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Q&A Testosteron «Macht Testosteronmangel dick – oder ist es umgekehrt?»

Martin Bachmann, Ursula Gobrecht-Keller, Marco Randazzo und Rahel Sahli haben Ihre Fragen im Chat zur «Puls»-Sendung beantwortet.

Fachpersonen im «Puls»-Chat

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Porträts von vier lächelnden Personen nebeneinander.
Legende: Martin Bachmann, Ursula Gobrecht-Keller, Marco Randazzo und Rahel Sahli srf

Martin Bachmann
Paar- und Sexualtherapeut
sexologik.ch

Dr. Ursula Gobrecht-Keller
Gynäkologische Endokrinologin
Universitätsspital Basel

PD Dr. Marco Randazzo
Urologe
Urolgie Mittelland, Aarau

Dr. Rahel Sahli
Endokrinologin
Ärztezentrum Ittingen

Die nachfolgenden Aussagen und Empfehlungen ersetzen nicht die individuelle Abklärung oder Diagnose bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Chat-Protokoll

Macht Testosteronmangel dick – oder führt Übergewicht zu Testosteronmangel?

Marco Randazzo: Sowohl als auch. Übergewicht reduziert den Testosteronspiegel. Ein zu niedriger Testosteronspiegel führt aber zu Übergewicht.

Sollte bei Depression routinemässig der Testosteronspiegel geprüft werden? Sollte bei Depression und erniedrigten Testosteronwerten eine Substitution erfolgen?

Rahel Sahli: Eine Depression hat viele Ursachen – ein tiefer Testosteronspiegel kann eine Ursache sein. Ein generelles labormässiges Screening bei allen depressiven Männern wird nicht empfohlen.

Ich halte es aber für wichtig, bei Männern mit Depression die anderen Symptome eines Testosteronmangels zu erfragen – und wenn das Gesamtbild passt, eine Labordiagnostik durchzuführen.

Da eine Depression auch zu einem «funktionellen» Hypogonadismus führen kann, ist eine wiederholte Testung nach Besserung der Depression zusätzlich sinnvoll.

In den Sozialen Medien werden mir (männlich, bald 60) immer wieder Produkte angepriesen, die Bauchfett und Männerbrüste mit Testosteronmangel resp. Östrogenüberschuss in Verbindung bringen. Die angepriesenen Produkte sollen dies auf der Basis «natürlicher» Produkte wieder ins Lot bringen – bis hin zum Sixpack. Was ist von diesen Produkten zu halten? Und wie gefährlich ist es, die Wirkung einfach mal auszuprobieren?

Rahel Sahli: Es ist effektiv so, dass ein bidirektionaler Zusammenhang zwischen Übergewicht/Adipositas und Testosteronmangel besteht, ebenso wie ein Absinken des Testosterons mit dem älter werden möglich ist. Es ist ebenso korrekt, dass Testosteron im Fettgewebe in Östrogen umgewandelt werden kann, ohne dass ich hier von einem krankhaften Östrogenüberschuss sprechen wurde.

Der Treiber für diese Entwicklung ist aber klar das Gewicht; gelingt eine Reduktion bereits um 5%, steigt das Testosteron und kann sich auch wieder ganz erholen.

Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis für eine derart magische Wirkung von Kräutern. Ich würde nichts probieren, was nicht einem offiziell zugelassenen Medikament entspricht. Zu gross erscheint mir die Unsicherheit bezüglich Zusammensetzung/ Verunreinigung, möglicher Lebertoxizität und Interaktionen.

Nicht zuletzt sollte bei effektiven Symptomen wie einer Gynäkomastie (Männerbrüste) eine sinnvolle Abklärung auch nicht verzögert werden.

Was halten Sie von Präparaten wie Tonkat Ali oder Fagodia Agriestis?

Marco Randazzo: Es gibt (meist kleinere) Studien (sogar mit Placebo-Gruppe), die einen positiven Einfluss bestimmter natürlicher Präparate auf den Testosteronspiegel nahelegen. Die Datenlage ist jedoch insgesamt begrenzt, sodass die beobachteten Effekte meist eher moderat ausfallen. Entsprechend sollte man die Erwartungen an solche Präparate nicht zu hoch ansetzen. Im Einzelfall können sie aber effektiv wirken. Von deutlich grösserer Bedeutung sind häufig Lebensstilfaktoren. Insbesondere eine regelmässige körperliche Aktivität, die Reduktion von viszeralem Bauchfett sowie eine gute Schlafhygiene können den Testosteronspiegel auf natürliche Weise positiv beeinflussen. Diese Massnahmen verbessern zudem nicht nur die Hormonwerte, sondern wirken sich oft auch günstig auf Energie, Stoffwechsel, Herz-Kreislauf-Gesundheit und allgemeines Wohlbefinden aus. Daher sollten sie unabhängig von einer möglichen medikamentösen Therapie einen zentralen Bestandteil des Behandlungskonzepts darstellen. Mein Rat: Beim Arzt messen und beraten lassen.

Im Themenfeld Varikocele im Scrotum wird immer wieder die Reduktion von Testosteron als kritisch dargestellt, ist dies der Fall? Ist Testosteron überbewertet, was die Wirkung auf die körperliche und mentale Gesundheit betrifft? Oft im Internet propagiert als das Wundermittel, frage ich mich reichen Werte im unteren Bereich nicht auch für einen jungen Mann oder Frau aus? Handelt es sich nicht oft bei TRT Influencern propagierte positive Effekt auf die Stimmung auch darum, dass vermehrt Muskelzuwachs erreicht wird plus einem Placeboeffekt was die Stimmung betrifft?

Marco Randazzo: Die Varikozele führt nach der gängigen Arbeitshypothese zu einer Temperaturerhöhung im Hoden. Diese erhöhte Temperatur wird vor allem als nachteilig für die Spermienproduktion und die Spermienqualität angesehen, während die Testosteronproduktion deutlich weniger empfindlich zu sein scheint. Testosteron ist zudem kein Wundermittel und sollte nicht allein aufgrund eines einzelnen Laborwertes verordnet werden. Eine Testosteronsubstitution sollte nur dann erwogen werden, wenn erniedrigte oder grenzwertige Testosteronwerte – insbesondere unter Berücksichtigung des freien Testosterons – zusammen mit typischen Beschwerden und Symptomen eines Testosteronmangels vorliegen. Entscheidend ist dabei nicht allein der Laborwert, sondern die Kombination aus objektiven Befunden und klinischer Symptomatik. Die Symptome stehen bei der Beurteilung und Indikationsstellung im Vordergrund.

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Ich bin 68-jährig. Kann ich auch noch Testosteron verschrieben bekommen und somit Libidoverlust wieder verbessern?

Marco Randazzo: Zunächst einmal ist es wichtig, dass eine Testosteronbestimmung am Vormittag erfolgt, da die Testosteronspiegel im Tagesverlauf schwanken und morgens typischerweise am höchsten sind. Zusätzlich sollte eine sorgfältige Erfassung der Beschwerden und Symptome erfolgen. Erst auf Grundlage der klinischen Symptomatik und der laborchemischen Befunde kann beurteilt werden, ob tatsächlich ein Testosteronmangel vorliegt und ob eine Testosteronsubstitution, also ein Hormonersatz, sinnvoll und medizinisch gerechtfertigt ist.

Warum ist selbst die Ärzteschaft so gespalten? Familienangehöriger, Hodenkrebspatient (nach einseitiger Hodenentfernung), hat seit OP und Chemo Testosteronwerte unter den üblichen Grenzwerten und kämpft mit allgemeiner Schlappheit und verminderter Leistungsfähigkeit. Onkologe empfiehlt Testosteronersatztherapie (führt u.a. Osteoporoserisiken an), Hausarzt rät davon strikt ab und meint, die Risiken einer Testosteronersatztherapie wären ungleich höher als die Risiken des Testosteronmangels. Wie soll ein Patient da noch durchblicken und eine Abwägung vornehmen können, wenn selbst die Ärzte sich uneins sind?

Rahel Sahli: Ich verstehe sehr gut, dass die Situation frustrierend für sie ist. Die divergenten Aussagen stammen wahrscheinlich aus den unterschiedlichen Perspektiven der involvierten Ärzte: der Onkologe, weiss dass die Chemotherapie die Hormonachse beeinträchtigen kann und ein Hoden gemäss den Werten beim erwähnten Patienten für die Testosteronproduktion nicht reicht. Der Onkologe sieht die Langzeitfolgen des unbehandelten Testosteronmangels, unter anderem die Osteoporose zusätzlich zu den von ihnen genannten belastenden Symptomen. Der Hausarzt denkt risikoorientiert. Hier kann ich ihn allerdings entlasten: die früher prominente Sorge bezüglich kardialer und Prostatasicherheit von Testosterongel konnte in aktuellen Studien und Richtlinien für viele Patienten entkräftet werden. Möglicherweise lohnt sich eine endokrinologische Beurteilung zur Diagnosebestätigung, Indikationsstellung und Nutzen- Risikoabwägung.

Kann eine Supplementierung mit Bor das freie Testosteron erhöhen? Was ist mit dem Gesamtspiegel?

Rahel Sahli: Bor hat einen messbaren Einfluss auf das SHBG (Sex Hormon Binding Globulin), welches einen Teil des Testosterons in hochaffiner Bindung im Blut transportiert. Durch das Absinken von SHBG steigt das freie Testosteron an. Ein Einfluss auf das totale Testosteron besteht wahrscheinlich nicht. Die klinischen Daten sind physiologisch interessant – aber es handelt sich um Kleinststudien und die Evidenz für eine therapeutische Anwendung bleibt sehr begrenzt und inkonsistent.

Bin 73 Jahre alt habe lt. Ärzten Osteoporose, habe 2 Bypässe an der Riva und habe häufig Harndrang. Da wäre doch eine Testosterontherapie angezeigt!!

Rahel Sahli: Osteoporose kann effektiv ein Symptom eines Testosteronmangels sein – aber es gibt auch viele andere Ursachen, die die Entwicklung einer Osteoporose begünstigen. Eine Osteoporose ist also nicht zwingend eine Indikation für Testosteron.

Bei der kardialen Situation sieht es noch etwas anders aus: eine koronare Herzkrankheit im akuten Fall (also 6 Monate nach dem Ereignis) stellt gar eine Gegenanzeige für eine Testosterontherapie dar.

Häufiger Harndrang kann neben Problemen wie Diabetes mellitus auch urologische Ursachen haben und diese müssten vor einer Testosterontherapie gut abgeklärt werden. Zwar können wir zwar mit der heutigen Datenlage einer Testosterontherapie mit Gel eine gute kardiale und Prostata-Sicherheit attestieren – aber die oben genannten Ausnahmen bleiben trotzdem.

Das Wichtigste ist aber, dass wir gerade bei älteren Männern Nutzen und Risiko gut abwägen müssen: Zum Nutzen gehört eine gute Indikationsstellung gemäss der Kombination von typischen und weniger spezifischen Symptomen und Befunden, sowie einer eindeutigen Labordiagnostik.

Was wissen wir über die Rolle von Testosteron als Medikament zur Behandlung von PMS oder sogar PMD? Wie ist die klinische Evidenz und die Zulassungssituation in der Schweiz? Besten Dank

Rahel Sahli: Es gibt nur eine anerkannte Indikation für Testosteron bei Frauen und zwar nur postmenopausal (nämlich die Hypoactive sexual desire disorder). Prämenopausal gibt es keine anerkannte Indikation, auch nicht bei PMS oder PMDD.

Was würde mit einem weiblichen Körper (nicht menopausal) passieren, wenn Testosteron eingenommen wird? Löst das einen Stimmbruch aus? Verhindert dass zum Beispiel die Fruchtbarkeit und/oder den Zyklus und damit den Eisprung und gar die Menstruation? Die Frage ist rein interessehalber gestellt. Ebenso frage ich mich, was mit einem männlichen Körper bei Zugabe von weiblichen Hormonen geschehen würde oder könnte.

Rahel Sahli: Für eine als Frau geborene prämenopausale Person gibt es nur eine Indikation für eine Therapie mit Testosteron: die transmaskuline geschlechtsangleichende Hormontherapie. Und ja – diese Therapie führt zu einer Vermännlichung mit Stimmbruch, Gesichts- und Körperbehaarung vom männlichen Typ, allenfalls Akne, Veränderung der Körperzusammensetzung, Zunahme von Libido und Clitorishyperplasie. Die Frage mit dem Zyklus ist sehr wichtig für alle Betroffenen: In Abhängigkeit vom Testosteronspiegel wird der Zyklus oft unterdrückt, ein Eisprung ist aber dennoch selten möglich. Kurz Testosteron ist keine Verhütung, sondern teratogen am weiblichen Fötus im Falle einer Schwangerschaft. Auch für eine tiefer dosierte Testosterontherapie bei prämenopausalen Frauen ausserhalb der Transition gibt es unter anderem aus diesem Grunde keine Indikation. Die transfeminine geschlechtsangleichende Hormontherapie ist endokrinologisch komplexer, da die Testosteronachse oft separat unterdrückt werden muss – dennoch würden rein theoretisch gesprochen, Östrogene die körpereigenen Testosteronachse zumindest teilweise unterdrücken – dies unteranderem mit Einfluss auf die Sexualität, die Körperzusammensetzung und der Entwicklung einer Gynäkomastie.

Infolge Antriebs- und Lustlosigkeit sowie plötzlicher Stimmungsschwankungen habe ich vor ca. 3 Jahren nach ärztlicher Konsultation angefangen, dauerhaft täglich Testosteron 5mg Gel aufzutragen. Seither geht es mir wieder gut und habe keinerlei Stimmungsschwankungen mehr. Die Testosteron-Werte werden 1-2 Mal jährlich gemessen und befinden sich +/- im üblichen Zielband. Kann ich so weiter machen, d.h. die Supplementierung ohne Bedenken fortführen?

Rahel Sahli: Um diese Frage Korrekt zu beantworten, müsste ich mehr wissen: Haben noch typischere Symptome vorgelegen haben (sexuelle Symptome, Gynäkomastie, Osteoporose, Schwitzen, Hitzewallungen etc.) und wurde die ursprüngliche Diagnose der Testosteronmangels mit mindestens 2 korrekten Nüchtern-Messungen an totalem Testosteron bestätigt?

Wichtig ist auch, welche Diagnose als Ursache des Testosteronmangels genau gestellt wurde, ob andere mögliche Ursachen ausgeschlossen wurden und ob Sie die Therapie nebenwirkungsfrei und ohne Gegenanzeigen toleriert haben. Erst dann kann man in einer Abwägung von Nutzen und möglichen Nebenwirkung eine präzise Antwort geben – auch wenn die Dosis gering und das Nebenwirkungsprofil damit eher günstig ist.

Gibt es Daten darüber wie viele Menschen/Männer Testosteron (oder anabole Steroide) als Doping/Droge spritzen in der Schweiz? Steigt der Anteil?

Rahel Sahli: Das ist eine spannende und nicht ganz einfach zu beantwortende Frage: Der Gebrauch von androgenen anabolen Steroiden (ASS) spielt sich ja ausserhalb des typischen medizinischen Settings ab und entsprechend dürften die Zahlen höher sein, als uns bekannt ist.

Es wird eine Lebenszeit-Prävalenz von AAS-Gebrauch bei Männern von 1–5 % angegeben.

Der AAS-Gebrauch ist übrigens mehr als 50-mal häufiger bei Männern als bei Frauen und auch Langzeitnutzer sind überwiegend Männer.

Der ASS-Konsum hat in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen, die Nutzer werden jünger und konsumieren oft mehrere Substanzen. Auch wenn es – wie erwähnt – keine perfekte Surveillance Daten in der Schweiz gibt, zeigen Schweizer Quellen (wie zBsp ARUD Zürich) und auch internationale Daten diesen selben Trend.

Ich bin vor kurzem auf ein Interview gestossen, in welchem eine im Körper einer Frau geborenen Person, welche sich einer Geschlechtsumwandlung unterzog über den Prozess berichtete. Ein spannender Erfahrungsbericht und viel Hintergrundinfos gab es da. Dabei fiel mir eine Frage ein: Muss diese Person ein Leben lang Testosteron substituieren? Wenn sie das nicht täte, würden die weiblichen Hormone wieder die „Überhand“ gewinnen und folglich sich der Körper auch wieder in eine weiblichere Richtung entwickeln, etwa dass die Stimme wieder „heller“ wird? Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, Fragen aus der Bevölkerung zu beantworten. Freundliche Grüsse

Rahel Sahli: Ich schildere Ihnen, wie ich die typische geschlechtsangleichende Hormontherapie durchführe, wenn eine transmaskuline Behandlung erforderlich ist: Ja, Transmänner benötigen ihr Leben lang Testosteron, um den Effekt in vollem Ausmass aufrecht zu erhalten. Wichtig für die Betroffenen zu wissen: der Zyklus ist nicht immer komplett unterdrückt – das heisst, Schmierblutungen und sogar Ovulationen sind auch unter Testosteron möglich. Nach Absetzen der Therapie erholt sich die körpereigene Hormonproduktion innerhalb von 3-12 Monaten häufig – die Eierstöcke sind oft erstaunlich resistent – aber die Erholung ist nicht immer vollständig.

Bezüglich der körperlichen Veränderungen sind nach einer vollständigen Transition einige Effekte (und ich spreche nicht von den operativen Eingriffen) nicht reversibel: Der Stimmbruch, die Gesichts- und Körperbehaarung zum Beispiel.

Sehr gerne geschehen – ich freue mich über ihr Interesse am Thema.

Mir wurden vor ca. 20 Jahren beide Hoden wegen einem Karzinom entfernt. Meine Frage: welches Blutbild und welche Werte sind normal/massgebend bei einem Alter von 72 Jahren und wieso habe ich wenn ich zuviel Testosteron Gel einstreiche extreme Schlafappnoen. Mein heutiges Medikament: Tostran 20mg von Cederberg. Bei einer geringeren Dosis sind die Schlafappnoen weg. Meine Laborwerte werden von meiner Hausärztin überwacht. Danke für Ihre Info.

Rahel Sahli: Zunächst ist die Indikation für eine Hormonersatztherapie bei ihnen eindeutig gesichert. Die Therapie mit einem Gel gilt als die sicherste gerade im Hinblick auf die Schlafapnoe und die Dosis ist ebenfalls eher tief.

In der langfristigen Therapie werden folgende Werte überwacht: Das Blutbild (um einen Anstieg der roten Blutkörper auszuschliessen), das PSA für die Sicherheit der Prostata und die Testosteronspiegel. Allenfalls könnte zu einer besseren Einschätzung noch das freie Testosteron berechnet werden. Ich würde ein Wert im unteren bis mittleren Normbereich anstreben. Optional könnten noch Blutzucker, Lipid- und Leberwerte kontrolliert werden.

Testosteron kann die Schlafapnoe dosisabhängig verstärken – das ist genau, was Sie beobachtet haben und was darauf hindeuten könnte, dass die Dosis nicht immer optimal war.

Guten Tag, welchen Einfluss kann ein Mangel an Testosteron bei Männern ab 50 haben? Ich denke nicht nur an Libidoeinschränkungen, sondern auch an Energie, Depressionen und mentale Gesundheit. Danke

Rahel Sahli: Ein Testosteronmangel kann altersunabhängig alle Männer betreffen. Mit der erwähnten Altersgrenze sprechen sie vermutlich den Testosteronabfall bei Männern an, der bereits ab 35 Jahre langsam einsetzen kann. Die sexuellen Symptome (Libidoverlust, Erektionsstörungen, Unfruchtbarkeit) sind häufig und suggestiv für einen Testosteronmangel. Andere eher typische Symptome betreffen eine mögliche Brustbildung (Gynäkomastie), niedrig-traumatische Frakturen, Schwitzen und Hitzewallungen. Eher unspezifische Symptome sind Energieverlust, depressive Verstimmung, Schlafstörungen, unerklärte Blutarmut, Veränderung der Körperzusammensetzung (Abnahme von Muskelmasse und Muskelkraft, Zunahme des Fettgewebes). Gerade wenn mehrheitlich unspezifische Symptome vorhanden sind, lohnt sich eine gründliche Abklärung der Ursache – da viele Krankheiten solche unspezifischen Symptome hervorrufen können.

Bei einer Messung wurde bei mir ein Testosteron von 10,8 nmol/l festgestellt. Bei einer späteren Messun 10,7 nmol/l. Gemäss Aussage des Arztes ist dies eher tief. Wie kann man das Testosteron erhöhen (bin 69, Mann).

Rahel Sahli: Die Werte für totales Testosteron sind im Graubereich, sofern sie korrekt nüchtern am Morgen gemessen wurden. Um besser einzuschätzen, ob effektiv ein Mangel vorliegt, müsste man noch wissen, ob der Wert durch eine Veränderung der Transportproteine (SHBG) beeinflusst werden könnte. In diesem Fall müsste die Messung durch eine Berechnung des freien Testosterons vertieft werden. Wichtig ist auch, ob mit einem Mangel kompatible Symptome vorliegen – denn das definiert neben den Laborwerten ganz massgeblich, ob ein Problem vorliegt.

Allgemein gesagt, ist ein zu hohes Gewicht ein wichtiger Grund für ein eher tiefes Testosteron: Mein Tipp wäre also – wenn nötig- eine Lebensstilintervention mit einer Gewichtsreduktion.

Ich verwende seit 13 Jahren Testosterongel. Wenn ich mir das Gel auftrage, wie lange darf meine Partnerin keinen Hautkontakt mit dieser Stelle haben?

Rahel Sahli: Ich beziehe mich hier auf die in der Schweiz häufig angewendeten Produkte. Gemäss Fachinformation ist der grösste Teil des Wirkstoffs nach 2 Stunden vollständig eingezogen. Anschliessend ist das Risiko gering. Das Risiko kann zudem reduziert werden, wenn die Auftragestelle mit Kleidung bedeckt ist. Waschen mit Seife und Wasser reduziert das Risiko der Übertragung ebenfalls, könnte aber innerhalb des 2-Stunden Fensters die Wirksamkeit beeinträchtigen.

Wie sinnvoll ist eine HET mit Testosteron in den Wechseljahren? Sind die Risiken gleich wie bei Östrogen und Progesteron? Ab wann sollte/kann man es nehmen?

Ursula Gobrecht-Keller: Eine Gabe von Testosteron in den Wechseljahren ist nur bei HSDD indiziert (Hyposexual desire disorder). Die Risiken sind weniger erforscht, da uns Daten zu Anwendung von Testosteron länger als 24 Monate fehlen. Standard ist die Behandlung bestehender Symptome der Menopause mit Östrogen und Gestagenen (bei vorhandener Gebärmutter), sofern der Nutzen die Risiken einer HET überwiegt und die Patientin dies wünscht. Die HET kann bereits in der Perimenopause begonnen werden.

Ist es tatsächlich wissenschaftlich belegt, dass Testosteron ein Grund für die höhere Gewaltbereitschaft bei Männern ist? Ich höre oft, wenn Männer sich aggressiv verhalten, hätten halt einfach mehr Testosteron, aber wie stark ist die Kausalität hier gegeben? Dann müssten ja auch Transmänner automatisch aggressiver sein.

Marco Randazzo: So einfach ist der Zusammenhang zwischen Testosteron und Aggressivität nicht. Normale oder geringfügige Schwankungen des Testosteronspiegels haben nach aktuellem Wissensstand keinen relevanten Einfluss auf das Aggressionsverhalten. Die häufig zitierte Datenlage beruht unter anderem auf älteren Untersuchungen, die in Gefängnispopulationen in den USA durchgeführt wurden. Solche Studien erlauben jedoch keine belastbare Aussage über einen kausalen Zusammenhang zwischen physiologischen Testosteronspiegeln und Aggressivität in der Allgemeinbevölkerung.

Ein direkter Zusammenhang zwischen normalen Testosteronwerten und erhöhter Aggressivität muss daher weitgehend verneint werden. Anders verhält es sich bei der Einnahme synthetischer Anabolika oder bei Testosteronspiegeln, die deutlich über den physiologischen Bereich hinausgehen. Solche «supraphysiologischen» Hormonkonzentrationen können mit Stimmungsschwankungen, erhöhter Reizbarkeit und in Einzelfällen auch aggressiverem Verhalten assoziiert sein (Beispiel «Trenbolone»). Dies ist jedoch nicht mit einer medizinisch kontrollierten Testosteronersatztherapie zu vergleichen, bei der eine Normalisierung und nicht eine Überhöhung der Hormonspiegel angestrebt wird.

Bin 30 Jahre alt. Habe zweimal einen hohen Testo-Wert gemessen bekommen, bin gross gewachsen, tiefe Stimme aber trotzdem kein Bartwuchs. Sehe eher „Bubihaft“ aus. Liegt das an den Rezeptoren? Ernähre mich einigermassen gesund. Ausserdem habe ich Probleme bei der Ejakulation. Ich komme erst nach langem Herunterholen. Gibt es da einen möglichen Zusammenhang?

Martin Bachmann: Guten Abend. Danke für Ihre Frage. In meiner sexologischen Praxis sehe ich Männer in grosser Vielfalt, heisst Männer mit höher oder niedrigerem gemessenen Testosteron-Wert, die durchaus unterschiedlichen Bartwuchs zeigen. Der Testosteron-Wert per se kann ein Indikator sein für geringeren Bartwuchs, das stimmt. Es gibt aber auch weitere mögliche Gründe. Einer der häufiger genannten ist tatsächlich im Zusammenhang mit einer Vorstufe des Testosteron. Der Körper muss DHT in Testosteron umwandeln, wenn das irritiert ist, ist meist der Bartwuchs vermindert. Oft sind aber auch genetische Gründe für den Bartwuchs ausschlaggebend. Dann spielen individuelle Faktoren des Lebensstils manchmal ebenfalls eine Rolle. Ich gehe davon aus, da sie einen hohen T-Wert ausgewiesen bekommen haben, dass ihre Probleme mit der Ejakulation eher nicht damit zu tun haben. Sondern diese allenfalls mit der Art der Erregungssteigerung zu haben könnten. In der überwiegenden Mehrheit der Fälle meiner Klienten sind die Ejakulationsschwierigkeiten auf die individuell erworbenen Stile der Selbstbefriedigung oder Paar-Sexualität zurückzuführen.

Wegen Prostatakarzinom unterdrücke ich Testosteron mit Zoladex und Xtandi. Meine Muskulatur hat über die letzten 7 Jahre massiv abgenommen. Was kann ich dagegen tun, um nebst dem Krafttraining die Muskulatur aufzubauen?

Marco Randazzo: Bei einer Testosteronblockade sind die Möglichkeiten, einem Abfall der Muskulatur direkt entgegenzuwirken, naturgemäss etwas begrenzt. Dennoch können Sie durch gezielte Lebensstilmassnahmen einen wichtigen Beitrag zum Erhalt von Muskelmasse, Leistungsfähigkeit und allgemeinem Wohlbefinden leisten. Ich beobachte das regelmässig bei meinen Patienten: Dazu gehören insbesondere regelmässiges Krafttraining, ausreichend Schlaf sowie eine ausgewogene Ernährung. Ich persönlich empfehle eine gemüsereiche Kost mit einem möglichst geringen Anteil an stark verarbeiteten Lebensmitteln und Transfettsäuren. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass Omega-3-Fettsäuren positive Effekte auf Stoffwechsel, Herz-Kreislauf-Gesundheit und Entzündungsprozesse haben können. Auch wenn solche Massnahmen die medikamentös gewünschte Testosteronblockade nicht aufheben, können sie helfen, einige der damit verbundenen Begleiterscheinungen abzumildern und die körperliche Leistungsfähigkeit möglichst lange zu erhalten, ao zB die Hitzewallungen.

Ich M38. Mein Körper produziert kein eigenes Testosteron, daher brauch ich alle 3 Monate eine Nebido Injektion. Was passiert mit dem Körper, wenn man das Medikament absetzt?

Marco Randazzo: Ein abruptes Absetzen einer Testosteronsubstitution kann zu einem hypogonadalen Zustand führen, Hintergrund ist, dass die exogene Testosteronzufuhr die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse unterdrücken kann. Deswegen sollte eine solche Therapie nie abrupt abgesetzt werden.

Ich, w 50, hatte schon immer einen leicht erhöhten Testosteron-Spiegel. Wird dieser durch die bereits durchlebten Wechseljahre (letzte Mens vor fast zwei Jahren) nun tiefer sein oder kann dieser Wert, im Vergleich zu den anderen beiden sinkenden Hormonen, gleich hoch bleiben und was könnte das bewirken?

Ursula Gobrecht-Keller: Der Testosteronwert fällt in der Menopause nicht steil ab wie das Östrogen und das Progesteron, da der Eierstock (und die Nebennierenrinde) weiterhin Testosteron produzieren. Gelegentlich gibt es in der Menopause dann ein Ungleichgewicht und Überwiegen von Testosteron, was zu Akne und Haarausfall führen kann.

Nach der Prostataentfernung habe ich alle drei Monate eine Depotspritze mit einem Testosteronblocker erhalten. Sehr unangenehme Nebenwirkungen sind extreme Hitzewallungen. Nachts kann ich problemlos 2 Pijamas vollschwitzen! Veoza bringt ein wenig Erleichterung. gibt es Alternativen zu den Depotspritzen?

Marco Randazzo: Es gibt noch eine Tablettenform zur Blockade des Testosterons, die allerdings die identischen Nebenwirkungen macht. Der Name des Medikaments ist «Orgovyx». Man kann zur Reduktion der Hitzewallungen z.B. «Androcur» verordnen. Ausserdem bringt körperliche Aktivität mit Sport eine Reduktion der Hitzewallungen. Ich rate Ihnen, dies einmal mit Ihrem Urologen in Ruhe zu diskutieren.

Ich möchte gerne wissen ab welchem Testosteron Spiegel man haben muss, dass ärztlich verschriebene Präparate angewandt werden kann? Ich leide schon Jahre darunter das ich im Bett nicht mehr genüge und deshalb auch mich nicht gerne auf Dates einlasse Bin Single und möchte wissen was gibt es für Testosteron Präparate auch natürlich Produkte Danke

Marco Randazzo: Der diagnostische Schwellenwert für einen Hypogonadismus liegt in vielen Leitlinien tatsächlich ungefähr im Bereich von etwa 10–12 nmol/L (≈ 300–350 ng/dL), wobei es hier je nach Fachgesellschaft und Labor leicht unterschiedliche Grenzwerte gibt. Zwischen etwa 8 und 12 nmol/L besteht häufig eine sogenannte Grauzone: In diesem Bereich ist die Interpretation nicht allein über den Gesamt-Testosteronwert möglich, sondern erfordert zwingend die klinische Symptomatik sowie – je nach Situation – die Bestimmung des freien oder bioverfügbaren Testosterons. Unterhalb von etwa 8 nmol/L steigt die Wahrscheinlichkeit für Symptome eines Testosteronmangels deutlich an. Typische Beschwerden können Libidoverlust, reduzierte Energie, depressive Verstimmung, verminderte Muskelkraft oder erektile Dysfunktion sein. Allerdings ist auch hier keine harte Schwelle im Sinne einer binären Trennung vorhanden. Wichtig ist, dass der Zusammenhang nicht linear und nicht ausschliesslich laboratorisch determiniert ist: Manche Männer zeigen bereits bei höheren Werten deutliche Symptome, während andere auch bei niedrigeren Konzentrationen relativ wenig Beschwerden haben. Deshalb wird in der modernen Diagnostik der Gesamtkontext aus Symptomen, Gesamt-Testosteron und insbesondere freiem Testosteron berücksichtigt (PS immer am Vormittag bis spätestens 10:00 Uhr messen und dies nüchtern!).

Ich bin eine Frau mit erhöhen Testestoronwert. Demenstprechend habe ich einen stark ausgewogenen Bartwuchs. Mir ist aufgefallen dass ich auch einen höheren sexuall Trieb habe als meine Kolleg:innen. Könnte das mit dem erhöhten Testestoron zusammenhängen? Und was kann man ausser der Pille machen um das Testestoron zu senken, ist es gefährlich? Danke vielmal für das Beantworten meiner Frage.

Rahel Sahli: Ihre Symptome – also den verstärkten Haarwuchs und die erhöhte Libido – könnte gut mit dem erhöhten Testosteronwert zusammenhängen. Um ihre Frage korrekt zu beantworten, müsste die genaue Diagnose bekannt sein.

Eine häufige Ursache von hohem Testosteronwert, bei dem eine häufige Therapie eine kombinierte Pille darstellt, ist das PMOS/ PCOS. Hier könnte eine Gewichtsreduktion helfen, vorausgesetzt das Gewicht ist zu hoch.

Ich (w) bin bereits in den Wechseljahren (58) und habe kaum mehr Lust auf Sex. Ich habe kein Problem damit, aber für mein Partner tut es mir leid, Würde mir eine Testosteroneinnahme helfen, mehr Lust zu haben? Falls ja, wie müsste ich diese einnehmen und was würde das sonst noch bewirken?

Ursula Gobrecht-Keller: Es braucht eine genaue Erhebung der Gründe Ihrer Lustlosigkeit, und falls es zur Diagnose eines Hyposexual desire disorder (HSDD) kommt, welches Sie auch stört, kann nach Messung der Testosteronspiegel ein Therapieversuch mit Testosteron über die Haut (verschrieben durch die Gynäkologin zum Beispiel) unternommen werden. Das kann die Libido, also die Lust, verbessern. Die Spiegel müssen regelmässig gemessen werden, um nicht in einen Bereich mit Vermännlichungserscheinungen zu landen. Fettigere Haare, unreinere Haut können leichte Nebenwirkungen sein.

Ich bin 53 Jahr und betreibe regelmässig Aussdauersport (Rennrad). Die Intensität ist mehrheitlich im tiefen bis mittlerem aeroben Bereich. Die gefühlten negativen Wirkungen, dies sind einerseits der fehlende Trainingsfortschritt wie auch der Libido Verlust, werden jedes Jahr verstärkt wahrgenommen. Frage: ist Aussdaursport ein Testosteron killier, welcher vor allem im Alter eine Rolle spielt, und welche Möglichkeiten gibt es dem entgegen zu wirken? Besten Dank

Marco Randazzo: Körperliche Aktivität, insbesondere regelmässiges intensives Training, kann hormonelle Veränderungen auslösen und steht insgesamt mit einer besseren metabolischen und endokrinen Gesundheit in Zusammenhang. Ob sich daraus jedoch dauerhaft höhere Testosteron- oder freie Testosteronwerte ergeben, ist individuell unterschiedlich und in Studien nicht durchgängig konsistent belegt. Klarer belegt ist der indirekte Effekt über eine verbesserte Körperzusammensetzung, insbesondere die Reduktion von «viszeralem Fett», was sich günstig auf die Testosteronachse auswirken kann.

Eine gute Schlafqualität spielt eine zentrale Rolle in der Regulation der endokrinen Achsen. Ein wesentlicher Anteil der nächtlichen Testosteronsekretion erfolgt während des Schlafs, insbesondere in den frühen Schlafphasen. Schlafmangel oder fragmentierter Schlaf kann daher mit niedrigeren morgendlichen Testosteronwerten assoziiert sein.

Auch die Ernährung hat einen relevanten Einfluss auf das hormonelle und metabolische Milieu. Eine mediterran geprägte Ernährung mit hohem Gemüseanteil, guten ungesättigten Fettsäuren und wenig stark verarbeiteten Lebensmitteln ist mit günstigeren Entzündungsmarkern und einer besseren metabolischen Gesundheit verbunden. Das Meiden von «Transfettsäuren» ist dabei besonders sinnvoll, da diese ungünstige Effekte auf kardiometabolische Parameter haben können und indirekt auch die Hormonachse negativ beeinflussen können.

Hallo, kann es sein, dass nach einer Prostata-Entfernung wegen Krebs, das Testosteron so im Keller ist, dass die Libido total erlischt? oder gibt es da einen anderen Zusammenhang?

Marco Randazzo: Die Testosteronproduktion erfolgt überwiegend in den Leydig-Zellen der Hoden. Ein kleiner Anteil androgen wirksamer Vorstufen wird zusätzlich in der Nebennierenrinde gebildet (v. a. DHEA und Androstendion), die peripher teilweise zu Testosteron umgewandelt werden können. Die Prostata selbst produziert kein Testosteron und auch kein Dihydrotestosteron im endokrinen Sinn; vielmehr wird Dihydrotestosteron (DHT) lokal im Gewebe aus zirkulierendem Testosteron durch die 5-α-Reduktase gebildet.

Zur operativen Prostataentfernung: Eine «Prostatektomie» führt in der Regel nicht zu einer relevanten Veränderung des systemischen Testosteronspiegels, da die hormonproduzierenden Hoden und die hypothalamisch-hypophysäre Regulation unverändert bleiben. Ausnahmen bzw. indirekte Effekte sind allerdings möglich: postoperative Stressreaktionen, Veränderungen im Allgemeinzustand, Gewichtsveränderungen oder Begleittherapien können den Testosteronspiegel vorübergehend beeinflussen, jedoch nicht durch den Verlust der Prostata selbst.

Seit Jahren leide ich unter chronischer Müdigkeit, Libidoverlust und erektiler Dysfunktion. Mein Gesamttestosteron wurde mehrfach bestimmt und lag dabei stets im unteren bis mittleren Normbereich: 12.6 nmol/L (06/2023), 15.2 nmol/L (09/2024), 12.09 nmol/L (01/2025) und 13.3 nmol/L (02/2026). Das berechnete freie Testosteron lag bei den Messungen 2024 und 2025 im Bereich 167 bis 282 pmol/L, während das direkt gemessene freie Testosteron bei 26.8 pmol/L im Februar 2026 war. Aufgrund meiner anhaltenden Beschwerden erhielt ich am 05.03.2026 eine Nebido-Injektion (1000 mg Testosteronundecanoat). Nach der Injektion wurden folgende Werte gemessen: 14.7 nmol/L am 02.04.2026 und 14.4 nmol/L am 21.04.2026. Subjektiv verspürte ich keinerlei Verbesserung meiner Symptome, weder bezüglich Energie, Libido noch Erektionsfähigkeit. Die Endokrinologen vertreten die Auffassung, dass ein Hypogonadismus als Ursache meiner Beschwerden unwahrscheinlich sei. Zudem halten sie die niedrigen Werte des direkt gemessenen freien Testosterons für methodisch bedingt und möglicherweise unzuverlässig. Was ich nicht verstehe, ist Folgendes: Nach einer Nebido-Injektion hätte ich erwartet, dass mein Testosteronwert deutlich ansteigt. Stattdessen lag er nur geringfügig höher als vor der Injektion (13.3 → 14.7 → 14.4 nmol/L). Kann dies durch die Unterdrückung der körpereigenen Testosteronproduktion erklärt werden, handelt es sich um normale Schwankungen, oder könnte eine ungewöhnlich schnelle Verstoffwechselung bzw. ein schneller Abbau des Testosterons eine Rolle spielen? Wie würdet ihr diese Werte interpretieren? Vielen Dank und freundliche Grüsse

Marco Randazzo: Es gibt tatsächlich Patienten, bei denen unter einer intramuskulären Testosteronsubstitution keine ausreichende klinische oder laborchemische Zielwirkung erreicht wird. In solchen Fällen kann ein Wechsel der Applikationsform – etwa auf transdermales Testosteron in Form eines Gels – sinnvoll sein, insbesondere wenn pharmakokinetische Schwankungen, Spitzenkonzentrationen oder individuelle Unterschiede in der Verstoffwechselung eine Rolle spielen.

Gleichzeitig ist in solchen Konstellationen wichtig, die Gesamtsituation kritisch zu hinterfragen: Wenn trotz «adäquater Testosteronspiegel» (dies kann man tatsächlich hinterfragen) unter Therapie keine Besserung der Symptomatik eintritt, ist es tatsächlich plausibel, dass die Beschwerden nicht primär androgenbedingt sind oder dass weitere Faktoren (z. B. psychovegetative Ursachen, Schlafstörungen, metabolisches Syndrom, Medikamente) eine wesentliche Rolle spielen.

Aber: Sehr selten können zudem genetische Varianten im Androgenrezeptor (z. B. «Polymorphismen» wie «CAG-Repeat-Längen» im Androgenrezeptor-Gen) die Empfindlichkeit gegenüber Testosteron beeinflussen. Diese Veränderungen führen nicht zu einem klassischen Rezeptordefekt, können aber die Aktivität des Rezeptors modulieren und damit die individuelle Androgenwirkung mitbestimmen. Klinisch sind diese Aspekte jedoch noch nicht routinemässig relevant und werden aktuell vor allem im Forschungs- und Spezialistenkontext diskutiert.

Insgesamt ist der therapeutische Effekt von Testosteron daher nicht nur vom Serumspiegel abhängig, sondern auch von Rezeptorsensitivität, Applikationsform und der zugrunde liegenden Differenzialdiagnostik der Symptome.

Unter Prominenten gibt es viele Beispiele von älteren Herren (Jeff Bezos, Joe Rogan etc), die sich einer «Testosterone Replacement Therapy» (TRT) unterziehen; also mittels synthetischem Testosteron eine Blutkonzentration im oberen Normalbereich zu erhalten, wie man sie vielleicht in jüngeren Jahren gehabt hätte. Gründe dafür sind etwa der Wunsch nach Erhalt der Muskulatur, Potenz und jugendhafter Risikofreudigkeit. Was würden Sie einem Patienten in diesem Alter mit alterstypischen Testosteron-werten (möglicherweise im unteren Normalbereich) raten, der sich nach einer solchen Therapie erkundigt?

Martin Bachmann: Als Sexualtherapeut und klinischer Sexologe empfehle ich bei ähnlichen Anliegen den Klienten dann einen ärztlichen Besuch und die Prüfung von Hormon-Ersatztherapien, wenn im Alltagsleben signifikante dauerhafte Veränderungen auftreten, die real einschränkend sind. Oftmals erlebe ich, dass weniger die sich verändernden T-Werte eine dominante Rolle spielen, als vielmehr die gelebte Alltagsgestaltung. Wenn Männer sich Sorge tragen, regelmässig und ausreichend Sport treiben, einen gesunden Lebensstil pflegen, um eine genuss- und lustvolle Sexualität bemüht sind und die Freude am Leben behalten leisten sie einen grossen Beitrag in Richtung der genannten Wünsche.

Ich nahm schon Oestrogel und Progesteron, aber mein Leidensdruck blieb hoch. Energielosigkeit, Schwierigkeiten beim Schlafen, Freudlosigkeit, evtl. Depression. In der Sendung hört man, dass da Testoron helfen kann. Meine Frauenärztin gab mir Pregnenolon. Mir hat dieses «Mittel» enorm geholfen. Von der ersten Einnahme, fühlte ich mich wieder wie ich, herrlich. Und ich brauche seither eine kleinere Menge an Oestrogen und Progesteron, um mich wohl zu fühlen. Da mir laut Sendung Testeron nicht «ungefährlich» erscheint, wie ist es mit Pregnenolon? Wird das empfohlen, bei den Wechseljahrbeschwerden?

Ursula Gobrecht-Keller: Pregnenolon wird nicht empfohlen bei Wechseljahresbeschwerden. Dieses Vorläufer-Steroid für Herstellung der anderen Sexualsteroide im Körper (Östrogen, Progesteron, Androgene) wird nicht auf Sicherheit und Qualität wie die anderen Hormone/Medikamente auf dem Markt, geprüft, wir haben keine evidenzbasierten Empfehlungen, es in der Menopausenmedizin anzuwenden.

Ich nehme seit 3 Jahren Testosteron, im dem Libidoverlust entgegenzuwirken. Bin Frau, 54, Postmenopause.Einen grossen Unterschied hab ich noch nicht festgestellt, dafür wuchsen mir auf der Schenkelinnenseite Haare, die ich nun mit Laser wieder in den Griff bekommen möchte… wie lange sollte man Testosteron nehmen und wie verhindert man nachhaltig, den starken Haarwuchs?

Ursula Gobrecht-Keller: Wenn nach 6 Monaten Testosteroneinnahme keine Verbesserung eintritt, sollte es wieder abgesetzt werden. Besonders, wenn Sie störende Nebenwirkungen haben.

Ich bin 82 Jahre alt. Macht es Sinn, zwecks «Vitalisierung» Testeron zu nehmen? Wenn ja: Welches Produkt, welche Quantität?

Marco Randazzo: Für die Abklärung eines möglichen Testosteronmangels ist die klinische Symptomatik tatsächlich zentral. Typische Beschwerden können eine 1) reduzierte Libido, 2) weniger spontane bzw. morgendliche Erektionen aber auch eine 3) Abnahme sexueller Gedanken umfassen. Ergänzend können unspezifischere Symptome wie verminderte Leistungsfähigkeit, reduzierte Muskelkraft, Gewichtszunahme (insbesondere Fettmasse), Antriebsminderung, Müdigkeit oder Stimmungsschwankungen auftreten. Im nächsten diagnostischen Schritt erfolgt die laborchemische Abklärung. Dabei sollte das Gesamt-Testosteron idealerweise am Morgen (meist zwischen 7 und 10 Uhr) und unter standardisierten Bedingungen bestimmt werden, da «zirkadiane Schwankungen» relevant sind. In vielen Fällen ist zusätzlich die Bestimmung des freien oder bioverfügbaren Testosterons sinnvoll, insbesondere bei grenzwertigen Gesamtwerten oder bei Bedingungen, die das SHBG beeinflussen.

Die Therapieentscheidung basiert jedoch nicht allein auf dem Laborwert, sondern auf der Kombination aus A) nachgewiesenem Testosteronmangel und B) passender klinischer Symptomatik. Erst wenn beides zusammen vorliegt, kann eine Testosteronersatztherapie medizinisch sinnvoll in Betracht gezogen werden.

Guten Tag, ich hätte 3 Fragen: 1. Wenn man als trans Mann für die HRT Testosteron appliziert und keine Ovarioektomie machen lässt, muss man dann trotzdem irgendwann die Wechseljahre eines weiblichen Körpers durchmachen, obwohl das Testosteron doch die Ovarualfunktionen unterdrücken sollte und der Organismus auf Testosteron umstellt? 2. Wehalb ist bei trans Männern unter HRT mit Testosteron nach der Ovarioektomie das FSH und LH stark erhöht? Bei einem Freund ist das der Fall, obwohl der Testosteronspiegel gut ist und das Östrogen seit vielen Jahren im männlichen Normbereich? (FSH und Estradiol waren vor der OP in der Norm (männl.).) Der Gynäkologe begründete das mit den Wechseljahren... Nach der OP gab es Wechseljahrssymptome (Hitzewallungen, vorher nicht. Anscheinend kommt das erhöhte FSH bei vielen (allen?) trans Männern nach Ovario- oder Ovariohysterektomie vor. Welche Hormonwerte empfehlen Sie zur Kontrolle der HRT-Einstellung mit Testosteron? Vielen Dank und freundliche Grüsse

Rahel Sahli: 1) Nein – Transmänner machen keine Menopause durch: prämenopausal sind die Ovarien weitgehend unterdrückt, so dass der menopausale Funktionsverlust nicht spürbar ist.

2) Der negative Feedback-Mechanismus auf die Hypophyse/ Hirnanhangsdrüse, welche LH und FSH produziert, wird vor allem durch Östrogen und Inhibin B vermittelt. Diese Hormone sinken nach Ovarektomie. Testosteron wiederum wird durch die Aromatase in Östrogen umgewandelt, womit der Feedbackmechanismus spielt, aber der vormalige ovarielle Wirkung wird nicht ganz kompensiert. Theoretisch könnte die ungenügende Kompensation va einer schwachen Aromataseaktivität oder sehr schlanken Menschen (=wenig Aromatase) stärker ausgeprägt sein.

3) Ich empfehle zur Kontrolle der Testosteronspiegel bei Testosteron-undecanoat (Nebido und Generika) eine Talspiegelkontrolle und bei Testosterongel eine Spiegelkontrolle etwa 4 Stunden nach auftragen. Neben der Hormonwertkontrolle gehört auch eine Symptomkontrolle dazu – ein unter anderem mit Hitzewallungen spürbarer Dosisabfall sollte nicht vorkommen.

Auf meiner letzten Kreuzfahrt hat mir ein amerikanischer Mediziner empfohlen, meinen Testesteron-Wert bestimmen zu lassen und anschliessend mit dem Arzt zu besprechen.Es geht mir nicht um Potenz etc, sondern um Muskelschwund, Gesäss etc. Kann ich diesen Wert in einer Apotheke bestimmen lassen. Danke für ein weiterführendes Feedback.

Marco Randazzo: Für die Diagnostik eines möglichen Testosteronmangels ist eine standardisierte Blutentnahme sinnvoll. Idealerweise erfolgt die Bestimmung morgens zwischen etwa 7 und 10 Uhr und unter nüchternen Bedingungen.

Neben dem Gesamt-Testosteron ist bei grenzwertigen oder unklaren Befunden die Bestimmung des freien bzw. bioverfügbaren Testosterons wichtig. Ergänzend ist die Messung des Sexualhormon-bindenden Globulins (SHBG) hilfreich, da dieses die Verfügbarkeit des aktiven Hormons wesentlich beeinflusst und insbesondere bei Adipositas, Alter oder metabolischen Erkrankungen variieren kann.

Die Entscheidung für eine Testosteronersatztherapie sollte grundsätzlich nicht allein auf Laborwerten basieren, sondern nur bei Vorliegen einer klaren klinischen Symptomatik in Kombination mit bestätigten erniedrigten oder grenzwertigen Hormonwerten erfolgen.

Unabhängig davon spielen Lebensstilfaktoren eine wichtige unterstützende Rolle. Dazu gehören ausreichend Schlaf, regelmässige körperliche Aktivität mit Krafttraining, eine Reduktion von viszeralem Fett sowie eine insgesamt ausgewogene, mediterran geprägte Ernährung. Diese Massnahmen können sowohl den Testosteronstoffwechsel als auch das allgemeine metabolische und kardiovaskuläre Risikoprofil positiv beeinflussen.

Ich bin z.Z in einer Hormontherapie d.h. mir wird das Testeteron zurückgefahren und spüre alle Nebenwirkungen zum Mangel an Teststeteron, was kann ich gegen diese Nebenwirkungen unternehmen ??

Marco Randazzo: Bei einer Androgen-Deprivationstherapie ist der Erhalt von Muskel- und Knochengesundheit tatsächlich ein zentraler Baustein der Begleittherapie! Besonders wirksam ist ein strukturiertes Krafttraining, da es dem Verlust an Muskelmasse und -kraft entgegenwirken und auch die Knochendichte positiv beeinflussen kann.

Und: Auch die Schlafqualität spielt eine wichtige Rolle, da sie mit Regeneration, Hormonregulation und allgemeiner Belastbarkeit eng verknüpft ist. Schlafstörungen können die ohnehin durch die Therapie belastete Lebensqualität zusätzlich verschlechtern.

Ernährungsseitig ist eine insgesamt entzündungsmodulierende, ausgewogene Kost sinnvoll. Eine Ernährung mit hohem Anteil an Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten sowie guten Fettquellen wie Omega-3-Fettsäuren ist mit günstigen metabolischen und kardiovaskulären Effekten assoziiert. Polyphenolreiche Lebensmittel (z. B. Beeren, grüner Tee, Olivenöl) können ebenfalls zur antioxidativen und entzündungsmodulierenden Ernährung beitragen, auch wenn der direkte Einfluss auf klinische Endpunkte unter ADT unterschiedlich gut belegt ist.

Zusammengefasst ist eine „bunte“, pflanzenbetonte Ernährung in Kombination mit regelmässigem Training und guter Schlafhygiene ein sinnvoller unterstützender Ansatz, um die Nebenwirkungen einer Testosteronblockade bestmöglich abzufedern.

Ich bin 54 Jahre alt, hatte schon immer einen gestörten Hormonstoffwechsel und leide an Osteoporose. Prolia und Calcimagon (seit nunmehr 10 Jahren) haben nichts geholfen – im Gegenteil. Östrogensubstitution ist wegen Krebsrisiko in der Familie fraglich. Könnte mir Testosteron helfen?

Ursula Gobrecht-Keller: Nur das Östrogen ist zugelassen zur Osteoporoseprävention, allerdings nicht zur Osteoporosebehandlung. Beim Testosteron hat man keine signifikanten Effekte auf den Knochen feststellen können. Das Testosteron wird im Körper auch teilweise in Östrogen umgewandelt und der Einsatz sollte bei Brustkrebsrisiko mit Vorsicht bewertet werden. Also nein, Sie sollten zwecks Behandlung der Osteoporose kein Testosteron anwenden, besser einen Spezialisten/Endokrinologen aufsuchen zur adäquaten Behandlung.

Steigert sich die eigene Testosteron Produktion bei direkter Sonnennbestrahlung der Hoden?

Martin Bachmann: Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D über genug Sonnenlicht ist eine Grundlage für eine genügende Testosteron-Produktion im Körper. Aber das muss nicht die sehr sensible Haut der Hodensäcke sein, Gesicht, Arme, etc. reichen völlig aus. Es ist eher davon abzuraten, es gibt eher medizinische Risiken beim Hodensonnenbaden, wie u.a. Sonnenbrand, Hitzeschäden, Hautkrebs.

Meine Gynäkologin meinte, dass Testosteron nichts bringe für die Libido. Und zudem das Brustkrebsrisiko stark erhöht. Und sie ist sehr aktuell was Hormonersatztherapien anbelangt. Sie besucht auch Weiterbildungen in welchen Testosteron bei Frauen ein Thema ist. Daher verwirren mich die Aussagen im Bericht. Was stimmt nun?

Ursula Gobrecht-Keller: Das Testosteron kann nachgewiesen etwas für Frauen in der Menopause mit Libidomangel bringen. Über das Brustkrebsrisiko wissen wir wenig, da Langzeitdaten fehlen. Zumindest kurzfristige Anwendung scheint das Risiko für Brustkrebs nicht zu erhöhen.

Lässt sich eine nachlassende Testosteron-Produktion beim Mann durch Ernährung, Medikamente etc. wieder ankurbeln, oder ist man dauerhaft auf externe Testosteronzufuhr angewiesen?

Marco Randazzo: Der Testosteronspiegel ist tatsächlich sensibel gegenüber verschiedenen physiologischen und externen Faktoren. So zeigen Studien, dass Männer mit chronischer Schlafstörung oder Schichtarbeit häufiger niedrigere Testosteronwerte aufweisen, was vermutlich über eine gestörte zirkadiane Rhythmik und Schlafarchitektur vermittelt ist. Auch chronischer Stress kann über eine Aktivierung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse und erhöhte Cortisolspiegel indirekt die Gonadenachse hemmen.

Eine alters- oder metabolisch bedingte Verminderung der Testosteronproduktion ist häufig auf eine nachlassende Funktion der «Leydig-Zellen» im Hoden zurückzuführen. Dabei handelt es sich meist um ein multifaktorielles Geschehen und nicht um einen isolierten Defekt.

Lebensstilfaktoren spielen dabei eine relevante unterstützende Rolle. Regelmässige körperliche Aktivität, insbesondere Kraft- und intensives Training, ist mit einem günstigen Einfluss auf die Körperzusammensetzung und das hormonelle Milieu assoziiert. Ebenso kann eine antiinflammatorisch ausgerichtete Ernährung sowie eine gute Schlafqualität positive Effekte auf den Testosteronstoffwechsel haben.

Besonders bedeutsam ist die Reduktion von viszeralem Fettgewebe, da Adipozyten über die Aromatase Testosteron vermehrt in Estradiol umwandeln können, was die Androgenwirkung zusätzlich beeinflusst.

Zu pflanzlichen Präparaten (wie Ashwagandha, Shilajit) gibt es einzelne Studien mit Hinweisen auf mögliche moderate Effekte auf Stressparameter und teilweise auch auf Testosteronwerte, die Datenlage ist jedoch insgesamt heterogen und nicht als gesichert therapeutischer Standard zu werten. Ich denke, eine ärztliche Kontrolle macht auf jeden Fall Sinn.

Wenn trotz konsequenter Lebensstilintervention ein biochemisch bestätigter Mangel mit passender Symptomatik besteht, kann eine Testosteronsubstitution im Rahmen einer ärztlichen Abklärung sinnvoll diskutiert werden.

Mein Testosteronwert ist bei 10.21, mein Arzt sagt immer dies sei nicht zu niedrig. Ich habe chronisches ME/CFS Fatique, bin immer total erschöpft. Der Eisenwert ist bei mir bei 8,2 und der Diabetes/Zucker viel zu hoch. Was kann ich machen ?

Marco Randazzo: Eine Verbesserung der «metabolischen Parameter» (Stoffwechselparameter) ist in diesem Zusammenhang tatsächlich ein zentraler Ansatz. Besonders bei Übergewicht oder metabolischem Syndrom zeigt sich häufig eine enge bidirektionale Verbindung zur Androgenachse.

Eine Gewichtsreduktion, insbesondere die Reduktion von viszeralem Fettgewebe (Fettgewebe im Bauchraum innerlich), ist dabei gut mit einer Verbesserung des Testosteronstatus assoziiert. Mechanistisch spielt unter anderem die Aromataseaktivität im Fettgewebe eine Rolle, da dieses Enzym Androgene in Östrogene umwandeln kann! Zusätzlich wirken Insulinresistenz, chronische niedriggradige Inflammation und Veränderungen des «SHBG» (bindet Testosteron) ebenfalls regulierend auf den Hormonhaushalt.

Unter Gewichtsabnahme kommt es bei vielen Männern zu einem Anstieg des Gesamt- und teilweise auch des freien Testosterons, wobei das Ausmass individuell unterschiedlich ist und von Ausgangsgewicht, Lebensstilfaktoren und Begleiterkrankungen abhängt.

ist die Gewichtsreduktion daher oft ein wichtiger erster therapeutischer Schritt, falls dies für den Mann möglich ist. Dabei ist klar: eine Gewichtsabnahme ist leichter gesagt als getan.

Ich (27) fühle mich völlig ok aber gleichzeitig habe ich das Gefühl einen Testosteron Mangel zu haben. Wegen unvollständigem Bartwuchs und seltener Morgenerrektion. Mein Hausarzt winkt nur ab und möchte sich dem Thema nicht widmen. An wen kann ich mich wenden?

Marco Randazzo: In dieser Situation kann eine urologische Standortbestimmung sinnvoll sein, um die Beschwerden systematisch einzuordnen und eine mögliche hormonelle Ursache zu überprüfen.

Ob ein erniedrigter Testosteronspiegel tatsächlich ursächlich für die Symptomatik ist, lässt sich dabei nicht allein aus der Anamnese ableiten und ist ohne gezielte Diagnostik nicht gesichert. Häufig sind die Beschwerden multifaktoriell bedingt, etwa durch metabolische Faktoren, Schlafstörungen, psychovegetative Einflüsse oder Begleiterkrankungen.

Entscheidend ist daher eine strukturierte Abklärung mit klinischer Beurteilung, geeigneter Labordiagnostik und gegebenenfalls weiterer differenzialdiagnostischer Schritte, um die Relevanz des Testosteronstatus im Gesamtbild korrekt einzuordnen.

Ist Testosteron in der CH nicht illegal? Ich wurde letztes Jahr von der Swiss Sport Integrity gebüsst. Hatte 100ml von der Gynäkologin gegen Wechseljahrbeschwerden verschriebenes TestosteronGel in einer deutschen Apotheke herstellen lassen. Wo kriege ich das denn in der Schweiz?

Rahel Sahli: Testosteron wird auf der Dopingliste von Swiss Sport Integrity aufgeführt – deshalb kann Swiss Sport Integrity sportrechtliche Sanktionen aussprechen. Testosteron ist in der Schweiz nicht illegal – es ist ein gewöhnliches verschreibungspflichtiges Medikament – aber der Import aus dem Ausland kann es sein.

In der Schweiz gibt es kein zugelassenes Präparat, welche für postmenopausale Frauen adäquat dosiert wäre. Ein Ausweg ist eine Magistralrezeptur – eine Apotheke fertigt für Sie das Medikament in der von der Gynäkologin rezeptierten Dosis an.

Aufgrund Hodenkrebs musste ich beide Hoden entfernen lassen, deshalb bekomme ich ärztlich verschrieben Testeron. Jedoch ungemessen alle drei Monate dieselbe Dosis. Ich habe das Gefühl, dieses Prozedere ist nicht ganz korrekt so ausgeführt. Können Sie mir erläutern, wie das korrekte Vorgehen aussehen würde. Mein Alter ist 34, falls dies eine Rolle spielt. Besten Dank

Marco Randazzo: Die therapeutischen Intervalle sind absolut individuell. Ich habe Patienten, die erscheinen alle sechs Wochen und andere Patienten alle drei bis vier Monate. Zudem gibt es jahreszeitliche Unterschiede. Ausserdem kann es persönliche Umstände wie eine stressvolle Episode geben, wo der Körper vorübergehend mehr Testosteron benötigt. Zusammengefasst ist der Testosteronbedarf somit individuell und abhängig von den jeweiligen Lebensumständen.

Mein Alter ist 64 Jahre alt und seit ich in die Wechseljahre gekommen bin, bin ich immer erschöpft. Mein Energiepegel tief. Meine Frage an Sie, wäre das Testosteron eventuell ein Hilfsmittel für mehr Energie und zur Verbesserung der Libido. Auch die Muskelmasse ist trotz regelmässigem Training rückläufig. Vielen Dank für ein Feedback.

Ursula Gobrecht-Keller: Für die Libido kann es helfen, gegen Erschöpfung haben wir keine Daten, wobei manche Frauen beschreiben, dass sie sich unter Testosteronfitter fühlen. Da lohnt es sich sicher, den gesamten Körper anzuschauen und genauer herauszufinden, warum Sie erschöpft sind (Schilddrüse etc). Die Muskelmasse nimmt im Alter kontinuierlich ab. Bezüglich Muskelmasse haben wir keine klaren Daten, dass diese unter weiblich dosierten Testosterongaben zunimmt. Theoretisch unterstützt Testosteron die Muskelbildung.

Ich bin vor acht Jahren an einem hormonabhängigen Brustkrebs erkrankt. Momentan nehme ich noch Tamoxifen. Ich bin oft erschöpft und leide stark an Welchseljahrsymptomen. Wäre Testosteron auch in meinem Fall möglich?

Ursula Gobrecht-Keller: Nein, da Testosteron teilweise in Östrogene umgewandelt wird im Körper soll es nach hormonabhängigem Brustkrebs nicht angewendet werden.

Habe seit 5 Jahren Libidoverlust, Errektionsstörungen und totale Erschöpfung mit chronischr Fatique. Mein Testosteronwert ist tief bei 9.2, aber der Hausarzt gibt mir keine Testosteron Creme oder Spritzen. Im Spital SG hat mir mein Long-Covit Arzt (Long-Covit Sprechstunde) gesagt, dass ich eigentlich gegen den tiefen Testosteronwert etwas machen müsse. Bin 64 Jahre alt und mache keinen Sport.

Marco Randazzo: Bei einem Gesamt-Testosteronwert von 9,2 nmol/L liegt man tatsächlich im unteren bzw. grenzwertigen Bereich, je nach verwendeter Referenz und Leitlinie (hier gibt es erhebliche Unterschiede international!). In dieser Zone spricht man häufig von einer diagnostischen Grauzone, in der die Einordnung nicht allein über den Laborwert erfolgen kann. Entscheidend ist daher immer die Kombination aus:

  • reproduzierter morgendlicher Messung (mindestens 2 Bestimmungen),
  • klinischer Symptomatik sowie
  • die Bestimmung zusätzlicher Parameter wie freies Testosteron, SHBG, LH/FSH.

Erst wenn diese Elemente zusammenpassen, kann von einem behandlungsrelevanten Testosteronmangel ausgegangen werden.

Wichtig ist allerdings: Aus dem genannten Wert allein lässt sich nicht ableiten, dass zwingend ein relevanter Mangel mit Symptomen vorliegt. Das muss individuell geprüft und sauber korreliert werden.

In diesem Sinne ist eine urologische Standortbestimmung in der Tat sinnvoll, um die Befunde strukturiert einzuordnen, mögliche Ursachen zu differenzieren und die Frage einer Therapie seriös zu beantworten.

Meine Frage betrifft eine mir nahestehende Person. (m/37). Vor 10 Jahren die Diagnose Hodenkrebs, Entfernung des rechten Hoden (Orchiektomie) und anschliessend Chemotheraphie. Seit Geburt eine Hemiplegie links. Die Beschwerden sind seit längerer Zeit, folgende: plötzliche Schweissausbrücke, grosse, fehlende Motivation/Verstimmung, Lustlosigkeit, der Bluthochdruck zu hoch (Hypertonie), Schlafprobleme, usw. ähnliche Symptome, wie Frauen in den Wechseljahren. Naheliegend wäre ein Testosteronmangel aufgrund der obengenannten Tatsachen. Was gäbe es für Möglichkeiten, das Testosteron dem Körper zuzuführen? Welche Varianten gibt es? Spritzen, Tabletten? Wie ist es mit der Dosierung? Was gibt es für Nebenwirkungen? Welche Fragen/Antworten müssen bei einem Arztbesuch geklärt werden, damit der Patient ernstgenommen wird. Kann man(n) mit zuwenig Testosteron leben, und werden die Beschwerden mit der Zeit weniger? Besten Dank!

Marco Randazzo: Nun zunächst einmal müsste man den Testosteronspiegel zwischen 7 und 10 Uhr morgens neben weiteren Stoffwechselparametern messen. Hierfür ist es wichtig, dass der Patient nüchtern erscheint. Passen die verschiedenen Laborparameter zu einem Mangel, kann eine Substitution über ein Gel, welches auf die Haut aufgetragen wird, oder aber einer Injektion in den Muskel diskutiert werden. Die Therapie steht und fällt aber mit der Kombination aus Symptomen und passenden Laborparametern. Die Dosierung richtet sich nach dem Spiegel, den Beschwerden und dem Ansprechen.

Und ja: man kann mit zu wenig Testosteron leben – allerdings leidet hier die Gefässgesundheit sowie die übrigen Organe: Herz, Blutgefässe, Knochen, Muskel, Nervenzellen brauchen einen gewissen Testosteron-Spiegel.

Im Jahr 2020 wurde mir die Gebärmutter entfernt und ich bin in die Wechseljahre gekommen. Ich bin jetzt 54 Jahre alt und habe meine Libido total verloren. Wäre Testosteron für mich eine Lösung? Besten Dank für Ihre Antwort

Ursula Gobrecht-Keller: Zunächst könnte eine Hormonersatztherapie versucht werden mit Östrogenen. Falls Sie diese schon nehmen, Messung der Testosteronspiegel und Therapieversuch mit Testosteron unter Monitoring, um zu hohe Spiegel zu vermeiden.

Also mein Beruf ist sehr stressig und in einem Umfeld mit lauter Rivalitäten. Da möchte ich natürlich der beste Mann sein der ich sein kann. Ein Freund der heimlich auch mein Dealer ist hat mir da neulich Testosteron empfohlen um noch kompetenter Muskulöser und schöner zu werden. Er erwähnte ausserdem das man dann unwiderstehlich seie dem anderen Geschlecht gegenüber. Das bringt in meiner Männer orientierten Arbeitswelt wenig aber kann natürlich trotzdem ein Vorteil sein. Nun bin ich ein Vertreter der Anthroposophen nach Steiner und weiss nicht wie gut sich das vereinen lässt mit Testosteron Supplementen. Was denken Sie?

Marco Randazzo: Eine Testosteronersatztherapie setzt grundsätzlich eine klare medizinische Indikation voraus. Dazu gehören eine passende klinische Symptomatik eines Hypogonadismus sowie wiederholt nachgewiesene erniedrigte oder zumindest konsistent grenzwertige Testosteronwerte unter standardisierten Messbedingungen. Die Entscheidung zur Therapie basiert dabei nicht allein auf dem Laborwert, sondern auf der Kombination aus Symptomen, Hormonstatus und klinischer Gesamtsituation. Wichtig ist auch die klare Abgrenzung zur nichtmedizinischen Anwendung: Testosteron ist kein Mittel zur Leistungssteigerung oder zur Verbesserung von Aussehen oder Attraktivität im nicht-pathologischen Kontext. Eine solche Anwendung ohne medizinische Indikation fällt nicht in den Bereich der leitliniengerechten Therapie und ist entsprechend kritisch zu bewerten.

Im medizinischen Setting steht hingegen die Wiederherstellung einer normalen hormonellen Funktion und die Verbesserung krankheitsbedingter Beschwerden im Vordergrund, nicht der Wettbewerb.

Mich würde interessieren, welche Dosierung Testosteron bei Frauen empfohlen wird.

Rahel Sahli: Ich möchte vorausschicken, dass die einzige anerkannte Indikation die Hypoactive Sexual Desire Disorder (HSDD) bei postmenopausalen Frauen – nach Ausschluss von anderen Ursachen- ist. Testosteron wird meist in Kombination mit einer klassischen HRT (Östrogen/ Progsteron) angewandt, mit dem Ziel eines Spiegels im normalen Bereich. Die transdermale Dosis entspricht etwa 300 mcg/Tag.

Ich bin 43/w und in der Perimenopause. Leide an starken Stimmungsschwankungen. Kann Testosteron helfen?

Rahel Sahli: Eine Menopause mit 43 Jahren gilt als frühzeitig. Hier halte ich eine Abklärung für wichtig, da eine Perimenopause möglich ist, aber andere Ursachen für Stimmungsschwankungen und Zyklusstörungen nicht ausgeschlossen sind. Sollte sich ihre Verdachtsdiagnose bestätigen und liegen keine Gegenanzeigen vor, halte ich eine klassische Hormonersatztherapie mit Östrogen und Progesteron für sinnvoller. Eine Testosterontherapie ist in dieser Indikation nicht geeignet/ zugelassen.

Ein Freund von mir isst keine Tofu-Produkte weil diese angeblich Männer „verweiblichen“ – man sehe es z. B. bei den Veganern … was sagen Sie zu dieser für mich merkwürdigen Überzeugung?

Marco Randazzo: Die aktuelle Datenlage zeigt insgesamt, dass ein moderater Konsum von Sojaprodukten beim Mann nicht zu einer relevanten Reduktion des Testosteronspiegels führt. Weder Gesamt- noch freies Testosteron werden bei üblichen Ernährungsgewohnheiten konsistent beeinflusst. Die häufig diskutierten Bedenken beziehen sich vor allem auf ältere oder experimentelle Annahmen zu Phytoöstrogenen, die in dieser Form klinisch nicht bestätigt werden konnten. Nur bei extrem hohen, untypischen Aufnahmemengen über längere Zeiträume wären theoretisch hormonelle Effekte denkbar, die in der realen Ernährung jedoch kaum eine Rolle spielen.

Übrigens: Bezüglich Prostatakrebs gibt es tatsächlich Hinweise, dass ein regelmässiger Konsum von Sojaprodukten bzw. Isoflavonen mit einem geringeren Risiko für Prostatakrebs assoziiert sein kann. Die Mechanismen sind nicht vollständig geklärt, diskutiert werden unter anderem Effekte auf hormonelle Signalwege, Entzündungsprozesse und Zellproliferation. Allerdings handelt es sich hierbei überwiegend um Beobachtungsstudien, sodass ein kausaler Schutzmechanismus nicht abschliessend bewiesen ist. Insgesamt gilt Soja in moderaten Mengen als unproblemischer Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung, ohne negative Auswirkungen auf den Testosteronstatus.

Sie erwähnen dass Testosteron Annahme bei Frauen zu mehr Behaarung führen kann. Wissen sie ob diese Symptom ähnlich wie Minoxidil ist? Oder würde Testosteron eher die Alopezia areata verstärken? Vielen Dank.

Ursula Gobrecht-Keller: Die verfügbare Literatur (alle Daten) zeigen keinen Zusammenhang zwischen physiologischen (im weiblichen Ziel- Bereich bleibend) Testosterongaben und Alopecia areata. Minoxidil wird an der Kopfhaut angewendet und wirkt anders, keine hormonelle Wirkung.

Ich hatte 2017 eine Prostatektomie, und mein Testostern Wert war einmal bei 11.00. Ist das ein Risiko Testosteron einzunehmen, wenn keine Prostata mehr vorhanden ist? Ich bin sehr oft Müde usw. Die gleichen Symptome wie im Beitrag erwähnt wurden. Danke für ein Feedback.

Marco Randazzo: Wenn ein Testosteronmangel laborchemisch wiederholt nachgewiesen ist und die übrigen Parameter (also «SHBG», «LH/FSH» sowie der klinische Kontext) dazu passen, kann eine Testosteronersatztherapie unter sorgfältiger Abwägung in Betracht gezogen werden. Entscheidend ist dabei, dass eine passende klinische Symptomatik eines Hypogonadismus vorliegt und diese plausibel mit dem hormonellen Befund korreliert.

Im Falle einer Therapie ist eine regelmässige ärztliche Kontrolle essenziell. Dazu gehören insbesondere die Überwachung des Testosteronspiegels, des Hämatokrits sowie auch des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) und der klinischen Symptomatik im Verlauf. Kurz gesagt: Ist der Mangel vorhanden und die Symptomatik plausibel, kann bei geheiltem Prostatakrebs auch eine Testosteron-Therapie unter engmaschiger Kontrolle erwogen werden. Man müsste aber ihren Fall genau prüfen.

Sollte bei Depression routinemässig der Testosteronspiegel geprüft werden? Sollte bei Depression und erniedrigten Testosteronwerten eine Substitution erfolgen?

Rahel Sahli: Eine Depression hat viele Ursachen – ein tiefer Testosteronspiegel kann eine Ursache sein. Ein generelles labormässiges Screening bei allen depressiven Männern wird nicht empfohlen. Ich halte es aber für wichtig, bei Männern mit Depression die anderen Symptome eines Testosteronmangels zu erfragen – und wenn das Gesamtbild passt, eine Labordiagnostik durchzuführen. Da eine Depression auch zu einem «funktionellen» Hypogonadismus führen kann, ist eine wiederholte Testung nach Besserung der Depression zusätzlich sinnvoll.

Können Sie mir mitteilen, ob Testosteron bei folgenden Wechseljahr wirklich hilft; Gefühlskälte beim Sex, sprich keine Lust mehr auf Geschlechtsverkehr Körperschmerzen wie Muskelschmerze, Körperschmerzen etc. Energielos und sehr schnell müde nicht die gewünschte Power beim Fitness Vielen Dank für Ihre Antwort!

Ursula Gobrecht-Keller: Hinsichtlich fehlender Lust kann es helfen. Gegen Körperschmerzen, Muskelschmerzen, Körperschmerzen und Energielosigkeit haben wir keinen nachgewiesen Nutzen in den Studien gesehen. Allerdings berichten Patientinnen teilweise, dass sie in diesen Bereichen auch Verbesserungen verspüren, wenn sie Testosteron nehmen.

Also mal rein theoretisch, stellen wir uns vor ein 40 Jähriger Mann hat einen Freund der ebenfalls 40 jährig ist. Und dieser Freund hat einen Testosteron Mangel (ärztlich diagnostiziert hat man mir erzählt) Könnte das die Anziehung oder fehlende Anziehung von Frauen meinem Freund gegenüber erklären? Mein Freund scheint recht stark unter seinem unfreiwilligem Zölibat zu leiden. Ich selber bin glücklich verheiratet und habe 9 Kinder.

Marco Randazzo: Attraktivität ist tatsächlich ein sehr vielschichtiges Konstrukt und lässt sich nicht auf einen einzelnen biologischen Faktor reduzieren. Der Testosteronspiegel kann bestimmte Teilaspekte beeinflussen, etwa Libido, sexuelles Interesse oder teilweise auch Verhaltensmerkmale wie Antrieb oder Dominanzverhalten. Diese Effekte sind jedoch nur ein kleiner Baustein in einem deutlich komplexeren Zusammenspiel aus biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren. Entscheidend sind zusätzlich unter anderem:

  • soziokulturelle Prägung und Normen,
  • individuelle Erfahrungen und Bindungsmuster,
  • psychische Gesundheit und Stresslevel,
  • Kommunikation,
  • Persönlichkeit und soziale Kompetenz,
  • situative und partnerschaftliche Rahmenbedingungen etc...

Daher wäre es wissenschaftlich nicht korrekt, Attraktivität oder Partnerschaftsfähigkeit primär auf den Testosteronspiegel zu reduzieren oder gar ein „testosteronbedingtes Zölibat“ anzunehmen. Die Realität ist multifaktoriell und stark individuell geprägt. Aber: Ich denke, hier könnte eine Beratung sicher mehr Einblicke bringen.

Wird im Frauensport mit Testosteron gedopt? Was sind die körperlichen Folgen davon? Mehr Muskelmasse?

Rahel Sahli: Testosteron ist im Frauensport genauso wie im Männersport klar verboten. Testosteron steht auf der internationalen Dopingliste, weil es sportspezifisch gesehen Muskelmasse und Kraft steigern kann. Je nach Testosteron- Spiegel können zusätzliche unerwünschte bis gefährliche Nebenwirkungen auftreten: Zyklusunregelmässigkeiten, Akne, androgenetischer Haarausfall, Stimmvertiefung und letztlich metabolische, kardiovaskuläre und psychische Risiken.

Was empfehle sie gegen „erektile disfunktion“ bei Geschlechtsverkehr? Danke für Ihre Empfehlung.

Martin Bachmann: Guten Abend. Eine ED, erektile Dysfunktion, lohnt immer, genau hinzuschauen, eine Evaluation zu machen. Denn je nach Diagnose gibt es andere Therapieempfehlungen. Tritt gar nie eine Erektion ein? Wird die ED sichtbar in der Selbstbefriedigung, auch bei der Paarsexualität? Wann wird die Erektion schwächer, wie lange bleibt sie ausreichend, um Geschlechtsverkehr realisieren zu können? Je nach dem lohnt eine ärztliche Untersuchung, bei einem Urologen, insbesondere wenn die ED sowohl beim Solo-Sex als auch der Paar-Intimität auftritt. Sonst empfehle ich eine Abklärung mit einem Sexologen, der allenfalls das komplexe Zusammenspiel von Erregungsquellen, Erregungssteigerung, den physiologischen und psychologischen Faktoren herausarbeiten kann. In meiner Praxis behandle ich täglich Klienten, die Schwierigkeiten mit ihrer Erektion haben, aber meist nur in der Sexualität zu Zweit. Da liegt in den meisten Fällen keine medizinische Ursache vor, sondern eine sexologische, die aber oft gut behandelbar ist.

Kann Testosteron auch Ursache für Erektile Dysfunktion sein? An der Lust zum Sex fehlt es nicht aber am Vermögen diesen auszuführen.

Marco Randazzo: Die Reduktion der Erektion kann verschiedene Gründe haben. Meistens steckt eine Gefässproblematik dahinter: Es kann ein reduzierter Blutzufluss oder ein zu starker Blutabfluss vorliegen. An zweiter Stelle kommt der Testosteronspiegel und an dritter Stelle der negative Einfluss von Medikamenten wie zum Beispiel «Betablockern». Schlussendlich darf auch die psychogene Komponente nicht vernachlässigt werden.

Ich bin 51 Jahre alt und leide seit Jahren unter zahlreichen Wechseljahrenbeschwerden, insbesondere unter einem vollständigen Verlust der Libido und ständige schlechte Laune. Ich habe bereits verschiedene Hormonersatztherapien ausprobiert. Seit drei Monaten verwende ich nun das Systen Conti Pflaster. Nichts hilft mir. Könnte Testosteron mir helfen ?

Ursula Gobrecht-Keller: Testosteron kann helfen gegen den Libidoverlust, machen Sie nach Abklären durch den Gynäkologen einen Therapieversuch. Gegen die schlechte Laune hilft es gemäss dem Gros der Studienlage nicht (Stimmung nicht verändert durch Testosteroneinnahme), aber es gibt kleinere Beobchtungsstudien, welche nach Hinzugabe von Testosteron zu einer bereits verabreichten Hormonersatztherapie eine Verbesserung der Stimmung beschrieben wurde. Probieren Sie es aus nach Rücksprache mit Ihrem Arzt/Ärztin.

Kürzlich hat mir eine gleichaltrige Freundin erzählt, dass sie wegen den Wechseljahren alle drei Hormone einnehme: Oestrogen, Progesteron und Testosteron, verschrieben von der Ärztin. Ich hatte das vorher noch nie gehört. Ich nehme nur Oestrogen und Progesteron, verschrieben vom Arzt. Was ist die Indikation, oder wann ist es angezeigt, auch Testosteron zu nehmen?

Ursula Gobrecht-Keller: Testosteron ist offiziell durch die Guidelines nur zugelassen für die Behandlung des HSDD Hyposexual desire disorder, also Lustlosigkeit, welche die Frau und das Paar in ihrer Sexualität stört.

Mein Sohn (17) wirkt in letzter Zeit immer sehr müde und im gesamt Bild schlecht. Meine Frau vermutet, dass es sich um eine Psychische Geschichte handelt, da es angefangen hat, seit er nicht mehr in die Kirche geht. Ich schätze es ist ein Mangel von Testosteron, da mein Sohn keinen Kraftsport macht und eher dick ist. Die Frage an sie: Wie bekomme ich für meinen Sohn eine Freundin? Hat mein Sohn Testosteron Mangel?

Rahel Sahli: Müdigkeit und Rückzug bei einem 17-jährigen haben meist viele möglichen Ursachen – von Schule, Stress, Stimmung bis zu körperlichen Erkrankungen. Ein Testosteronmangel ist in diesem Alter nicht so häufig, aber es ist sicherlich eine Möglichkeit. Wichtig scheint mir eine gründliche ärztliche Abklärung, bevor wir Schlüsse ziehen. Die Beziehung lässt sich leider nicht medizinisch verordnen – aber ich bin sicher, dass kommt ganz von selbst, wenn es für Ihren Sohn passt.

Musste mit 63 einen Hoden entfernen. Im Moment bin ich am Anfang mit einer Testogel Therapie. Bin nun auf 4 Hüben nachdem mit 2 Hüben der Wert immer noch viel zu tief war. Jetzt ist es etwas besser. Aber ich erlebe immer wieder Schwankungen. Ist dies normal? Ist es mit Spritzen besser bzw. stabiler. Im Sommet werde ich am Meer sein und ca. 2 h nach auftragen des Gels im Meer baden. Ist dies möglich?

Marco Randazzo: Der Testosteronspiegel wird tatsächlich von verschiedenen Faktoren beeinflusst, insbesondere von Schlafqualität, Stressniveau, Körperzusammensetzung und allgemeinem Gesundheitszustand. Diese Faktoren wirken eher auf die Regulation der Hormonachse und die klinische Symptomatik als auf einen kurzfristig „variierenden Bedarf“ im Sinne einer direkten Dosisanpassung des Körpers. Die Faktoren können auch die Höhe einer Ersatztherapie beeinflussen.

Bei einer Testosteronsubstitution ist die Wahl der Applikationsform (z. B. Gel oder intramuskuläre Injektion) in erster Linie eine medizinische und patientenbezogene Entscheidung, die sich an Zielwerten, Verträglichkeit, Applikationssicherheit und Lebensstil orientiert. Eine Dosisanpassung erfolgt üblicherweise anhand von klinischem Verlauf und kontrollierten Laborwerten unter ärztlicher Aufsicht.

Für transdermale Präparate gilt, dass eine ausreichende Resorption über die Haut gewährleistet sein muss. Um sicher zu gehen, würde ich nicht direkt nach dem Auftragen baden gehen, sondern zuwarten. Dies kann rund 2 Stunden betragen, bei gewissen Präparaten aber auch länger sein.

Meine Libido ist seit meiner Menopause völlig im Keller. Meine Gynäkologin hat mir darum Präparate mit Testosteron als Wirkstoff empfohlen. Mein Mann ist allerdings aus allen Wolken gefallen und hat mir angedeutet das er es nicht ok fände wenn beide Partner in einer Beziehung männlich sind. Wie verhält es sich mit den Nebenwirkungen von Testosteron. Würde ich nach und nach ebenfalls zum Mann werden? Kann ich meinem Mann allenfalls beruhigen? Gibt es Wege meinen Mann weiblicher zu machen?

Ursula Gobrecht-Keller: Die Behandlung der Lustlosigkeit mit Testosteron bei der Frau wird so gestaltet, dass die Testosteronwerte jederzeit im weiblichen Bereich bleiben und KEINE Vermännlichungserscheinungen auftreten. Nebenwirkungen können sein: etwas fettigere Haare, unreinere Haut, möglicherweise etwas mehr Behaarung. Ihr Mann muss sich also nicht fürchten, dass Sie zum Mann werden.

Es macht keinen Sinn, ihren Mann weiblicher zu machen mit Hormonen, dann könnte er die sexuelle Lust verlieren, und Ihnen beiden ist nicht weitergeholfen.

Testosteron ist die Vorstufe von Östrogen. Die vermeintlichen Wirkungen der Leistungssteigerung, Knochenstärkung und weiteres werden in der Frau hauptsächlich durch Östrogen induziert. Ist es nicht ein wenig kurz gegriffen, das Testosteron den Zuschauer breit als Wundermittel zu verkaufen? Und ist es nicht gefährlich Testosteron als so breit positiv zu präsentieren sowohl für Mann als Frau, wenn seine Wirkung und Weiterumwandlung so deutlich unterschiedlich ausfällt?

Marco Randazzo: Testosteron ist ein körpereigenes Hormon, das eine zentrale Rolle im männlichen endokrinen System spielt. Eine Substitution sollte entsprechend ausschliesslich bei gesichertem, wiederholt nachgewiesenem Mangel und passender klinischer Symptomatik erfolgen und unter ärztlicher Kontrolle stehen.

Das entspricht im Wesentlichen auch den internationalen Leitlinien: Eine Testosteronersatztherapie ist keine allgemeine „Lifestyle“-Therapie, sondern eine indikationsgebundene Behandlung des Hypogonadismus. Im Vordergrund stehen dabei immer die Kombination aus biochemischem Nachweis und typischer Symptomatik.

Wichtig ist zudem die klare Abgrenzung gegenüber einer nicht-medizinischen Anwendung zur Leistungs- oder Erscheinungsoptimierung. Eine solche Verwendung ist nicht Bestandteil der leitliniengerechten Indikation.

Damit wird Testosteron in der medizinischen Praxis wie auch im Beitrag deswegen nicht als „Wundermittel“ verstanden, sondern als gezielte Hormonersatztherapie mit klar definiertem Nutzen-Risiko-Profil und entsprechender Verlaufskontrolle. Die Dosierung unterscheidet sich dabei erheblich zwischen Frau und Mann.

Inwieweit behindert eine vorhandene Schlafapnoeh die Injektion von Testosteron oder was kann auch ein Killkriterium sein?

Marco Randazzo: Ein unbehandeltes obstruktives Schlafapnoe-Syndrom stellt eine wichtige Kontraindikation für eine Testosteronsubstitution dar. Testosteron kann die «Apnoe-Hypopnoe-Rate» verschlechtern, vermutlich durch Effekte auf die zentrale Atemantriebsregulation und Veränderungen der oberen Atemwegsmuskulatur. Aus diesem Grund sollte ein bestehendes Schlafapnoe-Syndrom zunächst diagnostiziert und konsequent behandelt werden, bevor über eine Testosteronersatztherapie entschieden wird. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Pneumologen, Urologen und Endokrinologen ist dabei zentral.

Guten Abend, ich bin 50 Jahre alt und bin in den Wechsel Jahren. Gemäss meiner Zahnärztin habe ich fortgeschrittene Paradontitis und Frage, mich ob dieser Knochenschwund des Halteapparats evtl. mit den Hormonen, wie das Testosteron zusammenhängt? Kann das sein? Wen soll ich darauf ansprechen?

Ursula Gobrecht-Keller: Parodontitis kann sich verschlimmern in den Wechseljahren (mehr Entzündung und Knochenverlust), eine Hormonersatztherapie (Östrogen und Progesteron) kann schützen. Mit Testosteron ist es komplexer: Bei Männern machen tiefe Testosteronwerte die Parodontitis schlimmer, bei Frauen könnte ein erhöhter Testosteronwert sogar assoziiert sein mit erhöhtem Risiko für Parodontitis, die Evidenz ist limitiert.

Meine Frau hat Testosteron Gel bekommen in der Pre Menopause. Ich bin 53, fit und gesund. Wenn ich eine Weile etwas(kleine Menge) davon nehmen würde um mehr Energie zu bekommen, auch beim Sport, ab wann wäre es gefährlich oder hätte eine negative Wirkung? Gäbe es bereits nach kurzer Zeit beim absetzen „Entzugserscheinungen“? Mein Testo -Spiegel ist normal. Aber der Reiz wäre schon mal da. Mich wieder etwas „jünger“ zu fühlen. In den USA ist dies ja ziemlich verbreitet. Wenn’s kontrolliert abgegeben wird, ist es trotzdem immer gefährlich?

Rahel Sahli: Ich freue mich für Sie, dass Sie fit, gesund und sportlich sind und auch der Testosteronspiegel normal ist. In dieser Situation gibt es schlicht keine Indikation für eine Testosterontherapie. Eine Anwendung für mehr Energie oder als Anti-Aging Effekt ist nicht sinnvoll – es wäre ein Off-Label-Selbstversuch mit möglichen Nebenwirkungen (Akne, Haarausfall, Zunahme der roten Blutkörperchen ect). Kurz, der Nutzen wäre gering und die Risiken real. Kontrolliert abgeben wäre – in dieser Risiko-und-Nutzen-Abwägung – von mir als Ärztin keine ideale Leistung.

Mein Gynäkologe hat mir ein Produkt für Männer verschrieben (ich weiblich) und mir gesagt ich soll täglich 1/3 davon nehmen. Ist das „gefährlich“? Denn offenbar müsste es extra hergestellt werden?

Ursula Gobrecht-Keller: Es gibt kein zugelassenes Produkt für Frauen in der Schweiz, leider. Somit setzten manche Ärzte Männerprodukte ein (wobei hier eher ein Zehntel der Männerdosis zum Einsatz kommt), andere lassen die korrekte «Frauendosis» speziell in der Apotheke herstellen. Am Ende ist wichtig, dass die Blutwerte kontrolliert werden nach 6 Wochen nach Start der Therapie und dann halbjährlich, damit das Testosteron nicht zu hoch (über den weiblichen Bereich) steigt.

Bin 54-jährig und seit 3 Jahre in der Menopause, übergewichtig und leide am Faktor V Leiden, hatte schon 3 Trombosen und eine Lungenembolie. Nehme Blutverdünner, Wegovy und Condrusulf. Leide an Schlafstörungen, Erschöpfung, Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Haarausfall. Natürliche Mittel helfen nicht. Würde Testosteron helfen? Ev. auch andere Hormone?

Ursula Gobrecht-Keller: Eine niedrig dosierte transdermale Hormontherapie mit Östrogenen/Progesteron wäre die erste Wahl, damit sollten die Beschwerden deutlich bessern. Testosteron wäre nicht erste Wahl. Wenn keine Hormone gewünscht sind, können Hitzewallungen auch mit neuen Medikamenten behandelt werden, die nicht-hormonell wirken. Die anderen Beschwerden bleiben dann allerdings bestehen.

Hatte vor 5 Jahren eine Spermatozele Operation und seit ca. 3 Jahren leide ich an chronischer Müdigkeit und totaler Erschöpfung nach geringer Tätigkeit sowie Schwammigkeit im Kopf. (benebelt) Mein Testosteronwert liegt bei 10.2, bin schlank, männlich, 1.80 gross und habe Libidoverlust und kaum Lebensfreude. Hängt diese Müdigkeit mit den niedrigen Testosteron zusammen ?

Marco Randazzo: Eine Operation einer Spermatozele sollte grundsätzlich keinen relevanten Einfluss auf die Testosteronproduktion haben, da die Leydig-Zellen im Hoden, welche für die Testosteronbildung verantwortlich sind, durch den Eingriff normalerweise nicht beeinträchtigt werden.

Die von Ihnen beschriebenen Beschwerden können daher durchaus andere Ursachen haben und sollten nicht vorschnell auf einen Testosteronmangel zurückgeführt werden. In Ihrer Situation erscheint eine differenzierte hormonelle Abklärung sinnvoll. Neben dem Gesamt-Testosteron sollten insbesondere das freie Testosteron sowie das Sexualhormon-bindende Globulin (SHBG) bestimmt werden. Ergänzend sind die Hypophysenhormone, insbesondere LH und FSH, hilfreich, um zwischen einer primären und einer sekundären Störung der Hormonachse zu unterscheiden. Ebenso wichtig wie die Laborwerte ist jedoch eine sorgfältige Erhebung der klinischen Symptomatik. Erst im Rahmen eines ausführlichen Gesprächs lässt sich klären, welche Beschwerden tatsächlich bestehen und ob diese zu einem möglichen hormonellen Defizit passen. Anhand der Kombination aus Symptomen, klinischem Befund und Laborparametern kann anschliessend gemeinsam entschieden werden, ob weiterer Abklärungsbedarf besteht oder ob eine Therapie sinnvoll erscheint.

Wie beurteilen Sie die Einnahme von Clomifen für Männer?

Rahel Sahli: Zur Erklärung: Clomifen blockiert die Östrogenrezeptoren an der Hypothalamus, worauf (bei Männern und Frauen) mehr Hormone ausgeschüttet werden, die die Hoden/ Ovarien stimulieren. Entsprechend kann Clomifen bei Männern mit funktionellem Hypogonadismus und Kinderwunsch sinnvoll sein, weil es die körpereigene Testosteronproduktion anregt, ohne die Spermienproduktion zu unterdrücken. Im Kontext von Anabolikakonsum wird Clomifen oft eingesetzt, um die körpereigene Achse wieder anzukurbeln – aus diesem Grund steht es auf der WADA Dopingliste. Kurz: Die Beurteilung von Clomifen hängt vom Kontext ab.

Vielen Dank für die spannende Sendung! Woher stammt das Testosteron in diesen Präparaten ursprünglich, und wie wird es hergestellt? Unterscheidet es sich von dem, das für Männer verwendet wird?

Ursula Gobrecht-Keller: Testosteron wird aus Pflanzen hergestellt und chemisch modifiziert. Das gleiche Molekül wird Männern wie Frauen gegeben, Unterschied ist die Dosierung!

Ich bin 42 Jahre und mein Testosteron ist seit ca. 6 Jahren auf fast 0. Auch das AMH ist sehr tief. Schlafen könnte ich beinahe immer und ich frage mich, ob ich mit meiner Gyn mal über die Zugabe von Testosteron sprechen sollte?

Ursula Gobrecht-Keller: Möglicherweise sind Sie bereits in der Perimenopause und leiden an Hormonmangel/Schwankungen. Eine Hormonersatztherapie könnte helfen. Eine gute Abklärung Ihrer Müdigkeit/Fatigue ist allerdings vorher nötig. Testosteron ist hier gemäss Studien nicht hilfreich, allerdings berichten manche Frauen von einer Verbesserung der Beschwerden nach Testosteroneinnahme.

Betrifft die vorangehende Antwort von Frau Dr. Sahli zu Depression und Testosteron: Falls man sich bei Depression zum Erheben eines Testosteronspiegels entschliesst und ernierdigte Werte festgestellt werden: kann dann nebst der Gabe von Antidepressiva zusätzlich eine Gabe von Testosteron sinnvoll sein? Bei Männern und bei Frauen?

Rahel Sahli: Wir gehen von mindestens 2 eindeutig tiefen Werten bei Männern aus ? Und es kommen die erwähnt typischen Symptome und Zeichen dazu ? Wenn ja, dann würde ich als nächstes die Ursache abklären.

Grundsätzlich kommt ein Problem der Hormonstimulation durch die Hirnanhangsdrüse (die Hypophyse) oder ein Problem der Hormonproduktion durch die Hoden selbst in Frage.

Dies kann durch die Bestimmung der Hypophysenhormone (LH, FSH) genau eingegrenzt werden. Sind die Hormone inadäquat tief, ist die Hypophyse das Problem – sind sie hoch die Hoden. Ist die Lokalisation des Problems klar, folgt eine weiterführende Abklärung. Bei einer Hypophysenerkrankung umfasst dies in einem ersten Schritt die labormässige Abklärung der anderen Hormonachsen und eine Bildgebung der Hypophyse.

Sind wird mit der Ursachenabklärung durch und wir finden kein spezifisch behandelbares Problem, dann würde ich behandeln.

Bei Frauen ist die Indikation für Testosteron einzig die HSDD (hypoactive sexual desire disorder) postmenopausal, meist zusätzlich zu einer klassischen HRT.

Ich bin 48 Jahre alt und in der Prämenopause. Muss ich, bevor ich Testosteron verschreibt bekomme, den Wert im Körper ermitteln? Ich habe keinen Mangel und nehme es wg. Energiezugewinn und Muskelerhalt. Sind Testosteron D4 creme genauso gut in der wirkung wie das tesosteron liposomengel? (3mg/hub) Besten dank für Ihre Antwort.

Ursula Gobrecht-Keller: Vor Beginn einer Testosteronanwendung soll der Testosteronwert bestimmt werden, um die Ausganglage zu kennen. Sowie dann 6 Wochen nach Beginn und folgend halbjährlich sollen die Spiegel überprüft werden. Wenn Sie mit Testosteron D4 das homöopatisch potenzierte meinen, ist dieses deutlich niedriger dosiert und nicht vergleichbar mit einem mikronisierten Gel auf Liposomengrundlage

Ich hätte nochmals einige Fragen: 1. Ich bin transmaskulin und spritze mir seit Oktober 2025 alle 2 1/2 Wochen 1ml Testoviron i.m.. Bisher haben wir zum Einstellen den Hormonstatus am Ende eines Injektionszeitraums gemessen, also direkt vor der nächsten Injektion, um zu schauen, wie tief das Testosteron dann ist, in welchem Abstand ich spritzen muss. Wäre es auch notwendig den Peak zu wissen? 2. Welche Werte würden Sie kontrollieren bei der Einstellung der HRT (von Testosteron, Estradiol, FSH, LH,...)? (Es gibt da recht unterschiedliche Herangehensweisen bei den verschiedenen Ärzten.) Vor Testoviron hatte ich 4 Jahre lang Tostran über die Haut aufgetragen, hatte dann aber zunehmend zu hohe Östrogenwerte und war sehr unwohl. Mit Testoviron geht es mir besser, Estradiol ist im männlichen Normalbereich.und auch beim Bartwuchs tut sich wieder etwas. Da Sie im Chat einer Frau die Testosteron-Magistralrezeptur empfohlen haben, möchte ich dazu erzählen Es gibt eine Apotheke in Lausanne, dass ich ein paar Monate Testosteron 6%-Creme von einer Apotheke aus Lausanne aufgetragen habe (120mg/Tag), und dann mit dem Testospiegel nur noch bei 4 nmol/l war. Das Testosteronmolekül sei so gross, dass es schwierig sei, es durch die Haut zu transportieren. Das medizinische Zentrum hat auch bei anderen trans Männern diese Erfahrung gemacht, und deshalb die HRT über die Magistralrezeptur eingestellt. 3. Falls Sie eine Apotheke wüssten, deren Magistralrezeptur funktioniert, wäre es gut zu erfahren, welche das ist? Vielen herzlichen Dank!

Rahel Sahli: 1) Bei den injizierbaren Testosteronpräparaten messe ich ebenfalls jeweils den Testosterontalspiegel, also unmittelbar vor der nächsten Injektion. Ich messe (nicht regelmässig), aber als ergänzende Information auch das Östradiol gerade zu Therapiebeginn, um einen Ausblick bezüglich Suppression der Menstruation geben zu können. Auch LH und FSH messe ich gelegentlich als weiterer Hinweis für die Qualität der Testosteron-Therapie in Dosis und Intervall. Es entspricht auch meiner Erfahrung, dass mit den injizierbaren Formen manchmal eine zuverlässigere Suppression des Östrogens gelingt. 2) Die Magistralrezeptur für Testosteron bezieht sich auf eine Dosierung für postmenopausale Cis-Frauen – hier fehlt eine passende Dosierung. Für Cis- und Transmänner benutze ich die konfektionierten Präparate

Ich weiblich 53jahr alt bekam Testogel 50mg / aufzuteilen in 7 Tagen. Reagierte extrem mit Nervosität und leichter aggresivität. Ist diese Dosis zu hoch? Habe es abgesetzt momentan. Danke für die spannende Sendung!

Ursula Gobrecht-Keller: Wenn Sie einen Leidensdruck haben, können Sie nochmals einen Therapieversuch starten. Ich würde die Dosis niedriger ansetzen (Magistralrezeptur Apotheke durch GynäkologIn, Dosierung Frau zum Beispiel 3mg/Hub mikronisiertes Testosteron auf Lisposomengrundlage), und es so nochmals ausprobieren. Monitoring der Testosteronwerte nicht vergessen!

Ich bin männlich 26. Ich habe im alter von 17-21 sehr viel und intensiv (täglich in erhöhten Mengen) Cannabis und Alkohol konsumiert. Es fühlte sich so an, als ob ich dabei aufgehört habe mich Körperlich weiterzuentwickeln, der Bartwuchs kam erst schleppend nachdem ich aufhören konnte und ich bin seit ich abstinent bin auch einige Zentimeter gewachsen. Kann es sein, das durch meinen übermässigen Konsum mein Hormonhaushalt gestört ist/war? Würde dieser sich selbst stabilisieren oder wäre eine Abklärung sinnvoll?

Martin Bachmann: Danke für Ihre Frage. Ja, intensiver Cannabis-Konsum kann den Hormonspiegel beeinflussen, übermässiger Alkoholkonsum gar noch deutlicher. Beide Substanzen interagieren mit dem endokrinologischen System des Körpers. Wenn ihre Frage sie belastet, ob sie noch an Spätfolgen des Konsums von damals allenfalls leiden könnten, und noch mehr, wenn Sie reale Symptome aufweisen, dann empfehle ich Ihnen auf jeden Fall eine fachärztliche Abklärung. Schwacher Bartwuchs kann mit einem ungenügenden Testosteron-Wert zusammenhängen, muss aber nicht daran liegen.

Ich bin 60 Jahre, m, und habe seit 3-4 Jahren Probleme mit einer länger dauernden Erektion. Auf die typischen Medikamente welche meist verabreicht werden spreche ich nicht wirklich gut an. Würde in einem solchen Fall eine Testosteron Unterstützung evtl. helfen? Oder was würden Sie vorab noch für klinische Abklärungen empfehlen?

Marco Randazzo: Bei der Abklärung einer erektilen Dysfunktion gehört die Bestimmung der relevanten Hormonwerte zum diagnostischen Standard. Liegt der Testosteronspiegel im Normbereich, sollten weitere mögliche Ursachen der Erektionsstörung abgeklärt werden. Hierzu zählen insbesondere vaskuläre, neurologische, medikamentöse sowie psychogene Faktoren. Neben einem Wechsel des PDE-5-Hemmer-Präparates kann auch die Verwendung eines Peniskonstriktionsrings (Gummiring) sinnvoll sein, insbesondere wenn die Erektion nicht ausreichend aufrechterhalten werden kann. Darüber hinaus ist ein regelmässiges Schwellkörpertraining empfehlenswert, um die Durchblutung und Sauerstoffversorgung des Schwellkörpergewebes zu fördern. In Ihrer Situation ist eine gezielte urologische Beratung sinnvoll, um die zugrunde liegende Ursache genauer einzugrenzen und ein individuell angepasstes Behandlungskonzept zu erstellen.

Ich bekam Testosteron weil ich mehr Power und Energie zum Fahrradfahren wollte. Die Wechseljahre trafen mich sehr stark. Mit den Bioidentischen Hormonen ist alles wieder besser. Einfach die Energie zum Fahrradfahren war immer noch weg. (Ich fuhr auch rel. erfolgreich Fahrradrennen). Das Testosteron nahm ich nur kurz. Es machte mich sofort sehr nervös und teils aggressiv. Denken sie mit niedriger Dosis könnte ich es nochmals probieren? Testogel 50mg / aufgeteilt auf 7Tage. Schon als jung war ich tendenziell immer eher nervös und hatte bestimmt von natur aus viel Testosteron. Besten Dank. Weiblich 53jährig und sehr aktiv.

Rahel Sahli: Wenn ich davon absehe, dass die Indikation (Energieverlust und Leistungsabfall) für Testosteron nicht leitliniengerecht war – Sie haben selbst bemerkt, dass sie bereits bei kleinen Mengen nervös und aggressiv geworden sind – das alles spricht für mich eher gegen einen ursächlichen Zusammenhang der Symptome mit einem Testosteron-Mangel und gegen eine erneute Einnahme. Ich empfehle eine Abklärung die verschiedene Bereiche mit einbezieht: wie Schlaf, Regeneration, Schilddrüsenwerte, B12, Eisen, kardiovaskuläre Gesundheit und Übertraining.

SRF 1, Puls, 08.06.2025, 21:05 Uhr ; 

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