«Dimitri war unerbittlich, wenn es um die Kunst ging»

Hanspeter Gschwend kam Dimitri sehr nah. Er schrieb zwei Bücher über den Clown – ein Werk über sein Wirken und eine «Autobiografie mit fremder Feder». Für den Schriftsteller und Radiojournalisten war der verstorbene Clown ein «sehr sanfter Mensch». Und ein Künstler, dessen Vielfalt einmalig war.

Dimitri neben einem Elefanten. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Elefant im Clowngeschäft: Dimitir war in seinem Metier ein ganz Grosser. SRF / Oscar Alessio

Was verliert die Schweiz mit Dimitris Tod?

Hanspeter Gschwend: Sie verliert einen einzigartigen Clown. Einen Clown, der nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Europa einzigartig war und auch in den USA spielte. Sie verliert einen Clown, der die traditionelle Clownerie weiterführte, aber sie auch sehr stark zu einem Gesamtkunstwerk ausweitete.

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Zur Person:

Hanspeter Gschwend (geb. 1945 in Biel) ist ein Schweizer Schriftsteller und Radiojournalist. Früher war er als Redaktor bei DRS 2 tätig. Er ist Verfasser von Sachbüchern und Biografien und auch Hörspielautor.

Was machte Dimitri so besonders als Clown?

Er war ein Solo-Clown. Er verstand es, mit seinen Solonummern einen ganzen Abend lang ein breites Publikum zu überzeugen. Er war ein Clown, der unglaublich vielfältig war – der mit Mimik, mit Sprache, mit Artistik, mit Musik arbeitete. Seine Vielfalt in der Clownerie ist sein Vermächtnis.

Seine Vielfalt lebte er aber nicht nur allein, sondern auch mit anderen. Beispielsweise mit der von ihm gegründeten Truppe Compagnia Teatro Dimitri. Mit dieser Truppe übte er ein erstes Stück ein, das sehr symbolisch für den jetzigen Moment ist. Es hiess: «Der Clown ist tot, es lebe der Clown.» Die Clownerie lebt also weiter – gerade durch ihn. Und mit allem, was er gründete: sein Theater in Verscio, die Theatertruppe, die Schule und sein Museum Casa del Clown.

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Sonderprogramm Dimitri

Wie geht es jetzt weiter mit seiner Schule, mit seinem Theater – mit Dimitris Lebenswerk?

Sein Lebenswerk wird schon nur durch die Erinnerung an das, was er schuf, und die vielen Schüler, die er ausbildete, weiterleben und sich weiter wandeln. Was die institutionelle Seite betrifft: Die Schule, die er auch nicht mehr führte, ist jetzt eine Fachhochschule und wird auch ohne ihn weiter bestehen. Das Theater wird ebenfalls bleiben – mit seiner neuen Leiterin, die auch das Angebot des Theaters ausweitet und es auf aktuelle Bedürfnisse abstimmt. Auch die Casa del Clown wird weiterhin ein Begegnungsort sein für Leute, die sich für Clownerie interessieren.

Sie kannten Dimitri, trafen ihn mehrfach. Wie erlebten Sie ihn als Menschen?

Ich traf ihn nicht nur mehrmals, wir arbeiteten auch mehrfach zusammen. Ich durfte zwei Bücher über ihn schreiben. Dafür nahmen wir 50 Stunden auf Band auf – und danach verbrachten wir auch sehr viele Stunden gemeinsam bei ihm zuhause.

Dimitri war unerbittlich, wenn es um die Kunst ging. Da kannte er keine Kompromisse. Sonst wäre er nicht der Künstler geworden, der er war. Menschlich war er in der Zusammenarbeit aber sehr warm, sehr sanft. Und nach den Proben, nach den offiziellen Interviews fühlte man sich bei ihm als Gast und mit der Zeit auch als Freund.

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Buchhinweise

  • Hanspeter Gschwend: «Dimitri. Die Welt des Clowns – ein Gesamtkunstwerk», Benteli, 2010.
  • Hanspeter Gschwend: «Dimitri. Der Clown in mir. Autobiografie mit fremder Feder», Benteli, 2014.

Sie haben noch diese Woche mit ihm zusammengearbeitet. Kommt die Nachricht seines Todes überraschend für Sie?

Völlig überraschend. Für das Stück «Sogni di un'altra Vita» – ein zweisprachiges Stück wie viele seiner Stücke – wünschte sich Dimitri, der übrigens auch ein wichtiges Bindeglied zwischen der italienischen und deutschen Schweiz war, die Rolle des Karl Vester gewünscht. Mit ihm war er indirekt verwandt. Mit aller Energie trieb er das voran, passte diese Rolle auf seine besondere Fähigkeiten an, trat jeden Abend auf.

Man konnte nicht ahnen, dass er so schnell stirbt. Was sehr schön ist: Am Sonntagabend spielte er auf dem Monte Verità noch in diesem Stück mit, am Montag spielte er das Stück «Famiglia» mit seiner engeren Familie, seinen Kindern. Das ist entscheidend und symbolträchtig: Dass er mit diesem Stück kurz vor seinem Tod noch einen Triumph feiern konnte.

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