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Demonstration gegen Polizeigewalt auf der Place de la République in Paris.
SRF. Daniel Voll
abspielen. Laufzeit 28:27 Minuten.
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Frankreich – Verroht die Gesellschaft?

Die französische Gesellschaft ist tief gespalten, wenn es um Sicherheit und Gewalt geht. Der Streit beginnt schon bei der Grundfrage: Ist es für die Bevölkerung tatsächlich gefährlicher geworden? Die Debatte ist emotional und für die Regierung von Präsident Macron ungemütlich.

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Die einen reden von einer Verrohung der französischen Gesellschaft. Sie glauben, dass es zu immer mehr Gewaltverbrechen kommt. Sie fühlen sich nicht mehr sicher und rufen nach einer härteren Gangart der Behörden. Die anderen sagen, die Unsicherheit sei mehr ein Gefühl als eine Realität und dieses Gefühl werde populistisch geschürt. Je nachdem wie sie die Zahlen aus der Kriminalstatistik interpretieren, kommen Experten zu entgegengesetzten Schlüssen.

Selbst in der Regierung ist man sich nicht einig und hat den Streit an die Öffentlichkeit getragen. Innenminister Gérald Darmanin gebrauchte in einem Interview den Begriff «Verrohung» und bediente sich damit im Repertoire des Rassemblement National von Marine Le Pen. Justizminister Éric Dupond-Moretti widersprach. Mit dem Begriff der Verrohung, des «Ensauvagement», werde das Gefühl der Unsicherheit nur angeheizt.

Präsident Emmanuel Macron ist einer Zwickmühle. Schlägt er sich in der Debatte um Sicherheit und Gewalt auf die oder auf die andere Seite, bricht ihm seine Mehrheit in der Mitte weg.

Ein Besuch bei einem Ladenbesitzer, der seit einem Überfall das Geschäft nur noch öffnet, wenn bekannte Gesichter vor der Tür stehen. Und das Gespräch mit Valentin Gendrot, dem Autor des Buches «Flic». Der Investigativ-Journalist liess sich bei der Polizei anstellen und dokumentierte fragwürdige Methoden der Ordnungshüter.