Das Theaterpublikum der Zukunft bildet sich

Muss man lernen, ins Theater zu gehen? So wie man Fussballregeln oder Fahrradfahren lernen muss? Klar, sagen «Die Voyeure». Die Gruppe von Jugendlichen trifft sich regelmässig, um zu schauen, zu verstehen, zu diskutieren. Denn mit der Erfahrung kommt die Begeisterung, sind die Initianten überzeugt.

Junge Menschen hören zu, eine spricht. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die jüngere Generation suche eine aktivere Rolle im Theater, sagt Initiant Nico Grüninger. Voyeure

Theaterspielclubs für theaterinteressierte Jugendliche gibt es an den meisten Theatern. Dort wird übers Jahr geprobt, meistens unter der Leitung von Profis, und am Ende der Spielzeit öffentlich präsentiert, wie weit man gekommen ist. Die Ergebnisse sind oft erstaunlich.

Doch nicht alle wollen spielen. Für Jugendliche und junge Erwachsene, die gar keine Lust haben, selber auf die Bühne zu gehen, sich aber doch fürs Theater interessieren, ist das Angebot dürftiger.

Das Spektrum verstehen lernen

Junge Menschen sitzen um einen Tisch herum und diskutieren. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Nach der Vorstellung wird das Gesehene analysiert und eingeordnet. Voyeure

Man kann es trocken ein «Vermittlungsangebot» nennen, weshalb das Projekt «Die Voyeure» von der Kaserne Basel und dem jungen theater basel vor drei Jahren ins Leben gerufen wurde: Für einen Mitgliederbeitrag von 300 Franken ist man dabei. In Basel trifft man sich jeden Mittwochabend, besucht zusammen eine Vorstellung, spricht darüber, trifft manchmal im Anschluss die beteiligten Künstler.

Nico Grüninger arbeitet bei der Kaserne Basel und hat dieses Projekt vor drei Jahren entwickelt: «Es braucht die ‹Voyeure›, weil man auch Theaterschauen lernen muss.» Wichtig ist ihm dabei, den jungen Theaterinteressierten ein möglichst breites Spektrum an unterschiedlichen Theaterformen vorzustellen.

Den eigenen Geschmack finden

Die Ko-Leiterin der Basler ‹Voyeure› Katharina Wiss ergänzt: «In dieser Vielfalt der Theaterformen braucht es Zeit und Erfahrung herauszufinden, welches Theater einen am stärksten interessiert. Welches Theater, einen berührt. Und warum es das tut.» Man dürfe nicht vergessen, dass das Theater ja doch ein eher konservatives Medium ist. «Man muss stillsitzen, man darf nicht essen, nicht reden...»

Mit neuen Theaterformaten verändert sich auch die Rolle des Publikums. Nico Grüninger glaubt, dass die jüngere Generation lieber eine aktivere Rolle im Theater einnehmen würde. «Es geht uns ja nicht darum, Zuschauer zu werden, wie unsere Eltern oder Grosseltern es sind.»

Die Kunst des Zuschauens

Schon Bertolt Brecht hat immer wieder darauf hingewiesen, dass die erste Kunst im Theater die Zuschauerkunst ist. Denn ohne Publikum kein Theater. Und eigentlich liegt es auf der Hand, dass man sich auch im Zuschauen qualifizieren kann.

Ein Wahrnehmungsrucksack in Sachen Theater könne man sich bei den ‹Voyeuren› abholen, sagt Nico Grüninger. Und das Projekt ist ein Erfolgsmodell: Auch in Zürich und Bern sind regelmässig ‹Voyeure› unterwegs. Das Publikum der Zukunft bewegt sich.

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