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Salzburger Stier für das Duo «Zum goldenen Schmied»
Aus Kultur-Aktualität vom 29.10.2021.
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Hohe Auszeichnung Salzburger Stier für das Duo «Zum goldenen Schmied»

Zwei Herzen, eine Sprachseele: Fatima Moumouni und Laurin Buser gewinnen den grössten Kleinkunstpreis im deutschsprachigen Raum.

Fatima Moumouni und Laurin Buser sind seit 2015 als Duo «Zum goldenen Schmied» unterwegs. Die beiden slammen und rappen – und haben schon so ziemlich alles abgeräumt, was es zu gewinnen gibt: den Teamwettbewerb der Schweizer Meisterschaften im Poetry Slam etwa oder die internationalen deutschsprachigen Meisterschaften.

Jetzt werden die beiden also mit dem renommierten Salzburger Stier geehrt, den in den Vorjahren Lara Stoll, Renato Kaiser, Patti Basler und Hazel Brugger gewonnen haben. «Fatima Moumouni und Laurin Buser schreiben (Rap-)Texte voller sprachlicher Geistesgegenwart, feiner Selbstironie und lyrischen Explosionen», heisst es in der Begründung der Jury.

Moumouni & Buser – Vielseitigkeit hoch zwei

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Legende: Roots im Rap: Laurin Buser und Fatima Moumouni.

Die studierte Sozialanthropologin Fatima Moumouni, noch keine 30, geboren in München, lebt in Zürich, schreibt Prosa, Lyrik und kabarettistische Texte und engagiert sich gegen Rassismus sowie in Migrations- und Genderfragen.

Laurin Buser stammt aus Basel und gewann schon mit 15 Jahren die Schweizer U20-Slam-Meisterschaften. Er arbeitet als Rapper, Moderator, Theaterautor und wirkte etwa beim vielbeachteten deutschen Webvideo-Format «Jäger & Sammler» mit.

2015 begannen Fatima Moumouni & Laurin Buser zusammen aufzutreten, überwältigen seither mit theatraler Spielfreude, hosten gemeinsam Talks wie jüngst das SRF-Format «Tabula Rasa», schreiben Theaterstücke oder veröffentlichen Songs als Rapcombo «Nuggets».

Wurzeln im Rap

Musikalität und Synchronität prägen die Texte des Duos. Ob Selbstliebe, Gender oder Rassismus: Auch vor grossen Themen scheuen sie sich nicht. Wenn Buser auf der Bühne etwa bekennt, die Birke sei sein Lieblingsbaum, kontert Moumouni: «Das ist der einzige weisse Baum, den es gibt.»

Was verbindet die zwei? «Wir haben beide unsere Roots im Rap», sagt Laurin Buser. «Unsere primäre Sozialisierung von Sprache ist durch den Rap passiert. Das merkt man unseren Texten bis heute an, dass wir sie stark über Reime, Rhythmen und den Flow angehen.»

«Wir wühlen im Dreck»

Politische Debatten verpackt das Duo in kluge, witzige Texte, die Denk- und Sprechgewohnheiten hinterfragen. Jeder Text sei zunächst eine Utopie, die sie sich das Bestmögliche ausmale, sagt Fatima Moumouni. Dann gehe es darum, das Entworfene so realistisch umzusetzen, wie es das eigene Vermögen und die Zeit zuliessen.

Er habe am Anfang immer grosse Lust, einen Text zu schreiben, der nicht weniger als die Welt verändere und merke dann, es sei eben doch nur ein Text, ergänzt Buser. «Aber das ist das Paradox, das man aushalten muss.»

Mal sind sie pathetische Poeten, mal krasse Rapper. Sie fusionieren, was sie mögen. Ihr Schreiben sei wie Schürfen nach Gold. «Wir wühlen buchstäblich im Dreck, bis wir etwas finden, auf das wir uns einigen können, sagt Laurin Buser.

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Drei Fragen an Fatima Moumouni
Aus Kultur Extras vom 12.05.2018.
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Besser als Whiskey

Wo ihr Salzburger Stier hinkommt, weiss das Duo «Zum goldenen Schmied» noch nicht. Einen gemeinsamen Ort, wo man ihn hinstellen könne, hätten sie jedenfalls nicht. Aber Preise zu gewinnen sei immer cool, sagt Fatima Moumouni. Gerade in Genres, in denen man sich nicht ganz zu Hause fühle.

Bei Poetry Slams gewinne man immer Whiskeys. Das sei schlecht, weil er immer schnell weg sei, lacht Laurin Buser. So ein Salzburger Stier habe da deutlich mehr Bestand. Auch weil er nicht von einem Publikum, sondern einer Fachjury vergeben werde, welche die hohe Auszeichnung dem Duo übrigens einstimmig zusprach.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 29.10.2021, 8:06 Uhr;

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