Spannend finde ich auch die Auseinandersetzung mit der Frage warum es dir unangenehm ist. Ist es für dich eher ein Gefalle an deine Frau oder kannst du selbst Spass daran finden? Denn auch du darfst Nein sagen, wenn es dir nicht gefällt....
Was kann ich als Frau tun, damit ich eher einen Orgasmus habe? Und kann Selbstbefriedigung auch kontraproduktiv sein?
Lea Eugster: Der Orgasmus ist ein körperlicher Reflex, d.h. du kannst ihn nicht willentlich auslösen, jedoch die Reize dafür schaffen, damit die Wahrscheinlichkeit dafür erhöht wird. Du kannst das mit dem Niesreflex vergleichen: Ich esse z.B. hochprozentige Schokolade (Reiz) und muss niesen; ich kann aber nicht sagen «ich will jetzt niesen».
Was auch wichtig ist zu wissen: Je mehr du einen körperlichen Reflex auslösen möchtest, desto weniger wird es passieren. Was du also tun kannst, um (mehr) Orgasmen zu erleben:
1. Herausfinden, welche Reize dich bereits erregen können (Anspannung? Druck? bestimmte Berührungen? Küssen? Fantasien? Gerüche? eine gewisse Stellung?..) und was für ein Setting du brauchst (Stichwort Sicherheit).
2. Deinen Körper immer wieder einladen, in sexuelle Erregung zu kommen und explorieren, wie du die Erregungskurve «reiten» kannst. Explorieren, wie du deinen Körper und die erlebte Erregung geniessen kannst..
Und du wirst so immer mehr auch lernen, welche Kombination aus Reizen deine Erregung steigern können – bis zum point of no return und somit zum Orgasmus. Es ist so fest Übungssache und auch eine Frage des sich-hingeben-könnens (was du auch lernen kannst!) Diese Schritte machst du am besten alleine, beim Solosex bzw. bei der Selbstbefriedigung. Und dein Körper ist auch fähig, lebenslang neue Reize als erregend zu erlernen – lernst du supergut in einer Sexualberatung.
Wichtig ist: Wenn du im Paarsex einen Orgasmus erleben möchtest, braucht dein Körper die gleichen Reize – und wenn z.B. ein Hauptreiz die Stimulation der Klitorisperle ist, brauchst du genau diese Stimulation auch im Paarsex. Und oft ist es am besten, wenn die Frau sich selbst stimuliert/berührt, weil es dann genau so ist, wie sie es gerade braucht. Solosex ist dann «kontraproduktiv», wenn du ihn als das erlebst – wenn du merkst, du kommst mit mehr Solosex an deine Grenzen/fühlst dich unwohl oder sonstiges, dann kann dich eine Sexualberatung auf deinem Weg unterstützen. In den allermeisten Fällen ist Solosex aber sehr zu empfehlen -- für deine Lust sowie für deine Orgasmusfähigkeit. Alles Liebe, Lea
Könnten Sie hier nochmal die Sache mit dem G punkt erklären? Ich meine der wurde mal als Mythos entlarvt. Trotzdem ist immer noch überall davon die Rede. Wann checken die Männer endlich dass sie aufhören können mit diesem Penetrationswahn und sich stattdessen ernsthaft beginnen für ihre Sexualpartnerin zu interessieren
Ursina Donatsch: Es ist nicht ein G-Punkt, sondern eine G-Fläche, die je nach Anatomie bei allen Frauen etwas anders ist. Diese Fläche hat – ähnlich wie die Klitoris – viele Nervenzellen und ist deshalb potentiell erregbar. Ich denke je mehr Aufklärung passiert wie diese Sendung, desto mehr Männer werden hellhöriger und dann beginnt ein umdenken. Und ein weiterer Hebel ist auch jede einzelne Frau, die ihrem Partner erklärt, wie es für sie ist und was sie sich wünscht.
Ich habe in meiner Kindheit sexuelle Grenzverletzungen erlebt. Trotz viel Therapie fühle ich mich nach Sexualität immer schmutzig/schlecht. Ich weiss mit meinem Verstand, dass dies überhaupt nicht nötig ist. Es sind nicht die Gedanken, es sind Gefühle, die ich nicht korrigieren kann. Haben Sie einen Rat, wie ich das doch noch schaffen könnte? (W/ 47 Jahre)
Dania Schiftan: Was Sie erleben, ist eine sehr nachvollziehbare Folge früher Grenzverletzungen. Auch wenn Ihr Verstand heute weiss, dass Sie keine Schuld tragen, speichert der Körper oft noch alte Verknüpfungen: Sexualität = Gefahr, Scham oder Kontrollverlust. Diese Gefühle lassen sich deshalb nicht einfach „wegdenken“ – sie sitzen tiefer im Nervensystem.
Hilfreich kann sein, weniger gegen das Gefühl anzukämpfen, sondern es anders einzuordnen: Nicht „Ich bin schmutzig“, sondern „Das ist eine alte Trauma-Reaktion, die sich gerade meldet.“ Scham gehört häufig zu den übernommenen Gefühlen aus der damaligen Situation – sie sagt nichts über Ihren heutigen Wert aus.
Praktisch kann es unterstützen, nach oder sogar während Intimität bewusst etwas Regulierendes einzubauen: duschen, sich eincremen, atmen, sich halten lassen oder sanft bewegen. So erlebt der Körper: Es ist vorbei, ich bin sicher. Wenn Sie es noch nicht getan haben, können auch körperorientierte Traumatherapien (z. B. EMDR oder Somatic Experiencing oder körperorientierte Sexualtherapie) helfen, diese tief gespeicherten Reaktionen weiter zu lösen. Sie sind nicht „zu spät dran“. Auch nach vielen Jahren kann das Nervensystem neue, sichere Erfahrungen lernen – Schritt für Schritt. Herzlichst Dania
Guten Tag Ich (46) bin jetzt schon 3 Jahre mit meiner Freundin zusammen. Die Lust will bei Ihr einfach nicht richtig kommen. Vom Orgasmus mal ganz abgesehen. Alle Berührungen etc. welche bei vorherigen Partnerinnen ohne Probleme zur Lust und dem Orgasmus führten, wirken bei Ihr auf keinste Weise. Entweder kitzelt es Sie bei den Berühreungen (egal wo) oder sie spürt einfach nichts. Normals Vorspiel, dann Sex......kein Erfolg. Was könnte ich sonst noch ausprobieren, bzw. was gäbe es für meine Freundin noch für Möglichkeiten? Besten Dank.
Ursina Donatsch: Schön, dass Sie sich so bemühen. Ich denke Sie sind auf dem richtigen Weg. Schlussendlich sind Sie nicht verantwortlich für die Lust und das Vergnügen und den Orgasmus Ihrer Freundin. Es ist wichtig, dass sie selbst ein Interesse daran hat. Fragt sich, ob sie selbst denn leidet, ob sie möchte, dass es anders ist? Wenn nicht, dann dürfen Sie ein wenig zurücklehnen und schauen, was Ihnen denn Lust bereitet – natürlich wenn sie das auch geniesst. Wenn Ihre Freundin aber selbst ein Interesse daran hat, dass sich etwas ändert, dass sie mehr Lust verspürt oder dass sie einen Orgasmus hat, dann ist es primär wichtig, dass sie sich darum kümmert und allenfalls auch mit Hilfe einer Sexualtherapeutin auf den Weg macht, herauszufinden, welche Berührungen ihr Freude bereiten und was sie in ihrem Repertoire allenfalls noch erweitern könnte.
Ich bin 48 Jahre alt und habe schon viele Jahre keine Lust mehr auf Sex. Trotz gutem Sex mit meinem jetzigen Partner. Wir sind seit 2 1/2 Jahren zusammen. Wir haben auch schon vieles miteinander ausprobiert und es ist auch gut, aber ich empfinde einfach keine Lust. Ich könnte gut darauf verzichten. Liegt das an den Hormonen? Ich bin seit ca 8 Jahren in den Wechseljahren. Früher hatte ich viel mehr Lust und verschiedene Sexualpartner. Vielen Dank für eure Antwort. Liebe Grüsse
Dania Schiftan: Ein Thema was ich von viiiiielen Frauen kenne. Darum gibts auch mein neues Buch zum Thema Lust. Was du beschreibst, erleben viele Frauen in oder nach den Wechseljahren bzw rund um dein Alter sehr normal. Hormone können dabei durchaus eine Rolle spielen – vor allem Veränderungen von Östrogen und Testosteron –, erklären aber selten alles. In dieser Lebensphase verschiebt sich Lust oft: Sie ist weniger spontan und drängend als früher. Manche Frauen spüren kein inneres Bedürfnis mehr nach Sex, obwohl er an sich gut ist. Das heisst nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt, sondern dass sich dein sexuelles Erleben verändert hat. Wichtig ist die Frage, ob du selbst darunter leidest oder ob es vor allem die Sorge um die Beziehung ist. Wenn du für dich gut ohne Sex leben könntest, ist das eine ehrliche innere Realität. Dann geht es weniger darum, Lust zu erzwingen, sondern gemeinsam zu klären, wie Nähe und Intimität heute Platz haben dürfen. Wenn du aber für dich neu herausfinden möchtest, wie du einen anderen Zugang zu deiner Lust finden willst, dann ist das sicher ein sehr spannender Weg. Nimm dir Zeit und Raum abseits von alldem was du über Sexualität weisst und gelernt hast und entdecke neu :-) Es gibt immer wieder Frauen die beschreiben, dass die Sexualität nach der Menopause viiiiel selbstbestimmter und besser geworden ist. Herzlichst Dania
Wieso habe ich starke Schmerzen beim S**? Habe einen Partner seit 11 Jahren aber seit 6 Jahren keinen S** mehr deswegen…
Ursina Donatsch: Schmerzen beim penetrativen Sex sollen Sie unbedingt ernst nehmen. Dass Sie wegen der Schmerzen keinen Sex mehr wollen, ist absolut verständlich und auch eine «richtige» Reaktion auf Schmerzen. Falls Sie aber grundsätzlich schon gerne Sex hätten, rate ich Ihnen, sich mit der Ursache auseinanderzusetzen. Schmerzen beim Sex kann nämlich verschiedene Gründe haben: Es gibt gynäkologische Krankheiten, die Schmerzen verursachen. Am Besten klären Sie das bei einer Gynäkologin Ihres Vertrauens ab (Achtung: Unbedingt vor der Untersuchung mitteilen, dass Sie Schmerzen haben und falls das so ist, auch unbedingt mitteilen, dass der Untersuch auch schmerzhaft wäre). Es gibt auch die Dyspareunie und Vaginismus. Es ist wichtig, dass Sie wissen, unter was Sie genau leiden. Erst dann haben Sie die Chance, auch die richtige passende Behandlung je nach Diagnose (sei es medikamentös oder sexualtherapeutisch oder Beckenbodenphysiotherapie...) zu bekommen. Und nur dann können Sie auch wieder schauen, was und welcher und wie der Sex wieder aufzubauen ist – das macht nur dann Sinn, wenn das ohne Schmerzen stattfinden kann. Und sie es schlussendlich auch geniessen können.
guten abend meine partnerin, gute fünfzig, hat noch nie einen Orgasmus erlebt. sie meint sie brauche keine Therapie da sie zufrieden sei und ihr nichts fehle. mich macht das nicht glücklich. muss ich das akzeptieren oder soll ich sie versuchen zu einer Therapie zu überreden? danke
Livia Lea Maag: Ich spüre, wie viel Lust du deiner Partnerin schenken möchtest. Das ist toll. Und doch liegt der Entscheid bei ihr, ob sie sich auf den Weg machen möchte, Orgasmen zu erleben oder nicht. Denn: bei ihr ist nichts verkehrt oder kaputt, wenn sie sagt, dass sie so zufrieden ist. Gleichzeitig darfst du ihr auch mitteilen, wie es dir damit geht – und dass du es schön finden würdest, das mit ihr erleben zu dürfen. Du teilst dich mit, ohne zu erwarten, dass sie ihre Meinung ändern muss. Was Entspannung in eure Verbindung bringen kann ist, wenn du deinen Selbstwert nicht an ihrem Orgasmus aufhängst. Wenn du darauf vertrauen kannst, dass sie es auch ohne den Höhepunkt sehr geniessen kann mit dir und es dich nicht zu einem schlechten Liebhaber macht, wenn du ihr keinen Orgasmus bescheren kannst. Vielleicht möchtet ihr ja gemeinsam erforschen, welche Berührungen deine Partnerin geniesst, ohne Absicht und Ziel. Zb mit der Frage: Wie könnte diese Berührung grad noch stimmiger sein für dich? Mehr oder weniger Druck, langsamer oder schneller?
Ich bin 63 und habe schon mehrere Beziehungen zu Frauen gehabt. Zwischen den längeren gab es auch flüchtige Beziehungen. Der Sex war immer schön, natürlich mit Höhen und weniger hohen Phasen. Meine letzte Beziehung habe ich nach acht Jahren beendet, weil verschiedenes nicht mehr gestimmt hat. Es war mir immer ein Anliegen, dass meine Partnerin nicht zu kurz kommt. Alle konnten zum Orgasmus kommen, bis auf die Letzte. Auch meine aktuelle Freundin kann kommen. Alle konnten mit mir oder auch alleine einen Orgasmus haben. Ich habe mich mit meiner Ex sehr bemüht, dass sie es schön hat, habe mir Zeit gelassen, sie gestreichelt, mit ihr gespielt. Manchmal stundenlang. Sie hat mir auch gezeigt, wie erregt sie wurde, hat es scheinbar sehr genossen. Nun zu meiner Frage: Ich habe natürlich auch darüber gelesen und gelesen dass es wenige Prozent der Frauen gibt, die trotz gutem Umgang mit der Sache keinen Orgasmus haben können. Meine Ex nimmt Betablocker. Können die einen Orgasmus vehindern? Waren die Orgasmen meiner Ex einfach so flach, dass wir das nicht erkannten? Oder gehört meine Ex zu diesen paar Prozent? Oder lag es doch an mir?
Ursina Donatsch: Ja, Betablocker können bei manchen Frauen den Orgasmus erschweren oder verhindern – müssen es aber keineswegs. Betablocker dämpfen das sympathische Nervensystem. Genau dieses ist aber an sexueller Erregung und am Orgasmus beteiligt (Durchblutung, Muskelkontraktionen, „Hochfahren“). Mögliche Effekte: verminderte Erregbarkeit, verzögerter oder abgeschwächter Orgasmus, seltener auch Lustverlust. Nicht jede Frau erlebt das – manche merken gar keinen Unterschied. Das heisst, ja, es kann sein, dass Betablocker einen Einfluss haben. Es kann aber auch sein, dass Ihre Ex Orgasmen oder auch hohe Erregung anders erlebt und anders zeigt. Oder dass sie tatsächlich keinen Orgasmus erlebt. Aber viel interessanter bei Ihrer Beobachtung wäre die Frage, ob Ihre Ex denn überhaupt etwas anders haben wollte. Denn wie Sie schreiben, scheint mir, als hätte sie ja den Sex, den sie hatten sehr genossen und hat vielleicht gar nichts vermisst; hatte gar nicht das Ziel eines Orgasmus? Wer weiss... Es gibt durchaus Menschen, die sagen, der Orgasmus ist gar nicht das Schönste für mich, sondern das Streicheln, die Nähe oder was auch immer. Ich finde es wichtig, dass jeder Mensch für sich selbst definiert, was er/sie am Sex geniesst (das muss nicht immer der Orgasmus sein).
Ich bin zwar erst 45 aber bereits seit drei Jahren in der Menopause. Zeitgleich mit dem Ende der Menstruation hat bei mir auch die Lust auf Sex und überhaupt auf Zärtlichkeit mit dem Partner merklich abgenommen – trotz Hormonersatztherapie. Ich habe das Gefühl, Sex nicht mehr so zu «brauchen», bin zufrieden mit mir alleine. Aber für die Beziehung ist das nicht förderlich, das merke ich. Wie kann ich dieser Passivität entgegen wirken?
Dania Schiftan: Eines meiner neuen Lieblingsthemen! Viele Frauen überdenken erst rund um die Menopause, wie sie bis anhin Sexualität gelebt haben. Und in dieser Phase merken sie dass Neues angesagt ist. Das ist eine gute Sache, auch wenn es sich befremdend anfühlt! Was Sie beschreiben, erleben viele Frauen in der Menopause: Mit den hormonellen Veränderungen verschiebt sich das Erleben von Lust oft deutlich – selbst mit Hormonersatz. Wichtig ist zuerst: Es ist nichts „kaputt“. Dass Sie Sex weniger brauchen und sich mit sich allein zufrieden fühlen, ist eine reale innere Veränderung, kein Versagen. Hilfreich ist, Lust nicht mehr als spontanes Verlangen zu erwarten, sondern als etwas, das entstehen darf. In dieser Lebensphase zeigt sich Lust häufig erst im Tun – durch Nähe, Berührung, Zeit, Sinnlichkeit ohne Leistungsdruck. Nicht, weil Sie „müssen“, sondern weil Ihr Körper neue Zugänge braucht. Statt sich zur Aktivität zu zwingen, kann es helfen: – Zärtlichkeit und Nähe wieder bewusst zu kultivieren, ohne dass Sex das Ziel ist – kleine, verbindliche Rituale zu vereinbaren (z. B. Berührung, Massagen, gemeinsames Liegen) – offen mit dem Partner über die Veränderung zu sprechen – nicht als Problem, sondern als neue Phase Herzlichst Dania
Meiner Meinung nach gehen Männer zum Teil etwas zu forsch voran. Sie nehmen sich zu wenig Zeit. Wie kann frau hier Gegensteuer geben, ohne allzu anstrengend zu wirken?
Lea Eugster: Was für eine Person «zu forsch» ist, ist für eine andere «toll». Was «zu wenig Zeit» für die eine Person ist, ist für die andere «zu viel». Was für eine Person «anstrengend wirkt», wirkt für die andere als «klar» -- was ich damit sagen möchte: Es ist alles superindividuell. Und deshalb ist es in der Paarsexualität (und im Leben allgemein) so wichtig, miteinander zu sprechen. Und zwar auf eine Art, wo eigene Bedürfnisse und Grenzen formuliert und geschätzt werden können – auch das können wir lernen. Ganz oft kann es dienlich sein, Gespräche über Sex ausserhalb des Schlafzimmers und nicht in sexuellen Kontexten zu führen. Vielleicht mal einen Spaziergang zu machen und dann am besten ohne Vorwürfe davon erzählen, wie du dich fühlst, was du schätzt und was du dir wünschen würdest. Trau dich, dich damit zu zeigen. Dich zu öffnen. Dann wirkst du auch nicht «zu anstrengend», sondern du mutest dich dir selbst und deinem Gegenüber zu, indem du deine Bedürfnisse und Wünsche äusserst -- und das kann so viel Klarheit (und auch Dankbarkeit) bringen. Weil ganz oft haben wir das Gefühl, dass eine Person Wünsche von der Lippe ablesen kann oder «es doch wissen sollte» -- kann und tut sie aber nicht. Und wenn Gespräche sehr schwer fallen, dann kannst du auch versuchen, z.B. selber ganz langsam zu werden. Aktiv die Hand von deinem Gegenüber zu nehmen und sie langsamer über den Körper fahren zu lassen z.B. Lade ein, lebe vor, was du dir wünschst. Egal welchen Weg du wählst, den verbalen oder den nonverbalen: Es kann gut sein, dass dein Gegenüber es genau so gelernt hat, was du als «zu forsch» empfindest. Das heisst es braucht die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen und Neues zu lernen. Und mit Offenheit und Wertschätzung für sich selbst und fürs Gegenüber lernt sich's sehr viel besser und lustvoller :) Herzlichst, Lea
Ich (28) hatte noch nie Sex (auch keine Beziehung) und machte noch nie Selbstbefriedigung. Ist das normal, dass ich bis anhin kein Bedürfnis dazu hatte? Wie kann ich einen Einstieg finden, da ich nun gerne würde?
Ursina Donatsch: Es gibt kein normal oder nicht. Also völlig in Ordnung, dass Sie bisher kein Bedürfnis danach hatten. Vielleicht gab es auch Wichtigeres bisher für Sie. Wer weiss. Schön, dass Sie jetzt so klar spüren, dass Sie einsteigen möchten. Tatsächlich ist es eine gute Idee mit der Selbstbefriedigung – oder Solosexualität – zu beginnen. Weil wenn Sie mit sich allein sind, können Sie am allerbesten Ihren Körper, Ihre erogenen Zonen, Ihre Erregungssteigerung spüren. Am Besten Sie starten ohne Ziel, sondern sehen es mehr als eine Entdeckungsreise. Beginnen Sie einfach, indem Sie einen Platz/Ort suchen, an dem es Ihnen wohl ist. Und berühren sich, streicheln sich an allen möglichen Orten an Ihrem Körper. Lassen Sie sich leiten, von was Ihnen gefällt, und wo Ihr Körper Ihnen eine Reaktion zeigt. Viel mehr braucht es am Anfang gar nicht.
Ist das schlimm wenn man sex hat immer die gleiche stellung hat.
Dania Schiftan: Kurz gesagt: Nein, das ist nicht schlimm. Viele Paare haben über lange Zeit eine oder zwei oder drei bevorzugte Stellungen – oft, weil sie sich gut anfühlen, Sicherheit geben oder körperlich einfach passen. Sexualität muss nicht abwechslungsreich sein, um „richtig“ oder erfüllend zu sein. Entscheidend ist nicht die Vielfalt der Stellungen, sondern wie präsent, verbunden und lustvoll sich beide dabei fühlen. Relevant wird es erst dann, wenn: – jemand sich innerlich langweilt oder unerfüllt fühlt – eine Person aus Angst, Unsicherheit oder Anpassung immer beim Gleichen bleibt – der Sex mechanisch wird und Nähe oder Lebendigkeit fehlen Wenn beide oder alle sonstigen Beteiligten zufrieden sind, gibt es keinerlei Grund, etwas zu ändern. Wenn jedoch der Wunsch nach mehr Abwechslung auftaucht, muss das nicht gleich Akrobatik bedeuten – oft reichen kleine Variationen. Guter Sex entsteht nicht durch viele Stellungen, sondern durch Aufmerksamkeit, Neugier und echtes Dabeisein. Herzlichst Dania
Ich komme immer viel zu schnell und leider nur einmal und mein Mann ist noch nicht gekommen .Was kann ich tun das ich mehrmals kommen kann.Und danach habe ich die Lust verloren an Sex.
Livia Lea Maag: Wie schön, dass du so einfach und schnell kommen kannst. Das ist nicht selbstverständlich. Nun möchtest du es stimmiger gestalten für dich und deinen Mann, damit es nach deinem Orgasmus nicht fertig sein muss. Dabei kann es helfen, es ingesamt langsamer anzugehen und mehr Pausen einzulegen, grad wenn du spürst, dass es dich sehr stimuliert. Es kann auch verbindend wirken, mit deinem Mann darüber zu sprechen und ihm dein Bedürfnis mitzuteilen – damit ihr euch gemeinsam auf den Weg machen könnt und herausfindet, was dich unterstützt, dich dem Höhepunkt entspannter anzunähern und danach zB eine Pause einzulegen, bevor es ggf. nochmals weitergeht – wenn sich das gut anfühlt für dich. Während dieser Pause wird sein Penis vielleicht auch weich in dir. So könnt ihr gemeinsam atmen, euch anschauen, küssen und geniessen, was gerade in euch spürbar ist, bis euch vielleicht wieder eine Welle der Lust überspült und ihr euch wieder bewegen möchtet. In Kurz: der gemeinsame Genuss darf im Vordergrund stehen, nicht deine multiplen Orgasmen. Und wer weiss, vielleicht werden sie mit mehr Entspannung ja plötzlich möglich...
Bin witwe, 82, z.zt im spital. Vor 5 jahren ist mein mann nach 55 jähriger ehe verstorben. Ich habe nicht unbedingt lust auf sex sondern umarmung nackte haut an nackte haut. Wenn er dann sein glied an meine geschlechtsteile legen würde bekäme ich lust. Der orgasmus kam bei mir bei nicht ganz steifem Glied und Berührung der Schamlippen Bin noch urostomaträgerin was eine intimität erschwert. Danke für einen rat und liebe grüsse
Dania Schiftan: Zuerst einmal: Es ist berührend und mutig, dass Sie das mit 82 so offen formulieren. Ihr Wunsch nach Hautkontakt, Umarmung und Nähe ist absolut menschlich – unabhängig vom Alter. Das Bedürfnis nach Berührung endet nicht mit einer langen Ehe oder mit dem Verlust eines Partners. Was Sie beschreiben, zeigt etwas sehr Schönes: Für Sie beginnt Lust über Nähe, Wärme und Körperkontakt – nicht über „Leistung“. Dass der Orgasmus bei Ihnen durch sanfte Reibung und Berührung der Schamlippen entstand und nicht zwingend durch vollständige Erektion, ist völlig normal.
Viele Frauen erleben Lust eher durch äussere Stimulation als durch Penetration. Ihre Urostomie macht Intimität vielleicht organisatorisch anspruchsvoller, aber sie schliesst sie keineswegs aus. Mit guter Fixierung des Beutels, diskreter Abdeckung (z. B. mit einem weichen Tuch oder einem speziellen Band) und einem achtsamen Partner kann Nähe gut möglich sein. Oft ist es vor allem die eigene Scham oder Sorge, wie es wirkt, die Intimität erschwert – weniger die tatsächliche Situation. Vielleicht ist es hilfreich, sich zu erlauben, dass Nähe auch ohne „klassischen Sex“ wertvoll ist. Haut an Haut, Halten, gemeinsames Liegen – das allein kann zutiefst erfüllend sein. Und wenn daraus Lust entsteht, darf sie entstehen. Ihr Wunsch ist würdevoll und lebendig. Nähe kennt kein Verfallsdatum. Herzlichst Dania
Was kann ich anderst mache das ich mehr komme beim Sex?
Lea Eugster: Wenn ich deine Frage richtig lese, erlebst du bereits Orgasmen beim Sex, möchtest aber, dass du sie «zuverlässiger» erleben kannst. Was für mich spannende Fragen wären: Sprichst du von Paarsex und/oder Solosex? Und was unterscheidet den «Sex mit Orgasmus» vom «Sex ohne Orgasmus»? Und falls du mit deiner Frage den Paarsex meintest: Stimulierst du dich genau so beim Paarsex wie beim Solosex? Setzt du dir die gleichen Reize (z.B. Anspannung, Druck, Berührung, Fantasien, Vibration, Stellung...)? Ich habe oben (oder unten ;) bereits eine ähnliche Frage beantwortet -- lese dir diese Antwort gerne auch noch durch, um besser zu verstehen, wie ein Orgasmus funktioniert (oder eben auch nicht).
Was dir hilft, um «zuverlässiger» zum Orgasmus kommen zu können: üben, üben, üben, wie du die Erregung auslösen, steuern und geniessen kannst. Und dann genau diese Reize setzen -- auch beim Paarsex. Und wenn du merkst: Huch, ich weiss nun, wie ich beim Solosex zum Orgasmus kommen kann -- aber beim Paarsex geht es nicht. Dann kann es daran liegen, dass du beim Paarsex z.B. einen zentralen Reiz (z.B. Anspannung, gewisse Stellung, ein gewisses Berührungsmuster) nicht genau so hast, wie beim Solosex. Dann kannst du dies entweder beim Paarsex anpassen (wenn möglich) oder auch dein «Erregungsmuster» erweitern und z.B. lernen, wie du auch in einer anderen Stellung oder z.B. mit weniger Anspannung oder mit variableren Berührungsabläufen auch zum Orgasmus kommen kannst -- dafür darf dein Körper dieses Neue als erregend erlernen. Wie das am besten geht, kannst du z.B. in einer Sexualberatung lernen. Herzlichst, Lea
Ich habe schon lange immer wieder starke Blockaden. Ich ertrage Berührungen dann kaum, habe das Gefühl mich dazu zwingen zu müssen um es meinem Partner recht zu machen. Ich weiss dass ich ein Recht auf meine Bedürfnisse habe, auch wenn diese «kein Sex» bedeuten, dennoch blockert sich alles in mir, auch kann ich dann meine Bedürfnisse nicht komminizieren. Ich denke es hst damit zu tun, dass ich meinen Körper überhaupt nicht mag, mich dafür schäme, mich dann nicht gehen lassen kann. Ich weiss nicht, was ich dagegen tun kann, wäre froh um Rat. Gleichzeitig rebelliere ich innerlich und denke, weshalb muss ich mich dafür rechtfertigen, mich «ändern, therapieren, etc.».
Ursina Donatsch: Ich verstehe Ihre beiden Stimmen sehr gut. Ich kann Sie nur darin bestärken, etwas zu ändern, wenn Sie selbst einen eigenen Gewinn davon haben. Sich zu ändern für den Partner ist keine gute Idee. Aber etwas ändern zu wollen, weil Sie selbst es wollen und sich davon etwas versprechen, das wäre eine gute Idee. Also konkret: Wenn Sie zum Schluss kommen, dass Sie Ihren Körper gerne haben möchten und dann auch mehr Spass zusammen mit Ihrem Körper haben können, dann kann ich Ihnen empfehlen, dieses Thema anzugehen. Ob Sie ein Buch dazu lesen oder in eine Sexualtherapie gehen – beides ist möglich. Sie haben übrigens ganz recht: Berührungen geniessen kann der Körper nur, wenn er wohl ist mit sich selbst. :-)
Woran liegt es das ich zwar Lust habe aber nicht feucht werde trotz feiner stimmulation eingehen auf meine Person etc.
Ursina Donatsch: Nicht feucht zu werden kann verschiedene Gründe haben und nur einer davon ist, wenn eine Frau wenig Lust hat. Das scheint bei Ihnen ja nicht der Fall zu sein: Sie haben Lust. Das ist doch schon mal ziemlich wichtig. Es kann z.B. hormonelle Gründe haben – nicht in jeder Zyklusphase ist die Lubrikation (Feuchtwerden) gleich. Und die Lubrikation ist auch sehr individuell – manche Frauen werden grundsätzlich weniger feucht als andere. Eigentlich ist es gar nicht so wichtig, weshalb genau. Wichtig ist, DASS Sie Lust haben und dass die Stimulation Ihrer Partnerperson Ihnen gefällt. Ich empfehle Ihnen unbedingt ein Gleitmittel oder ein Öl. Was Ihnen am Besten zusagt. Und dann schauen Sie – vielleicht ist das Problem dann gelöst.
Ich habe Angst, dass mich ein Orgasmus zum Urinieren bringen könnte, das liegt für mich nahe zusammen. Was kann man da machen?
Dania Schiftan: Diese Sorge haben mehr Menschen, als man denkt – und sie ist gut nachvollziehbar, weil Orgasmus und Blase anatomisch nah beieinander liegen und sich die Empfindungen ähneln können. Wichtig zuerst: Beim Orgasmus entspannt und kontrahiert die Beckenbodenmuskulatur rhythmisch. Dieses Gefühl kann sich manchmal wie „Ich muss urinieren“ anfühlen, besonders wenn man sehr angespannt ist oder sich stark darauf konzentriert. In den meisten Fällen handelt es sich nicht um echtes Urinieren. Hilfreich können ein paar einfache Schritte sein: – Vor dem Sex die Blase entleeren. Das gibt Sicherheit und reduziert den Druck. – Beckenboden bewusst wahrnehmen und trainieren. Gezieltes An- und Entspannen (z. B. mit Anleitung durch Physiotherapie) verbessert die Kontrolle. -Entspannung üben. Angst verstärkt das Gefühl. Je mehr man versucht, „es zu verhindern“, desto angespannter wird der Körper. uuuuund richte vielleicht dein Bett mal so ein, dass du es sehr wohl mal Laufen lassen kannst. Vielleicht mal ein Latextuch aufs Bett legen oder mehrere Froteetücher. Wenn du da dich traust an Grenzen zu gehen, macht es dir vielleicht nicht mehr so Sorgen. Herzlichst dania
Kann ich als 78-jährige Frau ohne sexuellle Kontakte seit 12Jahren (und davor keine befriedigende sexuelle Kontakte) durch Masturbieren noch lernen, einen Orgasmus herbeizuführen?
Dania Schiftan: Ja — absolut, auch mit 78 und langen Phasen ohne befriedigende sexuelle Kontakte kannst du durch Masturbation lernen, einen Orgasmus zu erleben oder intensiver wahrzunehmen. Das ist nicht nur möglich, sondern auch genau das, wofür Masturbation ein hervorragendes Werkzeug ist: sich selbst und den eigenen Körper neu zu entdecken, ohne Leistungsdruck, ohne Vergleich und in deinem eigenen Tempo. In meinen Büchern kannst du lesen betont, wie wichtig es ist, in Kontakt mit dem eigenen Körper zu kommen, zu spüren, was sich gut anfühlt, welche Berührungen Lust erzeugen – und dass Intimität und Lust gelernt oder neu erlebt werden können, unabhängig vom Alter oder früheren Erfahrungen.
Einige Dinge, die helfen können: Sanfte, neugierige Selbstberührung: Beginne dort, wo es sich angenehm anfühlt – zuerst vielleicht um die Vulva, die Schamlippen oder den Bereich der Klitoris. Es geht zunächst nicht darum, „zum Orgasmus zu kommen“, sondern um Wahrnehmung, Wohlgefühl und Entspannung.
Zeit nehmen und wiederholen: Lust entsteht oft nicht „von jetzt auf gleich“, sondern in einem langsamen Aufbauen von Erregung. Wiederholtes Erforschen ohne Ziel kann dein Nervensystem neu konditionieren. Atem und Entspannung: In ihren Büchern schreibt Schiftan darüber, wie sehr Atmung, inneres Erlauben und Sicherheit den Zugang zur Lust erleichtern. Wenn du beim Atmen bleibst und deinen Körper nicht unter Druck setzt, kann sich das Empfinden vertiefen.
Kein Leistungsdruck: Da du dich selbst steuerst, kannst du ganz bei dir bleiben und dich nur fragen: Was fühlt sich gut an? Was möchte ich mehr davon? Darauf kann Lust wachsen, oft ganz anders als bei früheren sexuellen Erfahrungen. Auch wenn deine früheren Kontakte nicht befriedigend waren: Der Körper ist lernfähig — in jedem Alter. Masturbation kann dir dabei helfen, dich wieder mit deinem Empfinden, deinen Vorlieben und deiner Lust zu verbinden. Und das kann zu intensiveren oder befriedigenderen Orgasmen führen, auch ohne Partner oder „klassischen Sex“. Herzlichst Dania
Ich bin 61 Jahre und kann seit ca. 7 Jahren nichts mehr empfinden. Keine sexuelle Lust und kann mich auch nicht mehr selbst befriedigen. Früher hatte die Selbstbefriedung sehr gut funktioniert. Und auch mit meinem damaligen Partner war der Sex gut.
Livia Lea Maag: Wie kraftvoll, dass du wieder auf den Weg machen möchtest, hin zu deinem Körper, hin zu mehr Empfindungen und vielleicht sogar Lust. Was früher verlässlich funktioniert hat, geht jetzt grad nicht mehr. Das muss nicht bedeuten, dass etwas kaputt ist – sondern dass du wahrscheinlich neue Wege finden darfst. Vielleicht hat sich hormonell etwas verändert in dir (kannst du auch mal mit einem Arzt anschauen) oder ggf. klopfen emotionale Themen an, die von dir gespürt und durchfühlt werden wollen, damit dein Körper wieder mehr Kapazität hat für Lust. Hier könnte dich ein therapeutisches Setting unterstützen. Und zu guter Letzt möchte ich dich einladen, dich ohne Absicht und Druck einfach wiedermal selbst am ganzen Körper zu berühren, gleichzeitig tief in den Bauch zu atmen und dir vorzuestellen, als würdest du deinen Körper zum allerersten Mal berühren und erkunden. Was spürst du? Wo ist es weich, warm, kühl, kribblig, dumpf? Ohne zu werten, einfach gwundrig sein. Vielleicht magst du das als neues Selbst-Liebe-Ritual in deinen Alltag einbauen, damit sich die neuronalen Verknüpfungen zwischen Körper und Gehirn langsam wieder bilden können. Denn 'einewäg' – Berührungen tun einfach gut. Auch wenn wir sie uns selbst schenken.
Guten Abend ich komme auch nicht mehr so gut zu Orgasmus ich wenn ich es mir selber mache
Lea Eugster: Wenn ich deine Nachricht richtig verstehe, hast du früher beim Solosex mehr Orgasmen erlebt als heute. Ich gehe davon aus, dass deine Frage lautet, was du tun kannst, damit du wieder mehr Orgasmen erleben kannst.
Um das beantworten zu können, wäre es wichtig zu wissen, wie dein Weg/deine Strategie zum Orgasmus so ausschaut. In der Praxis erlebe ich, dass abnehmende Orgasmen beim Solosex oft mit der Art, wie die Erregung gesteigert wird, zu tun haben. Falls du z.B. intensive Reize wie hohe Anspannung, fester Druck, Vibration, starke Fantasien etc. zur Erregungssteigerung nutzt, kann es sein, dass dein Körper sich mit der Zeit an diese Intensität der Reize gewöhnt und dann nach mehr verlangt, mehr Intensität. Bei den meisten Reizen ist jedoch irgendwann keine Luft mehr nach oben da..
Und was beim Thema Anspannung und Erregungssteigerung auch spannend ist: hohe Anspannung kann zwar schnell zum Orgasmus führen, aber viel Anspannung kann für die Erregungssteigerung auch nicht dienlich sein (weil weniger Blutfluss, somit weniger Blut im Genital und somit weniger Spüren und/oder Berührungen werden unangenehm..). Wenn du dich bei der Antworten gesehen fühlst: Dann ist oft ein möglicher Weg, deinem Körper zu lernen, dass auch weniger intensive Reize erregend sein können. z.B. indem du auf deinem «gewohnten» Weg Neues einbaust (z.B. Phasen mit weniger Druck, oder Phasen ohne Vibrator, Phasen mit tieferer Atmung, Phasen mit kleinen Beckenbewegungen oder oder oder). Der Körper braucht oftmals aber wirklich kleine Schritte, damit er es lernen kann. Eine sexologische Begleitung kann sehr unterstützend sein. Alles Liebe, Lea
Guten Abend Ich hatte noch nie einen vaginalen Orgasmus. Was kann mir helfen, diesen zu „lernen“?
Dania Schiftan: da bist du bei mir an der richtigen Adresse!! ja natürlich! Es gibt zb meine Bücher: Coming soon oder das Comeback deiner Lust beinhalten beide das Thema Orgasmus. Einige Frauen finden da sehr schnell rein und einige brauchen etwas mehr Zeit und Geduld. Am einfachsten ist es wenn du dich deinem Genital langsam näherst. Jeden Tag ein kleiner aber regelmässiger Kontakt mit deiner Vulva und Vagina. Lass dich nicht unter Druck setzen von dir selbst – oder sonstwem. Es soll kein MUSS sein sondern Freude machen Herzlichst dania
Ist ein rein vaginaler Orgasmus möglich oder braucht es immer die Berührungen der Klitoris?
Ursina Donatsch: Ein vaginaler Orgasmus ist nie «rein», auch wenn ich dieses Wort in diesem Zusammenhang nicht so passend finde. Grundsätzlich muss ein Orgasmus auch nicht definiert werden – sondern Sie definieren Ihren Orgasmus, sprich Ihren Genuss selbst. Aber doch noch zurück zu Ihrer Frage: Da die Klitoris aus viel mehr als nur dem sichtbaren Kopf besteht, sondern Schenkel hat, die die Vaginawand umschliesst, wird die Klitoris sozusagen indirekt stimuliert bei der vaginalen Stimulation (Penetration) und ist genau genommen deshalb auch ein klitorialer Orgasmus. Wenn Sie das etwas genauer verstehen möchten, schlage ich Ihnen vor, das auszuprobieren. Zum Beispiel mit den Fingen zu erspüren in der Vagina mit Berührungen der Vaginawand an unterschiedlichen Orten, wo Sie mit welchen Berührungen und mit welchem Druck am meisten Erregung spüren.
Guten Tag Ich habe selten Lust auf Sex mit meinem Partner. Oft habe ich einen Orgasmus. Aber nicht intensiv. Zu meinen Jugendzeiten hatte ich viel mehr Lust auf Sex. Manchmal habe ich sogar schmerzen oder es fühlt sich unangenehm an. Mich ekelt irgendwie auch sein Penis/Sperma. Woran kann das liegen? Besten Dank
Dania Schiftan: Meine Definition zu Lust ist sehr einfach: Vorfreude auf das was kommt. Wenn du erlebst, dass du Schmerzen hast oder dich ekelst, dann machts ja Sinn mit der Zeit immer weniger Lust zu empfinden. Also deine Lustlosigkeit hilft dir vielleicht dich davor zu schützen weiterhin schlechte Erfahrungen zu machen. Ekelgefühle gegenüber Penis oder Sperma haben selten „nur“ mit dem Partner zu tun. Sie entstehen häufig, wenn der Körper in eine Art Abwehr geht – etwa durch Überforderung, Druck, ungelöste innere Konflikte, negative Lernerfahrungen oder das Gefühl, etwas über sich ergehen lassen zu müssen. Der Körper zieht dann eine Grenze, auch wenn der Kopf mitmacht. Sinnvoll wäre, sowohl körperliche Ursachen gynäkologisch abzuklären als auch den emotionalen Kontext ernst zu nehmen: Möchtest du Sex wirklich – oder eher „funktionieren“? Lust lässt sich nicht erzwingen, sie braucht Sicherheit, Zeit und das Gefühl von Freiwilligkeit. Herzlichst Dania
Wenn man Sex nur nach dem Orgasmus definiert, ist das nicht etwas zu einseitig? Ich komme zwar nicht schnell zum Höhepunkt aber ich finde der ganz klassische Geschlechtsverkehr Penis --> Vagina ist ein sehr gutes Gefühl
Lea Eugster: Absolut -- Sex ist so viel mehr als Orgasmus. Ob und wie schnell eine Person zum Höhepunkt kommt, sagt noch nichts über den Genuss davon aus. So schön, dass du weisst, was du geniessen kannst (den aufnehmenden/penetrativen Penis-in-Vagina Sex). Oftmals geht es in den sexologischen Begleitungen genau darum: Den Weg mehr geniessen zu lernen. Und doch kann und darf der Orgasmus für beide (!) wichtig sein. Ich erlebe deutlich mehr Frauen als Männer in der Praxis, die sagen, «der Orgasmus ist mir nicht so wichtig» -- und in der weiteren Begleitung merken wir dann, dass der Satz eher Ausdruck von «meine Lust ist nicht so wichtig wie seine» ist. Deshalb kann es sehr wertvoll sein, hier genauer hinzuschauen :) Herzlichst, Lea
Guten Tag Ich bin 78. Meine Frau 64. Wir sind seit 2010 verheiratet. Ihr ex Mann hat nur schnelle Kontakte gehabt. Die Frau hat für sich selbst sorgen müssen. Wir hatten schönen Sex. Seit ihr ex gestorben ist hat meine Frau keine Lust mehr. Hat das einen Zusammenhang? Sie will keine Berührungen mehr. Danke für Ihren Dienst.
Dania Schiftan: Ja, es kann durchaus einen Zusammenhang geben. Auch wenn Ihre Frau mit ihrem Ex-Mann offenbar keine erfüllende Sexualität erlebt hat, bleibt eine lange gemeinsame Lebensgeschichte emotional bedeutsam. Der Tod eines früheren Partners kann alte Gefühle auslösen – Trauer, Schuld, ungelöste Themen oder eine innere Verunsicherung. Manchmal verändert so ein Ereignis das eigene Erleben von Nähe und Körperlichkeit stärker, als man erwartet. Wenn sie seitdem keine Berührungen mehr möchte, muss das nicht gegen Sie gerichtet sein. Es kann ein Zeichen sein, dass in ihr etwas in Bewegung geraten ist – vielleicht Trauer, vielleicht ein Rückzug, vielleicht auch eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Älterwerden oder der Vergänglichkeit.
Wichtig wäre, das Thema anzusprechen – auch wenn Ihnen das schwer fällt – nicht als Vorwurf („Du willst mich nicht mehr“), sondern als ehrliche Beobachtung: „Ich merke, dass sich unsere Nähe verändert hat. Ich vermisse die Berührungen und möchte verstehen, wie es dir geht.“ Sexuelle Lust ist oft eng mit emotionaler Sicherheit und innerem Gleichgewicht verbunden. Wenn diese durch ein Ereignis erschüttert werden, zieht sich manchmal auch der Körper zurück. Geduld, echtes Zuhören und gegebenenfalls ein gemeinsames Gespräch bei einer Fachperson können helfen, wieder einen Weg zueinander zu finden. Herzlichst dania
Guten Abend Ich bin seit mehreren Jahren allein und habe keinen Partner. Wurde so erzogen, dass ich meinen Körper allein nicht so erforschen soll. Jedoch spüre ich schon ein Verlangen nach Sex. Habe schon versucht mit „Hilfsmitteln“ kann das jedoch noch nicht geniessen, da ich das Gefühl habe ich darf das nicht. Mein Körpergefühl ist auch nicht so positiv, weil ich denke ich bin zu dick usw. Haben Sie da einen Rat, wie ich lernen kann es zu geniessen und es zuzulassen? Danke auch für diese Sendung und Ihre Antwort. Freundliche Grüsse
Ursina Donatsch: Ja, da haben Sie in Ihrem Leben nicht viel Unterstützung bekommen, Ihren Körper zu mögen, ihn überhaupt entdecken zu dürfen. Aber es ist nie zu spät. Eine Grundlage haben Sie nämlich; und zwar das Verlangen. Und Sie haben noch was: Einen Körper. Das sind die zwei wichtigsten Bausteine, um dieses Projekt zu starten. Und Sie haben den Mut gefasst, zu schreiben. Das finde ich toll. Wirklich. Hilfsmittel brauchen Sie eigentlich nicht unbedingt. Da Sie das Hauptwerkzeug bereits haben: Ihren Körper. Und Sie haben Ihre fünf Sinne zur Verfügung, um Ihren eigenen Körper zu entdecken und zu erfühlen, was ihm gefällt. Am Besten schliessen Sie anfangs die Augen. Das macht es einfacher zu spüren. Die Augen sind nämlich viiiiiiiel stärkere Kritiker als alle anderen Sinne – zum Beispiel Ihre Hände sind sicher wohlwollender. Starten Sie mit Ihren Händen und entdecken Ihren Körper und lassen sich leiten, was ihm gefällt. Und wenn der Kopf dazwischen kommt (Gedanken wie, das darf ich nicht, das gehört sich nicht), dann versuchen Sie nicht die wegzudrängen, sondern einfach stattdessen wieder den Fokus daraufzulegen, was Sie spüren. Und fahren weiter auf Ihrer Entdeckungsreise. Viel Freude!
tja…meine Frage ist folgende: Bin 63 Jahre alt. Hab eine 3 1/2 jährige Tochter und meine Frau ist 30. Ich hatte bis zur Geburt meiner Tochter immer Lust, am liebsten 1x pro Tag. Mit der Geburt der Tochter und der Tatsache dass meine Frau und ich die Tochter sozusagen auch bisschen, vielleicht bisschen sehr im Mittelpunkt setzen….ist einfach keine oder nur sehr geringe Lust da. Jetzt gibt es vielleicht 1x pro Monat Sex…ich denke sehr oft daran…onaniere halt viel aber irgendwie hab ich das Gefühl das meine Frau keine Lust hat und dann hab ich auch keine Lust auf Sie zuzugehen und dann ergibt es sich sehr selten. Ich buche dann halt mal eine übernachtung in einem Hotel…aber irgendwie ist das dann wie ein Druck dass es dann passieren muss. hmmmmm was empfehlen sie mir? Will nicht unbedingt ChatGPT fragen : ) beste grüsse
Ursina Donatsch: Ich meine, Sie haben den Kern bereits selbst verstanden: Der Fokus hat sich auf die Tochter verschoben. Und wenn ich Sie richtig verstehe, möchten Sie den Fokus wieder auf die gemeinsame Sexualität setzen, so wie es vor der Geburt war. Wenn das so ist, fragt sich, ob Ihre Frau diesem Projekt ebenfalls zustimmen würde. Wenn ja, dann können Sie zusammen starten: Versuchen Sie aber nicht, es so zu wollen, wie es vorher war. Weil eine Geburt bedeutet meistens eine grosse Veränderung – auf das Körperempfinden und auf das sexuelle Empfinden. Vor allem bei einer Frau. Das heisst, fragen Sie sich gegenseitig viel mehr, was wünschen wir uns jetzt. Was möchten unsere Körper. Was für Sex wünschen wir uns? Wie möchte Ihre Frau verführt werden? Wie möchten Sie verführt werden? Vielleicht ist eine Hotelbuchung für Beide nicht sehr verführerisch, da zu viel Druck. Gäbe es verführerischere Alternativen?
Ich (w/40) habe sehr Lust auf Sex... seit kurzem, vorallem bei der Selbstbefriedigung ejakuliere/squirte ich... weiss aber nicht, wie die Männer das finden?....
Ursina Donatsch: Das ist toll, dass Sie so viel Lust haben und dass Sie nun sogar noch etwas neues entdeckt haben! Wie die Männer das finden? Völlig egal!!!!!! Übrigens: Meistens finden Männer es grundsätzlich toll, wenn eine Frau lustvoll ist, geniessen und vor allem loslassen kann – letzteres ist das beste Beispiel fürs squirten. Und sollte ein Mann das aus irgendeinem Grund nicht toll finden, ist das sein Problem und nicht Ihres. Lassen Sie sich diese Fähigkeiten des Loslassens und Geniessens auf keinen Fall ausreden.
Guten Abend, danke für eure geduldige und informative Art, Fragen zu beantworten. Ich bin seit 2019 als Bi geoutet und lebe seitdem in einer glücklichen Partnerschaft mit einer Frau. In Beziehungen mit Männern fühlte ich mich, gerade was die Sexualität anbelangt, immer sehr unter Druck gesetzt. Meine Partnerin und ich haben eine innige, zärtliche Beziehung aber (gewollt) nicht «Sex» im klassischen Sinne. Ich befriedige mich gerne selber und kann so entspannter zum Orgasmus kommen, weil ich mich auf das konzentrieren kann, was mir gefällt. Deshalb meine Frage: können sie mir Toys weiterempfehlen, wo nicht die Penetration im Fokus steht? Dabei verspüre ich nämlich Schmerzen.
Dania Schiftan: ich lese verschiedene Sachen und hoffe dass ich alle meine Punkte hier unterbringen kann: 1. ich mag untamed love sehr. Sie machen fantastische Arbeit und haben ein riesen Repertoire an Sextoys für alle möglichen Vorlieben. oder auch der online shop special moments bietet Beratungen und einen Verkauf an. Generell findet man im Netz unterdessen viele qualitativ hochstehende Sexshop. 2. lese ich dass deine Vagina schmerzt bei Penetration. bezieht sich das auf jegliche Form der Penetration? Zunge? Finger? Dildo? und ist das ok für dich oder möchtest du das ändern? Eine Vagina kann kennengelernt werden auf liebevolle Art. und nicht um sie zu einem Loch machen, wo man reingehen soll. dieser Weg ist manchmal sehr langwierig und anspruchsvoll. Kann aber auch sehr schön sein. Nimm dir Zeit für dich und vertraue deinem Körper – er hat immer eine Logik! Herzlichst dania
Wieso kommt es am Anfang einer Beziehung oder mit jemand Neuem zu einer Erektilen Dysfunktion? Wie kann man das behandeln ohne Medikamente? Danke
Livia Lea Maag: Du bist so mutig, dich mit diesem Thema zu zeigen – dass es in der ersten Phase des Kennenlernens für dich schwierig sein kann, eine verlässliche Erektion zu haben. So geht es auch anderen Männern. Es kann damit zu tun haben, dass du dich noch unsicher fühlst in der Verbindung zu deinem Gegenüber. Dass du alles 'richtig' und 'befriedigend' machen möchtest und dich diese innere Erwartungshaltung blockiert.
Was helfen kann: Zeig dich damit, in dem du deinem Gegenüber sagst, dass dir das am Anfang machmal passiert und dies nichts mit ihr / ihm zu tun hat, sondern einfach der neuen, aufregenden Situation geschuldet ist. Zudem kannst du dich selbst unterstützen, mehr in die Entspannung zu kommen, in dem du tief in den Bauch atmest, es langsam angehst und dir immer wieder innerlich sagst, dass du nichts leisten / beweisen musst und dein Penis auch weich sein darf. Erregung ist nicht unbedingt gleich Erektion. Lenke deinen Fokus bewusst auf das, was du körperlich spürst – also auf die Berührungen und Empfindungen. So kommst du mehr in den Körper und in die Entspannung. Und das sind gute Voraussetzungen für eine Erektion.
Was kann ich als Frau machen, wenn ich sehr schnell zum Orgasmus komme. Es wäre schön, wenn es länger dauert, da ich anschliessend keine Berührung im Intimbereich mehr vertrage.
Ursina Donatsch: Am Besten probieren Sie zuerst selbst aus – in dem eigenen Erspüren kann meistens viel genauer und präziser entdeckt werden. So wie Sie das beschreiben, geht Ihre Erregungskurve sehr steil hinauf. Nun wäre Ihr Ziel, dass Sie mit Ihrem Körper und Ihren Berührungen lernen, auf dieser Kurve wie auf einer Welle zu surfen. Das können Sie ausprobieren, indem Sie die Art der Berührungen verändern, zum Beispiel verlangsamen, den Druck verringern, die Atmung vertiefen und dann wieder erhöhen, schneller machen, wieder langsam, und Ihren ganzen Körper dabei noch mitbewegen.
Diese Veränderungen können helfen, Ihre Erregungskurve etwas mitzusteuern, sodass Sie lernen und steuern können, wie schnell Sie hochfahren wollen, was Sie tun können (Atmung, Druck, Tempo, Art der Berührung), um die Erregung zu steigern und wieder zu verringern und dann wieder zu steigern.
Warum werde ich trotz lust auf meinen Partner nicht feucht.
Lea Eugster: Feuchtigkeit ist nicht automatisch ein Zeichen für Erregung oder Lust -- ja, es kann zusammenhängen, muss aber nicht. Das wird auch von Person zu Person anders erlebt, kann von Hormonen abhängen, von der Vaginalflora, der Trinkmenge, der Anspannung im Becken und und und.. Wenn du also Lust auf Sex mit deinem Partner hast, empfehle ich dir herzlichst, Gleitmittel zu verwenden(bitte auf Verträglichkeit von Haut und Kondom achten); gerne auch viel und ausgiebig -- ist sowieso eine tolle Sache, ganz egal, ob da schon viel Feuchtigkeit ist oder nicht. Weil was du und deine Lust sicher nicht brauchen: Verletzungen (z.T. sind das Mini-Risse), weil Berührungen / Stimulation / Penetration von trockener Haut erlebt wird. Alles Liebe, Lea
Guten Abend Vielfach habe ich das Gefühl, dass ich beim Sex mit meinem Partner nicht zum Orgasmus komme, da es wie zu einer Überreizung kommt. Ist das normal und was kann ich/er dagegen tun? Besten Dank schon jetzt
Lea Eugster: Vielen Dank fürs Teilen und die Frage. Dass die Empfindung einer «Überreizung» aufkommt, höre ich in meinen Begleitungen ganz oft. Hier einige Möglichkeiten, was helfen könnte (und was davon oder ob es eine Kombination ist oder ganz was anderes: das ist sehr individuell und es bräuchte auch eine Evaluation von deinem Erleben) – Körper und insbesondere Becken bewegen, damit das Genital wieder mehr durchblutet werden kann und Berührungen potenziell als angenehmer wahrgenommen werden können – Variieren der Berührungen (mal mit weniger Druck, mal etwas grossflächiger etc.) – Pausieren (Reize stark reduzieren oder komplett wegnehmen), gerne auch tief(er) atmen – Stöhnen (das hilft automatisch, dass der Körper von innen mehr bewegt wird, hilft auch tiefer zu atmen..) – Beim Solosex mit Berührungen explorieren und grossflächigere Berührungen einladen, lernen, dich mehr dabei zu bewegen, fliessend, schaukelnd (insbesondere das Becken). Wünsche viel Freude beim Ausprobieren und Erforschen. Herzlichst, Lea
Was kann sich nach drei Schwangerschaften und zwei natürlichen geburten verändert haben? bei beiden natürlichen geburten rissen mir im grnitalbereich mehrere „sachen“ nach der ersten geburt wurde ich während 1h wieder zusammengenäht. die zweite geburt zeriss weniger aber doch auch genug. seit dem ist es viel schwieriger, dass ich zum orgasmuss komme. die klitoris fühlt sich nicht mehr so „prikelnd“ an wie das vir drn geburten der fall war. haben die risse damit etwas zu tun?
Ursina Donatsch: Das kann sehr gut sein und vieles deutet darauf hin. Es gibt Geburtsverletzungen unterschiedlichen Grades und auch an unterschiedlichen Orten. Die Verletzungen, die eher beim Damm sind, haben meistens weniger Einfluss auf das Empfinden bei der Klitoris, dafür aber die, die näher bei der Klitoris sind. Ich weiss nicht genau, wo genau Ihre Geburtsverletzungen waren, aber die Tatsache, dass es so lange dauerte, bis alles genäht war, deutet daraufhin, dass es erhebliche Verletzungen waren, was wiederum bedeutet, dass es vom Reissen und vom Nähen viele Narben gab und immer noch gibt im Bereich rund um den vaginalen Eingang.
Narben haben nicht mehr gleich viele Nervenzellen, was die Erregbarkeit erschwert. Also kurz gesagt, wahrscheinlich haben die Risse etwas damit zu tun, dass Sie schwieriger zum Orgasmus kommen. Was Sie tun können, ist, dass Sie selbst – am Besten mit Ihren Fingern – ausprobieren, wo genau Sie am Meisten spüren. Da die Klitoris viel mehr ist als nur der Kopf, der sichtbar ist, haben Sie auch eine Chance, dass neben den vernarbten Stellen immer noch genug Stellen sind, die noch viele Nervenzellen haben. Probieren Sie aus. (Auch innerhalb der Vagina, an der vaginalen Wand, auch bei den Vulvalippen usw.)
Ich bin 28, verheiratet und seit 8 Jahren mit meinem Partner zusammen. Ihm sind physical touch und Sex sehr wichtig. Wichtiger als mir. Meist geht die Initiative zum Sex von ihm aus. Er würde sich wünschen, das auch mehr von mir ausgehen würde und fragt mich, was genau mich denn antörnt. Ich kann das leider nicht wirklich beantworten und fühle mich dadurch etwas unter Druck gesetzt. Ich will Sex nicht als Pflicht empfinden, wo ich eine Liste zum abhaken präsentieren muss. Wir sprechen darüber auch offen, aber gefühlt macht es aus Sex was ernsteres, schwereres als es sein sollte. Habt ihr eine Idee wie ich mir selber besser bewusst werden kann, was für mich selbst als Antörner funktioniert, ohne dass es sich nach einer Pflicht/Aufgabe anfühlt? Selbstbefriedigung fühlt sich dagegen leicht an.
Livia Lea Maag: So wichtig was du ansprichst: Du möchtest, dass Sex sich für dich leicht und spielerisch anfühlt, statt nach einem Pflichtprogramm. Und du spürst, dass du dich noch mehr selbst kennenlernen möchtest: deine Bedürfnisse und vielleicht ja auch deine Grenzen. Dazu eignet sich das «3-Minuten-Spiel» von Dr. Betty Martin. Du findest eine Anleitung dazu auf youtube. Hierbei können dein Mann und du spielerisch neue Wege gehen, eure Wünsche und Grenzen in jedem Moment neu ausloten und euren Kommunikationsmuskel weiter aufbauen. Das macht Spass, ist leicht und geht doch tief.
Zudem kannst du dir auch die Frage stellen: Was unterstützt meine Lust? zb wenn mir mein Partner aufmerksam zuhört, er den Abwasch macht oder er mich absichtslos am ganzen Körper streichelt. Und was hemmt meine Lust? zb Stress, Druck, Unordnung oder Unausgesprochenes zwischen uns. Und zu guter Letzt: vielleicht magst du dich ja auch mal vor ihm selbstbefriedigen. Nicht als Show oder Performance sondern als heiliges Selbstlieberitual, dass er bezeugen darf. Und wo ihr ggf. auch Schlüssel deiner Lust darin entdecken könnt...
Guten Abend Ich weiblich 41J habe bei sexueller Erregung und beim Orgasmus Zuckungen am Körper die ich nicht willentlich steuern kann. Dies seit ein paar Jahren. Eigentlich stört es mich. Was könnte das sein und was könnte ich tun, das dies verschwindet? Mein Ehemann stört es soweit nicht extrem. Er nimmt es manchmal auch als Zeichen/fühlt sich dadurch aufgefordert oder bestätigt 😉 dennoch stört es mich.
Dania Schiftan: Was du beschreibst, sind sehr wahrscheinlich unwillkürliche Muskelkontraktionen während starker Erregung oder beim Orgasmus. Dabei spannt und entlädt sich der Beckenboden rhythmisch – und diese Impulse können sich auf Bauch, Beine oder sogar den ganzen Körper übertragen. Das ist physiologisch völlig normal. Dass es erst seit ein paar Jahren so ausgeprägt ist, kann mit Veränderungen im Erregungsmuster, stärkerer Körperspannung, Stress oder hormonellen Faktoren zusammenhängen. Wenn es dich stört, kannst du versuchen bewusst langsamer zu atmen und den Körper während der Erregung weicher werden zu lassen. Du kannst mit Intensität und Tempo zu experimentieren (manche Zuckungen entstehen bei sehr hoher Spannung). Sollten die Bewegungen sehr stark, schmerzhaft oder ausserhalb sexueller Situationen auftreten, wäre eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Ansonsten gilt: Dein Körper macht nichts „Falsches“ – er reagiert intensiv. Und Intensität ist an sich kein Defekt 😉 Herzlichst Dania
Zurzeit erlebe ich als Partner eine wunderschöne sexuelle Zeit mit meiner schwangeren Partnerin. Zwar sollte ich nicht soweit in die Zukunft denken, dennoch frage ich mich wie können wir ein interessantes Sexleben aufrecht erhalten während Elternschaft und darüber hinaus. Wie ändert sich möglicherweise die weibliche Lust im Alter und was für Auswirkungen kann es haben auf unsere sexuelle Beziehung und Beziehung allgemein. Danke für eine Antwort :)
Ursina Donatsch: Das Wichtigste ist, diese Fragen nicht aus einer Besorgnis heraus anzuschauen, sondern mit einer Neugier. Denn wenn Sie neugierig und interessiert bleiben, werden Sie die (eigenen und die Ihrer Frau) Veränderungen, die kommen werden, im körperlichen und sexuellen Empfinden mit der Geburt, mit der Elternschaft, mit dem Alter, nicht als Bedrohung erleben, sondern als Bereicherung.
Die Lust/das Verlangen nach Sex ist bei mir absolut nicht mehr vorhanden. Mein Partner kann dies nicht verstehen, bei ihm ist Sex/ Penetration ein wichtiges oder das Wichtigste in einer Partnerschaft. Ich kann /will dies nicht mehr. Unser Zusammensein hat so an Leichtigkeit verloren, er windet sich darüber zu reden. Wir sind beide +/- 70jährig. Haben Sie Ideen? Danke und Grüsse.
Ursina Donatsch: Gut, dass Sie so klar spüren, dass Sie das nicht mehr wollen! Das ist der Grundstein, um etwas zu verändern. Da Ihr Partner windet, darüber zu reden, würde ich Ihnen empfehlen, für den Einstieg etwas Unterstützung/Hilfe für genau dieses Gespräch zu holen. Denn ohne Gespräch wird es keine Veränderung geben, sondern die Positionen werden sich höchstens noch verhärten: Er wird mehr drängen, Sie werden mehr zumachen, er wird enttäuschter und Sie werden noch weniger die Art Sex wollen, die er will. Also gehen Sie als Starthilfe zusammen in eine Sexualtherapie (wichtig, dass es nicht einfach eine Paartherapie ist, da sich die Therapeut*In mit Sexualität auskennen muss). Um ins Gespräch zu kommen darüber, was für Sexvarianten es gibt, was Sie nicht mehr wollen, was Sie vielleicht wollen, welche Berührungen usw.
Guten Abend Oft fehlt mir als Frau die Lust auf Sex. Wie kann ich dies ändern? Gibt es Tipps. Hat es evt. Etwas mit den Hormonen zu tun? Wir gaben 2 Kinder die viel Zeit einnehnen. Jedoch finde ich meinen Mann nach 10 Jahren Beziehung immer noch sehr atraktiv und schön. Einfach die fehlende Lust meinerseits belastet mich. Vielen Dank
Dania Schiftan: Was du beschreibst, ist sehr häufig – besonders mit zwei Kindern und einem vollen Alltag. Viele Frauen erleben in dieser Phase weniger spontane Lust, selbst wenn sie ihren Partner attraktiv finden. Anziehung und Libido sind nicht dasselbe. Ein wichtiger Punkt ist der mentale Load: Wenn dein Kopf ständig organisiert, plant, erinnert und Verantwortung trägt, bleibt innerlich wenig Raum für Erotik. Lust entsteht selten im „To-do-Modus“, sondern eher in Momenten von Entlastung, Spiel und innerer Freiheit. Wenn dein Nervensystem dauerhaft im Funktionsmodus läuft, schaltet es nicht so leicht auf Erregung um. Ebenso zentral ist die Frage: Wie viel bekommst du eigentlich vom Sex? Erlebst du ihn als wirklich lustvoll, nährend und auf dich ausgerichtet – oder eher als etwas, das „stattfindet“?
Wenn Frauen beim Sex wenig eigene Stimulation, wenig Zeit oder wenig Fokus auf ihre Erregung bekommen, sinkt die Motivation verständlicherweise. Lust wächst dort, wo sie sich lohnt. Auch wichtig: Wie leicht kommst du grundsätzlich in Erregung? Manche Frauen brauchen viel mehr Zeit, bestimmte Berührungen oder ein inneres Ankommen. Wenn dieser Raum im Alltag fehlt, bleibt auch die Lust aus. Das bedeutet nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt – sondern dass deine Erregung Bedingungen braucht. Lust ist kein Schalter. Sie ist ein Zusammenspiel aus Körper, Psyche und Lebenssituation – und sie darf sich verändern. Und ja manchmal hilft es wenn man Sexualität plant – der Hunger kann beim Essen kommen. Herzlichst dania
Ich (35 jahre) bin seit 2 Jahren mit meinem Freund zusammen. Wir hatten anfangs sehr viel sex. jetzt lässt es nach und ist mnchmal nicht mal mehr einmal pro woche. kuscheln tum wir sehr oft. auch seit ich eine abtreibung gemacht habe und weil ich etwas gestresst bin zurzeit lässt es nach – nehme ich an. es fällt mir schwer, dass ich lust bekomme. hängt das, nebst meinem aktuellen stress, auch mit der beziehungsdauer oder der abtreibung zusammen? Wie kann ich machen, dass ich mehr lust habe?
Lea Eugster: Danke für dein Teilen und deine Fragen. Es macht immer Sinn, wieso eine Person Lust oder eben keine/wenig Lust auf Sex hat. Was bei dir genau die Gründe sind, wieso die Lust abgenommen hat (war sie am Anfang mehr da oder hattet ihr einfach sehr viel Sex?), kann ich ohne ausführliche Evaluation nicht sagen. Was aber Studien ganz klar sagen: Mit der Beziehungsdauer wird der Sex weniger. Dies liegt oftmals daran, dass die Paarsexualität nach der Anfangsphase (wo eh oftmals hocherotisch ist und der Verliebtseins-Rausch der Rest tut) nicht weiter genährt und gepflegt wird. Leider herrscht in vielen Köpfen die Idee, dass die Paarsexualität einfach so nebenher laufen soll..
Doch: Wie alles, braucht auch die Paarsexualität immer wieder Pflege, damit sie lebendig bleibt. Und mit Pflege meine ich: Immer wieder schöne gemeinsame genussvolle sexuelle Erlebnisse schaffen, sich im Bereich der Paarsexualität weiterentwickeln, weiterforschen.. Was ganz wichtig ist: Du hast nur Lust auf Sex, wenn sich der Sex für dich auch lohnt. Wenn er dir mehr Nutzen als Kosten bringt. Und: Wenn du dir Reize schaffst, die in dir auch die Lust auf mehr wecken können (google gerne auch mal der Begriff «responsives Verlangen» und spüre rein, ob es mit dir resoniert). Ganz oft fehlen in Langzeitbeziehungen auch die sexuellen Reize: Es wird nicht mehr geflirtet, nicht mehr geküsst, nicht mehr berührt.. -- bzw. passiert es nicht mehr, ohne dass es an Erwartungen (Sex) geknüpft ist -- was in vielen Dynamiken dann noch mehr die Schuld&Frust-Spirale anheizt. Was ihr also machen könnt (Paarsexualität ist ein «Paarprojekt»!): – Schauen, dass sich der Sex für beide (!) wirklich lohnt.
Was geniesst ihr beide? Wovon dürft ihr noch mehr einladen? Was darf gestrichen werden (vlt. für den Moment)?.. Was ist wirklich nährend? (wenn z.B. viel Stress da ist: Wie könnt ihr sexuelle Begegnungen gestalten, die nährend sind? Wo du auftanken kannst?) – Schauen, dass ihr in euren Alltag sexier macht – was dürft ihr (wieder) integrieren? – überlegen: Braucht es «Brücken» von Alltagsrollen zum körperlichen, sexuellen Genuss? Was dient euch? (und das kann bei jeder Person anders aussehen; google gerne auch: Bridging activities oder responsives Verlangen) – Auch Solosex kann sehr hilfreich sein, um einerseits besser zu wissen, was einem gefällt -- und zudem wird der Körper mit der Zeit empfänglicher sein für sexuelle/potenziell erregende Reize sein und auch schneller «anspringen». + es kann sehr dienlich sein, sich in als sexuelle Person zu erleben und geniessen zu können (Stichwort sexuelle Selbstsicherheit) Alles Liebe, Lea
Ich wurde in der Vergangen Beziehung Betrogen. Teils auch mit Sexarbeiterinnen. Ich habe Bemerkt wie sich mein Verhältnis zu meiner eigenen sexualität verändert hat und ich viel Hinterfrage. Ebenso habe ich bemerkt dass ich andere Frauen die Offen mit ihrer Sexualität umgehen innerlich verurteile. Obwohl dies eigentlich nie meine Persönliche Meinung dazu war. Auch ich bin früher offen mit dem Thema umgegangen und empfinde nun aber Scham. Haben sie eine idee weshalb sich dies eingeschlichen hat oder einen Tip wo man Ansätzen könnte. Ich habe bis jetzt noch nie darüber gesprochen.
Ursina Donatsch: Schön, dass Sie den Mut haben, darüber zu sprechen. Das ist so wichtig. Ich sehe Ihre Verletzung, die Sie von diesem Betrug der vergangenen Beziehung mit sich getragen haben. Da hat sich regelrecht ein Schatten über Ihre Sexualität und über Ihr Denken und über Ihren Körper und über Ihre Lust gelegt. Das lässt mich vermuten, dass die Verletzung tief war und Wunden geblieben sind. Ich empfehle Ihnen, das in einer Psychotherapie anzuschauen. Ich denke erst dann können Sie einen Schritt weiter gehen und schauen, was Sie denn jetzt genau brauchen für Ihre eigene Sexualität.
ich nehme derzeit Citalopram (20mg) ein und habe seit Beginn der Behandlung einen starken Verlust meiner Libido bemerkt. Vor der Einnahme hatte ich dieses Problem nicht. Die Veränderung verunsichert mich sehr und belastet mich sowohl emotional als auch in meinem persönlichen Leben. Mir ist bewusst, dass Nebenwirkungen auftreten können, aber dieses Thema fällt mir schwer und ich möchte es nicht einfach hinnehmen. Ich möchte gerne wissen, ob man dagegen etwas tun kann und welche Möglichkeiten es gibt, zum Beispiel eine Anpassung der Dosis, einen Wechsel des Medikaments oder andere Massnahmen. Mir ist wichtig, die Behandlung fortzusetzen, aber auch wieder mehr Lebensqualität zu haben. Würde mich um einen Tipp sehr freuen, besten Dank im voraus.
Ursina Donatsch: Ich finde es sehr wichtig, dass Sie selbst das ernst nehmen. Lassen Sie sich unbedingt von Ihrem Psychiater/In beraten: Es gibt tatsächlich alle Varianten und müssen individuell ausprobiert werden, weil es nicht bei allen Menschen gleich ist: Dosisanpassung, AD-Wechsel oder Wechsel auf ein natürliches Präparat oder allenfalls auch Erhöhung der Psychotherapie für die Behandlung der Depression und stattdessen Medikamenten-Reduktion. Schlussendlich ist es ein ganz persönliches Abwägen, das nur Sie selbst machen können, zwischen Symptomlinderung der Depression und Nebeneffekten des Medikaments (Libidoverlust). Gehen Sie zu der behandelnden Fachperson und sagen, dass Sie die Nebenwirkung des Libidoverlusts nicht mehr in Kauf nehmen möchten. Und dann probieren Sie in Begleitung aus, was verändert werden kann, ohne dass die depressive Symptomatik zu stark ansteigt.
Ich bin 1.62 gross, 44 kg, fit, gebildet, guter Gesprächspartner; verwitwet nach 50 J. Beziehung und suche auf den Plattformen vergeblich nach einer neuen Beziehung. Dabei stelle ich fest, dass offenbar die Körpergrösse oder doch wenigstens eine gewisse Fülle für Frauen attraktiv wirkt. Selbst meine Tochter sagt, dass für sie nur ein Mann in Frage kommt, der mindestens 10 cm grösser ist als sie. (Den hat sie jetzt). Wieso ist es für Frauen immer noch so wichtig als Anziehung, einen «Gorilla» zu haben? Wir leben ja nicht mehr im Dschungel. Ist da die Entwicklung des weibl. Hirns stecken geblieben? Was verknüpfen Frauen mit der Vorstellung eines grösseren Mannes? (Schutz, Penisgrösse, stellt was dar ...?) Erklärt es mir.
Dania Schiftan: Deine Frage ist klug, pointiert – und ja, ein bisschen Ironie darf da absolut mitschwingen. Und zuerst: Nach 50 Jahren Beziehung wieder im Dating unterwegs zu sein, ist keine Kleinigkeit. Dass du dabei Frust erlebst, kann ich gut verstehen. Zum Thema „Gorilla“: Nein, das weibliche Hirn ist nicht im Dschungel stehen geblieben – aber unser Nervensystem trägt tatsächlich sehr alte Muster in sich. Viele Frauen verbinden mit einem grösseren Mann unbewusst Dinge wie Halt, Schutz, Anlehnen-Können oder ein Gefühl von Getragen-Werden. Das läuft oft automatisch ab und hat weniger mit Vernunft oder Bildung zu tun. Dazu kommt ein kulturelles Skript: „Er sollte grösser sein.“ Dating-Apps verstärken genau solche äusserlichen Filter. Dort entscheidet zuerst das Bild, nicht Präsenz, Humor oder Gesprächskultur. Und Grösse ist eben sofort sichtbar. Einige beschreiben es geht um ein Körpergefühl, ein Gegenüber, das als „stark“ wahrgenommen wird – selbst wenn die Frau selbst sehr stark ist. Und jetzt die kleine ironische Wahrheit: Viele, die den grossen Mann suchen, stellen später fest, dass emotionale Grösse viel wichtiger ist als Zentimeter. Du bist nicht „zu klein“. Du passt vielleicht nur nicht in ein vereinfachtes Auswahlraster. Und das sagt mehr über das Raster aus als über dich. Herzlichst Dania
Guten Abend Könnten Sie mir Adressen in der Region Solothurn mitteilen, wo ich eine Sexologin besuchen kann? Seit einigen Jahren habe ich den Wunsch, meinen Körper und vor allem meine Sexualität kennen zu lernen. Ich möchte gerne einmal einen Orgasmus mit einem Partner erleben. Herzlichen Dank!
Lea Eugster: Wie schön, dass du den Wunsch hast, deinen Körper und deine Sexualität kennen zu lernen! Leider hab ich grad keine Adresse in Solothurn, aber falls dir Aarberg nicht zu weit ist: Da biete ich Sexualberatungen an. Du findest mich unter pimperella.ch oder wenn du Praxisgemeinschaft Impuls Aarberg googelst. Herzlichst Lea
Wie könnte ich meinem Partner bessere Anweisungen oder Hinweise für Oralverkehr geben, wie er es machen könnte? Hinweise zu geben für die die Hand fallen mir leicht, da ich diese ja selbst erspüren und erfarhen kann. Orale Befriedigung kann ich nicht ableiten und somit auch nicht wirklich beschreiben. Ich geniesse diese Form, aber es gibt noch Potential nach oben und er fragt auch immer wieder, was er tun soll. Ich kann es einfach nicht wirklich beschreiben.
Dania Schiftan: Viele Frauen kennen genau dieses Dilemma: Du geniesst Oralsex, merkst aber, dass da noch Luft nach oben ist – und gleichzeitig fehlen dir die Worte, um konkret zu sagen, was anders sein dürfte. Das ist völlig normal, weil orale Stimulation sich anders anfühlt als Berührung mit der Hand. Sie ist flächiger, indirekter und weniger kontrollierbar, weshalb sie schwerer zu „übersetzen“ ist. Statt zu versuchen, Techniken zu beschreiben, kann es helfen, mehr über Empfindungen zu sprechen. Du könntest ihm zum Beispiel sagen, dass du es eher langsam oder eher gleichmässig magst, dass dich Konstanz mehr erregt als ständiger Wechsel, oder dass du mehr Druck oder weniger Direktheit an der Klitoris bevorzugst. Viele Frauen reagieren besonders stark auf einen gleichbleibenden Rhythmus – und verlieren Erregung, wenn zu oft variiert wird. In solchen Momenten sind einfache Sätze wie „Bleib genau so“ oder „Genau dort, nicht ändern“ oft hilfreicher als lange Erklärungen. Manchmal hilft es auch, ihm mit der Hand auf seinem Arm oder Bein zu zeigen, welches Tempo oder welcher Druck sich gut anfühlt. Du kannst ihn sogar einmal deine eigene Handbewegung beobachten lassen, wenn du dich selbst berührst – nicht als Anleitung im Detail, sondern um ein Gefühl für Rhythmus und Intensität zu vermitteln. -- all das kannst du machen, während du es selbst am herausfinden bist. Du musst es nicht zuvor wissen. Herzlichst Dania
Mein Mann und ich verhüten mit der Pull-Out methode + NFP (sind bereits Eltern und kõnnen mit dem Risiko umgehen), das spannende ist jedoch das ich viel leichter komme, wenn er in mir kommt (an den unfruchtbaren Tagen). An was kann das liegen? Auch wenn meine Erregung und Ekstase gross ist, komme ich manchmal einfach nicht, wenn ich weiss das er nicht in mir kommen kann. Mich stört es nicht, ich finds nur komisch und frage mich an was es liegt.
Livia Lea Maag: Du bist so klar in deiner Wahrnehmung: Du kommst einfacher, wenn dein Mann in dir ejakuliert. Schön auch, deine Entspannung darin zu spüren. Es belastet dich nicht, sondern macht dich gwundrig, was dahinter steckt. Um hier in die Tiefe zu gehen, kannst du dich zB fragen: Was löst die Vorstellung in mir aus, wenn er in mir kommt? (zb seine Lust zu spüren, macht mir sooooo Lust). Oder: Was assoziiere ich mit Sperma? (zb Sperma als sichtbarer Höhepunkt oder vielleicht doch noch ein unbewusster Kinderwunsch?). Was macht es mit mir, wenn er ihn herauszieht an meinen fruchtbaren Tagen? (zb stresst es mich unterbewusst, weil ich weiss, es ist 'gefährlich' und wir müssen aufpassen – so kann ich mich nicht ganz so gehen lassen). Bin gespannt, was du so ergründen kannst. UND: Es kann aber auch physiologische Gründe haben: denn Sperma wirkt entspannend auf Gebärmutter und Beckenboden.
Guten Abend, was würdet ihr einer Frau (40) raten, welche noch nie einen Orgasmus erleben konnte? Nein, nicht nur keinen während der Penetration oder beim Sex, sondern bisher noch nie im Leben einen Höhepunkt erleben konnte. Weder damals in der Partnerschaft, noch alleine, noch durch sanftes Streicheln, noch das eigene Erforschen führt zum Höhepunkt. Auch keine Hilfsmittel wie der hochgelobte Womanizer. Das Gefühl damit fühlt sich zwar angenehm, schön und andersartig an, aber reicht nicht aus, einen Orgasmus auszulösen. Als ich noch jünger war, dachte ich, dass sich mit der Erfahrung und Gelassenheit irgendwann unerwartet ein Orgasmus einstellen wird. Ich habe viel über den Körper, dessen Vorgänge gelernt, dabei auch die Beckenschaukel kennengelernt. Selbst jetzt noch mit 40 noch nie dieses Gefühl erleben zu dürfen, schmerzt schon und der Leidensdruck ist da, ohne jedoch immerzu daran zu denken. Es wäre nur schön, mal einen Höhepunkt erleben zu dürfen. Auch die damalige Beziehung ging wegen dieser Diskrepanz in die Brüche. Ich bin über meinen Körper enttäuscht und würde gerne ohne Druck diese Erfahrung machen. Was könnt ihr mir und Frauen in der gleichen Situation für Ratschläge mit auf den Weg geben?
Ursina Donatsch: Ich kann Sie sehr gut verstehen. Und vor allem lese ich, dass Sie wirklich alles probiert haben. Vor allem haben Sie schnell erkannt, dass Sie selbst das Thema (im wahrsten Sinne des Wortes) in die Hand nehmen. Denn das wäre definitiv mein allererster Rat. Aber auch das haben Sie gemacht. Auch haben Sie sich selbst nicht unter Druck gesetzt – haben auch Geduld gezeigt, Vertrauen gehabt, dass es dann schon irgendwann klappt. Also auch von dem her: Alles richtig gemacht. Einzig was ich Ihnen empfehlen könnte, ist eine ganz spezifische Form der Sexualtherapie (Sexocorporel: Die habe ich selbst auch gelernt und wende sie erfolgreich an), in der ganz gezielt Methoden angeschaut werden des Kanalisierens, Loslassens, Steigerns (alles, was für einen Orgasmus wichtig ist). Und das allenfalls noch ergänzt mit einer Hands-on-Therapieform wie z.B. sexological bodywork. Und vielleicht ist es auch wichtig anzuerkennen, dass jeder Mensch ein Lebensthema hat – eines, das ihn zeitlebens beschäftigt, begleitet. Und es scheint als wäre das Ihres. Und mit solchen Themen will auch ein Umgang gefunden werden: Wie viel will ich investieren, kann ich investieren, wann brauche ich Pausen davon und wann lasse ich es ruhen.
Ich frage mich und euch, ob es eher ein Mythos ist, dass beide Partner zusammen oder beim gleichen Sex zum Orgasmus kommen können. Ich erlebe es so, dass selten ich oder mein Partner eher zum Höhepunkt kommt und dann ist die «Luft dusse» also dass es nachher mega viel Anstrengung braucht, noch den Partner weiterzuverwöhnen und man den eigenen Orgasmus gar nicht richtig flowen und auskosten kann, wenn es nachher grad weitergehen soll. (Ich kann bei der Penetration nicht zum Orgasmus kommen, was diese Situation wohl akzentuiert mit der zeitlichen Verschiebung der Orgasmen :-) was meint ihr dazu?
Ursina Donatsch: Ja, das hat was. Ich denke es ist daher sinnvoll, dies (zusammen/durch den gleichen Sex zu kommen) nicht als Ziel zu setzen. Sondern vielmehr dynamisch und beweglich zu bleiben und vielleicht beim einen Sex den Fokus mehr auf die eine Person zu legen und beim anderen Sex auf die andere Person. Dann bleibt es spassig. Die Anstrengung, die Sie beschreiben, nimmt ja auch Freude und Lust.
Meine Frau hat kürzlich mit ihren Kolleginnen (alles Mütter) über Sex gesprochen und es waren alle der Meinung, dass sie gut ohne Sex leben könnten, obschon alle in einer Beziehung sind. Ich finde das irgendwie traurig. Sie sind der Meinung, das sei mit zunehmendem Alter normal. Ist es das?
Dania Schiftan: Dass dich das traurig macht, ist gut nachvollziehbar. Für viele Menschen ist Sexualität ein wichtiger Teil von Lebendigkeit, Verbindung und Partnerschaft – wenn dann mehrere Frauen sagen, sie könnten gut darauf verzichten, wirkt das schnell resigniert. Ob das „normal“ ist? Es ist zumindest häufig. Mit zunehmendem Alter – und noch stärker mit Kindern, beruflicher Belastung und mentaler Dauerverantwortung – verschiebt sich bei vielen Frauen die Libido. Lust wird seltener spontan, sie braucht mehr Rahmenbedingungen: Entlastung, Zeit, emotionale Nähe, innere Ruhe. Wenn diese fehlen, entsteht leicht der Eindruck: „Ich brauche das eigentlich nicht.“ Dazu kommt ein kultureller Faktor. Unter Müttern ist es fast schon sozial akzeptiert zu sagen, dass Sex keine Priorität mehr hat. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass keine Sehnsucht nach Nähe oder erotischer Lebendigkeit mehr vorhanden ist – manchmal ist sie nur überdeckt von Erschöpfung oder Gewöhnung. Wichtig ist: Häufig bedeutet nicht zwangsläufig gut oder unveränderlich. Sexualität verändert sich mit dem Alter, aber sie verschwindet nicht biologisch einfach. Entscheidend ist weniger, was „alle“ sagen, sondern wie es in eurer Beziehung erlebt wird. Wenn einer von beiden darunter leidet, ist das ein Thema, das Raum verdient – nicht als Vorwurf, sondern als ehrliche Auseinandersetzung mit Nähe, Bedürfnissen und Lebensphase. Für mich ist entscheidend zu verstehen, was ihr in eurer Beziehung braucht. Wie hat deine Frau Freude an Sexualität? Wie hat soe Spass sich darauf einzulassen? Wie profitiert sie davon? Wenn ihr miteinander Veränderungen ernst nehmt und versucht kreativ damit umzugehen, dann bilden sich keine zwei Fronten mit Frust. Herzlichst dania
Gibt es sexuelle Fantasien, die „falsch“sind?
Lea Eugster: Nein, gibt es nicht! Der Kopf ist grenzenlos und somit auch die Fantasien. Es gibt einen klaren Unterschied zwischen «Fantasien, die Fantasien bleiben» (ganz oft z.B. Gewaltfantasien) und «Fantasien, die in Realität umgesetzt werden möchten». Und was ich ganz oft erlebe: Viele Fantasien möchten nicht in Realität umgesetzt werden. Und das einzige «problematische» ist dabei die eigene moralische Bewertung davon. Deshalb: Fantasien sind eine grosse Ressource und können eine wichtige Erregungsquelle sein. Es gibt auch Bücher (z.B. «want» von Gillian Anderson), die zeigen, wie vielfältig und unterschiedlich Fantasien sind. Vielleicht lässt es dich versöhnlicher werden mit deinen eigenen, falls du dir das wünschst. Herzlichst, Lea
Bei der tantrischen Sexualität spielt die Klitoris keine grosse Rolle und die Lust wird eher flach gehalten. Wie stehen sie zu dieser Theorie?
Livia Lea Maag: Schön, dass du dich gwundrig mit dem Thema des tantrischen Liebemachens auseinandersetzt. So wie ich die tantrische Philosophie verstehe, geht es vor allem um Achtsamkeit und Absichtslosigkeit. Das heisst, es gibt kein Orgasmusziel, das verfolgt wird. In unserer westlich konditionierten Sexualität wird die Klitorisspitze (der sichtbare Punkt dieses viel grösseren darunterliegenden Organs) ja oft stimuliert, um einen Höhepunkt zu erreichen. Dabei ist die Klitoris als gesamtes ja immer dabei, wenn Vulva und Vagina stimuliert werden. Also auch wenn ein Penis langsam und ohne viel Bewegung in der Vagina ruht, ist die Klitoris beteiligt und kann Lust erzeugen. Da es aber nicht auf ein Ziel zugeht, darf es eben auch entspannt sein. Das heisst, es muss nicht ständig heiss, hart und feucht sein. Es darf auch mal weich, langsam, still und äusserlich unspektakulär sein. Was nicht heisst, dass innerlich nicht auch viel passieren kann. Denn wo reduziert wird, wird plötzlich das Feine und Zarte spürbar. Und das kann einen ganz neuen Schatz freisetzen. Probiere es doch für dich aus und spüre, was es mit dir macht. Und was du alles neues Entdeckst in diesem freien Raum von nichts müssen und nirgends hinwollen.
Woher weiss ich, dass ich wirklich einen Orgasmus hatte? Ich komme (vor allem bei der Masturbation) an einen Punkt wo ich kurz zittere und dann hab ich keine Lust mehr. Ich kann auch berühren was / wie ich will, danach fühl es sich einfach nicht mehr gut an oder tut vielleicht sogar weh. Ist das schon der Orgasmus? Weil die Euphorischen Gefühle die mir versprochen wurden bleiben aus.
Lea Eugster: Vielen Dank fürs Erzählen. In der Sexologie unterscheiden wir zwischen dem «reinen» körperlichen Entladen (orgastisches Entladen) und dem «genussvollen» Entladen (orgasmisches Entladen). Es kann also durchaus sein, dass du zwar ein körperliches Entladen erlebst (körperliche Reaktion), es aber nicht mit Genuss verbindest. Was den Genuss von Erregung fest steigern kann ist: Körper bewegen. Falls du bis anhin aber viel Körperspannung hattest bei der Erregungssteigerung, darfst du in kleinen Schritten Bewegung einladen.. Explorieren, Erforschen: Was bringt dir Genuss? Wie kannst du die Erregung geniessen? Und wenn du die Reise mehr geniessen lernst, wirst du Schritt für Schritt auch den Orgasmus anders (ganzkörperlicher, genussvoller) erleben können. Wichtig ist hier zu wissen: Wenn du dem Körper Neues lernst (dich z.B. plötzlich bewegst, falls du das vorher nicht gemacht hast) wird die Erregung zurückgehen (weil noch nicht als erregend erlernt) -- du kannst dann aber immer wieder auf deine «alte Strategie» zurückgreifen.. So kannst du Stück für Stück dein «Erregungs- und Genussrepertoire» erweitern. Viel Freude beim Explorieren und alles Liebe, Lea