Hinter den Kulissen: Was passiert mit alten Bühnenbildern?

Das Bühnenbild einer Oper oder eines Theaterstücks ist meist aufwendig gestaltet und immer wohl durchdacht. Für eine gewisse Zeit steht es im Rampenlicht, doch was passiert damit, wenn eine Produktion nicht mehr gespielt wird? Eine Spurensuche in Schweizer Opern- und Theaterhäusern.

Die freie Theatergruppe CapriConnection hat für ihr Stück «Tristan oder Isolde», das derzeit am Zürcher Theater Gessnerallee gespielt wird, Teile eines Bühnenbilds übernommen, das zuvor für die Inszenierung der Mahler-Oper in Bayreuth verwendet wurde: Regisseurin Anna-Sophie Mahler holte Sessel, Wände und Bodenteile in die Schweiz – und rettete sie damit vor der Verschrottung.

Verkauft, eingelagert oder vernichtet

Ist das der Regelfall, dass die Bühnenbilder einfach entsorgt werden, wenn ein Stück vom Spielplan eines Theater- oder Opernhauses verschwindet? Nein. Jörg Zielinski, der stellvertretende technische Direktor des Zürcher Opernhauses, spricht von drei Optionen: «Entweder wird eine Opernproduktion komplett an ein anderes Theater verkauft, sie wird eingelagert, oder sie wird vernichtet.»

Dass eine Produktion komplett, also mit derselben Regie, derselben Inszenierung und demselben Bühnenbild von einem anderen Theater übernommen werde, komme sehr wohl vor, sagt Zielinski – in Zürich geschehen mit der Oper «Die Nase» von Dmitri Schostakowitsch.

Ein Bühnenbild geht auf Tournee

Eine Variante des Verkaufens ist das Ausleihen: Christoph Marthalers Produktion «King Size» zum Beispiel, vor kurzer Zeit in Basel gespielt, geht jetzt für viele Monate auf Tournee: nach Avignon, Hamburg, Polen, später in den Balkan. Da stelle sich die Frage des Rückbaus noch nicht, sagt Michael Bellgardt vom Theater Basel. Hingegen habe man bei diesem Stück bereits bei der Planung darauf geachtet, «dass das Bühnenbild nicht zu monströs wird, sondern gut transportiert werden kann.»

Lagerweise Bühnenbilder

Portrait des stellvertretenden technischen Direktors des Zürcher Opernhauses Jörg Zielinski. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Jörg Zielinski zählt Ausstellungen, Produktionsleitung, technische Leitung und Ausstattungen zu seinen Arbeitsgebieten. Keystone

Wenn eine Produktion weder verkauft noch ausgeliehen werden kann, wird sie vielleicht eingelagert, bis das Stück wieder auf den Spielplan gesetzt wird. Das Opernhaus Zürich etwa hat gemäss Jörg Zielinski aktuell sechzig Opern- und zwanzig Ballettproduktionen eingelagert, von der Bühnenkonstruktion über die Möbel bis zum Dekomaterial. Dass es dafür enorme Lagerkapazitäten braucht, versteht sich von selbst. Das Opernhaus Zürich verfügt über mehrere Lager, das grösste davon in Oerlikon: ein Hochregallager, wo die transportfertig verpackten Produktionen mit einem riesigen Gabelstapler bewegt werden müssen.

Eingeplante Wiederverwertbarkeit

In vielen Fällen wird aber ein ausrangiertes Bühnenbild rückgebaut und zerlegt. Was wiederverwendet werden kann, wie Holz, Stoffe und gewisse Metallteile, wird für spätere Produktionen aufbewahrt. Was nicht weiter gebraucht werden kann, landet im Rampenverkauf, oder säuberlich sortiert im Müll. Gerade bei aufwendigen Spezialkonstruktionen bleibe oft keine andere Möglichkeit als die fachgerechte Entsorgung, so Jörg Zielinski.

Allerdings hat Susanne Schäfer vom Konzerttheater Bern in den letzten Jahren in den Theaterbetrieben eine Sensibilisierung festgestellt: Man mache sich vielerorts schon bei der Planung eines Bühnenbilds Gedanken über die Wiederverwertbarkeit des Materials, auch wenn der künstlerische Aspekt weiterhin die Hauptrolle spiele.

Tauschbörse für Requisiten

Einen Beleg dafür sieht sie zum einen darin, dass die Spielstätten heute in Fragen der Requisiten und Bühnenelemente oft miteinander im Kontakt seien. Einen anderen in der Website theater.ch: Hier ist eine Tauschbörse eingerichtet, wo man nicht nur Hüte und Röcke, sondern auch grosse Bühnenbildelemente beziehen kann, bis hin zur kompletten Drehbühne.

Fazit der Spurensuche: Was mit dem opulenten Bühnenbild zu «Tristan und Isolde» in Bayreuth hätte geschehen sollen – die integrale Verschrottung –, ist für hiesige Theater nicht vorstellbar.

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