Zum Inhalt springen

Header

Fachrunde des PULS-Chats
Legende: Sabine Brunner, Christine Meyer Rey, Daniel Rosch und Monica Somacal srf
Inhalt

Trennung – was nun? «Wie sagt man den Kindern, dass man sich trennt?»

Sabine Brunner, Christine Meyer Rey, Daniel Rosch und Monica Somacal haben Ihre Fragen im «Puls»-Chat beantwortet.

Fachpersonen im «Puls»-Chat

Box aufklappen Box zuklappen

Sabine Brunner
Psychologin, Psychotherapeutin und Supervisorin
Marie Meierhofer Institut für das Kind, Zürich

Dr. Christine Meier Rey
Erziehungswissenschafterin mit Spezialisierung Kindesschutz und Sonderpädagogik
Büro für Zielstrebige Beratung, Wettingen

Prof. Daniel Rosch
Systemischer Familientherapeut (DGSF), Sozialarbeiter/Jurist, Kindes- und Erwachsenenschutzspezialist
Hochschule Luzern Soziale Arbeit

Monica Somacal
Paar- und Trennungsberaterin
Kursleiterin Verein «Kinder im Blick» Region Basel

Chat Protokoll

Wie kommuniziert man die Trennung gegenüber den Kindern am besten?

Christine Meier Rey: Guten Abend Kinder haben ein Anrecht darauf, frühzeitig zu erfahren, wenn sich in der Familie etwas verändert. Sie sollen nicht allein gelassen werden mit ihren Fantasien, Ahnungen und Ängsten. Wenn die Kinder Fragen stellen, beantworten Sie diese sachlich und ehrlich. Sie können sagen, dass sie als Paar zusammen eine schwierige Phase haben, sich nicht mehr gut vertragen. Die Kinder erfahren so, dass es eine Krise als Paar ist und Sie als Eltern weiterhin für ihre Kinder da sind.

Mein Mann und ich sind im Scheidungs-Prozess und werden nächste Woche unserem 4 Jährigem Sohn (und 1 Jähriger Tochter) die Trennung und das Ausziehen des Papa mitteilen. Wie wird dies am besten kommuniziert damit es für die Kinder am besten/einfachstem zu verstehen ist?

Christine Meier Rey: Guten Abend Wichtig ist, dass die Kinder verstehen, dass sie Eltern bleiben und die Kinder regelmässige Kontakte zu Mutter und Vater haben. Erläutern Sie den Kindern konkrete Situationen. Wo sie leben werden, wann sie Mutter und Vater sehen werden, mit wem sie Ferien verbringen, wer sie von der Kita abholt. Wenn es möglich ist, planen sie Ausflüge zu viert. Weiter relevant für Kinder ist, dass Bezugspersonen wie Grosseltern, Patin, Onkel etc. bleiben und weiterhin mit den Kindern Kontakte haben. Sagen Sie den Kindern was gleich bleibt und was sich ändert. Und versichern Sie den Kindern, dass Sie sie lieb haben und sie nichts mit der Trennung zu tun haben. Die einjährige Tochter wird mit Zuwendung und Körpersprache verstehen, dass sie sie lieben und als Eltern für sie da sind.

Wellches Kindsalter ist das «schwierigste» bei einer Trennung? Also in welchem Alter haben die Kinder am meisten «Mühe»?

Sabine Brunner: Das kann nicht so einfach beantwortet werden. In jedem Alter gibt es bei einer Trennung der Eltern einiges zu bewältigen. Im jungen Alter kämpfen Kinder oft mit der Sehnsucht nach einem Elternteil, wenn sie beim anderen sind. Oder sie lernen den einen Elternteil gar nicht richtig kennen, weil die Trennung sehr früh war. Wenn die Kinder ältern sind, haben sie sich ein Familienbild mit bestehenden Beziehungen aufgebaut, die es nun umzubauen und den Schmerz zu verarbeiten gilt... Wichtig: die Anliegen und Bedürfnisse der Kinder aufnehmen und möglichst darauf reagieren – und das in jedem Alter.

Unsere Tochter ist 5. Wir sind seit einem Jahr getrennt, leben aber dennoch als familien-wg zusammen. Sollen wir unseren status trotzdem aktiv mit ihr ansprechen oder nur, wenn sie nachfragt?

Monica Somacal: Es gibt verschiedene Beziehungsmodelle. Wenn Sie sich als Eltern untereinander verstehen, wunderbar. Wenn ihr Kind Fragen hat beantworten Sie diese möglichst ehrlich und lassen sie wissen, dass Sie als Mama und Papa immer für sie da sein werden.

Wir haben uns letzten Sommer auch räumlich getrennt, unsere Tochter war damals knapp vier Jahre alt. Wir wohnen in derselben Strasse und pflegen einen respektvollen Umgang miteinander. Von aussen habe ich das Gefühl, es habe sich sehr viel Spannung gelöst, unsere Tochter wirkt zufrieden. Irgendwie scheint es für sie «kein» Thema zu sein... Wie kann ich trotzdem aufmerksam genug sein? Sollte ich es mehr mit ihr thematisieren? Ich kann nur schwer einschätzen, wie sie es altersentsprechend verarbeitet. Und ob...

Monica Somacal: Ein respektvoller Umgang miteinander als Eltern kann sehr viel zur Entspannung beitragen. Wenn Ihre Tochter zufrieden wirkt, bin ich sicher, sie ist es auch. Als Eltern merkt man Veränderungen der Kinder. Tauschen Sie sich mit dem anderen Elternteil über Ihre Wahrnehmung aus. Ich bin sicher auch das Umfeld würde auf ein verändertes Verhalten der Tochter reagieren. Sie scheinen alles Richtig zu machen

Wir sind seit 7 Jahren geschieden. Meine Kinder, vor allem mein Sohn [22) leidet immer noch massiv unter der Trennung. Konkrete Auswirkung ist die starke Verlustangst in seiner Beziehung. Was denken sie über eine späte Psychotherapie?

Christine Meier Rey: Psychotherapie ist eine gute Option für die Verarbeitung von Traumata. Ihr erwachsener Sohn sollte sich jedoch selber dazu entscheiden. Als Mutter können Sie ihn über Therapiemöglichkeiten informieren.

Guten Tag, meine Frau und ich haben uns entschieden uns zu trennen. Wir haben ein trotz dem Entscheid der Trennung einen sehr harmonischen Umgang und verbringen aktuell noch viel Zeit miteinander sowie mit unserer 6jährigen Tochter. Aktuell wohne ich noch zu Hause habe jetzt aber eine Wohnung in der nähe unseren aktuellen Wohnortes gefunden. Uns ist es wichtig, dass wir nach wie vor die häusliche nähe haben zu beiden Elternteilen. Uns stellt sich aktuell die Frage wie wir mit dem Schuleintritt umgehen, wir vermuten dass zwei starke Veränderung eventuell zu viel für unsere Tochter sein könnte und überlegen uns dass sie vorab zu Hause bei seinem Mami bleibt und ich nach wie vor viel zu Hause bin und fortlaufend mein zweites zu Hause einrichte. Ziel ist es abzuschätzen wie unsere Tochter mit den beiden neuen Situationen umgeht oder ist ein klarer Schnitt einfacher für unsere Tochter? Oder was würden sie uns empfehlen? Sie fühlt sich sehr wohl zu Hause und hat links wie rechts in der Nachbarschaft gleichaltrige Kinder, welche ebenfalls mit dem Schuleintritt starten.....unsere Tochter strebt sehr nach Struktur & Gewohnheiten......Haben sie uns einen Tipp? Herzlichen Dank für ihre Hilfe.....

Christine Meier Rey: Guten Abend Wie Sie die aktuelle Situation schildern, geht es Ihnen als Eltern und ihrer Tochter gut. Ihre Tochter hat ein Zuhause, wo sie beiden Eltern trifft. Da ihre Tochter mit den Nachbarskindern zusammen die Schule besucht, von ihrem bekannten Zuhause aus zur Schule gehen kann, tönt dies nach einem guten Schritt. Nach und nach wird sie das neue Zuhause bei Papa kennen lernen und auch dort mit Ihnen Zeit verbringen.

Guten Tag Wir sind seit 4 Monaten getrennt, teilen uns die Betreuung 60/40% auf und wohnen sehr nah beieinander (2 Minuten Gehdistanz). Am letzten Wochenende haben wir zusammen als Familie Znacht gegessen. Später ging ich dann zurück in meine Wohnung, die Kinder (Jungs, 7 und 9) blieben über Nacht spontan nochmals bei ihrem Vater, obwohl eigentlich geplant war, dass sie zu mir kommen. Wir möchten ihnen aber bestmögliches Mitentscheiden anbieten, so war das für mich kein Problem, dass sie noch bei ihm blieben. Für den jüngeren Sohn war das gemeinsame Znacht schön, der ältere aber meinte, dass es ihn dann traurig mache, wenn ich danach nach Hause gehe. Nun meine Frage: Sollen wir dennoch versuchen, dies weiter so ab und zu durchzuführen? Oder ist das zu früh für alle und führt nur zur Verwirrung der Kinder und der Hoffnung, dass wir wieder zusammenkommen? Danke für die Klärung. Auch zur Frage, ob es sinnvoll ist, dass die Kinder beim Übernachten mitentscheiden dürfen in diesem Alter oder ob dies eine Überforderung für sie ist. Beste Grüsse

Monica Somacal: Guten Abend So wie Sie die Situation beschreiben, scheint es gut zu funktionieren. Es spricht nichts dagegen, ab und zu ein gemeinsames Abendessen mit den Kindern durchzuführen. Auch gegen andere gemeinsame Aktivitäten ist nicht einzuwenden. Für die Kinder bleiben Sie immer die Eltern. Kinder können immer wieder traurigen Gefühlen haben. All diese Gefühle haben ihre Berechtigung. Sie können Ihr Kind darin unterstützen mit diesen Gefühlen umzugehen. Bei der Organisation der Betreuungszeit sollten Sie auch darauf achten, dass Sie genügend Erholungszeit haben. Sie müssen Ihr Leben neu organisieren und gestalten. Dies gilt für beide Elternteile. Gegen eine gewisse «Flexibilität» spricht nichts. Ein regelmässiger Rhythmus gibt den Kindern Sicherheit. Ich wünsche Ihnen

Was soll man als Grund der Trennung den Kindern sagen, wenn man betrogen wurde? Die Wahrheit macht den Betrüger zum Schuldigen & die Kinder verachten die Person vielleicht. Aber lügen ist das besser?

Sabine Brunner: Ich denke, es ist grundsätzlich wichtig, mit Kindern auch über schwierige Realitäten zu sprechen. Allerdings ist es dabei nötig, nicht gleichzeitig die eigenen Emotionen in aller Schwere oder etwa die eigene «Verurteilung» mitzuteilen. Auch sollten die Kinder immer noch die Freiheit verspüren können, den anderen Elternteil auch zu lieben und zu achten. Sie könnten also beispielsweise den Kindern erklären, dass die Liebe der Erwachsenen bisweilen unberechenbar ist. Dass Erwachsene sich manchmal «entlieben» und dann wieder verlieben. Dass das wohl mit dem Vater (sie sprechen vom Vater, oder?) geschehen ist. Ihre eigenen Emotionen können, anstatt dass Sie sie einfach zeigen, ebenfalls vorsichtig in Worte gepackt und auf diese Weise für die Kinder «verdaubar» gemacht werden. Etwa: Das ist für mich nun sehr schwierig, manchmal bin ich wütend, dann wieder traurig, dann... Zum Schluss könnte etwas Entlastendes über den Vater gesagt werden: Bspw. Aber ich denke eigentlich, dass der Papa das nicht extra gegen mich gemacht hat....und das hat auch nichts mit dem, was Du / was Ihr am Vater toll findet, zu tun! Ebenfalls ist es auch gut, wenn der andere Elternteil seine eigene Sicht den Kindern erzählt – selbstverständlich mit der oben beschriebenen Vorsicht. Manchmal gehen sich trennende Eltern in eine Beratung, um zu klären, wie Sie mit den Kindern über die Trennung und die Gründe dazu sprechen möchten.

Guten Tag Meine Frau und ich haben schon längere Zeit über eine Trennung nachgedacht. Ich arbeite 100% und meine Frau 40%. Wie wäre der Kontakt zu meinen geliebten zwei Kinder zu regeln? Ich würde auch mein Pensum reduzieren und meine Frau könnte dies erhöhen. Ich bedanke mich im Voraus.

Monica Somacal: Wenn Sie Ihr Pensum reduzieren können und Ihre Frau Ihres gleichzeitig erhöhen würde, könnten Sie über eine alternierende Obhut nachdenken. Die Kinder wären dann im Wechsel jeweils bei beiden Elternteilen. Günstig wäre es, wenn die zwei Wohnorte nicht zu weit voneinander entfernt wären.

Wie lange brauchen Kinder um eine Trennung zu verarbeiten?

Monica Somacal: Dies ist sehr individuell und kommt auf verschiedene Faktoren an. Wichtig ist ein respektvoller Umgang mit dem anderen Elternteil. Auch regelmässige Kontakte sind sehr wichtig. In verschiedenen Städten gibt es zudem Gruppen für Kinder deren Eltern in Trennungen sind. Das Alter der Kinder spielt auch eine Rolle. Manchmal kann es hilfreich sein sich professionelle Hilfe zu holen.

Meine Eltern haben sich getrennt/geschieden als ich 5 Jahre jung war. Es gab zwar keine 14-Tage Wochenend- Regelung, dennoch fühlte ich mich immer schlecht und traurig, weil ein Elternteil immer auf der Strecke blieb. Hatte damals sehr oft Heimweh. Heute bin ich 31. und leide immer noch an diesem „Heimweh“- Gefühl. Wie kriege ich das weg?9

Monica Somacal: Wenn Sie das Gefühl von Heimweh in Ihrer aktuellen Situation immer noch beeinträchtigt würde ich Ihnen empfehlen dieses Gefühl welches mit der Trennung im Zusammenhang steht in einer Therapie aufzuarbeiten. Es könnte sich lohnen.

Ich möchte wissen, wie ich meine Nichte 10Jahre alt und Neffen 9Jahre alt besser unterstützen kann. Ihre Eltern sind sich noch nicht sicher, wollen sie sich trennen oder nicht. Sie streiten viel. Ich habe die Kinder schon erlebt, wie sie nicht einschlafen konnten, weil sie Angst um Mama und Papa hatten. Ich versuchte sie zu beruhigen und gut zuzureden. Dies ist 3/4 Jahr her und die Situation zu Hause wurde nicht besser. Die Eltern sprechen aber mit mir nicht offen über das ganze, was in Ordnung ist. Ich sehe die Kinder nur selten, konnte aber feststellen, dass sie nicht mer gleich offen und fröhlich sind wie früher. Ich möchte einfach für die Kinder da sein, weiss aber nicht wie oder was ich das tun kann?

Monica Somacal: Es ist wunderbar wenn Sie sich mit den Kindern abgeben. Sie scheinen eine wichtig Bezugsperson zu sein. Sie können den Kindern vermitteln, immer für sie da zu sein. Gewähren Sie den Kindern einen geschützten Raum, ohne Streitereien. Das ist schon sehr viel.

Ich 35Jahre alt. Seit ich denken kann, haben meine ELtern gestritten. Ich habe mir schon als KInd gewünscht, dass sie sich besser getrennt hätten. Sie wollten aber krampfhaft zusammen bleiben wegen der Kinder und des Geldes. Glücklich waren sie nicht damit. Und ich auch nicht denn sie waren andauernd mit ihren Problemen beschäftigt so das kaum Platz für mich war. Manchmal ist Trennung der bessere Weg auch für die Kinder.

Monica Somacal: Wenn Eltern dauernd mit sich und ihren Problemen beschäftigt sind, haben Sie den Blick nicht frei für die Bedürfnisse der Kinder. Es stimmt, manchmal bringt eine Trennung Ruhe ins System und die Situation entspannt sich. Manchmal gehen die Streitereien jedoch unvermindert weiter. Auch das gibt es. (Leider)

Guten Abend – ich steh etwas an, da meine Tochter (fast 11 Jahre) mir gegenüber sagt, dass sie Angst hat dem Papa zu sagen, dass sie mit einigen Dingen nicht einverstanden ist. Sie möchte seine Stimmung nicht kapput machen und fängt an zu überlegen was und wie sie erzählen kann, damit er glücklich ist. Ich versuch sie zu motivieren das Gespräch dazu zu suchen, biete ihr Hilfe (kann von mir, Verwante oder professionel sein) an. Noch möchte sie dies alles nicht, da sie sich dabei nicht wohl fühlt. Was kann ich sonst noch tun? Besten Dank und freundliche Grüssse

Sabine Brunner: Es ist gut möglich, dass ihre Tochter sich zur Zeit zwar bei Ihnen beklagen, jedoch nicht in die Auseinandersetzung mit ihrem Vater gehen möchte. Selbstverständlich möchten Sie ihre Tochter so gut wie möglich unterstützen. Die beste Unterstützung ist jetzt wohl, zu akzeptieren, dass ihre Tochter das Gespräch mit dem Papa nicht suchen möchte. Ihr vielleicht in Aussicht stellen, dass es gut sein kann, dass sie dies macht, wenn sie ein wenig älter ist. Auch dann, das können Sie betonen, wären Sie für sie da.

Welche Spätfolgen können Scheidungskinder denn bekommen?

Sabine Brunner: Das hängt davon ab, wie stark (und auch wie lange) Scheidungskinder in einer gespannten, strittigen Atmosphäre aufwachsen müssen, wie wenig dabei auf ihre Anliegen und Bedürfnisse eingegangen werden konnte. Wenn die Trennung / Scheidung der Eltern nicht von anhaltenden Spannungen begleitet wird, sind keine «Spätfolgen», also keine speziellen psychischen oder körperlichen Belastungen zu erwarten. Wenn es den Eltern jedoch nicht gelingt, in einen «spannungsarmen» Zustand zu kommen, muss davon ausgegangen werden, dass sich dies beim Kind konkret und später als psychische und/oder körperliche Belastungen und Krankheitsanfälligkeiten manifestiert.

Mein Mann und ich sind seit April getrennt und wohnen noch zusammen – die Stimmung ist unterdrückend und wir schweigen uns viel an. Wir teilen uns schon seit längerem die Wochenende mit den Kindern auf und gehen uns aus dem Weg. Wie wird unser Sohn (4 Jahre) die Trennung in diesem Alter aufnehmen wenn wir ihm dies kommunizieren und der Papa bald ausziehen wird? Er wird Papa 1x in der Woche und jedes 2. Wochenende sehen. Er startet im August mit dem Kindergarten (wird aber weiterhin von der KITA anstelle der Tagesstruktur betreut um Stabilität zu gewährleisten und die Betreuungspersonen nicht zu viel zu ändern). Was für Effekte können diese Änderungen in so einer kurzen Zeit verursachen??

Sabine Brunner: Kinder im Alter Ihres Sohnes registrieren meist nicht die Tragweite der Trennung dann, wenn ihnen diese eröffnet wird. Und wenn der Alltag in vielerlei Hinsicht weitergeht, ist die neue Situation für sie noch längere Zeit nicht wirklich reell. Erst wenn sich Folgen wie etwa ein Vermissen der Mama, des Papa, des gewohnten Zimmers sich einstellt oder wenn etwa für das Kind störende Wechsel zwischen den Eltern zustandekommen, wird die Trennung für junge Kinder spürbar. Sie können ihm helfen, indem Sie die Situationen möglichst seinen Bedürfnissen anpassen – und indem Sie ihm immer wieder Orientierung und Erklärungen liefern.

Ich habe mich vor 3 Monaten von meinen Mann getrennt, weil ich keine Gefühle mehr für ihn habe. Er hat aber noch welche für mich. Wir leben aktuell als Eltern-WG und unternehmen viel als Familie (Nachtessen, Familienausflüge ect.). Die Kinder wissen nicht, dass wir getrennt sind. Sie haben auch keine Fragen gestellt, als wir «plötzlich», seperate Zimmer hatten Gibt es für die Kinder (6 & 4) Nachteile einer Eltern-WG? Auf was sollte man achten?

Monica Somacal: In dieser Phase wäre es sinnvoll die Situation in einer Paartherapie zu reflektieren. Auch um weitere Schritte zu planen. Es gibt Ihnen Klarheit wohin Sie Ihre weitere Reise führen könnte. Eltern bleiben Sie auch nach einer Trennung.

Ich habe einen sohn der 3jahre alt ist,in einem monat kann ich in meine eigene wohnung ziehen. Ich arbeite 80% und mein ex partner 100%. Da ich flexibel in meiner arbeit bin, wird mein sohn mehr bei mir sein.auch verwaltung, arzt erledige ich jetzt schon. Wir haben das gemeinsame sorgerecht. Meine zwei fragen. Wer hat die hauptverantwortung/ obhut? Und wird der unterhalt berechnet. Was steht mir zu? Kindergeld, etc?

Daniel Rosch: Bei gemeinsamer elterlicher Sorge haben beide geteilte Elternverantwortung. Zur elterlichen Sorge gehört auch die Frage nach der Obhut, also wo das Kind lebt (Befugnis zur täglichen Betreuung) . Das kann vorwiegend bei einer Person sein, aber auch bei beiden sog. geteilte/alternierende Obhut, die nicht nur bei 50%/50%, sondern schon ab 30% Betreuung möglich zu sein scheint. Sie haben sich somit – wenn immer möglich gütlich – über die Obhut zu einigen; andernfalls ist das Gericht (bei Scheidung) oder die KESB (bei nichtverheirateten Paaren) zuständig. Der Unterhalt ist eine relativ komplizierte Sache. Ich habe bei einer Frage weiter oben versucht, die Grundsätze herauszuschälen (siehe dort).

Ist es für Kinder prägender wenn eine Trennung in den frühen Kinderjahren kommt oder prägender wenn es erst erfolgt wenn die Kinder ein wenig älter sind?

Daniel Rosch: Eine Trennung erscheint mir immer ein kritisches Lebensereignis zu sein, das prägend wirkt. Das ist nicht altersabhängig, sondern vielmehr wie mit den unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder umgegangen wird, mit ihren (altersbedingt) unterschiedlichen Ängsten und Sorgen und damit einhergehenden Verunsicherungen in Bezug auf die Neugestaltung von Beziehungen, Umzug etc.. Eltern, die hier auf die Gefühls- und Lebenswelt eingehen können, schaffen in der Regel eine vertrauensvolle Sicherheit für das Kind und die Trennung ist weniger prägend (in einem negativen Sinne).

Mein Partner ist geschieden und hat 3 Kinder. Die 2 älteren Kinder haben den Kontakt komplett abgebrochen. Eines davon hat sogar explizit gewünscht, dass kein Kontakt aufgenommen wird. Die Mutter sagt, dass das Problem nichts mit ihr zu tun hat, er solle selber schauen, dass er das wieder hinbekomme. Das 3. Kind ist noch nicht volljährig und hat eine Behinderung, dieser Kontakt besteht, ist intakt und liebevoll und wird auch von der Mutter gefördert. Was kann man als Partnerin tun? Was kann man als Vater tun?

Sabine Brunner: Das klingt traurig und ist sicherlich schwierig für Ihren Partner. Wenn ich Sie richtig verstehe, sind die beiden älteren Kinder bereits volljährig. Kontakt kann in der Regel kaum erzwungen werden, auch nicht bei jüngeren Kindern. Umso mehr bleibt bei erwachsenen Kindern nicht viel anderes übrig, als zu akzeptieren, dass Kontakt zur Zeit nicht möglich ist. Versuchen zu erahnen, welche Aufmerksamkeiten allenfalls doch ankommen könnten, respektvoll zu bleiben, sich zurückzuhalten ... vielleicht Briefe zu schreiben und nicht abzuschicken, versuchen zu verstehen, wie es dazu gekommen ist, den Schmerz verarbeiten.

Guten Abend Wir haben uns getrennt. Unsere Sohn ist 1,5 jährig. Die mehrheitliche Betreuung lag bei einem Elternteil. Der andere Elternteil wünscht nun eine sofortige 50/50 Aufteilung. Ist das fuer das Kind nicht zu früh so ein hin und her?

Sabine Brunner: Für junge Kinder ist es zentral, dass ihre Bindungsbedürfnisse ernst genommen und geschützt werden. Auch eine gute Bindung an die Mutter (oder den Vater) kann verunsichert werden, wenn das Kind plötzlich ständig und allenfalls gar gegen seinen Willen von seiner Mutter bzw. seiner engsten Bindungsperson entfernt wird. Neue Betreuungssettings müssen langsam aufgebaut werden. Immer wieder soll bei einem solchen Aufbau geschaut werden, auf was das Kind wie reagiert und wie allenfalls darauf reagiert, wie Anpassungen vorgenommen werden können.

Wir haben uns entschieden für die Trennung. Jetzt ist es jedoch so, das es für meinen Mann einiges schwieriger ist als für mich. Die Vereinbarung mündlich was das ich bis meine jüngste Tochter ausgezogen ist, ich in der Eigentumswohnung bleiben darf, danach wird die Wohnung verkauft. Jetzt möchte er aber die Wohnung verkaufen, da er es nicht fair findet, das ich in der schönen Wohnung bleiben darf und er in einer kleineren Wohnung ziehen muss. Gibt es eine Schonfrist, das ich erst ausziehe muss, sobald ich etwas bezahlbares gefunden habe, oder wie ist das? Falls ich Ihn auszahlen könnte, ist es der Marktpreis oder was wir bezahlt haben. Meine Kids finden es übrigens in Ordnung, das wir uns trennen. Denn Sie haben auch gemerkt, das es so nicht ideal ist. Danke für die Antwort

Monica Somacal: Es wäre schön, wenn Ihre Kinder mit Ihnen in der Wohnung bleiben könnte. Beim Verkauf der Wohnung gilt der aktuelle Verkaufswert. Der Erlös, abzüglich Hypothek wird aufgeteilt. Es muss Ihnen eine angemessene Zeit zum finden einer bezahlbaren Wohnung eingeräumt werden. Besitz wird endgültig bei der Scheidung aufgeteilt. Vielleicht können Sie Ihren Mann überzeugen noch zuzuwarten.

Wir sind noch verheiratet aber getrennt, ich arbeite 50% und er 80%. Er wird ausziehen und ich werde voraussichtlich in der jetzigen Wohnung bleiben. Wie ist das wenn man getrennt ist, muss der Vater für die Wohnung von Mutter und Kind auch aufkommen oder muss die Mutter die Ganze Miete bezahlen? Wo kann man eine Trennungsvereinbarung machen? Wir wollen für die gemeinsame Tochter (5) nicht zu viel Umstellung auf einmal, wie handhaben wir das am besten?

Daniel Rosch: Der KIndesunterhalt umfasst den sogenannten Naturalunterhalt (unmittelbare Pflege, Erziehung und Betreuung des Kindes), den Barunterhalt (direkte Kinderkosten, wie Ernährung, Kleidung, Unterkunft etc.) und den Betreuungsunterhalt (Kosten, die dem betreuenden Elternteil in der Zeit entstehen, währeden der diesem sonst die Ausübung einer Erwerbstätigkeit möglich wäre). Beide Elternteile sind nach Zivilgesetzbuch zum Unterhalt verpflichtet. Grundsätzlich wird den Elternteilen zugemutet, ihre Erwerbsarbeit zugunsten des Kindes auszuschöpfen, wenn es für den Unterhalt notwendig ist. Daher wäre in einem ersten Schritt zu klären, wer wieviel Betreuungsanteil übernimmt und wie hoch die Einnahmen sind. Diese werden in Bezug zum betreibungsrechtlichen Existenzminimum gesetzt und der Überschuss verteilt. Daher kann hier nicht genau gesagt werden, wer für die Miete aufkommen muss. Es bedarf aufgrund der (unterdessen) komplizierten Rechtsprechung nicht selten einer Beratung durch eine Fachperson (kommunale, regionale, kantonale Scheidungs-/Trennungsberatung) oder auch durch eine Rechtsanwält:in. Diese machen in aller Regel auch Trennungsvereinbarungen, die in der Regel nach Alter abgestuft und indexiert sind und bis zum Abschluss einer angemessenen Ausbildung dauern sollten. Wichtig: Vereinbarungen über den Kindesunterhalt bei minderjährigen Kindern müssen für ihre Gültigkeit von der KESB bzw. vom Gericht genehmigt werden.

Kann eine Trennung der Eltern für alle Beteiligten (konkret drei Kinder) und viel agressiver Streit in der Familie auch dann gewinnbringend sein, auch wenn es wahrscheinlich nach der räumlichen Trennung weiterhin zu keinem besseren Verhältnis der Eltern zueinander kommen wird?

Monica Somacal: Viele aggressive Auseinandersetzungen zwischen den Eltern kann die Entwicklung der Kinder beeinträchtigen. Auch Ihr Wohlbefinden leidet anscheinend unter dieser Situation. Die Wahrscheinlichkeit, dass nach einer räumlichen Trennung Streitereien weitergehen kann nicht ausgeschlossen werden. Es empfiehlt sich den Trennungsprozess professionell begleiten zu lassen. Eine räumliche Trennung vermindert jedoch die Spannungen in den gemeinsamen Wohnbereichen. Oft beruhigt sich eine Trennungssituation nach dem Auszug eines Elternteils nach einer gewissen Zeit. Es gibt jedoch Paare, die bleiben hochstrittig.

Besuche des Vater und ‚Verwaltung‘ der Kontakte zu Grosseltern zum Beispiel. Der Vater der Kinder wohnt ca 500km weit weg (wir sind seit einem Jahr getrennt). Er möchte ab und an kurz vorbei kommen für ca 15 inkl schlafen. Ich verbiete es ihm nicht, bin jedoch der Meinung, dass es mehr Unruhe rein bringt, da die Kinder einen kurzes hin und her haben. Er sieht das kaum ein uns stellt seine Bedürfnisse an oberster Stelle. Wie soll ich ihm das erklären ohne seinen Platz als Papa (der jederzeit natürlich Kontakt haben darf) anzugreifen?!? Seiner Meinung nach möchte ich ihn nicht in den Alltag einbinden aufgrund diesee Situation. Das Andere was mich beschäftigt ist der Anspruch des Umfeldes. Ich habe jeden gesagt, dass jegliches Kontakte willkommen und erwünscht sind, ich mich aber nicht in der Pflicht sehe dies zu organisieren. Die die dies wollen sollen sich aktiv melden und dann kann ich dies gerne koordinieren. Bin ich auf dem Holzweg?!? Muss ich schauen dass die Kinder zu allen Kontakt halten inkl der ganzen organisation usw? Ich kümmere mich gerne drum, wenn der Impuls kommt und tu dies auch immer – sei es seitens Kinder oder anderen Bezugspersonen (Grosseltern zum Beispiel). Würd mich freuen über einen Input – freundliche Grüsse,

Monica Somacal: Vielleicht wäre es gut, gemeinsam mit Ihrem Mann eine Beratung aufzusuchen. Sprechen Sie mit Ihrem Mann, teilen Sie ihm Ihre Wahrnehmung und Ihr Bedürfnis mit. 500 Km ist eine grosse Distanz. Vielleicht gib es andere Lösungsmöglichkeiten. Ein Wochenende, gemeinsames Abendessen etc. Der Kontakt zu den Grosseltern ist für Kinder oft sehr wichtig. Bitten Sie die Angehörigen Sie zu unterstützen und den Kontakt zu Ihnen und den Kindern auch von sich aus zu pflegen.

Guten Tag Ich berate als Sozialberaterin neu Menschen, die amulant/ stationär in einer Psychiatrie hospitalisiert sind. Wie würden Sie vorgehen, wenn eine Frau sich evt. von ihrem Partner scheiden will, zunächst aber wissen möchte, wie sie nach einer Scheidung in etwa finanziell dastehen würde. Insbesondere auch die Frage nach Alimenten für die Frau. Wann werden diese geschuldet? Wie errechnet sich deren ungefähre Höhe? Wo kann ich dazu nachlesen? Vielen Dank für Ihre Unterstützung! Freundliche Grüsse

Daniel Rosch: Guten Abend. Danke für Ihre Frage. Die finanziellen Folgen einer Scheidung führen in den meisten Fällen zu finanziellen Einschränkungen (Kosten für zwei Wohnungen etc.). Daher ist es wichtig auch zu wissen, wie es finanziell weitergeht. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Kinderalimenten, für die grundsätzlich beide Elternteile aufzukommen haben, und den Unterhalt für die Ehegattin (Art. 125 ZGB). Das Bundesgericht und der Gesetzgeber haben hier die Regelungen «flexiblisiert», so dass oftmals im Einzelfalle die Situation betrachtet werden muss. Hierzu empfehle ich Ihnen zu einer Beratungsstelle zu gehen, die sich mit Trennungen und Scheidungen auch aus rechtlicher Sicht befasst; teilweise helfen auch die erstinstanzlichen Gerichte (Bezirgsgerichte, Amtsgerichte etc.) weiter oder eine Anwält:in. Diese können in aller Regel weiterhelfen und kennen auch die kantonalen und kommunalen Gepflogenheiten.

Guten Abend Ich habe vorhin die Sendung ums Thema Trennung/Scheidung gesehen. Leider bin auch ich bei diesem Thema mitten drin. Meine Frau hat sich nach 23 Jahren getrennt von mir. Wir haben ein gemeinsames Eigenheim gebaut vor 5 Jahren, das wir nun verkaufen müssen. Es ist auch das Zuhause unserer beiden Kinder. ( 7 uns 9 Jahre). Ich bin seid einem Jahr aus dem Haus ausgezogen. Meine Ex Frau wir per ende Juni das ehemals gemeinsame Zuhause verlassen und in eine Mietwohnung ziehen. Ich arbeite seit 8 1/2 Jahren 60% bin also jeweils Montag und Dienstag Hausmann und betreue die Kinder von A bis Z. Nun steht wieder ein einschneidendes Ereignis für die Kinder an. Sie müssen ihr Zuhause verlassen und es wird gleich noch verkauft. Meine Frage ist nun wie wir das möglichst stressfrei und ohne bleibende Schäden für die Kinder über die Bühne bringen können. Der ältere unserer beiden Kindern ein Jung 9 jährig reagiert oft sehr empfindlich da er sehr feinfühlig ist. Schon als wir die Trennung bekannt gaben ist für ihn eine Welt zusammen gebrochen und er hat ziemlich energisch reagiert. Danke für Ihre Hilfe. Freundliche Grüsse

Sabine Brunner: Es ist wichtig zu wissen, dass die Verarbeitung einer elterlichen Trennung einige Zeit in Anspruch nimmt – für Kinder wie für Erwachsene. Man spricht von 2-3 Jahre, bis sich das Gefühl der Normalität wieder etabliert hat. Kinder brauchen vor allem zu Anfang die besondere Zuversicht der Eltern, dass irgenwann «alles wieder gut kommt». Dies ist für Eltern oft nicht ganz einfach, weil sie selbst ja auch in der Verarbeitung des Geschehens gefangen sind. Versuchen Sie deshalb, sich emotional immer wieder ins Gleichgewicht zu bringen, so dass Sie ihren Kindern und speziell Ihrem 9jährigen Jungen eine zuverlässige, gelassene und zuversichtliche Stütze sein können.

Hallo Wir sind bei einer anwältin für meditation. Wir haben 2 kinder 7. Und 9. die momentan bei meiner frau leben. Für die unterhaltsberechnung wurde ich auf das existenzminimum gesetzt. Das geld reicht nicht meine frau arbeitet im stundenlohn für ein büro als zeichnerin. 5x3.5h pro woche. In den ferien nicht ganz soviel. Jetzt haben sie ein minus bei der berechnung. Mus ich die hälfte von dem minus übernehmen? Auch wenn ich schon auf dem existenzminimum bin. Kann man erwarten das meine frau ihr pensum auf 50 % erhöht? Im sommer sind beide in der schule. Gruss

Daniel Rosch: Ihre Fallschilderung hört sich für mich so an, als ob Ihre Frau die Obhut über die Kinder hat und damit den «Grossteil* der Kinderbetreuung übernimmt. Wenn dem so ist und Sie 100% arbeiten, dann kann Ihnen nicht einfach ins betreibungsrechtliche Existenzminimum eingegriffen werden. Der Kindesmutter kann zudem im Regelfall zugemutet werden, ab obligatorischer Einschulung des jüngsten Kindes 50% zu arbeiten (Faustregel des Bundesgerichtes und ist somit im Einzelfall zu prüfen). Ansonsten wird die Kindesmutter genötigt sein, Sozialhilfe in Anspruch zu nehmen.

Guten Tag Ich wurde an Ostern überrumpelt von meinem Ehemann das er die Scheidung will. In der Zwischenzeit haben wir uns geeinigt für eine Trennung. Er will eine Trennungsvereinbarung ausstellen. Sobald ich die Trennungsvereinbarung ( von ihm geschrieben) unterschreibe bekomme ich von diesem Zeitpunkt keine Pensionskasse seinerseits mehr? Kinder sind erwachsen . Danke vielmals für Ihre Bemühungen.

Monica Somacal: Die Pensionskasse wird erst bei der Scheidung gegenseitig aufgeteilt. Auch Ihre Pensionskasse wird zur Hälfte Ihrem Mann zugesprochen. Ich empfehle Ihnen die Trennungsvereinbarung gut zu prüfen. Evt auch mit einem gemeinsamen Anwalt oder einer Beratungsstelle

Meine Frau und ich Trennen uns. Unsere Bedürfnisse sind einfach nciht mehr die gleichen. Wir haben uns auseinandergelebt. Meine Frau wünscht sich auch mehr Abenteuer. Für uns ist die Trennung ok. Wir sind nicht zerstritten, kommen gut miteinander aus. Wir haben uns nun doch entschieden in zwei unterschiedliche Wohnungen zu ziehen, ganz in der nähe voneinander. Wir sind aber sehr viel zusammen unterwegs. Haben den selben Freudneskreis. Manchmal habe ich Angst, dass unser gutes und enges Verhältniss bei unseren Kindern 6 und 10 falsche Hoffnungen weckt. Oder sie es nicht richtig realisieren können, wenn wir ständig noch miteinander rumhängen. Wäre für die Kinder ein klarerer Schnitt besser?

Daniel Rosch: Sie scheinen auf der Paarebene eine Lösung gefunden zu haben und haben einen Übergang nach Ihrer Liebesbeziehung geschaffen. Das ist nicht selbstverständlich und auch eine gute Basis, um auf Elternebene gut zu funktionieren. Selbstverständlich kann das bei Kindern auch den (nachvollziehbaren) Wunsch auslösen, dass die Eltern wieder zusammenkommen. Mir scheint es hier zentral, dass Sie als Eltern auf die Gefühle und Bedürfnisse der Kinder ganz allgemein achten, aber auch diesbezügliche Wünsche der Kinder thematisieren. Wenn Sie als Eltern Klarheit haben, wird dies für die Kinder in der Regel schon dadurch spürbar.

Ich bin seit 10 Jahren geschieden. Unsere Tochter ist nach Afrika ausgewandert. Mein Ex- Mann, also der Vater von unserer Tochter zeigt sozusagen kein Interesse, Wir haben einen gemeinsamen Chat. Jetzt hat die Tochter geschrieben, dass Sie Anfang August in die Ferien mit Ihrer Familie in die Schweiz kommt. ( Sie wohnen bei mir) Ob Alle Ihr schreiben können, wann Sie Ferien haben. Damit Sie weiss, wann buchen. Jetzt kommt vom Ex- Mann keine Antwort. Soll ich Ihn darauf hinweisen, dass Er doch immer noch der Vater ist und Er sich doch auch ein bisschen beteiligen soll, oder soll ich einfach mein Ding machen?

Christine Meier Rey: Guten Abend Der gemeinsame Chat hat etwas Verbindendes. Die Anfrage kam von ihrer Tochter. Es wäre passend, wenn die Tochter beim Vater nachhaken würde per Chat. Wenn Sie mit dem Ex-Mann anderweitig kommunizieren (E-Mail, SMS), könnten Sie nachfragen, ob er die Nachricht der Tochter erhalten hat. Das reicht schon!

Wie verhalte ich mich,wenn mein Ex Partner sich sehr verletzt fühlt,kein Gespräch mehr möglich ist und jeglicher Anstand abhanden gekommen ist? Bei Familienfesten die erwachsenen Kinder erpresst werden,sollte ich auch dabei sein,er nicht erscheinen werde…

Christine Meier Rey: Guten Abend Wenn nach einer Trennung weder Kommunikation und Kooperation möglich sind, ist es besser Abstand zu halten. Was die erwachsenen Kinder betrifft, ist es deren Aufgabe, mit Manipulationen umzugehen. Eventuell braucht es eine längere Pause. Falls es von Ihrer Seite möglich ist, Kontakt zum Ex-Partner aufzunehmen, können Sie ihm dies signalisieren.

Guten Tag Viele Fragen... Was tun wenn die Kinder die vereinbarte Betreuungslösung partout nicht akzeptieren? Wie/wo kann ich abschätzen, wie sich das Einkommen, das Vermögen und die Renten durch eine Scheidung beeinflusst werden? Wie wird das eingebrachte Vermögen definiert, da dies lange zurückliegt und keine Dokumente mehr vorhanden sind? Muss ich für meine Frau aufkommen oder nur für die Kinder und den geleisteten Betreuungsaufwand meiner Frau? Wie berechnet sich dieser zB für 2 Kinder im Alter von 13 & 14 Jahren? Behält eine Trennungsvereinbarung bei einer allfälligen Scheidung Gültigkeit oder werden Einkommen und Vermögen neu Aufgeteilt? Müssen bei Trennung 2 Steuererklährungen ausgefüllt werden. Wie steht es dabei um die Heiratsstrafe? Vielen Dank

Monica Somacal: Ja, sehr viele Fragen die ich nicht ins Detail beantworten kann. Ihre Kinder sind schon relativ alt und müssten bei der Betreuungslösung bei Gericht angehört werden. Bei einer Scheidung müssen sämtliche Finanzen offengelegt werden. Die Dauer der Ehe und der daraus resultierende Mangel an finanziellen Resscoursen für die «Hauptbetreuende Person wird für die Berechnung des Unterhalts herbeigezogen. PK-Gelder werden geteilt. (Dauer der Ehe) Es müssen zwei Steuererklärungen ausgefüllt werden. Die Trennungsvereinbarung wird bei der Scheidung neu beurteilt. Je nach finanzieller Entwicklung

Guten Abend, sehr geehrtes Team. Welch ein interessanter Zufall, dass gerade heute dieser Chat angeboten wird. Um gleich zum Punkt zu kommen: meine Frau ist nicht glücklich mit mir und ich fühle mich nicht mehr geliebt. Wir hatten heute ein Gespräch in dem sie sehr depressiv erschien, oder besser: hoffnungslos, nicht wertgeschätzt, ihre lebensentscheidungen (inkl. unsere Hochzeit) bedauernd. Sie fühlt sich finanziell abhängig von mir und sieht keinen Ausweg , auch wegen dem Kind (4 Jahr). Sie weist jegliche Zuneigung zurück (selbst Umarmung und Hand halten). Ich akzeptiere das natürlich zur Zeit mit der Hoffnung auf Besserung. Die sagt, sie kann mit niemandem über ihre Gefühle und Situation reden. Wenn ich professionelle Hilfe vorschlage, weist sie diese an mit Verweis auf frühere Antidepressiva Einnahme, die schlecht dosiert und nicht psychotherapeutisch begleitete war. Aber auch ich möchte geliebt werden , und so schmerzhaft eine mögliche Trennung für mich auch sein wird, Frage ich mich, wie lange ich noch meine Wünsche und Bedürfnisse zur Seite schieben soll und im «Verständnis für sie» quasi verschwinde. Zwei Fragen: 1. könnte ich der Grund für ihre Depression sein und eine Trennung ihr helfen? 2. Ist es moralisch richtig sich von jemanden zu trennen, wenn man doch versprochen hat: «in guten wie in schlechten Zeiten». Danke für ihre Gedanken dazu.

Christine Meier Rey: Guten Abend Eine Möglichkeit ist, mit einer Paarberatung herauszufinden, ob Sie, Ihre Frau eine gemeinsame Zukunft sehen oder eine Trennung ansteht. Mit professioneller Hilfe kann die aktuell schwierige Situation mit einer Drittperson angeschaut und Lösungswege können gefunden werden. Es geht nicht darum, dass Sie verschwinden. Besser wäre, Sie machen sich Gedanken, was Sie wünschen, was Sie investieren können, wie Sie leben möchten, was Sie brauchen. Wenn Ihre Frau aktuell keine gemeinsame Beratung wünscht, suchen Sie für sich eine Fachperson auf. Es ist wichtig, dass Sie Klarheit erlangen, wie Sie leben wollen.

Guten Tag Wir leben seit gut 2 Jahren getrennt und haben 3 Jungs, welche von mir an 2 Tagen pro Woche betreut werden. Ab diesem Sommer besuchen alle den Kindergarten oder die Schule, dies würde mir ermöglichen, mein Arbeitpensum von gegenwärtig 85% auf bis zu 95% zu erhöhen. Meine Befürchtung ist nun, dass der Mehrverdienst zum grössten Teil wieder mit den Allimenten ''wegfliesst''. Ich muss meiner Frau keinen Unterhalt zahlen (Hausbesitzerin mit Mieteinnahmen), rein Allimente für die Kinder, bin selber aber nahe dem Existenzminimum eingeteilt. Mir macht meine finanzielle Zukunft Angst und möchte dem entgegensteuern bevor ich in der ''Armutsfalle'' lande.

Daniel Rosch: Guten Abend. Es bedarf hier meines Erachtens einer Neuberechnung der Situation, die einfacher möglich ist, wenn Sie dies gemeinsam mit der KIndesmutter in einem Unterhaltsvertrag vornehmen können, um einen (kostspieligen) Gerichtsprozess zu vermeiden. Grundsätzlich sind beide Elterneile zum KIndesunterhalt verpflichtet. Dazu gehört u.a. neben dem Barunterhalt (direkte Kinderkosten) auch der Naturalunterhalt, der die unmittelbare Pflege, Erziehung und Betreuung des Kindes beinhaltet. Je nach Alter der Kinder wird den betreuenden Elternteilen (gemäss Faustregel des Bundesgerichts) auch wieder zugemutet arbeiten zu gehen und zwar ab obligatorischer Einschulung des jüngsten Kindes: 50% Erwerbstätigkeit, ab Eintritt Sekundarstufe: 80% und ab 16. Altersjahr: 100%, soweit die Eltern keine andere Vereinbarung finden. Wichtig: Ein Unterhaltsvertrag für minderjährige Kinder bedarf für seine Gültigkeit der Zustimmung der KESB (oder des Gerichts).

Guten Tag wir sind seit bald einem Jahr getrennt, bei den Steuern so auch gemeldet. Müssen wir eine Trennung Vereinbarung unterzeichnen? Wenn wir dies nicht machen und es zu einem Fall kommen könnte wäre jemand im Nachteil? Danke für Ihre Beantwortung

Monica Somacal: Eine Trennungsvereinbarung in welcher festgehalten wird, wie der Umgang mit den Kindern, inkl. Ferien, Festtage und Betreuungszeiten geregelt ist, ist empfehlenswert. Beide sollten unterschreiben. Auch die finanzielle Situation gehört in eine Vereinbarung. Diese Vereinbarung gilt auch vor Gericht bei der Scheidung.

Hallo Die schwiegereltern, und meine beide schwager gehen abschätzig mit mir um. Auch wen ich mit meinen kinder unterwägs bin drehen sie den rücken zu. Was kan man dagegen tun? Gruss

Christine Meier Rey: Guten Abend Sie können mit den Schwiegereltern und den Schwäger das Gespräch suchen und Ihnen mitteilen, wie Sie sich fühlen. Sie können den Wunsch äussern, dass Sie gut behandelt werden möchten.

Guten Abend Ich bin Auslandschweizerin und habe eine Tochter die im Sommer 10 Jahre alt wird. Wir leben in Griechenland. Wir sind in der Trennung und die Scheidung ist im Herbst. Was wäre wenn ich im Sommer in der Schweiz die Scheidung einreichen würde? Welcher Entscheid wäre dann gültig ? Was es wären die Möglichkeiten und dessen Folgen ? Und ihr Vater lässt sie nicht immer in die Ferien reisen obwohl sie im Recht steht mit ihrer Schweizer Familie eine Bindung aufzubauen. Was kann man dagegen tun? Besten Dank

Daniel Rosch: Wenn Sie Ihren Lebensmittelpunkt (gewöhnlicher Aufenthalt) beide in Griechenland haben, scheint es mir so, dass die Scheidung in Griechenland anberaumt werden muss. Vgl. hierzu Art. 3 der Verordnung Brüssel II a (https://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2003:338:0001:0029:DE:PDF)

Mein Mann hat mich vor ein paar Monaten verlassen, ganz plötzlich und ohne Vorwarnung. Für mich war unsere Beziehung völlig intakt. Ich bin 56 Jahre alt und wir waren 31 Jahre verheiratet und 37 Jahre ein Paar. Wie sieht es rechtlich bzw. finanziell aus? Ich arbeite Teilzeit 40 % (seit ca. 1 Jahr). Ist mein Mann verpflichtet, für meinen Unterhalt zu sorgen?

Monica Somacal: Angesichts Ihres Alters, der Länge der Ehe, sowie Ihres niedrigen Arbeitspensum (40%), rate ich Ihnen einen Anwalt beizuziehen, welcher die finanziellen nachehelichen Belange mit Ihnen bespricht und Sie rechtlich berät.

Keine Frage, nur ein Input, was wohl einfach vielmehr kommuniziert werden sollte. Eltern trennen sich oft erst sehr spät. Mein Exmann sagte mir, wir trennnen uns lieber jetzt, wo wir uns nicht hassen. Wie man sich trennt, wie man alles regelt, was es mit Kindern macht. All diese Infos benötigen Zeit und Auseinandersetzung mit dem Thema. Und dies zu finden kann herausfordernd sein. Mir half ein Buch Glückliche Scheidungskinder. Elternschaft bleibt ein Leben lang. Eigenes Ego ist zweitrangig. Wer das versteht, kann durchaus glücklich trennen.

Sabine Brunner: Das freut mich, wie Sie das schreiben. Es klingt gut und richtig!

Video
Scheidungskinder: Darauf sollten Eltern bei der Trennung achten
Aus Puls vom 13.05.2024.
Bild: SRF abspielen. Laufzeit 34 Minuten 23 Sekunden.

 

Puls, 13.05.2024, 21:05 Uhr;

Meistgelesene Artikel