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Kronzprinz von Saudi-Arabien Mord und Intrigen: Bin Salmans skrupellose Gier nach Macht

Mohammed bin Salman – genannt «MBS» – ist einer der mächtigsten Männer der Welt. Sein Leben hätte ganz anders verlaufen können, aber Intrigen und wohl gar Mord festigten die Macht des Kronprinzen von Saudi-Arabien.

Für 450 Millionen US-Dollar ersteigerte Mohammed bin Salman – kurz «MBS» – 2017 Leonardo da Vincis «Salvator Mundi» und machte die Jesus-Darstellung so zum teuersten Bild der Welt.

MBS war soeben Kronprinz von Saudi-Arabien und damit De-facto-Herrscher geworden. Und er sandte der Welt sofort ein weiteres Signal seiner üppigen Idee von Macht: Neom.

Neom war das ehrgeizigste Infrastruktur-Projekt, das die Welt je gesehen hatte. Teil des Plans ist eine Millionenstadt von 170 km Länge, ohne Autos, Strassen und CO2-Emissionen. Geschätzte Baukosten: 500 Milliarden Dollar.

Papa setzt auf Lieblingssohn

Doch MBS ist kein Traumtänzer. Sonst wäre er nie an die Macht gekommen. Der Enkel von Staatsgründer ibn Saud wurde nicht Kronprinz, weil es die Thronfolge so vorsah. Er verwertete die Rückendeckung seines Vaters König Salman, der ihn 2015 zum Verteidigungsminister machte.

Als solcher griff er das Nachbarland Jemen an. Innenpolitischen Widerstand gegen diese Intervention erstickte ein Dekret des Königs, dessen Unterschrift MBS wahrscheinlich selbst gefälscht hat.

Seine Beliebtheit im Inland steigerten Influencer, die sich systematisch für ihn aussprachen und MBS als Prinzen der Entschlossenheit darstellten.

Machtspiele mit Medikamenten

Entschlossen ging MBS auch vor, als er 2017 Mohammed bin Naif entmachtete – den Kronprinzen, Innenminister und wichtigsten Partner der CIA im Kampf gegen den Terror.

Eine als Routinetreffen getarnte Falle isolierte den Konkurrenten von seinen Leibwächtern und für ihn wegen eines Leidens unverzichtbaren Medikamenten, bis er einknickte und abdankte.

MBS war jetzt Kronprinz und wegen des schlechten Gesundheitszustands seines Vaters faktisch bereits Staatslenker. Umgehend nutzte er seine Macht, um Saudi-Arabien drastisch zu verändern:

  • Der Börsengang der staatlichen Erdölfirma Saudi Aramco gilt als grösster Börsengang der Geschichte.
  • Die als Sittenhüter agierende Religionspolizei wurde entmachtet.
  • Frauen durften Auto fahren, Firmen gründen, Sportstadien und Konzerte besuchen.

Aber auch organisierte Angriffe auf die Rede- und Meinungsfreiheit gehören zu MBS' Repertoire. Kaum im Amt, liess er Dutzende Geistliche, Wissenschaftler, Journalisten und Aktivistinnen verhaften.

Ein Kenner formuliert MBS' Credo so: «Er hat den jungen Saudis so eine Art ‹Deal› angeboten, à la: ‹Ich gebe euch alles, was ihr euch je ersehnt habt. Dafür sprecht ihr nicht über Politik und kritisiert mich nie.›»

Der Mord an Kritiker Khashoggi

Dass MBS keine Kritik duldet, zeigte 2018 drastisch der Tod des Journalisten Jamal Khashoggi. Der Regime-Kritiker wurde im saudischen Konsulat in Istanbul ermordet und seine Leiche zerstückelt. Laut einem UNO-Sonderbericht existieren glaubhafte Beweise, dass MBS dahinter steckte.


Ob MBS den Schaden, den sein Ruf durch den brutalen Mord an Khashoggi genommen hat, je hinter sich lassen wird, ist ungewiss. Dass er lange an der Macht bleiben wird, ist hingegen wahrscheinlich. Was könnte ihn stoppen? «Nur der Tod», sagt MBS lächelnd in einem Interview.

Eine zweiteilige Dokumentation zeichnet nach, wie MBS von einer Randfigur bis zum zukünftigen König vorrückte. Und sie zeigt auf, dass jene Eigenschaften, die MBS heute ausmachen, bereits in dessen Jugendzeit zutage getreten sind.

SRF info, 08.05.26, 14:10 ; 

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