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11.04.2026, 11:00 Uhr Lob der Verletzlichkeit?

In einer Welt voller Krisen rückt die eigene Verletzlichkeit schmerzlich ins Bewusstsein – und wird zur Einladung, Stärke neu zu denken: als Fähigkeit, berührbar zu bleiben. Doch was ist sie überhaupt für eine Fähigkeit und welche Kraft liegt in der Verletzlichkeit?

Jetzt, wo weltweit Kriege eskalieren und soziale Spannungen zunehmen, wird die menschliche Verletzlichkeit sichtbarer denn je. Was als ferne geopolitische Krise beginnt, reicht längst in unseren Alltag hinein: Unsicherheit, Kontrollverlust, das Gefühl, dass Stabilität keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Zugleich wächst das Bedürfnis nach Solidarität, nach verlässlichen Beziehungen und nach einem neuen Verständnis von Stärke, das nicht auf Unangreifbarkeit, sondern auf Berührbarkeit gründet.

Die Moderne erzählt gerne die Geschichte der radikal autonomen Person, die niemanden braucht und ihre Abhängigkeiten hinter sich lässt. Verletzlichkeit erscheint dabei als Makel, als Bedrohung der eigenen Souveränität. Die Philosophin und Autorin Barbara Schmitz und der Philosoph und Mediziner Giovanni Maio widersprechen dieser Erzählung entschieden. Für sie gehört Verletzlichkeit zu den grundlegenden Bedingungen des Menschseins: Sie mache Beziehung überhaupt erst möglich, sei Voraussetzung von Empathie und könne eine Quelle von Sinn und Solidarität sein.

Olivia Röllin fragt nach, wie wir Verletzlichkeit neu denken können, wie sich der Blick auf uns selbst, auf andere und auf die demokratische Gemeinschaft verändert, wenn wir Abhängigkeit nicht länger stigmatisieren, sondern als ureigene menschliche Kraft begreifen, und worin diese Kraft eigentlich besteht.



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