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Für Libido und Muskeln Influencer werben für gefährliche Testosteron-Therapien

Influencer werben im Netz für Testosteron-Therapien. Vor allem junge Männer wollen damit leistungsfähiger werden. Die Risiken: Lungenembolien, Knochenbrüche – und Fruchtbarkeitsprobleme.

Die sozialen Netzwerke sind derzeit voll mit Posts zum Thema: Männer und Hormone.

Und obwohl es die meisten Männer gar nicht nötig haben, lautet der Tenor: Teste deinen Testosteronspiegel – und lass dich behandeln.

Die Inhalte zielen, wie so oft auf Social Media, auf junge Männer.

Stark mit Testosteron: Das sagt der Urologe (dt. Untertitel):

Viele Influencer versprechen, dass man mit Testosteron-Ersatztherapien (TRT) Müdigkeit, Reizbarkeit, Konzentrationsschwächen und Libidoverlust behandeln könne.

Der Trend kam im englischsprachigen Raum auf. In Grossbritannien ist die Nachfrage nach Testosteron-Ersatztherapien in den letzten Jahren stark gestiegen, sagen die dortigen Gesundheitsdienste.

Mann beim Bankdrücken im Fitnessstudio, mit Betreuer im Hintergrund.
Legende: Plattformen wie Tiktok sind voll mit Inhalten, die für Testosteron werben. Tiktok / testosteronexxtren

Mittlerweile ist das Phänomen auch in Europa angekommen. In der Schweiz gibt es keine genauen Zahlen, aber der Trend manifestiert sich auch hier.

Fitness-Experten sehen das mit Skepsis. «Wir sind zu 100 Prozent dagegen. Aber leider zeigen Influencer den Jungen auf Instagram, auf TikTok, wie sie mit diesen Produkten trainieren», sagt Alain Ahmerd vom Schweizerischen Fitness- und Gesundheitscenter-Verband gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS).

«Die Risiken sind erheblich», fügt Amherd hinzu. Sobald man Testosteron einnehme, bringe man seinen Stoffwechsel durcheinander. Es habe deswegen schon Todesfälle gegeben.

In der Schweiz ist der Verkauf solcher Testosteron-Präparate verboten. Das hindere die Jungen aber nicht daran, sich auf ausländischen Plattformen damit zu versorgen, so Amherd: «Es ist ein Markt, der nicht wirklich überwacht wird.»

Heimtests wenig zuverlässig

Leicht und legal erhältlich sind in der Schweiz hingegen Tests, mit denen man seinen Testosteronspiegel zu Hause messen kann. Die Aussagekraft solcher Heimtests ist jedoch beschränkt (siehe Box).

Richtige Tests sind teuer

Box aufklappen Box zuklappen

Für eine präzise Testosteronspiegel-Messung sei eine ziemlich komplizierte und teure Methode nötig, die sogenannte Flüssigkeitschromatographie, sagt der Urologe Laurent Vaucher vom Genfer Unispital. Die Proben können morgens zu Hause entnommen werden. Der Test wird dann an ein Labor geschickt. Dieses liefert einige Tage später das Ergebnis.

«Die Schwierigkeit besteht darin, dass man einen Rohwert erhält und bestimmte Variablen fehlen, die für die Interpretation des Ergebnisses nützlich sind», erläutert Vaucher. «Ein bestimmter Wert kann für eine Person X völlig ausreichend sein und für eine Person Y als unzureichend betrachtet werden.»

In der Schweiz werden Testosteron-Ersatztherapien ausschliesslich aus medizinischen Gründen durchgeführt – in Form von Gels oder Injektionen, etwa bei Personen, die aufgrund einer Krankheit oder ihres Alters einen Testosteronmangel haben. Die Therapie wird nicht von der obligatorischen Krankenversicherung (KVG) übernommen.

Diese Behandlungen können zwischen 100 und 200 Franken pro Monat kosten, manchmal sogar mehr.

Während sich medizinisch angezeigte Therapien meist an ältere Männer richten, zielen die Influencer im Netz auf junge Männer. Ihnen geht es darum, ihre Leistungsfähigkeit zu steigern – im Sport oder beim Sex.

Tate und Trump sind auch dabei

Maskulinistische Bewegungen wie die sogenannte Manosphere tragen zum Testosteron-Hype bei.

In den USA brüstete sich kürzlich Andrew Tate, eine der Galionsfiguren der Bewegung, mit seinem angeblich hohen Testosteronspiegel und macht sich über jene mit «niedrigem Spiegel» lustig. Der Diskurs gelangte sogar bis in die oberste Machtetage, als der umstrittene US-Gesundheitsminister Robert Kennedy Jr. den angeblich hohen Testosteronspiegel von Präsident Donald Trump lobte.

Risiko auch für Fruchtbarkeit

«Ohne medizinische Betreuung sind die Risiken erheblich», sagt der Urologe Laurent Vaucher, der am Universitätsspital Genf unter anderem in der Fruchtbarkeitsberatung tätig ist. Mögliche Folgen: Thrombosen, Lungenembolien, Knochenbrüche – vor allem aber auch «grössere Risiken im Zusammenhang mit der Fruchtbarkeit», so Vaucher.

«Wenn man über längere Zeit Testosteron in grossen Mengen einnimmt, verlieren die Hoden ihre Fähigkeit, selbst Testosteron zu produzieren», erklärt der Genfer Urologe. Als Folge davon müssten die Betroffenen ein Leben lang Testosteronpräparate einnehmen.

Es sei nicht selten, dass junge Männer in seine Beratungen kommen, die Testosteron eingenommen haben, wissentlich oder nicht. Und die danach Fruchtbarkeitsprobleme haben.

RTS, La Matinale, 05.02.2026, 7:00 Uhr; noes

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